„Denken ist die Arbeit des Intellekts, Träumen sein Vergnügen“, befand Victor Hugo. Eine romantische Vorstellung. Zu romantisch vielleicht. Laut Umfragen des Instituts für Demoskopie Allensbach träumen rund 34 Prozent der Deutschen nachts vom Büro und von der Arbeit. Eine andere Umfrage unter Selbstständigen ermittelte gar, dass 51 Prozent von ihnen regelmäßig vom Job träumen. Und nicht immer ist das ein reines Vergnügen.

Das Thema wird immer wieder untersucht, die prozentualen Ergebnisse variieren natürlich hier und da. Im Kern aber ist die Aussage gleich: Auch noch die Nacht und den Schlaf mit den Kollegen und dem Chef verbracht zu haben, ist alles andere als erholsam. Eher kommt es einem Horrorfilm gleich. In einer schon etwas älteren Umfrage aus dem Jahr 2003 gaben etwa 60 Prozent der männlichen Angestellten einer britischen Bank und sogar 80 Prozent der Bankerinnen an, von ihrer Arbeit zu träumen – über 65 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer wachten davon schweißgebadet auf. Das Ergebnis einer weiteren Umfrage aus demselben Jahr, bei der über 1000 Erwachsene befragt wurden, war noch dramatischer: 57 Prozent litten regelrecht unter Job-Albträumen, ein Viertel der Befragten hatte derlei Träume sogar mindestens einmal in der Woche.

Die Autoren dieser Studie fragten ihre Probanden daraufhin, was ihnen denn nachts den Schlaf rauben würde. Das Ergebnis in hierarchischer Reihenfolge:

  1. Mit dem Chef diskutieren müssen.
  2. Zu einem Meeting zu spät kommen.
  3. Einen Kollegen/Kollegin begehren.
  4. Eine überraschende Präsentation halten müssen.
  5. Nackt auf der Arbeit erscheinen.
  6. Totaler Datenverlust nach einem Computerabsturz.
  7. Gekündigt werden.

Interessant, oder? Nicht etwa die Kündigung oder gerüffelt zu werden, sind die größten Sorgen. Sondern der simple Dialog mit dem Boss, sozial aufzufallen oder ein Büroflirt.

Aus diversen Traumstudien weiß man heute, dass die meisten Träume nichts weiter sind als das Verarbeiten des vergangenen Tags oder dessen surreale Fortsetzung. Dabei lernen wir beim Träumen oder lösen im Schlaf sogar Probleme. Wer häufig schlecht schläft, leidet deshalb nicht selten unter Leistungs- oder Gedächtnisproblemen. Wiederkehrende Albträume hingegen sind meist ein Zeichen für ein ungelöstes Problem oder eine unbewusste Angst. Nicht unbedingt für einen verdrängten sexuellen Wunsch wie in der Freud’schen Theorie.

Welche Ängste und Sorgen einen plagen, ist den meisten Menschen mit etwas Selbstreflektion entweder schon bald bewusst oder es wird ihnen mithilfe des Traumes klarer.

Warum es gut ist, von der Arbeit zu träumen

Insofern sind Job-Träume sogar eine nützliche Sache. Wer wiederholt wegen seiner Arbeit schlecht schläft, sollte sich weniger sorgen, dafür aber fragen, was dahinter steckt. Die Angst eine überraschende Präsentation halten müssen oder zu spät zum Meeting zu erscheinen, ist womöglich ein Wink, dass sich derjenige häufig unvorbereitet fühlt. Oder dass er (oder sie) ein Perfektionist ist, der nichts mehr fürchtet als die Kontrolle über seine Arbeit zu verlieren.

Damit liefert der Traum oft schon einen Teil der Lösung: künftig besser vorbereiten oder lernen, Kontrolle und Verantwortung abzugeben.

Für alle, die das nicht können, gibt es trotzdem eine gute Nachricht: Die meisten Träume haben wir vergessen, wenn wir morgens aufwachen. So glaubt etwa jeder fünfte Deutsche, nachts gar nichts zu träumen, weil er sich morgens an nichts erinnert.

Apropos: Wovon haben Sie letzte Nacht geträumt?