Agiles Management
Führungskräfte stehen heute mehr denn je vor Aufgaben und Herausforderungen, die scheinbar kaum zu bewältigen sind. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen es in erster Linie darum ging, Mitarbeiter zu motivieren und langfristig gesteckte Zielvorgaben zu erreichen. Moderne Führungskräfte sind mit ständig wechselnden Trends und Anforderungen konfrontiert, für die Sie jeweils in Rekordzeit die passende Lösung und Antwort parat haben sollen. Große Hoffnungen werden dabei in das Konzept des agilen Management gesteckt. Es geht darum, alte Strukturen zu hinterfragen, flexibler zu werden und sich dem stetigen Wandel auch in der Personalführung anzupassen. Funktionieren kann das allerdings nur, wenn ein Umdenken stattfindet und dieses auch in die Tat umgesetzt wird...

Agiles Management Definition: Was macht die agile Führung aus?

Agiles Management Definition Agilität FührungAgiles Management basiert vor allem auf Flexibilität. Dieses Führungs- und Organisationskonzept setzt damit genau an der Stelle an, wo viele klassische Managementsysteme kranken und vermehrt auf Probleme stoßen.

Starre und altmodische Führungskonzepte sind meist viel zu langsam, um in einer schnelllebigen Zeit mithalten zu können. Agiles Management möchte genau das anders machen. Auf Änderungen und neue Rahmenbedingungen soll in kürzester Zeit reagiert werden. Dynamisch statt statisch lautet das Motto. Entscheidungen sollen nicht erst durch eine schier endlose Bürokratie laufen, sondern schnell und flexibel getroffen werden können.

Agiles Management versucht darüber hinaus, Entwicklungen vorherzusehen, proaktiv zu handeln und somit der Konkurrenz im besten Fall gleich zwei Schritte voraus zu sein, indem nicht nur schneller auf Veränderungen auf eingetretene Veränderungen reagiert wird, sondern diese vorweggenommen werden.

Schwierigkeiten gibt es jedoch oftmals bei der Umsetzung eines agilen Managements. Es reicht eben nicht aus, sich dieses einfach nur auf die Fahnen zu schreiben oder in einer Rundmail die gesamte Belegschaft davon in Kenntnis zu setzen, dass von nun an auf mehr Agilität in der Führungsetage geachtet werden soll. Nur wenn langfristig die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden und sowohl im Management als auch bei den Mitarbeitern ein Umdenken stattfindet, kann agiles Management erfolgreich sein.

Agiles Management: Die Grundpfeiler

Agiles Management kann die starre Organisation ablösen und durch ein flexibleres, zukunftsorientiertes Modell ersetzen, das dem ständigen Wandel gewachsen ist und auf jede noch so kurzfristige Veränderung vorbereitet ist. Damit das funktioniert, braucht es jedoch einige wichtige Grundpfeiler im Unternehmen, die etabliert werden müssen.

  • Ausgeprägte Kommunikation

    Kommunikation ist das A und O des agilen Managements. Auf Veränderungen kann nur dann schnell und vor allem richtig reagiert werden, wenn alle Beteiligten zu jeder Zeit vollkommen informiert sind und wissen, wie sich die Dinge geändert haben und welche Erwartungen und Ziele es zu erfüllen gilt. Ändert ein Kunde beispielsweise seine Meinung über das Design oder eine plötzliche Entwicklung verändert den Markt, muss sofort ein Austausch stattfinden, um eine Lösung zu entwickeln.

    Dabei reicht ein wöchentliches Meeting oder bei langfristigen Projekten ein vielleicht noch längerer Zeitraum nicht aus. In der Zwischenzeit können sich bereits diverse Dinge erneut geändert haben. Agiles Management zeichnet sich deshalb auch durch informelle Kommunikation und schnelle Kommunikationswege aus.


  • Offene Kritik

    Ein Grundpfeiler, der in vielen Unternehmen ein Problem darstellt. Agiles Management macht es erforderlich, dass Probleme, Schwierigkeiten und schlichtweg falsche Ansätze offen angesprochen werden - und zwar sowohl von Führungskräften als auch von Mitarbeitern. Nur ein solch kritischer, aber gleichzeitig offener Umgang macht es möglich, veraltete Denkmuster zu hinterfragen und zu erneuern.

    Bei vielen Arbeitgebern läuft die Kritik jedoch nur in eine Richtung, wodurch Entwicklungen in der Führungsebene ausbleiben oder deutlich langsamer voranschreiten.


  • Flache Hierarchien

    Schnelle und flexible Reaktionen sind nur in einem Unternehmen mit flachen Hierarchien umsetzbar. Wie soll im besten Fall sofort auf ein Kundenbedürfnis eingegangen werden, wenn erst der Vorgesetzte eingeschaltet werden muss, der sich wiederum selbst an seinen Chef wendet, um sich irgendwann mit einer Rückmeldung wieder an den Mitarbeiter zu wenden?

    Solch lange Entscheidungswege sind in der heutigen Zeit kaum noch praktikabel. Gerade im Dienstleistungs- und Kundensektor wollen die Menschen schnelle Hilfe für Ihre Anliegen - und nicht darauf vertröstet werden, dass sich irgendjemand in den nächsten Tagen oder Wochen vielleicht einmal melden wird.


  • Kurze Umsetzungszyklen

    Projekte sind oftmals über einen sehr langen Zeitraum von mindestens mehreren Monaten oder gar länger angesetzt. In der heutigen Zeit reicht es dabei jedoch nicht aus, sich erst am Schluss Gedanken darüber zu machen, ob das Ergebnis den Erwartungen entspricht. In der Zwischenzeit kann viel zu viel passieren, Anforderungen ändern sich oder Kunden wollen plötzlich doch etwas ganz anderes.

    Kurze Umsetzungszyklen sind deshalb ein Kernelement des agilen Managements. So können die Entwicklungen regelmäßig überprüft werden, während gleichzeitig festgehalten wird, ob die Zielvorgaben immernoch gleich geblieben sind. Nur so können frühzeitig Maßnahmen eingeleitet werden, um Projekte in die gewünschte Richtung zu lenken.


  • Starkes Vertrauen

    Auch ein starkes Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter ist ein wichtiger Grundpfeiler für agiles Management. Jedes einzelne Teammitglied sollte das Vertrauen genießen, eigenständige Entscheidungen zu treffen und selbstständig zu handeln, anstatt immer nur auf Anweisungen von oben warten zu müssen. Genau von diesen zentralen Vorgaben müssen sich Führungskräfte entfernen, da diese entweder viel zu lange brauchen oder einfach nicht allgemein möglich sind.

    Führungskräfte im agilen Management sollten sich deshalb mit ihrer neuen Rolle identifizieren und Mitarbeiter als professionelle und gut ausgebildete Experten behandeln. Es soll nicht in die Arbeit eingegriffen, sondern beratend und unterstützend zur Seite gestanden werden.


  • Umfangreiches Delegieren

    Im klassischen Management machen viele Führungspersönlichkeiten den Fehler, alles kontrollieren zu wollen und am liebsten jede Aufgabe selbst zu übernehmen. Dabei geht jedoch eine Menge Zeit verloren und die Fähigkeiten des Teams werden nicht genutzt. Oftmals haben die Mitarbeiter ein viel besseres Verständnis oder auch die besseren Fähigkeiten, um die täglich anfallenden Aufgaben zu erledigen.

    Vorgesetzte im agilen Management müssen deshalb unbedingt in der Lage sein, Aufgaben und auch die damit verbundene Verantwortung zu delegieren. Gelingt das, können auch Führungskräfte sich wieder auf ihre eigentlichen Kernaufgaben konzentrieren, womit am Ende alle Beteiligten profitieren.

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