Abschiedsgespräch: Was Sie bitte nie sagen
Die Trennung ist besiegelt, nur das Abschiedsgespräch steht noch zwischen Ihnen und der Tür. Im Optimalfall verläuft so ein Exit-Gespräch zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer offen, ehrlich, konstruktiv. Es kann aber auch passieren, dass Sie die Brücken hinter sich mit einem großen Knall abreißen. Hier sind 13 Dinge, die Sie zum Abschied bitte nicht sagen ...

Abschiedsgespräch: Goodbye

Errol Flynns letzte Worte waren: „I've had a hell of a lot of fun and I've enjoyed every minute of it." Zu deutsch: “Ich hatte einen Höllen-Spaß und ich habe jede Minute davon genossen."

Ungefähr so könnten auch Ihre letzten Worte beim Abschiedsgespräch mit Geschäftsführer, Personaler oder Teamleiter sein. Ein lässiger Abgang in jedem Fall. Hinterher schütteln sich alle die Hand, wünschen sich gegenseitig viel Glück und gehen wieder ihrer Wege. Keine verbrannte Erde, keine abgebrochenen Brücken, alles gut.

Abschiedsgespräch: Chance und Risiko

Grundsätzlich ist das formale Abschiedsgespräch noch nicht in allen Unternehmen Usus, aber ein durchaus gutes Mittel, um professionell Lebewohl zu sagen. Ein Exit-Gespräch bietet beiden Seiten - Unternehmen wie Mitarbeiter - die Möglichkeit ...

  • das Geleistes Revue passieren zu lassen
  • Wertschätzung auszudrücken, den Eindruck von Indifferenz zu vermeiden
  • konstruktive Kritik zu üben
  • alles Gute für die berufliche Zukunft zu wünschen
  • in guter Erinnerung zu bleiben

Gleichwohl ist es eben auch eine günstige Gelegenheit, um Dampf abzulassen, auszuteilen, nachzukarten. Gerade dann, wenn dem Gespräch eine einseitige Kündigung vorausging. Aufgestaute Wut, Frust und Rachegelüste sind die bösen Teufelchen auf der Schulter, die den Gekündigten dann ins Meeting begleiten.

Da kann es schon passieren, dass man Dinge sagt, die man später bereut. Wir haben eine Liste mit 13 Sprüchen zusammengestellt, die Sie so - oder in ähnlicher Form - bitte nicht, in keinem Fall, NIE im Exit-Gespräch von sich geben ...

13 Dinge, die man zum Abschied lieber nicht sagt

  1. Ich verlasse ein sinkendes Schiff

    Das Vergehen: Abwertung.
    Ein Leberhaken gegen den Arbeitgeber zum Schluss - stillos, peinlich, überflüssig. Bitte nicht! Zudem dürfte der Diss dem Personalleiter keine schaflosen Nächte bereiten, sondern eher für Belustigung auf der nächsten Weihnachtsfeier sorgen.

  2. Das war alles Schulzes Fehler

    Das Vergehen: Verrat.
    Mitarbeiter verpfeifen, ihnen die Schuld fürs eigene Versagen in die Schuhe schieben. Klares Stoppschild. Mag sein, dass Kollege Schulze tatsächlich eine Teilschuld trifft, aber für Schuldzuweisungen ist es jetzt zu spät.

  3. Ich hab jetzt was Besseres

    Das Vergehen: Prahlerei
    Geben Sie nicht mit Ihrem ach so tollen neuen Job an. Das schindet weder Eindruck noch weckt es Neidgefühle beim Gesprächspartner. Es stellt Sie einfach nur als charakterlosen Pinsel hin.

  4. Das Gratis-Obst war noch das Beste hier

    Das Vergehen: Sarkasmus.
    Den Spruch dürfen Sie sich gerne für den Kneipenabend mit Ihren Freunden aufheben, sollten ihn aber nicht im Exit-Gespräch anbringen. Für Sarkasmus ist generell nicht der richtige Zeitpunkt.

  5. Der Chef ist ja schon ein Blinder, oder?

    Das Vergehen: Beleidigung.
    Freie Meinungsäußerung bedeutet nicht, alles immer und überall sagen zu dürfen. Beleidigungen sind tabu, auch zum Abschied. Abgesehen davon: Man trifft sich bekanntlich immer zweimal. Deshalb: Nicht persönlich werden.

  6. Hurra, ich habe mein Leben wieder

    Das Vergehen: Ironie.
    Ironie ist feinsinnige Kunst, aber ähnlich wie Sarkasmus momentan etwas unpassend. Vor allem, wenn sie mit einer Abwertung der Firma verbunden ist. Übersetzt heißt das ja schließlich: Die Work-Life-Balance in diesem Unternehmen ist bescheiden. Wenn dem tatsächlich so ist, sagen Sie es besser genauso so: sachlich.

  7. Nicht mal das Fax-Gerät funktioniert richtig

    Das Vergehen: Pedanterie.
    Man will irgendwie Dampf ablassen und dann fällt einem doch wieder nur das olle Fax-Gerät ein. Kramen Sie keine keine Lappalien und Nichtigkeiten hervor, die Sie der Firma zum Abschied negativ auslegen. Das ist unprofessionell.

  8. Mit Verlaub, Sie sind ein Ar ...

    Das Vergehen: Obszonität.
    Durch Joschka Fischer ist der Satz zum geflügelten Wort geworden. 1984 ein Skandal im Bundestag. Für Sie gilt heute: Verkneifen Sie sich Obszonitäten. Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Siehe Fischer.

  9. Ich sag nichts mehr dazu

    Die Sünde: Beleidigtsein.
    Ein Schweigen verrät manchmal mehr als tausend Worte. Und offenbart, dass Ihnen zu dieser Firma nichts Gutes mehr einfällt. War es wirklich so schlimm? Besser: Das Abschiedsgespräch nutzen, um konstruktive und sachliche Kritik zu üben - und sich auch für die positiven Erfahrungen zu bedanken.

  10. Viel Glück ohne mich!

    Das Vergehen: Anmaßung.
    Ja, Sie haben einen guten Job gemacht. Nein, die Firma wird ohne Sie nicht den Bach runtergehen. Niemand ist unersetzlich - egal, welche Kastanien Sie schon für die anderen aus dem Feuer geholt haben. Sogar der FC Bayern ist ohne Übervater Uli Hoeneß Deutscher Meister geworden. Bitte keine Selbstüberschätzung an den Tag legen!

  11. Jetzt kann ich endlich anfangen, Geld zu verdienen

    Das Vergehen: Gier.
    Der Hinweis auf schlechte Bezahlung ist eine Anklage. Aber für Ihr Gehalt waren Sie - teilweise - selbst verantwortlich. Jetzt ist der falsche Zeitpunkt, um über das miese Gehalt zu wehklagen. Das hätten Sie vorher zur Sprache bringen müssen.

  12. Ihr überschätzt euch hier

    Die Sünde: Herabwürdigung.
    "Jetzt kann ich’s ja sagen: Ihr seid alle Versager." Die anderen zum Schluss noch mal herabzuwürdigen mag befreiend sein, ist aber würdelos. Aber: Das bedeutet aber keineswegs, dass Sie nur Nettes über die Firma sagen müssen.

  13. Ich war genau fünf Jahre zu lang hier

    Das Vergehen: Undank.
    "Das war alles für die Katz hier!" Den Eindruck zu hinterlassen, nichts gelernt, nichts mitgenommen zu haben - eine deftige Ohrfeige. Wollen Sie die wirklich austeilen oder gab es nicht auch schöne Momente?

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