Änderungskündigung
Kündigung - bei diesem Wort schrillen alle Alarmglocken, da es für Arbeitnehmer vermutlich direkt mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses und dem Beginn der Jobsuche verbunden ist. Es gibt aber auch die sogenannte Änderungskündigung. Dabei geht es dem Arbeitgeber gar nicht darum, seinen Mitarbeiter vor die Tür zu setzen. Vielmehr will er den Mitarbeiter weiterbeschäftigen, nur zu anderen Konditionen. Das ist für viele Beschäftigte nicht der berufliche Verlauf, den sie sich erwünscht haben, doch müssen Sie es nicht klaglos hinnehmen. Welche Optionen Sie als Arbeitnehmer bei der Änderungskündigung haben...

Änderungskündigung: Das ist Ihr gutes Recht

Bacho/shutterstock.comGrundsätzlich hat der Arbeitgeber durch sein Weisungsrecht zahlreiche Möglichkeiten, das Arbeitsverhältnis zu verändern. Der erste Schritt ist also noch einmal genau den Arbeitsvertrag zu studieren, was darin festgelegt ist. Das betrifft sowohl die Verteilung der Arbeitszeit als auch Einsatzort und Aufgaben des Arbeitnehmers.

Erst wenn der Chef teilweise Änderungen in einem bestehenden Arbeitsvertrag vornehmen will, kann eine Änderungskündigung notwendig werden. Ohne Zustimmung des Arbeitnehmers sind solche nämlich nicht möglich. Soll heißen: Der Arbeitgeber kann nur den gesamten Arbeitsvertrag kündigen, nicht jedoch einzelne Konditionen darin eigenmächtig verändern - genau für diesen Fall gibt es die Möglichkeit einer Änderungskündigung.

Die ist eigentlich ein Zwitter:

  • Einerseits beendet der Arbeitgeber das bisherige Arbeitsverhältnis durch die Kündigung.
  • Andererseits bietet er sofort einen neuen Arbeitsvertrag an - nur eben zu anderen (oft schlechteren) Konditionen.

Was gut ist: Ihr Arbeitgeber will Sie im Grunde behalten. Schlecht ist: Er ist mit den bisherigen Bedingungen unzufrieden (weil Sie in seinen Augen dafür zu wenig leisten) oder aber kann Sie sich zu den alten Konditionen nicht mehr leisten (weil es dem Unternehmen nicht mehr so gut geht).

Hinnehmen und unterschreiben müssen Sie die Änderungskündigung aber nicht einfach so. Sie können dazu innerhalb von drei Wochen eine Kündigungsschutzklage beziehungsweise Änderungsschutzklage anstrengen, wenn Ihr Arbeitsverhältnis unter das Kündigungsschutzgesetz fällt.

Einzige Ausnahme: Ihre Kündigungsfrist ist kürzer, dann müssen Sie noch in diesem Zeitraum Klage einreichen. Damit die Klage jedoch nicht zum Bumerang wird und Sie Ihren Job auf jeden Fall behalten, sollten Sie strategisch vorgehen:

Wer die Änderungskündigung ablehnt und klagt, läuft Gefahr, seinen Job ganz zu verlieren. Denn entscheidet das Arbeitsgericht zu Gunsten des Arbeitgebers, behält die Kündigung ihre Wirksamkeit. Den neuen Arbeitsvertrag können Sie dann nicht mehr annehmen, da die Frist von drei Wochen bereits abgelaufen sein dürfte.

Daher sollten Sie als Arbeitnehmer der Änderungskündigung unter Vorbehalt zustimmen. Dieser Vorbehalt ist in §2 des Kündigungsschutzgesetzes geregelt:

... so kann der Arbeitnehmer dieses Angebot unter dem Vorbehalt annehmen, dass die Änderung der Arbeitsbedingungen nicht sozial ungerechtfertigt ist...

Für die Annahme der Änderungskündigung haben Arbeitnehmer drei Wochen ab Zustellung der Kündigung Zeit. Die Annahme muss in diesem Zeitraum dem Arbeitgeber idealerweise schriftlich mitgeteilt werden. Sollten Sie Ihre Klage vor Arbeitsgericht dann verlieren, behält auch der neue Arbeitsvertrag seine Gültigkeit - und Ihr Job ist, zumindest vorübergehend, gesichert.

Hier lohnt es sich aber, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu Rate zu ziehen.

Änderungskündigung: Das sind Ihre Möglichkeiten

Das waren nun ziemlich viele Informationen. Damit Sie nicht den Überblick verlieren, welche Rechte Sie im Falle einer Änderungskündigung tatsächlich haben und welche Möglichkeiten IHnen dadurch offen stehen, haben wir noch einmal eine kurze Liste verfasst, die Ihnen Ihre verschiedenen Alternativen kompakt präsentiert.

  • Änderungskündigung akzeptieren. Ihr Arbeitsverhältnis beim Arbeitgeber läuft weiter, allerdings zu den Konditionen, die Ihr Arbeitgeber in der Änderungskündigung festgelegt hat. So behalten Sie zwar Ihre Stelle, beziehen aber möglicherweise weniger Gehalt oder erhalten weniger Zusatzleistungen.
  • Änderungskündigung ablehnen. Lehnen Sie das Angebot Ihres Arbeitgebers ab, wird Ihr Arbeitsvertrag gekündigt und Sie sollten sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen.
  • Änderungsschutzklage einreichen. Ziehen Sie mit Ihrem Arbeitgeber vor Gericht, besteht für Sie ein Risiko: Bei gutem Ausgang bleibt Ihr bisheriges Arbeitsverhältnis bestehen, sollten Sie verlieren, sind Sie aber in der Regel Ihren Job los.
  • Änderungskündigung unter Vorbehalt akzeptieren. Um dieses Risiko zu umgehen, können Sie die Änderungskündigung unter Vorbehalt akzeptieren und anschließend die Richtigkeit prüfen. Auch wenn Sie vor Gericht verlieren, bleibt Ihr Arbeitsverhältnis dann zu den neuen Konditionen bestehen.

Suchen Sie das Gespräch

Natürlich können Sie gegen eine Änderungskündigung vor dem Arbeitsgericht klagen. Ihre Chancen stehen als Arbeitnehmer in der Regel auch recht gut. Doch sollten Sie sich keiner Illusion hingeben: Ihren Job werden Sie so nur temporär sichern, denn Ihr Arbeitgeber wird über eine gewonnene Klage sicherlich nicht erfreut sein und nach Wegen suchen, Sie über kurz oder lang loszuwerden.

Besser ist es daher, von Anfang an das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber zu suchen und eine einvernehmlichen Einigung zu finden. Denn grundsätzlich können Arbeitsverträge mit dem Einverständnis beider Seiten geändert werden.

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