5 von Jochen Mai am 12. September 2007 → Liste in Büro

Alle Neune – Typische Fallstricke für Gründer

ZahlensalatEin Unternehmen zu gründen ist schon schwer genug. Warum sollte man sich den Job noch schwerer machen, indem man alle typischen Fehler selbst begeht? Etwa die Hälfte aller Jungunternehmer scheitert bereits innerhalb der ersten drei Jahre – und zwar an vermeidbaren Fehlern. Muss doch nicht sein. Drum: Wenn Sie schon ein eigenes Startup aufziehen möchten, dann vermeiden Sie bitte folgende neun Fallstricke:

1. Timing

Es gibt keine schlechten Ideen, es gibt nur die falsche Zeit dafür. Wer zu früh startet, bevor Produkt und Geschäftsmodell ausgereift sind, riskiert schwere Blessuren am Image. Nur selten lässt sich ein solches Debakel rechtzeitig wieder ausgleichen, bevor die Liquidität versagt. Wer dagegen zu spät kommt, den straft der Marktanteil. In etablierten Märkten Boden gut zu machen, kostet viel und dauert lange. Welches Start-up kann sich das schon leisten?

2. Ignoranz

Wie gut kennen Sie Ihre Kunden wirklich? Klar: Sie sind davon überzeugt, dass Sie der Welt mit Ihrer Innovation einen Dienst erweisen. Aber ist es auch das, was Ihr Kunde will? Kundenbedürfnisse können sich mit dem Konsum wandeln. Achten Sie also darauf, Ihr Produkt stetig zu verbessern oder zu ergänzen. Regelmäßige Zufriedenheitsumfragen – auch bei den Ex-Kunden – helfen, Mängel und Wünsche zu identifizieren.

3. Eitelkeit

Wow! Ein Gründer, der mit summa cum laude seinen Abschluss an einer namhaften Hochschule gemacht, dann noch promoviert und nebenbei ein Buch geschrieben hat… Ist es das, worüber Ihre Kunden sprechen werden? Oder sprechen sie vielleicht doch eher über Ihr Produkt? In diesem Fall sollten Sie aufhören, sich selbst anzupreisen. Machen Sie lieber Werbung für Ihre Innovation, Ihre Dienstleitung, Ihr Produkt. Wer auch immer auf Ihre Webseite kommt, sucht vielleicht eine Lösung für sein Problem. Das Letzte, was er dann finden möchte, sind Abhandlungen über Ihren Lebenslauf.

4. Starrsinn

Die Erfahrung lehrt: Die meisten Businessplane sind schon nach wenigen Wochen Makulatur. Das Kundenzahlen entwickeln sich schleppender als erwartet, neue Wettbewerber tauchen auf, ein Teammitglied steigt aus. Gut, wer jetzt einen Plan B in der Tasche hat. Ansonsten gilt: anpassen! Ein Unternehmen zu führen, heißt beweglich zu bleiben und mit dem Markt zu reagieren. Das hört nie auf. Aber nur wer diese Lektion früh beherrscht, überlebt.

5. Marketing

Der Laden läuft gut an, die Umsätze entwickeln sich prächtig, und was machen Sie? Sie stoppen das Marketing. Falsch! Bis ein Startup eine wirklich starke Marke aufgebaut hat, braucht es Zeit. Viel Zeit. Sie müssen Ihre Botschaft immer wieder in den Markt tragen, wiederholen und einschleifen. Ihr Name muss sofort fallen und allen ein Begriff sein, wenn es um Ihr Geschäft geht. Solange das nicht der Fall ist: Werben Sie weiter!

6. Liquidität

Wenn alles gut läuft, der Laden wächst und wächst, müssen auch Vertrieb, Produktentwicklung und Controlling mitkommen. Dazu braucht es Geld. Schlecht, wenn Sie dann zu viele säumige Geschäftspartner oder Kunden haben – oder schlimmer: den Überblick über Ihre Finanzen verlieren. Deshalb: Planen Sie von Anfang an Puffer ein, seien Sie sparsam und investieren Sie vor allem in ein richtig gutes Controlling!

7. Aufgabe

Es wird Phasen geben, in den Sie nicht mehr weiter wissen. Sie haben sich vorgenommen, in dieser Woche wenigstens einen neuen Kunden zu gewinnen? Trotzdem erschienen bei Ihnen weniger Kunden als Ungeheuer im Loch Ness. Tja. Unangenehm, das. Aber es kommt eben vor. Deswegen scheitert man aber nicht zwangsläufig. Das passiert erst, wenn man aufhört aufzustehen und zu kämpfen.

8. Prioritäten

Klar haben die Chefs von großen Konzernen schicke Visitenkarten, tolle Titel, vierfarbige Briefbögen mit Logos, und und und. Aber brauchen Sie das schon am Anfang? Die Wahrheit ist: Die meisten Gründer vergeuden mit der akribischen Auswahl solcher Nebensächlichkeiten einen Haufen Zeit, Geld und Nerven… Und wundern sich, dass der Laden immer noch nicht so recht in Schwung kommt.

9. Kopieren

Sie denken, was bei allen anderen funktioniert hat, muss auch bei Ihnen klappen. Denkste! Alle erfolgreichen Geschäftsmodelle sind Folge eines langen Prozesses aus Versuch und Irrtum in einem speziellen Segment. Diese auf einen andere Bereiche zu übertragen, führt nie zu gleichen Ergebnissen. Allenfalls Bausteine lassen sich entleihen. Umso mehr können Sie aus den Erfahrungen anderer lernen. Merke: Kapieren geht über Kopieren!

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1. Kommentar

derherold
12.09.07 um 13:24 Uhr

*Hust*: #3, ‘4, #5 hätte ich in schlechten Zeiten auch für mich in Anspruch nehmen müssen. :)

Der Satz eines Lehrers: “Hüten Sie sich vor der Hybris !” kann manchem Unternehmensgründer helfen.

Im übrigen würde ich mich nicht auf “Business-Pläne” stützen: die sind gut, um Seriosität “vorzutäuschen”. Es ist “schlimmer” – #4 betrifft die gesamte (Unternehmens-)Konzeption – Business-Pläne nimmt keiner ernst. ;)

P.S. Man muß im übrigen kein*summa cum laude*-Promovierter sein, um sich für eien RIESEN-Nummer zu halten. :))

2. Kommentar

Jochen Mai
12.09.07 um 15:07 Uhr

Stimmt. Bildung und Hybris korrelieren nicht zwangsläufig.

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