TIPPS, TOOLS & DOSSIERS

Alumni-Programm: Die besten Strategien für Studierende

Lucky Business / shutterstock.com
Ohne Vitamin B geht heute nichts mehr.” – Auch wenn diese Aussage etwas zugespitzt ist, hat sie doch einen wahren Kern: Beziehungen, Kontakte und ein gutes Netzwerk sind sowohl in Studium und Ausbildung als auch im Beruf wertvoll und wichtig. Diese Erkenntnis ist alles andere als neu. Daher ist es einigermaßen überraschend, wie viele Studenten aktives Netzwerken stiefmütterlich behandeln. Darauf angesprochen beklagen viele Studenten mangelnde Möglichkeiten, um mit potenziellen Arbeitgebern oder auch fachlich interessanten Menschen Kontakte zu knüpfen.



Diese Klage ist in den meisten Fällen allerdings unberechtigt, denn neben zahlreichen Kooperationsprojekten und Orchideenfächern, bei denen Hochschulen und Unternehmen zusammenarbeiten, bieten sich vor allem die Alumni-Programme der Bildungsträger an. Mit den richtigen Strategien und Prinzipien können Studenten hier wertvolle Kontakte knüpfen.

Doch braucht es für Alumni-Netzwerke wirklich eigene Strategien und Ansätze? Können nicht einfach die aus den sozialen Netzwerken bekannten Verhaltensweisen übernommen werden? Die etwas unbequeme Antwort: Nicht ganz. Der virtuelle Teil der Alumni-Programme sollte als das behandelt werden, was er in der Regel auch ist: ein Forum. Und im Offline-Teil – man könnte das auch ganz altmodisch Veranstaltungen und persönliche Kontakte nennen – greifen die aus zahlreichen Artikeln und Seminaren bekannten Netzwerk-Regeln. Anders formuliert: Wer seinen gesunden Menschenverstand, Fingerspitzengefühl und Geduld mitbringt, kann von Alumni-Programmen nachhaltig profitieren.

Systematische Netzwerkarbeit

Auch wenn die Bedeutung der Netzwerkarbeit den meisten Studenten bewusst ist, geht der eine oder andere Absolvent den Aufbau neuer Kontakte und die Erweiterung des eigenen Netzwerks sehr lax und unstrukturiert an. Dieser Ansatz kann zwar zum Erfolg führen, ist meist jedoch ineffizient und nimmt viel Zeit in Anspruch.

Investieren Studenten jedoch Zeit in die Vorbereitung und die Erarbeitung einer Strategie, kann die systematische Jobsuche nicht nur zeitsparend, sondern auch sehr erfolgreich verlaufen. Drei Schritte machen den Weg zur individuellen Strategie leichter:

  1. Berufliche Richtung festlegen – Nein, Sie müssen zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau wissen, was Sie später beruflich machen wollen. Eine gewisse Flexibilität ist ohnehin sinnvoll und wichtig. Doch Sie sollten sowohl die Branche und die grobe Ausrichtung kennen und festlegen.
  2. Kontakte und Influencer identifizieren – Die grobe Richtung ist vor allem wichtig, weil Sie im zweiten Schritt relevanten Kontakte und wichtige Influencer in Ihrem künftigen Bereich identifizieren sollten. Im konkreten Kontext natürlich primär die Kontakte und Influencer, die auch im Alumni-Netzwerk aktiv sind.
  3. Zeit und Themen planen – Idealerweise legen Sie für die systematische Netzwerkarbeit ein klares Zeitbudget fest. Auch Ihre Kernthemen, über die Sie sprechen und bei denen Sie sich zu Wort melden wollen, sollten für die systematische Netzwerkarbeit klar sein.

Alumni-Foren und Events: Vielfältige Chancen

Goodluz/ShutterstockIn den virtuellen Alumni-Foren gilt vor allem ein Grundsatz: Wer offensichtliche und nervige Eigenwerbung betreibt, wird umgehend ignoriert oder des Forums verwiesen. Das gilt zwar grundsätzlich auch in sozialen Netzwerken, doch in Alumni-Foren wird diese Regel oft sehr konsequent – geradezu rigoros – durchgesetzt. Studenten sollten ihren Schwerpunkt daher auf den Austausch mit anderen Forenmitgliedern, das Verfassen fachlich und qualitativ hochwertiger Beiträge und aktive Diskussionsteilnahme legen.

Der altbekannte Grundsatz: “Geben ist seliger denn nehmen” hat hier eine besondere Berechtigung. Wer langfristig Kontakte knüpfen will, muss oft erst in Vorleistung gehen und Mehrwert bieten, bevor das so entstehende Netzwerk nützlich wird. Besonder wichtig ist jedoch die Verknüpfung der virtuellen Forenaktivität mit den Alumni-Events und -Seminaren. Gesprächstermine und Treffen können im Forum vereinbart und vorbereitet werden. Und natürlich sollte der Kontakt nach einem persönlichen Treffen auch über das Alumni-Forum gehalten und gepflegt werden.

Sie ahnen es schon: Um das Alumni-Netzwerk wirklich zu nutzen, sollten Studenten auch Events wie beispielsweise Vorträge, Exkursionen, Messen und Podiumsdiskussionen besuchen. Dort können oft die wirklich wichtigen Kontakte mit Firmenvertretern und ehemaligen Studenten geknüpft werden. Hier gilt – in Anlehnung an den eingangs erwähnten Grundsatz: Vitamin B schadet nie.

Um eine solche Veranstaltung sinnvoll vorzubereiten, gelten grundsätzlich die aus anderen Kontexten bekannten Netzwerkregeln. Diese haben wir für Sie abschließend für Sie zusammengefasst:

    Wichtige Grundregeln

  • Gegenseitiger Nutzen – Die wichtigste Regel überhaupt: Netzwerkarbeit beruht immer auf Gegenseitigkeit. Schaffen Sie daher Mehrwert für Ihre Kontakte, sonst können Sie keine Gegenleistung erwarten.
  • Klares Ziel – Definieren Sie das Ziel Ihrer Netzwerkarbeit eindeutig und führen Sie es sich immer wieder vor Augen.
  • Kontinuierliche Kontaktpflege – Sie wollen Ihr Netzwerk dauerhaft festigen? Dann müssen Sie am Ball bleiben und regelmäßig Kontakt aufnehmen.
  • Hohe Qualität – Den Wert Ihres Netzwerks bestimmen Sie selbst – durch die Menschen, die Sie darin aufnehmen. Wählen Sie diese ausschließlich im Hinblick auf Ihr Ziel aus.
  • Grundsätzlich nachfassen – Wenn Sie einen neuen Kontakt dauerhaft behalten wollen, müssen innerhalb von drei Tagen nachfassen. Nehmen Sie – per E-Mail, über soziale Netzwerke, Brief oder Telefon – Kontakt auf und erinnern Sie an das gemeinsame Gespräch. Natürlich sollten Sie auch anklingen lassen, dass Sie sich über den Kontakt gefreut haben und diesen gerne fortsetzen wollen.
  • Geplante Pausen – Networking ist, wie das Wort “working” erahnen lässt, durchaus harte Arbeit. Der Geist muss ständig hellwach bleiben, Stresspegel und Reaktionsgeschwindigkeit sind entsprechend hoch. Wer so energetisch geladen ist, fasziniert. Wer müde ist, allerdings nicht. Gönnen Sie sich zwischendurch also ruhig Pausen und sprechen Sie neue Menschen nur an, wenn Sie geistig voll da sind.
  • Überzeugendes Auftreten

  • Persönlicher Kontakt – E-Mail, Skype, soziale Netzwerke – alles wichtige und gute Kommunikationskanäle. Doch für eine stabile Beziehung ist der persönliche Kontakt unersetzlich.
  • Authentisches Auftreten – Auch der beste Schauspieler kann sich nicht auf Dauer verstellen. Fangen Sie daher gar nicht erst damit an. Ein freundliches, offenes und ehrliches Auftreten ist ohnehin die beste Visitenkarte.
  • Höflicher Umgang – Eine höfliche Begrüßung, ein fester Händedruck bei persönlichen Treffen und ein generell freundlicher Umgangston sollten selbstverständlich sein. Sind Sie in der Praxis jedoch ganz und gar nicht. Gehen Sie mit gutem – also höflichem – Beispiel voran.
  • Entspanntes Lächeln – Einen freundlichen Eindruck erreichen Sie – logischerweise – durch entspanntes Lächeln. Die Betonung liegt dabei auf “entspannt”, ein erzwungenes Lächeln erzielt die genau gegenteilige Wirkung.
  • Bequeme Kleidung – Natürlich sollten Sie – falls ausgewiesen – etwaige Dresscodes berücksichtigen. Aber Sie sollten sich in Ihrer Kleidung auch wohl fühlen und nicht wie verkleidet. Denn auch das strahlen Sie aus.
  • Richtige Vorstellung – Stellen Sie sich möglichst zuerst und mit vollem Namen vor. Schön wäre ein guter erster Satz, der Sie charakterisiert und was der andere von Ihnen potenziell zu erwarten hat. Das kann eine kurze (!) Beschreibung dessen sein, was Sie beruflich machen oder eine Formulierung, die neugierig macht. Nur eins ist verboten: langweilen.
  • Fester Stand – Der optimale Stand ist: Beine leicht gespreizt und fest auf dem Boden, gestreckter Rücken, gerade Schultern. Nur nicht die ganze Zeit, Sie stehen ja nicht in einer Kaserne. Wer dagegen ständig von einem Bein auf das andere tippelt, sehr nervös und alles andere als sicher aus.
  • Aktiver Blickkontakt – Schauen Sie Ihr Gegenüber offen und direkt an. Wer aktiv Blick- und Augenkontakt aufnimmt signalisiert dadurch nicht nur Interesse, sondern wirkt auch selbstbewusst und sicher.
  • Strategisches Vorgehen

  • Langsamer Einstieg – Eine stabile Beziehung braucht – neben kontinuierlicher Arbeit – vor allem Zeit. Beginnen Sie einen neuen Kontakt daher behutsam, Wünsche sollten Sie erst äußern, wenn sich Vertrauen gebildet hat.
  • Verlässliche Zusagen – Sätze wie: “Ich melde mich morgen bei Ihnen.” sind schnell ausgesprochen, müssen dann aber auch eingehalten werden. Denn an Zusagen – und deren zuverlässiger Einhaltung – werden Sie gemessen. Nicht gehaltene Zusagen schaden Ihrer Glaubwürdigkeit enorm.
  • Gemeinsame Interessen – Sympathie entsteht immer dann, wenn zwei Menschen ausreichend viele Gemeinsamkeiten finden, über die sie miteinander sprechen können. Das gilt natürlich auch bei der Netzwerkarbeit. Suchen Sie daher gezielt nach Gemeinsamkeiten und Überschneidungen mit Ihrem Gesprächspartner.
  • Interessante Angebote – Gerade beim ersten Kontakt sollten Sie Ihrem Gesprächspartner etwas bieten können. Ob es sich dabei um einen anderen Kontakt, Ideen oder Dienstleistungen handelt, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass Sie durch diese Geste positiv im Gedächtnis Ihres Gegenübers bleiben.
  • Sinnvolle Fragen – Sie wissen nicht, über was Sie sprechen sollen? Dann fragen Sie! Durch höfliche und zielgerichtete Fragen zeigen Sie Ihrem Gesprächspartner, dass Sie sich wirklich für ihn interessieren. Das bringt Ihnen nicht nur neue Informationen für Ihre Netzwerkarbeit, sondern schmeichelt auch dem Ego Ihres neuen Kontaktes.
  • Geteilte Kontakte – Wenn Sie Leute weiterempfehlen (natürlich nur die, die Sie gut kennen), profitieren gleich drei davon: der neue Kontakt, Ihr alter und Sie selbst. Denn die beiden sind nun auch noch Ihre Multiplikatoren, die Ihre Qualitäten als Vermittler und Helfer preisen werden.
  • Gute Vorbereitung – Vor dem ersten Kontakt sollten Sie sich ausgiebig über die jeweilige Person informieren. Dieses Wissen kann Ihnen nicht nur als Gesprächseinstieg dienen, Sie können dadurch auch manche Reaktion vorhersehen und einordnen.
  • Strategische Zurückhaltung – Sie sollten zwar über möglichst umfangreiches Wissen über Ihren Kontaktpartner verfügen – doch das müssen Sie ihn ja nicht spüren lassen. Halten Sie daher den größten Teil Ihres Wissens zurück und stellen Sie auch Fragen, auf die Sie die Antwort bereits kennen.
  • Gespiegelte Körpersprache – Am spiegelbildlichen Verhalten lässt sich ablesen, wie harmonisch eine Beziehung oder ein Gespräch ist. Es lässt sich aber genauso einsetzen, um die Distanz zum Gegenüber oder dessen Vorbehalte abzubauen. Ahmen Sie also behutsam die Körpersprache Ihres Gegenübers nach. Verschränkt er die Arme, machen Sie das ebenfalls. Mit der Zeit wird er unterbewusst Vertrauen gewinnen. Durch Ihre Körpersprache suggerieren Sie ihm Sympathie und Harmonie. Das alles muss subtil geschehen.
  • Aktuelle Visitenkarten – Visitenkarten haben auch in Zeiten elektronischer Kommunikation ihre Berechtigung. Halten Sie Ihre daher sowohl optisch als auch inhaltlich aktuell. Vor allem bei Messen und anderen Netzwerk-Veranstaltungen sollten Sie Visitenkarten in ausreichender Stückzahl dabei haben.
  • Strukturierte Informationen – Alle Informationen und Erkenntnisse, die Sie aus Gesprächen, E-Mails und Telefonaten gewinnen, sollten Sie schriftlich archivieren. Das funktioniert jedoch nur, wenn Sie dafür ein strukturiertes Archivierungssystem einsetzen.
  • Definierter Workflow – Auf Messen und anderen Veranstaltungen können Sie innerhalb eines Tages oft zahlreiche neue Kontakt knüpfen. Damit Sie alle gesammelten Informationen sicher archivieren können, müssen Sie den dafür notwendigen Workflow bereits vor der Veranstaltung erproben und festlegen.
  • Sichtbare Verlinkungen – Ihre E-Mail-Signatur, die Profile in den verschiedenen sozialen Netzwerken und Ihr Blog haben eines gemeinsam: Sie können und sollten dort auf alle anderen Netzwerke verlinken und so die Kontaktaufnahme erleichtern.
  • Klassische Fehler

  • Später Start – Ihr Netzwerk muss bereits etabliert sein, bevor Sie es wirklich brauchen. Wer erst mit der Kontaktsuche beginnt, wenn er Bedarf hat, wird keinen Erfolg haben.
  • Standardisierte Anschreiben – Wie bei einer Bewerbung gilt auch bei der Netzwerkarbeit: E-Mails und Briefe müssen individuell gestaltet sein. Standard-Schreiben erkennen die meisten Netzwerk-Profis sofort.
  • Einseitiger Nutzen – Der sicherste Weg, einen Kontakt zu verlieren und nebenbei Ihre Reputation zu schädigen: Holen Sie so viele Informationen wie möglich aus Ihrem Gesprächspartner heraus, bieten Sie selbst im Gegenzug jedoch nichts an.
  • Keine Notizen – Sie wollen alle Informationen zu Ihren Kontakten im Kopf behalten? Viel Glück, Sie werden es brauchen.
  • Reine Verkaufsveranstaltung – Wenn Sie Ihren Kontaktpartner ständig nur Ihre Leistungen und Produkte verkaufen wollen, erreichen Sie damit vor allem zwei Dinge: Ein schnell schrumpfendes Netzwerk und eine miese Reputation.
  • Reine Reaktion – Wer immer nur auf die Kontaktaufnahme anderer wartet, wird sein Netzwerk niemals erweitern. Sie müssen schon selbst aktiv werden.

Weiterführende Artikel

Mehr rund ums Netzwerken und den Berufseinstieg finden Sie hier:

[Bildnachweis: Lucky Business, Goodluz by Shutterstock]