Exklusiver Buchauszug von Matthias Nöllke

Also, wenn Sie mich fragen: Das letzte, was wir auf Führungspositionen gebrauchen können, sind diese strahlenden Gewinnertypen. Leute, die sich selbst als Superstars betrachten und ihre Mitarbeiter als verhinderte Leistungssportler, aus denen sie die letzten Reserven herausholen müssen.
Gerade in Zeiten, in denen ein rauerer Wind weht, der zudem ständig die Richtung wechselt, sind andere Qualitäten gefragt als die Belegschaft in den Burnout zu treiben. Für ein besseres Leitbild halte ich den Gärtner. Denn er verkörpert vielleicht am sinnfälligsten, was wir heute an Führungskräften oft vermissen: Unaufgeregtheit, Beharrlichkeit und vor allem Zugewandtheit.
Und eine wohltuende Bodenständigkeit: Der Gärtner in seinen Gummistiefeln ist keine eindrucksvolle Gestalt, kein Leader, der mit hochfliegenden Visionen seine Gefolgschaft „begeistert“ oder sie „inspiriert, das Unmögliche zu schaffen“. Er hält sich an das Mögliche. Das ist schon kompliziert genug, sogar schon bei Pflanzen. Und so pflegt der Gärtner seinen Garten und nicht sein Ego. Er hat seine Pflanzen im Blick und nicht seine eigene Grandiosität. Der Garten soll erblühen, nicht der Gärtner.
Darüber hinaus sind es zwei Qualitäten, die einen guten Gärtner auszeichnen:
- Ein besonderes Verhältnis zur Zeit: Der Gärtner muss langfristig denken und in Zyklen.
- Die Fähigkeit, unterschiedliche Temperamente und Talente seiner Mitarbeiter zu kombinieren.
Ein Gefühl für Biorhythmen
5 Bücher zu gewinnen
Was hat Management mit Gartenarbeit gemein? Eine ganze Menge, findet Matthias Nöllke und hat darüber eine inspirierendes Buch geschrieben. Und Sie haben jetzt die Chance, eines davon zu gewinnen. Schreiben Sie einfach einen Kommentar zu diesem Artikel und sagen Sie uns, was Gartenarbeit mit Management gemein hat. Unter allen Teilnehmern verlosen wir 5 Mal je ein Buch. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, Einsendeschluss ist das kommende Wochenende.
Alles Lebendige hat seinen eigenen Rhythmus, seinen „Biorhythmus“ sozusagen. Es schwingt zwischen Hoch- und Niedrigphasen hin- und her, Aufbau und Abbau, sich sammeln und entäußern. Führungskräfte, die immer nur „Hochphasen“ dulden, laugen ihre Mitarbeiter aus – und sich selbst auch.
Nicht nur Pflanzen brauchen ihre „Saftruhe“, um wieder zu Kräften zu kommen. Menschen benötigen ebenfalls ihre Ruhephasen. Und die müssen mit eingeplant werden. Allerdings nicht schematisch. Wie bei den verschiedenen Pflanzen, so sind auch die Phasenlängen der Menschen höchst unterschiedlich. Das gleiche gilt für Teams, Aufgaben und Projekte. Was wir entwickeln müssen, das ist ein Gespür für ihren jeweiligen „Biorhythmus“. Das heißt natürlich auch, der Gärtner hat die Gewissheit: Irgendwann geht es wieder nach oben. Mitarbeiter, die schwächeln, darf man nicht abschreiben.
Sonnenfresser und Halbschattengewächse
Vorgesetzte neigen dazu, bestimmte Mitarbeiter zu bevorzugen, vor allem solche, die ihnen ähnlich sind oder zumindest so tun. Dem Rest der Belegschaft geben sie zu verstehen: Ihr habt ein Defizit, weil ihr nicht so seid wie wir, die Guten.
Ganz anders der Boss als Gärtner: Monokulturen versucht er gar nicht erst aufkommen zu lassen. Er stellt sich auf die Eigenarten seiner Mitarbeiter ein, fördert ihre Talente und kombiniert sie mit Bedacht wie im Pflanzenbeet. Erdbeeren wachsen besser in der Gesellschaft von Knoblauch, Sellerie gedeiht inmitten von Schwertlilien.
Und so ergänzen sich gerade heterogene Mitarbeiter besonders gut. Wie die Pflanzen brauchen sie nur eine gemeinsame Grundlage, einen gemeinsamen Nährboden; und sie dürfen sich nicht in die Quere kommen, müssen also die Kompetenzen des andern respektieren.
Der Boss als Gärtner berücksichtigt aber noch etwas anderes: Seine Gewächse brauchen unterschiedlich viel „Sonne“. So gibt es ausgesprochene „Sonnenfresser“, die seine Aufmerksamkeit suchen, nach Anerkennung lechzen und keine Bedenken haben, ihre Kollegen beiseite zu schieben. Andere hingegen vertragen es gar nicht gut, im Mittelpunkt zu stehen und die Kollegen zu überragen.
Solche „Halbschattengewächse“ fühlen sich wohler, wenn sie sich an anderen orientieren können. Dabei haben sie durchaus ihre eigene Meinung. Doch wagen sie sich damit nicht als erste vor, sondern beziehen sich lieber auf diejenigen, die sich schon geäußert haben. Denen reden sie keineswegs nach dem Mund. Sie haben nur eine andere Art, sich mitzuteilen. Gegenüber ihren extrovertierteren Kollegen geraten sie leicht ins Hintertreffen. Und genau das ist das Problem. Denn die zurückhaltenderen Mitarbeiter haben eher nicht die schlechteren Ideen.
Die innere Haltung
Was den Gärtner vor allem auszeichnet und zum Vorbild für Führungskräfte macht, das ist seine innere Haltung: Ein Gärtner herrscht nicht über den Garten, er pflegt ihn.
Er bereitet buchstäblich den Boden dafür dafür, dass seine Pflanzen wachsen und gedeihen – also ihre eigenen Kräfte gebrauchen. Sie sollen sich entfalten, allerdings nicht über ein zuträgliches Maß hinaus. Was allzu stark wuchert, wird zurückgeschnitten, vielleicht sogar als Unkraut ausgejätet, aber nicht als Turbogewächs zum Vorbild für alle andern erklärt.
Überhaupt geht es nicht darum, im Zeichen der Gartenpflege die letzten Ressourcen aus den Mitarbeitern herauszuholen. Vielmehr ist die Blickrichtung geradewegs andersherum. Führung und Management sollen etwas von der Entspanntheit, der Vitalität und der Lebensfreundlichkeit aufnehmen, deren angestammter Ort der Garten ist.

Über den Autor
Matthias Nöllke arbeitet für den Bayerischen Rundfunk und hat als Autor schon einige Bücher geschrieben, gerade ist sein neustes Werk im Haufe Verlag erschienen: In den Gärten des Managements. Für eine bessere Führungskultur. Darin gibt er Denkanstöße für eine neue Führungskultur, die Erkenntnisse aus der Bionik für den Erfolg nutzt. Ob Standortwahl, Haushalten mit Ressourcen oder Eingehen von Kooperationen – für Nöllke gibt es zahlreiche Parallelen zwischen Natur und Unternehmensführung, zwischen einem Gärtner und einem Manager. Oder auf einen Nenner gebracht: Pflegen Sie Ihr Unternehmen so wie eine Pflanze und lassen Sie es wachsen und gedeihen.







Christina Bothe
Das hört sich wahnsinnig spannend an. Man kennt viele Zitate aus dem Sport, insbesondere dem Teamsport, aber auf die Gartenarbeit passt doch sehr vieles. Sehr interessanter Vergleich.
Mir kam sofort der Gedanke, dass man natürlich auch im Garten überdüngen kann und somit vielleicht mit viel gutem Willen ganz viel fordert und somit auch ganz viel Schaden anrichten kann. Das ist im Management ähnlich. Wer mehr fordert, als möglich ist, wird ganz bestimmt von den Leistungen enttäuscht.
Naty
Gartenarbeit und Management: Ein Unternehmen, eine Abteilung und die Mitarbeiter müssen wie Pflanzen gepflegt werden. Sie brauchen einen schönen Platz, an dem sie gedeihen können und wollen. Pflanzen muss man düngen und Mitarbeiter loben, damit der Wachstum noch schöner von statten geht. Und wenn man sich um den Garten/Mitarbeiter gut kümmert, kann daraus eine blühende Umgebung werden. Hier macht es neuen Pflanzen Spaß zu wachsen und neuen Mitarbeitern Spaß an Bord zu sein.
JoLLi
In der Landwirtschaft gibt es die sogennante Brache. Eine Brache ist ein aus wirtschaftlichen oder regenerativen Gründen unbestelltes Grundstück. Man läßt das Feld einen Zeitraum unbestellt und gibt so dem Boden Zeit sich wieder mit Nährstoffen anzureichern.
In der Wirtschaft gibt es diese Brache allerdings nicht. Von Jahr zu Jahr müssen die Umsätze gesteigert werden. Vielleicht sollten sich einige Manager mal an das Brach liegen erinnern. Mal ein Jahr lang nicht am Limit um den hohen Erträgen gerecht zu werden, kann dazu führen, dass sich der Boden (die Mitarbeiter) wieder mit Nährstoffen anreichern und danach zur Blüte kommen wie nie zuvor und die Erträge um ein vielfaches höher als der Raubbau davor.
Pingback: Was Führungskräfte von Gärtnern lernen können | Mensch mit Hut
Pic_AS
… gerade die Parallele Sonnenhungrige Pflanzen die die stilleren (unter)drücken ist immer wieder zu beobachten. Wenn da dann nicht für die im Schatten gedeihende oft sehr wertvollen Pflanzen durch einen sorgsamen Rückschnitt der “Schreihälse” gesorgt wird, verkümmern diese … gehen ein. Solange der Gärtner sich selbst zu sehr im Blick hat, wie er wirkt, wo und wie er Einfluss nimmt, welche Lorbeerkränze er erntet … solange hat er seine Pflänzchen nicht im Blick und wird aus allen Wolken fallen, wenn sie ihm eingehen …..
bildungswert
In der Gartenarbeit ist das sogenannte “Zurückschneiden” ein wichtiges Element.
Es geht dabei nicht um das bloße Abschneiden (im Sinne von “verstümmeln”), sondern darum, den Wachstumsprozess der Pflanzen zu unterstützen. Es ist ein korrigierender Eingriff, der genaues Augenmaß benötigt. Es muss darauf geachtet werden, an welchen Stellen Triebe das Wachstum bzw. die Entwicklung behindern. Dort muss, mit den geeigneten Werkzeugen, Hand angelegt werden.
Ein solches Augenmaß benötigt das Management ebenfalls. Es geht darum, die vorhandenen Bestandteile des (Mitarbeiter-)Gartens zu kennen um darauf aufbauend Entscheidungen treffen zu können:
Wie kann ich die “guten” Triebe (der Mitarbeiter) angemessen unterstützen? Wo muss ich z.B. Kletterhilfen bereitstellen? Wie kann ich diejenigen Triebe, die in die falsche Richtung wachsen angemessen “korrigieren”, um das Wachstum zu unterstützen.
Das ist nicht einfach und macht Arbeit. Da unterscheidet sich die Gartenarbeit nicht vom Management!
nicole
Ein gärtner liebt seinen garten auch wenn gerade nichts blüht, denn er weiß dass seine pflanzen in solchen phasen kraft sammeln,nährstoffe aufnehmen und alte pflanzenteile abwerfen. Genauso muss ein manager seinen mitarbeitern auch die gelegenheit lassen nachdenken und rechetchieren zu können und ihren schwerpunkt nicht nur auf den äußeren schein zu legen sondern mittel- und langfristig fundiert zu arbeiten. Das garantiert auch nachhaltigere (blüh-)erfolge.
Holger Moller
Ich selbst gärtnere sehr gerne, und als Gärtner weiß ich, dass ich meine Pflanzen pflegen muss, damit sie wachsen: für die richtige Umgebung sorgen, gießen, düngen, den Boden lockern … Wachsen können meine Pflanzen von ganz alleine. Und sie wachsen umso besser, je mehr es mir gelingt, ihnen optimale Bedingungen zu verschaffen.
Als (Selbst-)Manager ertappe ich mich immer mal wieder dabei, dass ich die lebens- und wachstumsfördernden Prinzipien des Gärtnerns aus den Augen verliere: Ich fange dann sozusagen an, an den Blättern der “Pflanze” zu zupfen, damit sie schneller wächst. Und mit absoluter Zuverlässigkeit kann ich dann früher oder später feststellen: Ich habe etwas abgerissen und die “Pflanze” verletzt, statt das Wachstum zu fördern. (Ersetze an dieser Stelle “Pflanze” z. B. durch: Partner/in, Projekt, Ziel, Kolleg/in, Mitarbeiter/in, Chef/in …)
Sobald es mir wieder gelingt, für gute Wachstumsbedingungen zu sorgen, wachsen alle diese “Pflanzen” wie von selbst.
Ich freue mich sehr, dass sich endlich einmal jemand systematisch mit den Zusammenhängen von Management und Gärtnern beschäftigt hat, und ich möchte das Buch von Matthias Nöllke sehr gerne lesen.
calceola
Eine wirklich schöne Analogie, vom Gärtnern und vom Managen. EIne naheliegende Buchidee und ich bin gespannt wie sie komplett umgesetzt worden ist. Als Gärtner weiß ich auch immer um die Standortfrage, nicht nur der einzelnen Pflanze, sondern des gesamten Gartens. Manche Blütenträume sind in bestimmten Lagen nicht umsetzbar, genauso kann ich Geschäftsmodelle nicht überall umsetzen. Das kann mit viel Aufwand eine kurze Zeit funktionieren, aber irgendwann rächt sich dies im Ertrag und der Wirtschaftlichkeit.
Natürlich kann ich Ananas im Gewächshaus in Norwegen züchten, genauso wie ich ein Hightechunternehmen irgendwo auf die grüne Wiese setzen kann und hoffe das die hochqualifizierten Facharbeiter gerne ohne Infrastruktur leben, aber irgendwann macht man das Gewächshaus/den Laden wieder zu.
Raphael
Nur die Harten kommen in den Garten.
Yvonne
Ich mache es kurz:
Wenn ich meine Pflänzchen nicht gieße, kann ich meiner Tante Emma auch Sonntags keinen Tomatensalat servieren. Und wenn ich meine Mitarbeiter nicht motiviere, fordere und fördere, kann ich meinen Kunden auch keine erfolgreichen Produkte/ Ideen anbieten!
Claudia
Mir fällt hier ein Beispiel aus der Mitarbeiterführung ein, die vielleicht vergleichbar mit der Tätigkeit eines Gärners ist. Der Gärtner muss, um effektiv zu arbeiten, genau unterscheiden können, welche Pflanzen besonders viel Pflege benötigen, die viel gegossen werden müssen und sehr empfindlich sind – dann aber z.B. durch eine besondere Blüte herausragen, während andere Pflanzen robust allein vor sich hinwachsen, vielleicht nicht besonders schick – aber dafür beständig sind…auch eine gute Führungspersönlichkeit muss unterscheiden, wie er mit seinen Mitarbeitern umgeht – manche müssen besonders gehätschelt werden, während andere lieber autonom für sich hinwerkeln, und dabei solide Ergebnisse bringen.
Claudia
Ein schöner Ansatz, Management mit dem Gärtner zu vergleichen. Und sehr zutreffend, wie schon die Zeilen des Beitrages zeigen.
Ich sehe den Vergleich auch hauptsächlich darin, dass ein Manager seinen Mitarbeitern beim wachsen helfen sollte, unter anderem durch das richtige Umfeld. Nur so kann die gesamte Firma wachsen und sich verbessern. Das Managament sollte dies unterstützen und nicht die wertvollen “Pflänzchen” zu viel Stress aussetzen, bis sie verdürren.
Chris [Mobile]
Es mag stimmen, dass ein Gärtner für die Pflege und das Wachstum seiner Pflanzen verantwortlich ist.
Allerdings beginnt die Arbeit des Gärtners bereits bei der Auswahl der richtigen Pflanzen für seinen Garten. Genauso beginnt die Arbeit einer Führungskraft bei der sorgfältigen Auswahl seiner Mitarbeiter. Er muss hier bereits entscheiden, ob ein Mitarbeiter ins “Beet” passt, und ob dieser in der entsprechenden Umgebung mit der entsprechenden Pflege wachsen kann …
Jochen Mai
So, die Glücksfee hat wieder zugeschlagen… Jeweils eines der 5 Bücher haben gewonnen:
- Christina Bothe 11.10.11 um 09:01 Uhr
- Claudia 11.10.11 um 20:59 Uhr
- bildungswert 11.10.11 um 10:16 Uhr
- Holger Moller 11.10.11 um 10:35 Uhr
- Claudia 11.10.11 um 21:03 Uhr
Herzlichen Glückwunsch – und allen anderen: Vielen Dank fürs Mitmachen!