Es ist schon komisch, was sozialer Status oder etwa Prominenz mit uns macht. Nicht zufällig heißt es, dass solche Menschen leicht die Bodenhaftung verlieren und plötzlich meinen, Sie seien etwas Besonderes oder Besseres, Motto: Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz. Solche Menschen vergessen dann schnell, woher sie kamen oder dass aller Ruhm vergänglich ist und wer mit dem Expressaufzug nach oben fährt, oft auch denselben Fahrstuhl nach unten nimmt. Wissenschaftler um Nathan C. Pettit und Niro Sivanathan von der Stern Universität in New York haben in einer Studie kürzlich aber auch festgestellt, dass sich bei solchen Aufsteigern zugleich die Wahrnehmung drastisch verändert. Konkret: Menschen mit hohem Status hören ihren Applaus lauter und sehen in den Gesichtern mehr wohlwollendes Lächeln als tatsächlich da ist.

Zuerst suchten sich die Forscher 86 Probanden und versetzen die eine Hälfte in das Gefühl, einen hohen Status zu genießen. Etwa, indem sie sie baten, sich an einen solchen schillernden Moment im Rampenlicht zu erinnern. Die andere Hälfte wurde genau in den gegenteiligen (Tief-)Status versetzt – oder wie der Psychologe sagen würde: Sie wurden geprimt. Dann erzählten sie den Versuchspersonen, es ging um eine Studie über Online-Publikum und ihre kleine Rede, die bitte gleich halten sollten, würde in einen Klassenraum üertragen. Nach der Mini-Ansprache hörten die Probanden angeblichen Applaus aus dem Klassenzimmer.

Sie ahnen es: Den Klassenraum gab es nicht – und der Applaus kam vom Band. Überdies war er immer gleich lang – fünf Sekunden. Dennoch hörten ihn die Probanden tosender, lauter, ja sogar länger.

Bei einem zweiten Experiment ein vergleichbares Ergebnis. Diesmal wurden den Teilnehmern Fotos von Gesichtern gezeigt: 50 Prozent der Menschen darauf lächelten, 50 Prozent nicht. Trotzdem erinnerten die Hochstatustypen, dass sie 64 Prozent der Gesichter angelächelt hätten. Bei den den Niedrigstatus-Probanden waren es nur 54 Prozent.

Die Gesten der Macht

Bleibt noch die Frage, was verleiht Menschen einen höheren Status?

Entgegen landläufiger Meinung sind das übrigens nicht in erster Linie die Kleider, die die Leute machen. Das wird bei dem so genannten Statusspiel deutlich. Dabei ziehen vier Spieler verdeckt Karten aus einem Stapel, die von Eins bis Vier durchnummeriert sind. Die Zahl entspricht einem fiktiven sozialen Rang mit Eins als höchster Stufe. Ohne sich gegenseitig zu verraten, welche Karte sie gezogen haben, müssen sich die Spieler statuskonform verhalten. Für Nummer Eins und Vier ist die Sache leicht: Eins dominiert einfach alle, Vier bleibt durchweg devot. Die beiden anderen müssen ihre Rolle dagegen erst finden.

Das Interessante an dem Experiment: Schon nach kurzem Geplänkel ist sowohl für die Spieler als auch für etwaige Zuschauer die Rangfolge offenbar – und das völlig unabhängig davon, welche Kleidung die Vier gerade tragen oder welche Worte sie wählen. Kurzum: Es sind ihre Gesten, die sie verraten.

So vermitteln etwa langsame, elegante Bewegungen, ein unverkrampft gelassenes (aristokratisches) Lächeln sowie eine aufrechte und stille Kopfhaltung hohen sozialen Status. Ebenso wirkt, wer sich beim Sitzen locker zurücklehnt, ruhig bleibt, kräftig und nicht zu leise spricht und symmetrische Gesten wählt – beide Beine fest auf dem Boden, beide Hände vor dem Körper, beide Arme auf der Sessellehne.

Umgekehrt verrät jemand Unsicherheit und damit niedrigen sozialen Status, der beim Sitzen oder Stehen die Füße nach innen dreht oder artig nebeneinander stellt. Wer schnelle, ruckartige Schritte macht, sich in seinen Stuhl kauert, die Hände beim Reden in die Hosentaschen steckt oder sich gar auf einem Sofa in der Mitte einkeilen lässt, macht sich ebenfalls klein. Ein Mensch mit Führungsanspruch würde wenigstens die Ecke wählen.

Selbst der Blickkontakt entscheidet über unseren Rang. Allerdings drückt nicht derjenige Dominanz aus, der seinem Gegenüber furchtlos und unentwegt in die Augen starrt, sondern im Business ist es eher derjenige, der nach dem ersten Blickwechsel zuerst wegschaut: Er kann es sich leisten, den anderen zu ignorieren. Der andere dagegen muss seine Nähe suchen und den Blickkontakt halten.