Tyler Olson/shutterstock.comDie Abschlussarbeit ist für die meisten Studenten das erste große Schreibwerk. Auch wenn Studenten im Vorfeld meist einige Studienarbeiten verfasst haben, kommt der Abschlussarbeit doch eine deutlich größere Bedeutung zu. Monate voller harter Arbeit und intensiver Recherche stecken darin. Die Arbeit hat einen zahlreiche Nerven und viel Herzblut gekostet. Nach Abgabe und Benotung verstauben die meisten Abschlussarbeiten im eigenen Regal und werden nur noch in Ausnahmefällen hervorgeholt. Schade um all die Mühe! Wieso also nicht etwas daraus machen und die Arbeit veröffentlichen? Wie Bachelor-, Master- und Diplomarbeiten an die interessierte Öffentlichkeit gebracht werden können...

Es soll nicht alles umsonst gewesen sein

Nach getaner Arbeit stellt sich erst einmal die Erleichterung, es geschafft zu haben, ein. Doch danach steht die Frage, was mit der Arbeit passieren soll, im Raum. Wer viel Zeit und Mühe in seine Abschlussarbeit gesteckt hat, wünscht sich Anerkennung und Aufmerksamkeit. Daran die Arbeit zu veröffentlichen, denken jedoch nur die wenigsten. Immer noch weit verbreitet ist der Glaube, dass sich eine Veröffentlichung nur für diejenigen lohne, die auch eine wissenschaftliche Karriere anstreben.

Doch auch Absolventen, die nicht planen in die Wissenschaft zu gehen, kann die Veröffentlichung der Abschlussarbeit Möglichkeiten eröffnen, auf sich und ihre Expertise aufmerksam zu machen und Kontakte zu knüpfen.

Abschlussarbeit im Unternehmen

Wer seine Abschlussarbeit in Kooperation mit einem Unternehmen geschrieben hat, sollte sich darüber informieren, ob eine Veröffentlichung erlaubt ist. In einigen Fällen gibt es eine Sperrklausel, die die Veröffentlichung verbietet und die Leserschaft auf bestimmte Personen begrenzt, damit vertrauliche Informationen nicht weitergeben werden.

Abschlussarbeiten veröffentlichen: Welche Möglichkeiten Sie haben

a6photo/shutterstock.comAber veröffentlichen ist nicht gleich veröffentlichen: Print oder als E-Book? In Auszügen oder als Gesamtwerk? Welche Möglichkeiten sich Ihnen bieten:

  • Publikationsserver der Universität: Hier können Sie Ihre Arbeit digital und kostenlos veröffentlichen. In der Regel wird Sie dann auch im Bibliothekskatalog gelistet und kann so von anderen Studenten gefunden werden.
  • Universitätsverlag: Hierbei handelt es sich um einen universitätseigenen Service, über den die wissenschaftlichen Arbeiten, wie beispielsweise Dissertationen, Habilitationen, Forschungsarbeiten und Sammelbände veröffentlicht werden. Die Arbeit muss bestimmten Standards entsprechen und die Druckkosten müssen gezahlt werden.
  • Journalbeitrag: Wer nicht seine gesamte Arbeit veröffentlichen will, sondern nur eine kondensierte Form, ein Exzerpt oder einen Auszug, kann sich an Fachzeitschriften wenden. Oftmals ist diese Variante mit nicht zu unterschätzendem Aufwand verbunden, da Arbeiten umgeschrieben oder zu gänzlich neuen Artikeln zusammengefasst werden müssen. Eine weitere Hürde ist, das ein Redakteur von der Forschungsarbeit überzeugt werden muss. Renommierte Fachzeitschriften prüfen überdies die Relevanz des Forschungsthemas durch unabhängige Gutachter.
  • Print on Demand: Oder auch Book-On-Demand genannt. Hier bieten Verlage wie epubli dem Autor an, das eigene Buch bereits kostenlos ab einer Auflage von einem Stück zu veröffentlichen. Entsprechend von Umfang, Aktualität, Fachbereich und weiteren Kriterien wird ein Preis festgelegt, für den der Leser ein Exemplar erwerben kann. Gedruckt wird nur auf Bestellung.
  • E-Book: Apple, Amazon, Grin.com und zahlreiche weitere Anbieter bieten die Möglichkeit, die eigene Arbeit als E-Book zu veröffentlichen. Die Veröffentlichung ist in der Regel auch kostenlos und über das Hochladen einer PDF-Datei einfach zu realisieren. E-Books bieten auch die Möglichkeit, die Arbeit ins eigene Blog einzubinden. Wie genau die Erstellung eines E-Books funktioniert, hat Christian Müller bereits an dieser Stelle beschrieben.
  • Gastartikel für Fachblogs: Neben der Veröffentlichung auf dem eigenen Blog bietet sich auch das Schreiben eines Gastartikels für ein Fachblog an. In diesem können einzelne Thesen oder Ergebnisse diskutiert werden. Auf diese Weise steigt die Aufmerksamkeit für das Werk. Optimal ist es dann natürlich, wenn das Gesamtwerk auch erhältlich ist.

Welche Variante die Richtige ist, hängt davon ab, welche Ziele man mit der Arbeit verfolgt, wie groß das eigene Budget ist und in welcher wissenschaftlichen Disziplin man die Arbeit eingereicht hat.

Was bringt die Veröffentlichung für die Bewerbung?

Wer seine Abschlussarbeit veröffentlicht, erhofft sich ein Stück weit, Vorteile für die berufliche Karriere. Sie zeigen damit, dass Sie über Expertenwissen auf einem bestimmten Gebiet verfügen und wissenschaftliche Arbeitsweisen beherrschen.

Allerdings gilt es hier sich und seine Arbeit richtig zu positionieren. Wollen Sie Ihre Abschlussarbeit in der Bewerbung prominent erwähnen, sollte diese auch thematisch zum Unternehmen und zur ausgeschriebenen Stelle passen. Dann sollten Sie im Lebenslauf auf die Arbeit verweisen und die Kernpunkte in zwei oder drei Sätzen wiedergeben. Optimal ist es, wenn die Arbeit bei einer digitalen Bewerbung auch direkt verlinkt wird.

Hat die Abschlussarbeit nicht direkt etwas mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun und Sie wollen diese trotzdem erwähnen, bietet sich hierfür eine Publikationsliste als Anlage an. Allerdings ist das nur sinnvoll, wenn Sie mehr als eine Publikation auflisten können, beispielsweise Bachelor- und Masterarbeit oder auch ein Auszug Ihrer Arbeit in verschiedenen Medien bieten sich an.

Tipps für die Veröffentlichung

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  • Machen Sie sich Gedanken über das Ziel. Welches Ziel verfolgen Sie mit der Veröffentlichung Ihrer Arbeit? Möchten Sie Ihr Profil schärfen? Ihr Wissen an Ihre Mitstudenten weitergeben? Aufmerksamkeit in der Fachwelt erlangen? Darüber sollten Sie sich vor der Veröffentlichung ausgiebig Gedanken machen, denn es hat Einfluss darauf, welche Art der Veröffentlichung die Richtige für Sie ist. Was die Aufmerksamkeit vom Fachpublikum angeht, sollten Sie jedoch realistisch bleiben. Das wird Ihnen nur gelingen, wenn Sie mit Ihrer Arbeit wissenschaftliches Neuland betreten oder mit einer neuartigen Herangehensweise aufwarten. Bei den meisten Bachelorarbeiten ist das allerdings nicht der Fall.
  • Denken Sie frühzeitig an eine Veröffentlichung. Eigentlich sollten Sie bereits vor der Erstellung der Arbeit über eine Veröffentlichung nachdenken. Denn das könnte Einfluss auf Ihr Thema und Ihre Fragestellung haben. Auch haben Sie so die Möglichkeit, Ihren Recherche- und Schreibprozess von Beginn an auf einem Blog zu dokumentieren.
  • Wenden Sie sich an Ihren Betreuer. Der Professor, der Ihre Arbeit betreut, kann Ihnen eine große Hilfe bei der Verwirklichung Ihres Vorhabens sein. Zum einen verfügt er über Kontakte, auf die Sie im besten Fall zurückgreifen können und zum anderen hat er selbst Erfahrung mit der Veröffentlichung von wissenschaftlichen Texten. Er kann Sie dazu beraten, an welchen Verlag Sie herantreten sollten, wo es Unterstützung für die Finanzierung Ihres Vorhabens gibt und welche Anforderungen die Fachzeitschriften auf Ihrem Gebiet haben.
  • Achten Sie auf das Copyright. Wenn Sie sich an einen Verlag wenden, achten Sie darauf, ob dieser die alleinigen Rechte an Ihrem Werk beansprucht. Denn dadurch geht Ihnen unter Umständen die Möglichkeit verloren, die Arbeit auch auf dem Bibliotheksserver der Universität oder im eigenen Blog zu veröffentlichen.
  • Fallen Sie nicht auf falsche Versprechen herein. Wird mit hohen Verdiensten geworben, sollten Sie skeptisch sein, denn in der Regel werden Sie mit der Veröffentlichung Ihrer Arbeit nicht viel Geld verdienen. Dafür sind die Beteiligung des Autors und die Verkaufszahlen zu niedrig.
  • Informieren Sie sich über die Reputation des Verlags. Einen seriösen Verlag erkennen Sie daran, dass er gewisse Standards an die Arbeiten, die veröffentlicht werden, setzt. Von Seiten des Verlags sollte überprüft werden, ob Sie wissenschaftliche Arbeitsweisen einhalten und wie gut Ihre Arbeit bewertet wurde.
  • Erkundigen Sie sich, welchen Service der Verlag bietet. Was bietet Ihnen der Verlag? Ist in dem Angebot auch ein Lektorat und die ISBN- Nummer enthalten? Auf solche Punkte sollten Sie achten und mehrere Angebote miteinander vergleichen.
  • Sorgen Sie für breite Präsenz im Internet. Wünschen Sie sich die Aufmerksamkeit vieler Leser, sollten Sie für eine gute Auffindbarkeit im Internet sorgen. Oftmals reicht es nicht aus, Ihre Arbeit nur auf dem Publikationsserver Ihrer Universität zu veröffentlichen, sondern Sie sollten mehrere Kanäle zu kombinieren.
  • Unterschätzen Sie nicht den Aufwand. Die eigene Arbeit bekannt zu machen, ist immer auch mit Aufwand für Sie verbunden. Je nach Publikationsvariante sollten Sie bereit sein, Ihre Arbeit noch einmal zu überarbeiten. Auch Geduld sollten Sie mitbringen, insbesondere wer den Weg über eine Veröffentlichung in Fachzeitschriften wählt.

Welche Erfahrung haben Sie mit der Veröffentlichung gemacht?

Die folgende Empfehlung stammt von einer Leserin via Twitter:

[Bildnachweis: Tyler Olson, a6photo, AntonMaltsev by Shutterstock.com]