Agilität: Wie Teamworking davon profitiert
Wenn es in Unternehmen ein Zauberwort gibt, lautet es für die meisten Teamwork. Jeder Mitarbeiter soll möglichst ein Höchstmaß an Teamfähigkeit mitbringen, Ziele werden gemeinsam gesteckt und erreicht und gemeinsam soll geschafft werden, wozu der Einzelne nicht in der Lage ist. Das klingt erst einmal vielversprechend, besonders wo Studien immer wieder zeigen, dass die richtige Arbeitsatmosphäre für viele Beschäftigte der wichtigste Faktor im Job ist. Leider ist die Magie hinter dem scheinbaren Zauberwort dann aber doch nicht so groß, denn es ist inzwischen kaum mehr ein Geheimnis, dass die Arbeit im Team der Leistung und den Ergebnissen nicht zuträglich ist. Das Konzept der Agilität liefert einige Ideen, um diese negativen Effekte umzukehren. So kann das Teamworking davon profitieren...

Agilität: Worunter leidet das Teamworking?

Im allgemeinen Verständnis soll Teamwork besonders eins: Die Leistungen aller Beteiligten steigern und so zu einem besseren Gesamtergebnis beitragen. Arbeiten drei Kollegen gemeinsam an einem Projekt erreichen Sie eben mehr, als wenn jeder für sich selbst bleibt. Aber ist das wirklich so?

Wohl kaum, denn auch wenn Teamarbeit immer wieder in höchsten Tönen gelobt wird, zeigt sich immer wieder, dass die gemeinsame Arbeit auch einige Schattenseiten mitbringt. Der Einzelne beginnt sich auszuruhen und verlässt sich darauf, dass die anderen das Ding schon schaukeln werden. Wie das endet, wenn immer mehr Teammitglieder sich dieser Einstellung anschließen, ist nicht schwer auszumalen.

Doch es gibt noch weitere Faktoren, die dazu führen, dass Teamwork bei weitem nicht so effektiv ist, wie es häufig angepriesen wird.

  • Angst vor Fehlern. Die meisten Menschen haben ohnehin Angst davor, einen Fehler zu machen. Noch schlimmer wird dies allerdings, wenn es im Umfeld des gesamten Teams passiert. Niemand möchte sich diese Blöße geben, also bleiben einige Ideen im Team unausgesprochen oder es wird ein neuer Ansatz nicht ausprobiert, um sich nicht dem Risiko des Scheiterns auszusetzen.
  • Fehlender Wissensaustausch. Im Team sind alle Informationen vorhanden, doch das bedeutet nicht, dass diese auch für alle zugänglich sind. Immer wieder kommt es bei der Teamarbeit zu dem Problem, dass Informationen und Wissen nicht mit allen geteilt wird.
  • Übertriebener Ehrgeiz. In einigen Teams werden die Kollegen eher als Konkurrenten angesehen, gegen die man sich auf dem Weg zum Erfolg durchsetzen muss. Wo eigentlich an einem Strang gezogen werden sollte, wird hier versucht, sich selbst zu profilieren, um möglichst schnell die Karriereleiter empor zu steigen.

Wie das Teamworking von Agilität profitieren kann

Pressmaster/shutterstock.comDie agilen Methoden stammen aus der Softwareentwicklung und sind darauf ausgerichtet, dass die Arbeit im Team wieder produktiver - und damit ihrem Ruf gerecht - wird. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht nur auf diese Branche beschränkt, sondern lässt sich auf jedes Team übertragen. Wir stellen Ihnen die sieben wichtigsten Grundsätze des agilen Teamworking vor und zeigen, wie Ihre Teamarbeit davon profitieren kann.

  1. Rede, aber quatsch keine Opern.
  2. Standup-Meetings sind im agilen Umfeld oft nur 15 Minuten lang. Dafür finden Sie jeden Tag statt. Es werden nicht wie bei einem wöchentlich Jour fixe in einem klassisch organisierten Unternehmen erst mal Abteilungswunden geleckt, nein, es geht um den Fortschritt – oder darum, Hindernisse beim Weiterkommen zu beseitigen. Detailthemen werden nach dem Meeting bilateral geklärt.

    Was Sie daraus mitnehmen können: Geben Sie Meetings einen Zeitrahmen, lassen Sie diese öfter stattfinden und konzentrieren Sie sich auf die Sache.

  3. Liebe den Fehler.
  4. In vielen konservativen Firmen wird immer noch viel vertuscht und unter den Teppich gekehrt. In der agilen Welt ist das tabu. Dort kommen Fehler sofort auf den Tisch. Niemand wird angeklagt. Fehler gehören dazu. Denn alle wissen: Kreativität und Innovation sind ohne Fehler gar nicht möglich. Nicht ohne Grund heißt es in diesem Zusammenhang "Trial and error". Oder auch: Versuch macht klug.

    Was Sie daraus mitnehmen können: Lassen Sie Ihr Team Fehler machen! Fehler machen Spaß.

  5. Drehe ein paar Schleifen mehr.
  6. Der Kern der agilen Arbeitsweise ist das iterative Planen. Dabei werden mehrere Schleifen gedreht, die einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess entsprechen. Anstatt also die 80-Prozent-Lösung auf ein definiertes Ziel hin zu entwickeln, wird das momentane Produkt immer weiter verbessert. Dabei kommen Aspekte an die Oberfläche, die das Team am Anfang des Prozesses oft nicht gesehen hat. Ob Software oder Kuchenrezept: Iterative Planung bewährt sich in vielen Bereichen – und hat nebenbei auch positive Auswirkungen auf die Lernkurve im Team.

    Was Sie daraus mitnehmen können: Nutzen Sie das iterative Planen und sorgen Sie für kontinuierliche Weiterentwicklung.

  7. Vergiss Ziele, experimentiere.
  8. Kennen Sie die SMART-Formel? Sie besagt das Ziele spezifisch, messbar, aktiv, realistisch und im Zeitrahmen (das T steht für time-measurable) sein sollen. Doch je komplexer eine Aufgabe ist, desto schwerer ist es, konkrete Ziele zu setzen. Bei Gründungsvorhaben ist das offensichtlich: Wer nicht gerade eine Dönerbude aufmacht, ist oft selbst überrascht, wo er nach drei Jahren steht. Auch empirisch ist erwiesen: Komplexität senkt die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung. Also lieber ausprobieren, sich über Ergebnisse freuen, weitermachen…

    Was Sie daraus mitnehmen können: Ist die Aufgabe zu komplex, versteifen Sie sich nicht auf die Ziele, sondern experimentieren Sie.

  9. Nutze das Wissen der vielen.
  10. In agilen Teams wächst das Wissen besonders stark an – das haben Studien ergeben. Erfahrene Programmierer coachen weniger erfahrene. Anstatt das Wissen zu horten, geben die Entwickler es weiter. Wissen ist Macht? Das war früher so. Heute hat derjenige die Macht, der es mit den richtigen Menschen teilt und nutzt.

    Was Sie daraus mitnehmen können: Teilen Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung mit Ihren Kollegen.

  11. Bilde ein Tandem.
  12. Im agilen Umfeld nennt es sich "pair programming", also paarweise Programmieren. Diese Form der Zusammenarbeit im Miniteam ist besonders effektiv, das so genannte "social loafing", bei denen sich Teammitglieder in die virtuelle Hängematte legen, ist so ausgeschlossen. Außerhalb der IT-Branche wird noch selten mit Tandems oder "Zellen" gearbeitet, also Teil-Teams, die intensiv mit einer Aufgabe betraut sind. Dabei wäre dies überall da, wo es um (Teil-)Lösungen geht, ein überaus sinnvoller Ansatz.

    Was Sie daraus für Ihr Team mitnehmen können: Arbeiten Sie in kleinen Teams, das steigert die Produktivität.

  13. Sei geduldig mit dem Kunden.
  14. In vielen traditionellen Unternehmen werden Kunden auf Abstand gehalten. Es gibt ein Briefing des Kunden, ein Debriefing des Unternehmens, man taucht unter, taucht wieder auf mit einem Ergebnis, etwa einer Werbekampagne – und dann heißt es: friss oder stirb. Im agilen Umfeld ist der Kunden viel näher dran. Das agile Team ist im ständigen Austausch und integriert wechselnde Kundenanforderungen ohne Murren. Auch wenn das Mühe macht – es ist eben immer alles im Fluss.

    Was Sie daraus mitnehmen können: Stehen Sie in ständigem Austausch mit Ihren Kunden.

In Zusammenarbeit mit Svenja Hofert. [Bildnachweis: Uber Images, Pressmaster by Shutterstock.com]