Im besten Fall ist der Job mehr als ein Mittel, um Geld zu verdienen. Es ist schließlich ein großer und nicht ganz unwichtiger Teil des Lebens der zur Zufriedenheit beitragen und kein Grund für tägliche Überwindung sein sollte. Doch hat wohl jeder - auch die, die Ihren Job lieben und mit Leidenschaft betreiben - schon einmal darüber nachgedacht, wie viel Geld es bräuchte, um sich über die Finanzen auch ohne weiter zu arbeiten für den Rest des Lebens keine Gedanken mehr machen zu müssen. Den Job an den Nagel hängen, nur noch das machen, wonach Ihnen der Sinn gerade steht und von den Ersparnissen leben. Für viele eine verlockende Vorstellung und insgeheim vielleicht sogar ein Traum. Mit der 4-Prozent-Regel können Sie herausfinden, wie viel Geld Sie brauchen, um für die Zukunft ausgesorgt zu haben und auch ohne weitere Einkünfte einer Arbeitsstelle finanzielle Freiheiten zu genießen...

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4-Prozent-Regel: Es kommt darauf an, wie viel Sie ausgeben

Ein Lottogewinn, nie wieder finanzielle Sorgen, dem Chef mit einem Lächeln auf den Lippen die Kündigung vorbeibringen und den Stress und den Druck der Arbeitswelt hinter sich lassen. Ein Gedanke, mit dem wohl jeder schon einmal gespielt hat. Das zeigt sich nicht zuletzt auch in den Zahlen der Teilnehmer in der Lotterie - ganz besonders dann, wenn der Jackpot mal wieder angewachsen ist und ein enormer Gewinn winkt.

Die erste Frage, die sich viele Menschen dabei stellen, lautet: Wie viel Geld brauche ich, um für den Rest meines Lebens nicht mehr arbeiten zu müssen und finanziell vollkommen abgesichert zu sein?

500.000 Euro, eine Millionen oder vielleicht sogar fünf Millionen? Die Meinungen zu diesem Thema gehen weit auseinander und es können sehr hitzige Diskussionen entstehen, wenn verschiedene Ansichten aufeinanderprallen.

Das hat einen recht einfachen Grund: Die Meinungsverschiedenheiten beginnen am falschen Ausgangspunkt. Es kommt nicht darauf an, wie viel Geld jemand hat und wie groß die Zahl auf dem Konto ist.

Entscheidend ist einzig und allein, wie viel Sie ausgeben.

Schon ein simples Beispiel verdeutlicht diesen Zusammenhang. Eine Millionen Euro auf dem Konto ist unvorstellbar viel Geld, das über viele Jahre reichen kann. Oder Sie ziehen los, kaufen sich zwei Ferraris, machen eine Weltreise, schmeißen noch eine Party auf der literweise Champagner fließt und haben in kurzer Zeit das gesamte Budget ausgegeben.

Es kann daher nicht allgemein beantwortet werden, wie viel Geld für finanzielle Freiheit benötigt wird.

Stattdessen müssen Sie Ihre persönliche Situation analysieren, wissen, wie hoch Ihre Ausgaben sind und können so Ihren ganz individuellen Punkt finden, der es Ihnen erlaubt, von Ihren Ersparnissen zu leben. Wie hoch dieser persönliche Kontostand ist, den Sie benötigen, zeigt die 4-Prozent-Regel.

Die 4-Prozent-Regel

Die Idee scheint recht selbsterklärend zu sein. Wenn Sie finanzielle Freiheit erreichen und abgesichert sein wollen, brauchen Sie ein so großes Startkapital, dass Sie auch ohne ein monatliches Gehalt vom Arbeitgeber für den Rest Ihres Lebens alle Ausgaben decken können, ohne irgendwann Gefahr zu laufen, Ihre Ersparnisse aufgebraucht zu haben und plötzlich ohne Geld dazustehen.

Das kann noch jeder nachvollziehen, hilft jedoch noch nicht dabei, eine konkrete Zahl zu benennen.

Aber wie hoch ist diese anfängliche Summe - wie viel Geld brauchen Sie, um wirklich niemals pleite zu gehen? Mit genau dieser Frage hat sich die in der Finanz- und Investment-Branche recht bekannte Trinity Study beschäftigt. Auch hier muss erneut die obige Annahme einbezogen werden, weshalb es zunächst darum geht, wie viel ausgegeben werden kann.

Die drei Professoren der Trinity-Universität in Texas haben bereits im Jahr 1998 versucht herauszufinden, wie viel Geld Sie jedes Jahr von einem vorhandenen Vermögen abheben können, ohne Pleite zu gehen.

Das Ergebnis ist die besagte 4-Prozent-Regel.

Die Forscher investierten in Ihren Untersuchungen fiktive Vermögen (in Aktien und Anleihen) über einen Zeitraum von 30 Jahren und kamen zu dem Ergebnis: Wer jährlich 4 Prozent seiner Ersparnisse verwendete, hatte am Ende der Zeitperiode immer noch Geld auf dem Konto.

Inzwischen wurde die 4-Prozent-Regel über diesen Zeitraum hinweg erweitert, so dass Forscher davon ausgehen, dass das Vermögen bei Abbuchungen von 4 Prozent pro Jahr noch viel länger und vielleicht sogar ewig ausreicht.

Zum besseren Verständnis hilft ein Beispiel mit einfachen Zahlen:

Angenommen Sie hätten zu Beginn 1 Millionen Euro auf dem Konto. Nun könnten Sie jedes Jahr 4 Prozent, also 40.000 Euro abheben und damit alle anfallenden Kosten bezahlen. Im nächsten Jahr können Sie die gleiche Summe erneut abheben - sogar angepasst an die jeweilige Inflation. Bei einer Inflation von beispielsweise 3 Prozent können Sie im zweiten Jahr 41.200 Euro abheben (die Rechnung: 40.000 Euro multipliziert mit 1,03 = 41.200 Euro).

Das Ganze funktioniert durch die Zinsen und Zinseszinsen, die Sie durch die Anlage Ihres Geldes erhalten. Anstatt selbst zu Geld zu verdienen, lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten.

Mit einer guten Anlagestrategie und entsprechenden Renditen kann die 4-Prozent-Regel sogar bewirken, dass Sie nicht nur Geld übrig haben, sondern Ihr Vermögen deutlicher langsamer schrumpft, konstant bleibt oder sogar wächst, wenn die Dividenden die jährlichen Ausgaben übersteigen.

Wie viel Geld brauche ich, um nie mehr arbeiten zu müssen?

Anhand der 4-Prozent Regel lässt sich dann auch bestimmen, wie groß Ihre Ersparnisse sein müssen, um nie mehr arbeiten zu müssen und trotzdem finanzielle Freiheit zu genießen.

Zunächst benötigen Sie dafür eine konkrete Zahl der Ausgaben, die Sie Jahr für Jahr haben. Diese müssen durch eine Abhebung von 4 Prozent gedeckt werden können. Bedeutet im Klartext:

Sie benötigen als Startkapital 25 mal so viel, wie Sie pro Jahr ausgeben.

Planen Sie also etwa mit 50.000 Euro im Jahr, benötigen Sie 1,25 Millionen Euro, um nie wieder arbeiten zu müssen und sich trotzdem keine finanziellen Sorgen mehr zu haben. Benötigen Sie hingegen 100.000 Euro im Jahr, erhöht sich das Startkapital für finanzielle Freiheit bereits auf 2,5 Millionen.

Rechnen Sie doch einfach selbst einmal nach, nehmen Sie Ihre jährlichen Ausgaben - oder etwas leichter zu errechnen Ihr Jahresgehalt und schauen Sie, wie viel Sie laut 4-Prozent-Regel benötigen, um nie mehr arbeiten zu gehen.

Damit das Ganze jedoch funktioniert, ist vorausgesetzt, dass Sie Ihre Ausgaben in den Jahren nicht drastisch erhöhen, sondern relativ konstant bleiben. Um noch sicherer zu sein, dass Ihnen nach dieser Methode das Geld niemals ausgeht, können Sie eine variable Version der 4-Prozent-Regel nutzen. Hier heben Sie nicht 4 Prozent vom Startkapital, sondern jeweils vom aktuellen Vermögen ab.

Haben Ihre Investments im ersten Jahr eine gute Rendite abgeworfen und Ihr Kontostand ist von 1.000.000 Euro auf 1.050.000 Euro gestiegen, obwohl Sie sich die jährlichen 4 Prozent ausgezahlt haben? Dann können Sie im zweiten Jahr 4 Prozent von diesem Betrag nutzen - was 42.000 Euro entspricht.

War die Lage an den Finanzmärkten hingegen schlechter, kann es sein, dass Ihnen im zweiten Jahr weniger zur Verfügung steht, Sie durch Ihre Sparsamkeit aber der Flaute entgegenwirken.

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