Abschiedsrede: Wie Sie vom Job Abschied nehmen
Endlich! Der große Tag ist da: Sie nehmen Abschied vom bisherigen Job, verlassen diesen unorganisierten Saftladen, schließen dieses unrühmlich Kapitel ihrer Karriere ab und wechseln zu einem besseren Arbeitgeber. Nach Jahren des Martyriums ist das Ende greifbar nahe. Ihre Chance, in einer Abschiedsrede Bilanz zu ziehen und mit dem bisherigen Chef oder den Kollegen abzurechnen; der Augenblick endlich all das zu sagen, was Sie sich die vergangenen Jahre verkniffen haben, feuern kann Sie ja sowieso keiner mehr... Fehler! So gehen Sie zwar sicher in die Firmengeschichte ein, beweisen aber auch Kleingeist und schaden Ihrer Reputation...

Abschied vom Job: Ich bin dann mal weg

Pressmaster/shutterstock.comBis zum Moment des Abschieds gilt: Nach der Kündigung als Arbeitnehmer arbeiten Sie genau genommen nicht mehr für Ihren Chef, sondern vor allem für Ihren Ruf. Wie lange diese Phase dauert, bestimmt der Arbeitsvertrag. Bis dahin aber sollte man durchweg Profi bleiben - zu jedem Zeitpunkt und egal, wie unprofessionell der Arbeitgeber sich verhält. Es sei denn, Sie wollen Niveau-Limbo spielen...

Sollte Sie Ihr Boss also nach einer Begründung für die Kündigung fragen – bleiben Sie positiv: Oft ist das eine Falle. Ihn interessiert nicht Ihre Meinung, sondern das, was Sie womöglich weitererzählen.

Ihre Antwort lautet daher: Alles lief bestens, der andere Job bietet nur Herausforderungen, die Sie reizen.

Akzeptieren Sie auch kein besseres Gegenangebot:

  • Erstens, weil das unentschlossen wirkt.
  • Zweitens, weil Sie nun bereits als illoyal gelten. Sollten irgendwann Stellen gestrichen werden, steht Ihr Name schon auf der Liste.

Tipps für die Zwischenzeit nach der Kündigung

Zwischen Kündigung und letztem Arbeitstag liegen oft einige Wochen, in denen Sie noch in der Firma arbeiten.

  • Schließen Sie jetzt alle offenen Projekte und Aufgaben sorgfältig ab und arbeiten Sie Ihren Nachfolger gewissenhaft ein - mit geordneten Dokumenten, Kontakten, Hinweisen zu Abläufen oder informellen Netzwerken, die er nutzen kann. Was Sie an wertvollem (Insider-)Wissen angesammelt haben, sollten Sie an Ihre Kollegen weitergeben.
  • Nehmen Sie sich vor allem Zeit dafür, Ihr Büro und Ihren Computer aufzuräumen und von allen privaten oder kritischen Unterlagen zu säubern. Hinterlassen Sie auf keinen Fall offene Baustellen, die Probleme verursachen könnten. Dann können Sie auch beruhigt gehen.
  • Nach Ihrer Kündigung kann es durchaus passieren, dass Ihre Ideen und Vorschläge innerhalb des Teams oder der Abteilung auf einmal weniger Gewicht haben und Kollegen Sie auch deutlich weniger nach Ihrer Meinung fragen. Machen Sie sich bitte keine Gedanken, dieses Verhalten ist völlig normal. Die Kollegen wissen ganz einfach, dass Sie bei der Umsetzung Ihrer Vorschläge nicht mehr anwesend sein werden und die Arbeit daher von den Kollegen zu leisten sein wird. Daher halten sich alle eher zurück.
  • Und nehmen Sie ab jetzt (sonst aber auch) nichts mit, das Ihnen nicht gehört. Nicht einmal Büroklammern. Auch nicht aus Versehen. Das ist Diebstahl und kann Sie bei einem drohenden Rechtsstreit viel Geld und Ihren guten Ruf kosten.
  • Das gilt auch für den Fall, dass Sie Zugang zu Geschäftsgeheimnissen haben. Schon im eigenen Interesse sollten Sie sich so schnell wie möglich davon distanzieren. Dann kann Ihnen keiner daraus einen Strick drehen.

Giftordner anlegen

Bevor Sie kündigen, säubern Sie unbedingt Ihr Büro: Persönliche Dinge sowie Ihr Privateigentum sollten Sie rechtzeitig und diskret nach Hause schaffen. Das gilt besonders für Daten auf dem Rechner, die man gegen Sie verwenden könnte. Legen Sie sich rechtzeitig einen sogenannten Giftordner an, in dem Sie Ausdrucke oder Kopien von E-Mails oder anderen Schriftsätzen sammeln, die Ihre Verhandlungsposition bei einem möglichen Arbeitsrechtsstreit stärken. Dazu gehören: Drohungen, Unverschämtheiten, Nötigung oder gar Anstiftung zu Straftaten. Dieser Ordner gehört ebenfalls früh nach Hause.

Der letzte Arbeitstag: War nett mit euch

Die obligatorische Abschiedsfeier sollten Sie idealerweise schon etwas früher ausrichten, am letzten Arbeitstag werden oft noch Gespräche geführt, dafür sollten Sie sich Zeit nehmen.

Auch eine Abschiedsmail oder ein Abschiedsschreiben gehören zum guten Ton. Es war sicher nicht alles schlecht, heben Sie die positiven Aspekte der gemeinsamen Arbeit hervor.

Fragen Sie zudem nach Referenzen oder einem Empfehlungsschreiben. Das Arbeitszeugnis ist heute oft nur noch eine Formangelegenheit. Und viele Zeugnisse werden heute von den Mitarbeitern selbst formuliert. Wichtiger sind deshalb solche Empfehlungen: Sie helfen ungemein bei der Suche nach einem neuen Job und dienen als Türöffner. Auch deshalb sollten Sie im eigenen Interesse professionell und souverän abtreten.

Abschiedsrede: So sagen Sie formvollendet Good-Bye

wavebreakmedia/shutterstock.comSo eine spontane Abschiedsansprache oder Stegreifrede zu halten, ist nicht jedermanns Sache: Im Mittelpunkt stehen und dann auch noch die passenden Worte finden - gegenüber lieb gewonnenen Kollegen oder gar Vorgesetzten - fällt manchen richtig schwer. Drum herum kommen Sie aber nicht: Eine souveräne Abschiedsrede gehört zu einem glanzvollen Abschied dazu.

Dazu gehört auch der passende Rahmen: Zwischen Tür und Angel wirkt ein solcher Vortrag sicher nicht. Etwas feierlich sollte es also schon werden, etwa mit einem kleinen Sektumtrunk oder ein paar Schnittchen oder selbstgebackenem Kuchen.

Die wichtigste Regel aber lautet: Machen Sie es kurz. Keiner mag Abschied gern. Und werden manche dann auch noch sentimental, fällt der Abschied nur unnötig schwerer. Es ist ja kein Begräbnis, Sie wechseln doch nur einen Arbeitgeber oder gehen in den wohlverdienten Ruhestand.

"So long suckers! I’m out!" - "Bis dann, ihr Lutscher! Ich bin raus!" Mit diesen Worten nahm der ehemalige Google-Mitarbeiter Jason Shugars bei dem Suchmaschinengiganten seinen Hut. Kann man so machen, sollte man aber nicht. Professioneller wirkt es, wenn Sie sich an folgende drei Empfehlungen für eine Abschiedsrede halten:

  1. Persönlich werden. Reden Sie die Kollegen, mehr aber noch den Chef mit Namen an und halten Sie während der Abschiedsrede zu allen Blickkontakt. Lächeln nicht vergessen - Sie halten keine Trauerrede! Und versuchen Sie die Abschlussrede frei zu halten. Auf keinen Fall ablesen, allenfalls ein Spickzettel mit Stichworten ist erlaubt. Eigentlich kein Problem, denn länger als fünf bis zehn Minuten sollte die prägnanten Abschlussworte nicht dauern.
  2. Dankbar bleiben. Fassen Sie die bisherigen Höhepunkte Ihrer Betriebslaufbahn kurz zusammen, am besten in Form kleiner Anekdoten. Zeigen Sie ruhig kleine Schwächen dabei. Bloß keine Fakten aufzählen - langweilig! Vergessen Sie bei den letzten Worten auch nicht, wichtigen Weggefährten und Unterstützern zu danken - Kollegen, Mentoren, Chefs. Und bitte nie etwas Schlechtes über Ihren Nachfolger sagen. Sie wirken so nur wie ein schlechter Verlierer und feiger Nachtreter. Charakterköpfe gratulieren und wünschen Glück. Selbst wenn Sie im Zorn gehen: Mit Humor und Anerkennung bleiben Sie besser in Erinnerung als mit Bitterkeit.
  3. Pointiert abschließen. Das Beste kommt zum Schluss. Beenden Sie Ihre Abschiedsrede mit einem Bonmot, mit einem amüsanten Zitat oder einem mutmachenden Ausblick - für die verbleibenden (Ex-)Kollegen. Nur bitte nichts Peinliches erzählen - und erst recht keine Selbstbeweihräucherung. Wirkt höhnisch. Wenn Sie Ihre Abschiedsrede beenden, sollten Sie herzaftes Lachen hören und keine betretenen Gesichter sehen. Denn das Klischee stimmt: Man begegnet sich immer zweimal im Leben.

Extra-Tipp: Im neuen Job...

Geben Sie bitte auch keine schlechten Kommentare über Ihren alten Arbeitgeber im neuen Job ab. Der Einzige, der dabei schlecht aussieht, sind Sie. Ihr neuer Arbeitgeber ist vielleicht irgendwann auch wieder Ihr Ex. Das ist ihm bewusst. Deshalb will er nicht, dass man so womöglich auch mal über ihn spricht und wird er Lästermäuler meiden.

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