Abmahnung-gelbe KarteEs ist ein Warnschuss des Chefs, im Fußball würde man sagen: die gelbe Karte. Wenn der Chef eine eine Abmahnung ausspricht, ist Schluss mit lustig. Es kann die Vorstufe zur Kündigung sein. Aber eben auch nur die Vorstufe, daher: Auch wenn der Puls danach irgendwo bei 200 liegt und die Gedanken galoppieren – bleiben Sie unbedingt cool und reagieren Sie erst einmal gar nicht. Zurückschlagen wäre jetzt das Falscheste, was Sie tun können. Also erst mal tief Luft holen – und die folgenden Tipps beherzigen…

War die Abmahnung überhaupt zulässig

kuzma/123rfBei einer Abmahnung geht es immer um ein abmahnungsfähiges Fehlverhalten des Mitarbeiters. Dies ist im Bürgerlichen Gesetzbuch, Paragraph 314, Absatz 2, geregelt. Das heißt, der Mitarbeiter muss dazu grob fahrlässig oder gar vorsätzlich gegen seine Vertragspflichten verstoßen haben. Indem der Chef dies abmahnt, sagt er dem Mitarbeiter, dass er dieses Verhalten missbilligt.

Er muss das aber konkret tun, Juristen sprechen dabei auch von der sogenannten Hinweisfunktion: “Sie kommen immer zu spät”, reicht dazu nicht aus. Vielmehr müsste der Chef in dem Fall exakt auflisten, an welchen Tagen und wie viele Stunden sich der Mitarbeiter verspätet hat. Beispiel:

Herr Mustermann kam am 24., 25., 26. und 27. März 2014 statt wie vertraglich vereinbart nicht um 8 Uhr, sondern jeweils erst um 8:30 Uhr zur Arbeit und damit insgesamt zwei Stunden zu spät. Dies war auch in der Vorwoche so und in der Woche davor. Ich mahne Sie daher hierfür ab…

Abgemahnt werden darf zum Beispiel:

  • Wenn Sie sich unangemessen gegenüber dem Chef, Kollegen oder Kunden verhalten.
  • Wenn Sie das Telefon, Internet oder E-Mails privat nutzen und dies offiziell verboten ist.
  • Wenn Ihre Arbeitsleistung wiederholt mangelhaft ist oder grobe Fehler aufweist.
  • Wenn Sie Betriebsgeheimnisse weitergeben.
  • Wenn Sie Ihre Arbeitszeit mit zu vielen Pausen (Zigarettenpause, Kaffeeküchenplausch, Telefonate, etc.) vertrödeln.
  • Wenn Sie regelmäßig zu spät zur Arbeit erscheinen.
  • Wenn Sie unentschuldigt auf der Arbeit fehlen oder den Urlaub eigenmächtig verlängern.
  • Wenn Sie teure Arbeitsgeräte unsorgfältig oder unsachgemäß behandeln und diese wiederholt beschädigen.

Zugleich muss der Chef seine Rüge aber auch mit der Androhung verbinden, dem Mitarbeiter im Forsetzungsfall zu kündigen. Nur dann kann er deswegen später auch kündigen und nur dann ist es überhaupt eine Abmahnung. Ansonsten bleibt es eine Rüge oder Ermahnung. Und die haben arbeitsrechtlich erst mal keine Relevanz.

In der Zeit dazwischen muss der Chef dem derart Abgemahnten natürlich auch genug Zeit geben, sein Verhalten zu korrigieren. Denn dazu ist die Abmahnung letztlich da: Der Mitarbeiter soll die Chance bekommen, durch Umkehr eine Entlassung zu vermeiden.

Formal bedarf eine Abmahnung keiner Schriftform. Der Chef kann Sie ebenso gut – allerdings vor Zeugen – mündlich abmahnen:

Herr Mustermann, ich mahne Sie hiermit ab. Sie sind in der vergangenen Woche jeden Tag eine halbe Stunde zu spät auf der Arbeit erschienen. Wenn Sie dies nicht ändern und wieder pünktlich erscheinen, muss ich Sie entlassen.

Für eine wirksame Abmahnung reicht dies aus. Allerdings kann sich der betroffene Mitarbeiter hierzu äußern. An der Wirksamkeit ändert das allerdings nichts.

Die 3 Bedingungen einer wirksamen Abmahnung

  1. Das Fehlverhalten muss so genau wie möglich benannt werden: Was, wann, wo, wie oft, wie lange?
  2. Der Mitarbeiter muss dafür gerügt und zugleich dazu aufgefordert werden, den Verstoß gegen die Vertragspflichten abzustellen.
  3. Dem Abgemahnten muss mit Kündigung gedroht werden, falls er das Fehlverhalten fortsetzt.

Nach wie vielen Abmahnungen darf der Chef kündigen?

Abmahnung-ChefBei besonders schwerem Fehlverhalten, wie etwa Diebstahl, Untreue oder (Spesen-)Betrug, bedarf es nicht einmal einer Abmahnung. Hier droht die fristlose Kündigung – zu Recht. Arbeitsrichter kennen hierbei kein Pardon, wie diverse Urteile immer wieder eindrucksvoll belegen.

Selbst vermeintliche Kleinigkeiten reichen dazu aus. 1984 zum Beispiel entschied das Bundesarbeitsgericht im sogenannten Bienenstichfall (Az.: 2 AZR 3/83), die Kündigung einer Bäckerei-Verkäuferin sei rechtens. Sie hatte ein Stück Kuchen aus der Theke genommen und gegessen, ohne zu bezahlen. Für die Richter ein klarer Fall von Diebstahl. Ebenso im Fall “Emmely” (Az.: 7 Sa 2017/08): Hier hatte eine Supermarktkassiererin zwei Leergutbons im Gesamtwert von 1,30 Euro eingesteckt. Folge: fristlose Kündigung.

Anders sieht es bei weniger schweren Verstößen aus, wie eben Zuspätkommen oder einem verbalen Ausraster. Im Internet kursiert teils noch die angebliche Regel, der Arbeitgeber müsse dreimal wegen desselben Verhaltens abmahnen, bevor er kündigen kann. Das ist Quatsch. Eine Abmahnung allein reicht in der Regel völlig, um im Wiederholungsfall den Arbeitnehmer deswegen zu entlassen.

Allerdings legen Arbeitsgerichte das teils unterschiedlich streng aus. Heißt: Je schwerer das Vergehen, desto weniger Gnade darf der Betreffende erhoffen.

Kommt die Abmahnung in meine Personalakte?

Kurze Antwort: ja. Allerdings hat jeder Mitarbeiter das Recht, seine Personalakte jederzeit einzusehen. Bei Formfehlern (siehe oben) oder falls die Abmahnung unberechtigt war, besteht zudem das Recht, diese aus der Akte wieder löschen zu lassen. Ebenso kann der Mitarbeiter verlangen, dass der Makel aus seiner Personalakte nach einiger (Besserungs-)Zeit wieder entfernt wird. Bei leichten Verstößen gilt eine Frist von sechs Monaten, bei schweren von zwei Jahren als angemessen.

Im Arbeitszeugnis hat der Hinweis auf eine erfolgte Abmahnung jedoch nichts verloren. Auch eine noch so subtile Andeutung ist verboten. Im Streitfall bleibt einem allerdings nur der Weg zum Arbeitsgericht.

Was kann ich bei einer Abmahnung im Job tun?

PersonalakteErst einmal Ruhe bewahren. Wer abgemahnt wurde, fühlt sich oft zu Unrecht gerüffelt und in seiner Ehre verletzt. Prüfen Sie daher erst einmal so sachlich wie möglich, was an der Rüge tatsächlich dran ist. Insbesondere wenn einiges dafür spricht, sollten Sie sich einsichtig zeigen und das abgemahnte Verhalten unbedingt ändern. Auch sollten Sie diese Absicht deutlich gegenüber dem Chef und vor Zeugen dokumentieren. Schließlich steht ihr Job nach der gelben Karte auf dem Spiel.

Etwas anderes gilt allerdings, wenn die Abmahnung auch nach sachlicher Beurteilung keinerlei Basis besitzt. In dem Fall stehen Ihnen drei Gegenwehr-Strategien zur Verfügung:

  1. Die Gegendarstellung

    Falls Sie davon überzeugt sind und das auch sachlich gut begründen können, dass die Abmahnung ungerechtfertigt ist und Ihre Pflichtverletzung keinesfalls so gravierend war, wie vom Chef dargestellt, können Sie eine Gegendarstellung erwirken. Auch sie muss in die Personalakte aufgenommen werden und ergänzt den Sachverhalt um Ihre Perspektive und Argumente. Das kann bei einem späteren Arbeitsrechtsstreit ein wichtiger Pluspunkt für Sie und die Richter sein. Die Gegendarstellung muss daher schriftlich erfolgen, besser noch, sie können für Ihre Darstellung Zeugen benennen.

  2. Die Betriebsrats-Beschwerde

    Formal muss der Betriebsrat vor dem Aussprechen einer Abmahnung weder informiert noch angehört werden. Aber hinterher können Sie ihn trotzdem einschalten – insbesondere dann, wenn Sie die ungerechtfertigte Abmahnungen aus der Personalakte wieder entfernen lassen möchten. Allerdings stellt dies nur eine Eskalationsstufe dar. Es wird damit für den Chef zwar unangenehm und er muss sich jetzt rechtfertigen. Bleibt er aber bei seiner Einschätzung, bleibt auch die Abmahnung in der Personalakte. In dem Fall hilft nur noch Schritt Nummer 3…

  3. Die Klage

    Wenn alles nichts hilft und der Vorgesetzte uneinsichtig ist, bleibt Arbeitnehmern nichts anderes übrig, als gegen die Abmahnung zu klagen und so deren Rücknahme beziehungsweise Löschung zu erzwingen. Falls der Chef Sie sogar vor Kollegen öffentlich gerügt hat, können Sie so auch durchsetzen, dass dieser seine unwahren Behauptungen genauso öffentlich zurück nimmt und alles richtigstellt – etwa mit einem Rundschreiben. Das Ganze hat zudem noch eine juristische Finesse: Trifft nur ein Vorwurf in der Abmahnung nicht zu oder gibt es einen kleinen formalen Fehler, ist die gesamte Abmahnung unwirksam. Allerdings kann der Arbeitgeber danach jederzeit erneut eine korrekte und damit wasserdichte Abmahnung aussprechen – und das Verhältnis dürfte sich nach der Klage auch nicht wesentlich verbessern. Ob man eine solche Konfrontation riskiert, muss daher jeder selber entscheiden und gut überlegen. Dennoch ist es ein Akt der Zivilcourage, sich nicht jeden Vorwurf gefallen zu lassen, vor allem nicht die ungerechtfertigten.

So oder so: Eine Abmahnung im Job sollte keiner auf die leichte Schulter nehmen. Sie ist eine Vorstufe zur Kündigung, die laut Schätzungen auch in rund 50 Prozent der Fälle folgt. Allerdings muss der Arbeitgeber dann auch beweisen, dass der Mitarbeiter sein Fehlverhalten eben nicht abgestellt hat.

Kaum bekannt: Die Abmahnung des Chefs

Die wenigsten Mitarbeiter wissen das, aber auch der Chef kann von den Arbeitnehmern abgemahnt werden, vor allem wegen wiederholten Fehlverhaltens. Also wenn er sein Team beispielsweise jeden Tag länger zur Arbeit verpflichtet als erlaubt (10 Stunden und mehr) – und das am besten noch ohne Überstundenausgleich, Vergütung und entsprechende Pausen. Die Option ist allerdings ein stumpfes Schwert: Das Arbeitsverhältnis dürfte danach merklich abkühlen, womöglich sucht der Chef jetzt erst recht nach Fehlern bei Ihnen. Allerdings kann die Abmahnung des Chefs ein Weg sein, früher aus seinem Vertrag herauszukommen – etwa, wenn man schon einen neuen Job gefunden hat. In dem Fall kann man den Vorgesetzten abmahnen und ebenso mit Kündigung (der eigenen) drohen.

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