Es ist der erste Erfolg im Bewerbungsverfahren und kann das Sprungbrett zum neuen Job sein – die Rede ist vom Vorstellungsgespräch. Bereits die Einladung zu diesem Gespräch ist ein großer Schritt in Richtung Arbeitsvertrag, entsprechend umfangreich und intensiv ist daher auch die Vorbereitung vieler Bewerber. Das Problem: Die beste Vorbereitung kann mit wenigen Worten zunichte gemacht werden, dafür reichen bereits einige unglückliche Aussagen im Vorstellungsgespräch. Das sollte Ihnen natürlich nicht passieren.
Die folgende Liste basiert – leider – auf den Erfahrungen von Personalern und Bewerbungstrainern. Die genannten Beispiele stehen exemplarisch für Aussagen, mit denen Sie sich Ihr Vorstellungsgespräch selbst sabotieren können. Auch wenn manche davon übertrieben klingen mögen: Es gibt leider wirklich Bewerber, die sich nach wie vor haarsträubende Fehler im Vorstellungsgespräch leisten. Die letzten Punkte sind allerdings eher ironisch und mit einem deutlichen Augenzwinkern zu verstehen.
- “Bitte entschuldigen Sie die Verspätung, ich konnte Sie nicht anrufen, mein Handy-Akku ist leider leer.”
Zu einem Vorstellungsgespräch sollten Sie grundsätzlich nie zu spät kommen. Bleiben Sie – trotz Planung und Zeitpuffer – dennoch im Stau oder wegen einer Zugstörung stecken, müssen Sie das Unternehmen umgehende informieren. Ein geladener Handy-Akku gehört daher zur Vorbereitung. - “Ihr Unternehmen war gar nicht so einfach zu finden.”
Diese Aussagen kann zwei Botschaften vermitteln. Erstens: Sie haben sich nicht ausreichend vorbereitet und die Strecke nicht im Vorfeld angeschaut. Zweitens: Sie wollen Ihren Einsatz gewürdigt wissen. Das Problem: Der Weg zur Arbeit ist keine Leistung, sondern eine Selbstverständlichkeit. - “Was wollen Sie denn wissen?”
Die Fragen stellt – zumindest in der ersten Phase des Gespräches – der Personaler. Respektieren Sie das, alles andere wirkt unhöflich und im schlimmsten Fall unverschämt. - “Das steht doch in meinem Lebenslauf!”
Ja, Personaler fragen oft nach Informationen, die bereits im Lebenslauf stehen. Meist wollen Sie die entsprechenden Aussagen von Ihnen selbst hören und dabei Ihre Reaktion und Ihr Auftreten beobachten. Weichen Sie dem nicht aus, sonst wirkt es so, als hätten Sie etwas zu verbergen. - “Ich habe nur XX Minuten Zeit.”
Es klingt vielleicht übertrieben, doch mit dieser Aussage steigt der eine oder andere Bewerber tatsächlich ins Vorstellungsgespräch ein. In diesem Fall ist das Gespräch wahrscheinlich in wenigen Minuten beendet. - “Darüber muss ich nachdenken, damit habe ich gar nicht gerechnet.”
Es ist völlig legitim, bei anspruchsvollen Fragen kurz nachzudenken und die Antwort im Kopf zu formulieren. Doch der zweite Teil der Aussage bringt deutlich zum Ausdruck, dass Sie sich eben nicht ausreichend vorbereitet haben. Kein gutes Zeichen. - “Mittel- und langfristig möchte ich mich selbstständig machen.”
Gut, wenn sich das Gespräch um einen befristeten Arbeitsplatz dreht, kann diese Aussage vorteilhaft sein. Doch bei einer mögliche Festanstellung disqualifizieren Sie sich damit – logischerweise – selbst. - “In zwei Monaten habe ich einen dreiwöchigen Urlaub gebucht. Den muss ich unbedingt antreten.”
Für Ihren Traumjob sollten Sie bereit sein, einen Urlaub zu verschieben oder abzusagen. Ist das nicht möglich, sollten Sie das Thema erst ansprechen wenn klar ist, dass der Personaler Sie einstellen möchte. Wenn beide Seiten zusammenarbeiten wollen, finden sich – mit ausreichender Kompromissbereitschaft Ihrerseits – meist auch Wege, um das zu ermöglichen. - “Eigentlich fühle ich mich im warmen Süden viel wohler als hier. Irgendwann will ich dahin umziehen.”
Erstens gehört dieses Thema zum Bereich Ihrer privaten Lebensplanung. Nach dieser fragen viele Personaler zwar, Sie müssen jedoch nicht zwingend die Wahrheit sagen. Zweitens teilen Sie dem Personaler gerade mit, dass Sie früher oder später weg wollen und daher nur eine begrenzte Zeit beim Unternehmen bleiben werden. Wenn es sich nicht gerade um einen Telearbeitsplatz handelt, sollten Sie solche Aussagen vermeiden. - “Wieso ich mich bei Ihnen bewerbe? Na, Sie hatten eine freie Stelle.”
Wow, diese Aussage trifft wahrscheinlich auf mindestens ein Dutzend anderer Unternehmen in diesem Bereich zu. Etwas mehr Argumente für das Unternehmen sollten Sie schon parat haben, sonst ist Ihre Motivation – freundlich formuliert – eher unklar. - “Können Sie Ihre Fragen etwas klarer formulieren?”
Auf den ersten Blick ist die Frage legitim. Wenn eine Frage unklar ist, müssen Sie logischerweise nachfragen. Doch auch hier macht der Ton die Musik. Eine höfliche Formulierung a la “Diese Frage habe ich nicht ganz verstanden, könnten Sie sie bitte etwas anders formulieren?” sollte es jedoch schon sein. - “Übernehmen Sie eigentlich die Fahrtkosten hierher?”
Kaum zu glauben: Es gibt tatsächlich Bewerber, die diese Frage im Gespräch stellen. Die Antwort – und die verbleibenden Job-Chancen – können Sie sich selbst ausrechnen. - “Wie lange muss ich denn jeden Tag arbeiten?”
Inhaltlich ist die Frage nur dann in Ordnung, wenn in der Stellenausschreibung keine genauen Zeitangaben stehen. Die Formulierung ist jedoch auf jeden Fall ein Problem. Wer von davon spricht, arbeiten zu müssen, zeigt dadurch nicht unbedingt hohe Motivation. - “Ich habe keine Schwächen, nur Entwicklungspotenzial.”
Ein selbstbewusstes Auftreten ist wichtig und bringt Ihnen garantiert Pluspunkte. Doch wer eigene Schwächen nicht reflektiert und diese durch platte Sprüche übertünchen will, hinterlässt damit ganz sicher keinen positiven Eindruck. - “In fünf Jahren will ich auf Ihrem Stuhl sitzen.”
Ja, diese Antwort hören und lesen Sie in zig Bewerbungstrainings, Ratgebern und Seminaren. Nur: Die kennen auch Personaler. Solche Standardantworten sollten Sie sich verkneifen, antworten Sie lieber ehrlich und offen. - “Ich bin schwanger.”
So wunderbar das auch für Sie sein mag, Ihr potenzieller Arbeitgeber wird es nicht gerne hören. Die Frage nach einer Schwangerschaft ist eigentlich nicht zulässig, wird jedoch oft gestellt. Sie müssen darauf allerdings nicht ehrlich antworten. Eine bestehende Schwangerschaft sollten Sie erst ansprechen, wenn Sie beim Unternehmen arbeiten. - “Bei Problemen frage ich immer zuerst meinen Vorgesetzten.”
Klingt gut, ist es allerdings nicht. Wenn Sie bei jedem Problem sofort zu Ihrem Vorgesetzten rennen, wird dieser schnell genervt sein. Außerdem übergehen Sie damit Ihre Kollegen – nicht gerade ein Zeichen von Teamfähigkeit. - “Ich werde alle Vorgaben vollständig erfüllen.”
Die Botschaft: Sie werden Ihre Pflicht tun – mehr aber auch nicht. Diese Aussage darf auf keinen Fall so im Raum stehen bleiben, Sie müssen unbedingt nachsetzen, dass Sie auch selbstständig arbeiten können und mitdenken. - “Ich habe in den kommenden Tagen noch weitere Vorstellungsgespräche.”
Auf Nachfrage ist die Aussage in Ordnung – die meisten Arbeitgeber gehen ohnehin davon aus, dass Sie sich bei mehreren Unternehmen bewerben – doch unaufgefordert sollten Sie das Thema nicht ansprechen. - “Natürlich bin ich hilfsbereit, meine Kollegen können immer zu mir kommen.”
Eine wunderbare Eigenschaft – wenn Sie Grenzen setzen können. Dass Sie dazu in der Lage sind, müssen Sie im Gespräch deutlich machen. Sonst muss Ihr Arbeitgeber davon ausgehen, dass Sie sich zu viel aufladen und Ihre Aufgaben nicht fertig bekommen. - “Überstunden sind für mich kein Problem. Je mehr, desto besser.”
Es gibt immer noch Bewerber, die mit solchen Aussagen punkten wollen. Tatsächlich erreichen sie damit jedoch das genaue Gegenteil: Der Bewerber zeigt damit nur, dass er seine Grenzen nicht kennt und die Burnout-Gefahr überdurchschnittlich hoch ist. - “Nein, ich habe keine Fragen mehr.”
Sie wollen die nächsten Jahre beim Unternehmen arbeiten und haben keine Fragen an den Personaler? Gut, es kann sein, dass Ihre Fragen im Gespräch beantwortet wurden. Doch das müssen Sie auch deutlich machen. Sonst wirken Sie schlecht vorbereitet. - “Sie brauchen gar nicht mehr weitersuchen, ich bin der Richtige für den Job.”
Eine klare und selbstbewusste Ansage. Wenn Sie diese mit Fakten und Leistungen untermauern können, gehört der Job garantiert Ihnen. Allerdings auch nur dann. - “Können wir gleich zur Sache kommen und das Vorgeplänkel weglassen?”
Zielbewusst und direkt zur Sache – auch eine Strategie. Ob diese allerdings so gut ankommt, darf bezweifelt werden. - “Ich erkläre Ihnen jetzt mal, was Sie über mich wissen müssen.”
Sie wollen dem Personaler die Arbeit erleichtern – eine noble Einstellung. Das müssen Sie ihm allerdings auch so vermitteln, sonst könnte er sich – rein theoretisch – etwas überfahren fühlen. - “Bevor wir beginnen, sollten Sie wissen, dass ich meinen Wert ganz genau kenne.”
Eine klar Ansage, da weiß der Personaler sofort, woran er ist. Eine Frage sei allerdings erlaubt: Warum zeigen Sie Ihren Wert nicht einfach im Gespräch? - “Sie haben hier doch sicher eine firmeneigene Kinderbetreuung, oder?”
So ganz selbstverständlich ist eine solche Kinderbetreuung in Deutschland nicht. Aber: Sollten Sie das nicht in der Vorbereitung recherchiert haben und daher bereits wissen? - “Mein ehrenamtliches Engagement nimmt mich an drei Abenden pro Woche in Beschlag. Schichtarbeit ist aber trotzdem kein Problem.”
Bitte wie meinen? Wenn Sie das wirklich schaffen, sollten Sie sich vielleicht als Magier bewerben. Ach ja: Ehrenamtliches Engagement ist wichtig, doch Ihr Job sollte dann doch eine etwas höhere Priorität genießen, meinen Sie nicht? - “Ihre Sekretärin ist echt attraktiv. Hat sie einen Freund?”
Gegenfrage: Die Begriffe “Professionalität” und “kollegiale Distanz” haben Sie schon mal gehört, oder? Kennen Sie denn auch deren Bedeutung? - “Mit zwei oder drei Tagen Heimarbeit pro Woche haben Sie doch sicherlich kein Problem, oder?”
Klar, Flexibilität ist eine wichtige Eigenschaft und eine große Stärke. Doch ganz so offensiv sollten Sie diese Stärke im Vorstellungsgespräch nicht präsentieren. - “Wie lange ist die Kündigungsfrist bei Ihnen?”
Kurze Gegenfrage: Warum genau wollen Sie das bereits vor Vertragsunterzeichnung wissen? Haben Sie eventuell große Pläne, in denen das Unternehmen nur als Zwischenstation vorkommt? - “Das Gehalt steigt nach der Probezeit noch, oder?”
Gut, das Thema Gehalt hat im Vorstellungsgespräch – je nach Bewerbungsverfahren – seine Berechtigung. Doch statt dieser Frage hätten Sie auch gleich sagen können, dass Ihnen das angebotene Gehalt zu niedrig ist. Wäre vielleicht besser gewesen. - “Warum sollte ich bei Ihnen arbeiten?”
Moment mal, sollten Sie dafür nicht eigene Argumente parat haben? Wer will hier eigentlich wen einstellen?
Teamarbeit: 11 kaum bekannte Fakten
Powerpoint & Co.: Tipps für bessere Präsentationen
Denksport: 50 Brainteaser für Jobinterviews
Smalltalk-Tipps:



Bewerbungs-Dossiers zu Mappe, Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Zeugnissen.
Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.

John
“Warum sollte ich bei Ihnen arbeiten?”
Diese Frage, behutsamer gestellt, ist absolut berechtigt. Denn man sollte nicht vergessen, dass im Bewerbungsgespräch auch die Firma sich verkaufen muss. Ich will nicht für eine Firma arbeiten, die mir nicht interessant erscheint im Detail und die Details klärt man in einem Bewerbungsgespräch und kann man nicht vorher wissen. Daher ist eine Bewerbung auch nicht eine feste Zusage.
Aber ist klar, der Ton macht die Musik und beide Seiten müssen sich verkaufen. Der Beitrag weckt aber zum Teil die Ansicht, dass der Bewerber am kürzeren Hebel sitzt. Dem ist nicht so.
Christian Mueller
Hallo,
Du hast aber schon gesehen, dass die Frage – und auch die Begründung – leicht ironisch war, oder?
Gruß,
Christian Müller
Christian
Ich finde es schändlich, dass #16 einfach so dabeisteht, als sei es das normalste der Welt, keine Schwangeren im Betrieb zu dulden. Wann hört das endlich auf?
Vor lauter AGG traut sich schon heute niemand mehr, einem Bewerber eine ordentliche Antwort auf die Bewerbung zu geben, wenn denn überhaupt noch eine kommt. Die Rechtsabteilungen haben die Kommunikation prozessfest weichgespült. Aber so eine Nummer steht noch in euren Tipps?
Christian Mueller
Hallo Christian,
das eine Schwangerschaft kein Problem sein sollte, unterschreibe ich sofort. Doch die ehrliche Erwähnung im Vorstellungsgespräch würde – und das deutest du in deinem Kommentar ja auch an – in den meisten Fällen zur Absage führen.
Daher: Ja, das steht in unseren Tipps. Weil alles andere einfach ein schlechter Rat an die Leser wäre. Auch wenn wir es uns anders wünschen.
Gruß,
Christian
Christian
Das dreht sich immer weiter:
Weil (1) Arbeitgeber besonders schlau sein wollten und Schwangere nicht im Betrieb haben wollten, wurde uns (2) das AGG verpasst, was es Frauen auch ermöglicht, sich auf der Basis dessen einzuklagen. Zwar will niemand auf der Grundlage eines Gerichtsurteils irgendwo arbeiten, aber für 3 Monatsgehälter ist es sicher gut. Also sind jetzt die Arbeitgeber (3) wieder total hysterisch, mal sehen was danach für uns folgt.
Beides ist falsch: Die unflexible Einstellung dummer Arbeitgeber ebenso wie die “jetzt erst Recht”-Haltung der AGG-Trittbrettfahrer. Ich wünsche mir in dem Punkt halt ein wenig mehr Fingerspitzengefühl und gesunden Menschenverstand, anstatt einfach nur den den Weg des geringsten Widerstandes nachzuplappern.
Christian Mueller
Dann machen wir das doch mal konkret: Wie würde dieses “Fingerspitzengefühl” und der “gesunde Menschenverstand” im Artikel oben denn deiner Meinung nach aussehen?
Jochen Mai
Es ist nicht der Weg des geringsten Widerstandes, sondern der rationale aus Sicht des Bewerbers. Ich muss nicht jeden kritikwürdigen Zustand zum Schlachtfeld erklären. Es sei denn mein Vorbild heißt Don Quijote.
Mareike Baur
Die Kommentare zu diesem Thema sind interessant.
Andy
Die Frage nach einer Fahrtkostenerstattung sei zumindest am Ende des Gespräches gestattet, zumindest wenn im Vorfeld nichts vereinbart wurde. Wenn ein Unternehmen schon Probleme hat eine derart einfache gesetzliche Regelung zu erfüllen und mich wegen der Nachfrage zur Erfüllung dieser nicht einstellen möchte sei die Frage gestattet ob man dort wirklich arbeiten möchte.