Abitur nachholen Abendschule Kosten Voraussetzungen
Abitur nachholen: Nicht jeder schließt die schulische Laufbahn gleich im ersten Anlauf mit dem Abi ab. So entscheiden sich beispielsweise viele dazu, erst einmal eine Ausbildung zu machen und so ins Berufsleben einzusteigen. Damit ist aber noch längst nicht jede Chance vertan. Wer noch keines hat, kann sein Abitur nachholen. Das ist nicht immer ganz leicht, aber durchaus machbar - und oftmals eine sinnvolle Investition in die eigene Zukunft. Wir zeigen, wie Sie das Abi nachholen können, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen und was es sonst noch zu beachten gilt...

Abitur nachholen: Lohnt sich das?

"Die Lebensregungen des strebsamen Jüngers waren von Kind an darauf gerichtet, ein 'Großer' zu werden. Seine Gleichgültigkeit in der Schule, die miserablen Zeugnisse, die Indolenz gegenüber den praktischen Dingen des Lebens durften niemanden täuschen." Das schrieb Klaus Harpprecht 1995 in seiner Biographie über Thomas Mann.

Abitur hatte der große deutsche Schriftsteller keines. In Lübeck legte er die mittlere Reife ab, das war’s. Trotzdem wurde Mann zum Erfolgsautor, zur scharfsinnigen Geistesgröße. Will damit sagen: Auch ohne Abitur kann man Großes vollbringen und auf der anderen Seite ist ein Abitur kein Garant für Erfolg.

Allerdings ist es im 21. ungleich schwerer als im frühen 20. Jahrhundert, die selbst gesteckten beruflichen Ziele zu erreichen. Ob Karrieren wie die von Mann heute noch möglich wären? Vielleicht, aber ganz sicher nicht, wenn er kein Schriftsteller, sondern Geschäftsführer in einem Unternehmen würde werden wollen.

Die Wirtschaft verlangt Leistungsnachweise. Und sie verlangt das Abitur.

Das ist hart, keine Frage. Doch der Konkurrenzkampf ist genau so und auf dem Arbeitsmarkt und im späteren Leben werden oftmals zunächst die Fakten verglichen und abgewogen. Je höher die angestrebte Position, desto kompromissloser die Auswahl. Wer hier den anderen in etwas nachsteht, reduziert seine Chancen enorm.

Die gute Nachricht: Wer die Schule verschlafen oder sich vor dem Abitur für einen anderen Weg entschieden hat, kann das Abitur nachholen. Wir sagen Ihnen, was dafür und was dagegen spricht - und vorallem wie das geht...

Abitur nachmachen Vorteile: Was dafür spricht

    Abitur nachmachen Vorteile: Was dafür spricht

  • Arbeitsmarkt: Die Akademisierung des Arbeitsmarktes ist kein Mythos, sondern Realität. Seit der Jahrtausendwende stieg die Zahl der Erstsemester in Deutschland um satte 61 Prozent. Die Studienanfängerquote liegt mittlerweile bei 58 Prozent, mehr als jeder Zweite eines Jahrgangs nimmt also schon ein Studium auf. Das bedeutet: Die Konkurrenz um die Fleischtröge wird immer größer.
  • Ausbildung: Auch der Lehrstellenmarkt stellt deutlich höhere Anforderungen als früher. In vielen Branchen und Berufen, im kaufmännischen Bereich und bei Banken etwa, ist das Abitur Voraussetzung, um überhaupt in die engere Auswahl zu kommen.
  • Bezahlung: Ein Studium lohnt sich finanziell. Die Entlohnung in akademischen Berufen ist im Regelfall deutlich besser als in nicht-akademischen. Erster Baustein: das Abitur.
  • Lebenslauf: Ausdauer, Zähigkeit, Willensstärke - all das braucht, wer sich im Berufskolleg oder Abendgymnasium zum Abitur quält. Arbeitgeber schätzen so etwas. Im Lebenslauf macht sich diese Episode daher nur allzu gut. Und: Man kann auch eine Phase der Arbeitslosigkeit auf diese Weise sinnvoll überbrücken.
  • Weiterbildung: Handwerker, die nach einem schweren Unfall ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Auch in solchen Fällen ist das nachträgliche Abitur eine Option: Um damit etwa in einen anderen - zum Beispiel kaufmännischen oder akademischen Beruf - umsteigen zu können.
  • Selbstbestätigung: Wer das Abitur nachholt, verschafft sich ein - durchaus grandioses - Erfolgserlebnis. Eine Bestätigung, die einem auch mental Auftrieb gibt für das weitere Berufsleben, im besten Fall sogar für den Rest des Lebens. Das gilt im Übrigen auch für Erwachsene im fortgeschrittenen Alter und Senioren.

Abitur nachmachen Nachteile: Was dagegen spricht

    Abitur nachholen Nachteile: Was dagegen spricht

  • Lockerung: Ein Studium ist heute in vielen Fällen auch ohne Abitur möglich. Nach Berechnungen des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) gab es im letzten Jahr deutschlandweit bereits 50.000 Studenten ohne allgemeine Hochschulreife. 1997 waren es erst 8.500. Eine Alternative daher: Nicht das reguläre Abitur, sondern "nur" das Fachabitur nachholen.
  • Zeitverlust: Das Projekt: Abitur nachholen ist extrem zeitintensiv - und dauert meist Jahre. Wer einen Karriereplan ohne Studienwunsch verfolgt - oder diesen ohne Abitur in die Tat umsetzen kann - sollte sich gut überlegen, ob er die Zeit wirklich aufbringen will.
  • Aufwand: Ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Wer das Abitur in Kolleg oder Abendgymnasium nachholt, geht nicht spazieren, sondern bürdet sich eine enorme Zusatzbelastung auf. Schulleiter antworten auf die Frage nach der Abbrecher- und Durchfallerquote gerne mit: „Bis zu 50 Prozent!“
  • Lehrstellen: Einerseits treiben Ausbildungsbetriebe ihre Anforderungen an Bewerber immer weiter nach oben. Andererseits sinken vielerorts die Bewerberzahlen - mit der Folge, dass auch die Chancen von Haupt- und Realschülern steigen. Das ist von Branche und Region abhängig, aber beispielsweise in Gastronomie oder im Bäckerhandwerk schon deutlich spürbar.

Abitur nachholen in einem Jahr: Ist das möglich?

Abitur nachholen in einem Jahr Fernstudium ExtratippWer sein Abitur nachholt, möchte dies in der Regel so schnell wie möglich schaffen. Entweder, um möglichst zeitnah mit einem Studium beginnen zu können oder um anschließend mit verbesserter Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt durchzustarten.

Da klingt es nur allzu verlockend, dass Abitur in nur einem Jahr nachzuholen. Die entscheidende Frage lautet aber: Ist das überhaupt möglich? Prinzipiell lautet die erste Antwort Ja, möglich ist es in jedem Fall. Gleichzeitig ist dies aber auch an einige Bedingungen und Herausforderungen geknüpft.

Per Fernstudium haben Sie die Möglichkeit, innerhalb von nur einem Jahr das Abi nachholen zu können. Das bedeutet allerdings, dass Sie den gesamten Lehrstoff in diesem Jahr durcharbeiten, verstehen und in der abschließenden Prüfung wiedergeben müssen. Klar, das ist machbar, jedoch sollte der damit verbundene Aufwand nicht unterschätzt werden.

Entscheiden Sie sich für die Option, das Abi in nur einem Jahr nachzuholen, erhöhen Sie damit von Beginn an selbst den Druck und benötigen eine entsprechend gute Selbstorganisation und Disziplin, um erfolgreich zu sein.

Abitur nachmachen: Was muss ich tun?

Es gibt mehrere Wege, die parallel zum Abitur führen.

  • Berufskolleg
  • Abendgymnasium
  • Fernabitur
  • Volkshochschule

Die ersten beiden sind die geläufigsten - und vermutlich auch die besten. Grundsätzlich läuft es so: Im Berufskolleg lernt man tagsüber, die ganze Woche, ähnlich wie in der Schule. Der Unterricht beginnt also morgens gegen 8 Uhr und endet mittags, manchmal gibt es auch Nachmittagsunterricht. Und das - je nach Vorbildung - über sechs bis acht Semester. Eine Unterrichtsstunde dauert, wie üblich, 45 Minuten. Klar ist: Wer berufliche oder sonstige Verpflichtungen hat, wird unter Zeitdruck geraten.

Das Abendgymnasium richtet sich dagegen ausdrücklich an Berufstätige, die ihr Abitur nebenher machen wollen. Dafür gibt es entsprechende Termine in den Abendstunden. Der Unterricht startet also gegen 17 oder 18 Uhr, endet manchmal erst um 22 Uhr. In der Regel befinden sich Kolleg und Abendgymnasium unter einem Dach, der Träger ist meist der gleiche.

Wollen Sie Ihr Abitur durch ein Fernstudium nachholen, genießen Sie mehr Flexibilität, sollten sich aber auch über die Kosten im klaren sein, die bei nicht staatlichen Einrichtungen anfallen können und nicht zu unterschätzen sind.

Im Normalfall wird mit einer Dauer von drei Jahren gerechnet, um das Abi nachzuholen. Diese Zeit kann dadurch variieren, wie lange der Schulabschluss zurückliegt und ob möglicherweise Vorkurse nötig sind.

Der Inhalt des Abiturs auf dem zweiten Bildungsweg hängt davon ab, für welche Kurse Sie sich genau entscheiden. Dabei empfiehlt es sich, Ihre persönlichen Stärken und auch die berufliche Orientierung in die Wahl der Leistungskurse einfließen zu lassen.

Abitur nachholen Kosten: Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Hier ist zunächst entscheidend, wo Sie Ihr Abi nachholen wollen: Staatliche oder private Einrichtungen? Entscheiden Sie sich für eine staatliche Abendschule oder auch ein entsprechendes Kolleg, ist dies meist kostenfrei. Wer sein Abitur nachholt, zahlt dabei kein Schulgeld, sondern wird steuerlich subventioniert. Es fallen also lediglich überschaubare Anschaffungskosten für Lehrbücher, Taschenrechner und sonstige Materialien an.

Hier kommt es aber auf den Wohnort an: Einzelne Bundesländer haben diese Aufgabe weitgehend privatisiert, Bayern und Baden-Württemberg zum Beispiel. Das Abitur in den jeweiligen Privatschulen ist dementsprechend NICHT kostenlos.

Abi nachholen Kosten: Zwei Beispiele


Ein Beispiel aus Sachsen: Das Stöckhardt-Gymnasium in Chemnitz befindet sich in freier Trägerschaft und berechnet 60 Euro Schulgeld monatlich. Dazu kommen noch die Kosten für Bücher, Hilfsmittel, Exkursionen etc.

Ein Beispiel aus Baden-Württemberg: Das Abendgymnasum Offenburg verlangt 450 Euro pro Schuljahr. Das ergibt 37,50 Euro pro Monat. Dazu kommt eine Anmeldegebühr von 40 Euro, in den Gebühren sind allerdings schon 50 Prozent der Bücherkosten enthalten. Träger ist in diesem Fall die Erzdiözese Freiburg, die auch Berufskollegs und Abendgymnasien in Karlsruhe, Freiburg und kleineren Städten der Region betreibt.

Gratistipp: Lernmaterialien nicht schon vor Beginn des Schuljahres kaufen. Sonst steht man womöglich mit den falschen da - und wird hinterher noch mal zur Kasse gebeten. Und: Auch Schüler von Kolleg oder Abendgymnasium haben unter bestimmten Voraussetzungen Bafög-Anspruch. Hier unbedingt vorher die Anspruchsberechtigung prüfen und einen schriftlichen Antrag beim zuständigen Amt für Ausbildungsförderung stellen.

Auch die Freiheiten und Vorzüge eines Fernstudiums haben ihren Preis. Durchschnittlich 130 Euro pro Monat werden hier fällig. Klingt vielleicht zunächst nicht sonderlich viel, addiert sich jedoch sehr schnell auf, bei einer Länge von 36 Monaten.

Abitur nachmachen online: Online zum Abitur

Übrigens: Auch Nichtschüler haben das Recht, am Ende des Schuljahres die Abiturprüfung abzulegen - auch ohne vorherigen Besuch einer Schule, eines Kollegs oder Abendgymnasiums. In der Praxis bereitet man sich dann selbstständig darauf vor. Aber: Ohne professionelle Hilfe ist das nur schwerlich zu bewältigen - und auch nur in Ausnahmefällen empfehlenswert.

Daher bieten auch Volkshochschulen Vorbereitungskurse auf die Abiturprüfung an. Beispiel aus Niedersachsen: Die Volkshochschule Göttingen-Osterode unterrichtet die Kursteilnehmer in einem Vorkurs aufs Abitur in sechs Semestern von Montag bis Freitag von 8.45 Uhr bis 13.45 Uhr in acht Fächern. Kostenpunkt: 2.720 Euro. Nebenan im Abendgymnasium Göttingen, einer staatlichen Schule, ist der Besuch dagegen kostenfrei.

Hier bricht mit Beginn des neuen Schuljahres 2016/17 auch eine ganz neue Zeitrechnung an. Erstmals wird es am Göttinger Abendgymnasium Online-Kurse geben, die das Angebot ergänzen. Das sieht so aus: An drei Tagen in der Woche kommen die Abendgymnasiasten ganz normal zur Schule, an den anderen beiden lernen sie zuhause via Online-Kurs am Laptop. In eine ähnliche Richtung zielt das Angebot der Fränkischen Akademie, die private Abendgymnasien in Nürnberg und Würzburg betreibt. Hier bekommen speziell Menschen mit (körperlichem oder psychischem) Handicap die Möglichkeit, per Online-Studium das Abitur nachzuholen. Laut Veranstaltern handelt es sich um das erste Angebot dieser Art in ganz Deutschland.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass Online-Lerninhalte in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen werden. Für spätberufene Abiturienten bringt das mehr Flexibilität mit sich, könnte unter anderem Alleinerziehenden, Pflegenden und Berufstätigen zugute kommen.

Abitur nachholen Vollzeit: Welche Chancen haben Eltern?

Abitur nachholen Vollzeit Eltern ExtratippDer Zeitaufwand, um das Abitur nachzuholen, hängt immer von der gewählten Schulform ab. Für Eltern stellt dies allerdings eine besondere Herausforderung dar, denn wer Vollzeit damit beschäftigt ist, einen Schulabschluss nachzumachen, hat entsprechend weniger Zeit zur Verfügung, um bei seinem Kind zu sein.

Zwar bieten Kindertagesstätten viele Möglichkeiten und auch die Familie greift meist gerne helfend unter die Arme, allerdings sollte man sich in diesem Fall immer fragen, ob das Abitur in Vollzeit der beste Weg ist - denn es gibt auch viele Angebote, deren Ablauf in Teilzeit geregelt ist.

Abitur nachholen Voraussetzungen: Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Die Voraussetzungen, um das Abi nachholen zu können, sind an staatlichen Einrichtungen einheitlich geregelt, an Fernschulen kann es jedoch Unterschiede geben. Daher sollten Sie sich unbedingt bei der jeweiligen Schule erkundigen. In der Regel müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden, um das Abi nachholen zu können:

  • Volljährigkeit
  • Schulabschluss
  • Abgeschlossene Berufsausbildung oder dreijährige Berufstätigkeit
  • Berufstätigkeit (bei Besuch des Abendgymnasiums)

Auch für die Anmeldung muss noch ein gewisser Aufwand betrieben werden. Verlangt werden meist - auch hier gibt es Abweichungen - ein tabellarischer Lebenslauf, Motivationsschreiben, Passbild, eine Meldebescheinigung über den Wohnsitz, amtlich beglaubigte Kopien von Schul- und Arbeitszeugnissen und der vorherige Arbeitsvertrag.

Zum Schluss möchten wir Ihnen noch den - wirklich netten und informativen - Erfahrungsbericht einer jungen Youtuberin weiterempfehlen:

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