20-20-60 Regel Jobsuche
Kennen Sie die 20-20-60 Regel? Sollten Sie gerade konsterniert mit dem Kopf schütteln, brauchen Sie sich nicht zu genieren. Es handelt sich dabei um ein Konzept des Zeitmanagements, dass sich auf nahezu jede Tätigkeit übertragen lässt - beispielsweise auf die Jobsuche, aber auch auf alltägliche Aufgaben im Job oder privat. Ziel ist es, Zeit einzusparen und effektiv vorzugehen. Kurz gesagt: Bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein, aber funktioniert es in der Praxis genauso gut, wie die Theorie es erhoffen lässt? Wir erklären, wie die 20-20-60 Regel funktioniert und worauf Sie bei der Umsetzung achten müssen...

Warum ist Zeitmanagement bei der Jobsuche wichtig?

Zeitmanagement sucht man auf der Liste der Dinge, um die Bewerber sich während einer Jobsuche sorgen, fast immer vergebens. Hier finden sich die wichtigen Punkte: Schnell einen Job finden, finanziell wieder abgesichert sein, nicht in die langfristige Arbeitslosigkeit rutschen.

All dies sind nachvollziehbare und auch richtige Orientierungen, doch gerade deshalb sollte Zeitmanagement auch weiter oben in den Prioritäten zu finden sein. Warum? Weil es hilft, genau diese Ziele umzusetzen - und das sogar schneller.

Ein häufig vorgebrachtes Gegenargument lautet: Während der Jobsuche kann man sich seine Zeit ohnehin frei einteilen, warum braucht es da ein explizites Zeitmanagement? Die Antwort liefert die Frage schon selbst. Eben weil die Zeit größtenteils frei einzuteilen ist, muss man selbst dafür sorgen, diese bestmöglich einzusetzen. Konkret bedeutet dies: Stellen Sie sich die Jobsuche wie einen normalen Job vor. Sie haben Aufgaben, die es zu erfüllen gilt - in diesem Fall die Suche eines neuen Arbeitsverhältnisses. Wie bei anderen Jobs auch, haben Sie eine gewisse Zeit, dieses Ziel zu erreichen und dafür braucht es Zeitmanagement.

Die 20-20-60 Regel: Ein einfaches Prinzip

Es ist ein Problem, mit dem die meisten regelmäßig konfrontiert wird: Ein Projekt oder eine Aufgabe steht an und natürlich ist die Zeit knapp. Was tun? Drauf los arbeiten und hoffen, alles rechtzeitig zu schaffen? Eher nicht. Der Schlüssel liegt in der Organisation und im Zeitmanagement, wo gleich das nächste Problem wartet.

Wie teilt man sich die gegebene Zeit ein? An dieser Stelle greift die 20-20-60 Regel und schlägt eine Dreiteilung vor:

  • Nur 60 Prozent der Zeit sollten tatsächlich verplant werden.
  • 20 Prozent werden als Spielraum für unerwartete Verschiebungen eingerechnet.
  • Die letzten 20 Prozent werden für soziale Aktivitäten eingeplant.

Simpler geht es kaum. Zumindest in der Theorie, denn in der Praxis erfordert es einiges, um sich wirklich an diese Regel zu halten. Schnell verliert man die Zeit aus den Augen und hat die angestrebten 60 Prozent überschritten. Schließlich bleiben bei einer Aufgabe, für die drei Stunden angesetzt waren, plötzlich nicht einmal mehr zwei Stunden tatsächliche Bearbeitungszeit.

Schon an dieser Stelle zeigt sich, dass die Technik natürlich nicht nur Vorteile hat, gänzlich allein funktioniert und wie auf Knopfdruck die Effektivität steigert. Bei der Umsetzung gibt es einige Hürden und wichtige Punkte zu beachten:

  • Vorbereitung.

    Das Ergebnis der Methode klingt verlockend, doch davor steht eine ganze Menge Arbeit. Projekte und To-Dos teilen sich nicht von selbst in die entsprechenden Zeitabschnitte ein, also heißt es zunächst planen und organisieren.

    Wie viel Zeit bleibt für welchen Aufgabenteil? In welcher Reihenfolge sollten die Aufgaben angegangen werden? Ohne eine entsprechende Vorbereitung lässt sich die 20-20-60 Regel nicht umsetzen.

  • Disziplin.

    Genauso wichtig ist die entsprechende Disziplin. Die schönsten Vorgaben bringen am Ende des Tages nichts, wenn sich keiner daran hält. Das ist aber gar nicht so leicht, denn die verringerte Zeit für die Erledigung macht es notwendig, sich in dieser Zeit wirklich zu konzentrieren und effektiv zu arbeiten.

  • Kontrolle.

    Um einschätzen zu können, ob die 20-20-60 Regel auch wirklich eingehalten wird - und etwas bringt - bedarf es einer entsprechenden Kontrolle. Gerade am Anfang kann es hier helfen, genau auf die Uhr zu schauen.

    Stellen Sie bei der Kontrolle fest, dass Sie die Regel nicht einhalten konnten, sollten Sie Ursachenforschung betreiben. Warum haben Sie mehr Zeit benötigt und wie können Sie dies bei zukünftigen Aufgaben ändern? Manchmal kann es notwendig sein, die Regel an die eigenen Bedürfnisse und Arbeitsweisen anzupassen und beispielsweise nur 50 Prozent der Zeit zu verplanen, um einen größeren Puffer nutzen zu können.

20-20-60 Regel bei der Jobsuche

gpointstudio/shutterstock.comEine mögliche Anwendung der 20-20-60 Regel ist die Jobsuche, die gerne organisiert und methodisch gestaltet wird, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Es werden Informationen recherchiert, Bewerbungen geschrieben, Unterlagen eingereicht und Fristen eingehalten. Was durchaus nach guter Organisation klingt, folgt jedoch meist keiner klaren Struktur.

Genau diese kann die 20-20-60 Regel bringen. Angepasst an die Bedürfnisse und Anforderungen der Jobsuche kann diese in der Praxis etwa so aussehen:

  1. 20 Prozent für die Bewerbungen

    Ein unbestreitbar wichtiger Punkt, der jedoch in der Praxis meist weniger Zeit benötigt, als angenommen. Wer 20 Prozent der geplanten Zeit konzentriert Unterlagen anfertigt, Bewerbungen schreibt und Lebensläufe aktualisiert, hat in der Regel genug Zeit, allem gerecht zu werden.

  2. 20 Prozent zum Netzwerken

    Funktionierende Netzwerke können den entscheidenden Unterschied bei der Jobsuche machen. Oft wird dem aktiven Vernetzen jedoch kein fester Raum zugestanden. Nehmen Sie sich bewusst vor, einen Teil Ihrer Zeit für den Besuch von Networking-Events zu nutzen oder sich online ein größeres Netzwerk aufzubauen.

  3. 60 Prozent für Recherche

    Stellenanzeigen durchstöbern, Jobportale durchforsten, Inserate durchblätter oder online einen Lebenslauf erstellen, um von Personalern gefunden werden zu können - passende Stellen ausfindig zu machen, ist eine der schwierigsten Phasen der Jobsuche, für die entsprechend Zeit eingeplant werden sollte.

Natürlich sind die Prozentzahlen nicht in Stein gemeißelt, insbesondere wenn Sie die 20-20-60 Regel an Ihre Vorstellungen anpassen. Sollten Sie feststellen, dass Sie weniger Zeit für die Recherche, aber mehr für einen anderen Teil benötigen, sollten Sie dies entsprechend justieren.

5 Tipps, um ein besseres Zeitmanagement bei Ihrer Jobsuche zu erreichen

Ditty_about_summer/shutterstock.comEin wirkliches funktionierendes Zeitmanagement lässt sich nicht von jetzt auf gleich in Ihre Jobsuche einbauen. Sie brauchen sowohl die Motivation, um sich daran zu halten, als auch die richtige Einstellung, um die Vorgaben des Zeitmanagements umzusetzen. Wenn Sie bislang auf ein Zeitmanagement für Ihre Bewerbungsphase verzichtet haben, kann es einige Zeit dauern, bis Sie sich daran gewöhnt haben und Ihr Verhalten entsprechend anpassen. Damit Ihnen diese Umstellung gelingt, haben wir fünf Tipps für Sie gesammelt, die Ihnen helfen können, ein besseres Zeitmanagement bei Ihrer Jobsuche zu nutzen.

  1. Definieren Sie für sich ein klares Ziel

    Ich will einen Job finden. Klingt wie ein akzeptables Ziel, doch damit ist die Sache leider noch lange nicht getan. Was Sie brauchen, ist eine konkrete Vorstellung von dem, was Sie erreichen wollen. Welche Stelle suchen Sie? Was soll der Arbeitgeber bieten? Welche Ihrer Stärken und Fähigkeiten wollen Sie nutzen?

    Für Ihr Zeitmanagement sollten Sie jedoch genau wissen, wohin der Weg Sie führen soll. Nur mit dem klaren Ziel vor Augen, wissen Sie auch, wonach Sie bei Stellen suchen und was eventuell nötig ist, um einen neuen Job zu finden.

  2. Packen Sie die Dinge der Reihe nach an

    Viele Kandidaten gehen Ihre Jobsuche nach einem einfachen Motto an: Je mehr ich gleichzeitig mache, desto schneller klappt es. Leider sieht die Realität meist anders aus. Sich Gedanken über mögliche Positionen machen, Unternehmen ausfindig machen, Stellenangebote durchsuchen, Lebenslauf überarbeiten, Anschreiben verfassen - wer all das gleichzeitig angeht, versinkt schnell im Chaos und verliert den Überblick.

    Es klingt widersprüchlich, aber um das Zeitmanagement zu nutzen, sollten Sie die Dinge nacheinander angehen. So können Sie immer die volle Konzentration auf eine Aufgabe richten, machen weniger Fehler und schaffen am Ende mehr.

  3. Schaffen Sie einen Tagesrhythmus

    Wie bei einem Job sollten Sie während Ihrer Jobsuche einen strukturierten Tagesablauf haben. Planen Sie, welche Zeit Sie nutzen möchten, um sich intensiv mit der Jobsuche zu beschäftigen und ab wann Sie sich Zeit für andere Dinge nehmen.

    Sie vermeiden so das unangenehme Gefühl des Nichtstuns und sorgen gleichzeitig dafür, dass Sie regelmäßig und jeden Tag etwas für Ihre Jobsuche tun.

  4. Sorgen Sie für Abwechslung

    Nicht jeder Tag muss nur aus Lesen von Stellenanzeigen und dem Schreiben von Bewerbungen bestehen. Abwechslung im täglichen Trott sorgt nicht nur für bessere Laune, sondern auch dafür, dass Sie immer bei der Sache sind. Planen Sie beispielsweise Zeit ein, um ein Networking-Event zu besuchen oder nutzen Sie einen Tag, um Ihr Online-Profil zu überarbeiten.

    Der Ort kann ebenfalls zur Abwechslung beitragen. Verlegen Sie die Jobsuche in Ihr Lieblingscafé oder bei passendem Wetter in einen schönen Park.

  5. Setzen Sie Etappenziele fest

    Das große Ziel eines neuen Jobs kann motivieren, aber auch sehr frustrierend sein, wenn es noch unendlich weit entfernt scheint. Kleinere Etappenziele während der Jobsuche können helfen, der Motivation einen neuen Schub zu verleihen und mit neuer Energie weiterzumachen.

    Legen Sie etwa fest, wie viele Bewerbungen Sie innerhalb einer Woche schaffen wollen und gönnen sich eine Belohnung, wenn Sie dieses Ziel erreicht haben.

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