Entscheidung-Angst-Entscheidungsschwaeche
Wenn du eine Entscheidung treffen musst, und du triffst sie nicht, ist das auch eine Entscheidung. Das Bonmot stammt von dem US-Psychologen William James und ist natürlich unbestreitbar wahr. Wahr ist allerdings auch, dass die Option, keine Entscheidung zu treffen, nicht immer die beste Wahl ist. Dahinter kann sowohl eine Hinhaltetaktik stecken, wie auch die Angst vor der Verantwortung und den Konsequenzen und damit eine veritable Entscheidungsschwäche...

Entscheidungen: Mehr als eine Wahl

Täglich treffen wir dutzende Entscheidungen, die meisten unbewusst und ohne groß nachzudenken. Sie sind es - offen gestanden - auch nicht wert. Wer will schon lange darüber sinnieren, ob er oder sie heute eine oder zwei Tassen Kaffee zum Frühstück trinkt?!

Dann gibt es aber noch die schwerwiegenden Entscheidungen mit großer Tragweite. Sie verursachen uns nicht selten Bauchschmerzen. Hinter der scheinbar einfachen Wahl stehen zahlreiche Faktoren, Fragen, Zweifel, Ängste, Hoffnungen und Erwartungen. Sie alle machen die Entscheidungen schwerer und komplizierter. Denn...

  • Jede Entscheidung für etwas ist eine gegen zig Alternativen.
  • Manchmal sind damit sogar Wertekonflikte verbunden.
  • Und die Folgen sind alles andere als gewiss oder führen zu großen Lebensveränderungen.

Und dennoch oder vielleicht gerade deswegen ist Unentschlossenheit eines der größten Hemmnisse für Erfolg und unsere persönliche Entwicklung. Wer häufig zögert und zaudert, verliert mit der Zeit sowohl den Respekt der anderen als auch den vor sich selbst. Damit werden die Unentschlossenen gleich zweifach den Ansprüchen nicht gerecht – denen ihres Umfelds und den eigenen.

In allen möglichen Lebenslagen geht es darum, das Ruder zu übernehmen – wenn Sie beispielsweise entscheiden, ob Sie Kinder haben wollen oder nicht; ein Haus bauen oder zur Miete wohnen; in der Stadt oder auf dem Land leben... Und Ihr Partner, Ihre Familie und auch Sie selbst erwarten, dass Sie Verantwortung tragen, eine Meinung haben und eine Wahl treffen. Lebensführung ist nichts anderes, als immer neue Entscheidungen zu fällen. Ständig. Das begleitet uns ein Leben lang.

Entscheidungen treffen Wahlzettel ankreuzen

Wer jedoch damit beginnt, Entscheidungen aus dem Weg zu gehen, weil es die Verantwortung auf andere oder das, was dann passiert, verlagert, verliert letztlich die Kontrolle über sein Leben.

Es mag auf den ersten Blick bequem sein, keine Entscheidung zu treffen ("Mal sehen, wie sich die Dinge entwickeln"). Und sporadisch eingesetzt, ist das auch völlig legitim. Wird die Angst vor Entscheidungen aber chronisch, entwickelt sich so jemand zur fremdgesteuerten Marionette; er ist nicht mehr Akteur, sondern Mitläufer.

Decidophobie: Die Angst vor Entscheidungen

Decidophobie: Die Angst vor EntscheidungenNeben der fast allen Menschen bekannten und häufig anzutreffenden Angst vor Entscheidung gibt es auch eine Angststörung, die mit Entscheidungen zusammenhängt: die Decidophobie. Die Betroffenen haben vor Entscheidungen nicht nur Bauchschmerzen, sondern können auch viel stärkere körperliche Symptome wie Zittern, Herzrasen, Kreislaufprobleme zeigen.

Diese Symptome treten - wenn es sich um diese Angststörung handelt - nicht nur bei schwerwiegenden, sondern bereits bei alltäglichen Entscheidungen auf. Von Decidophobie betroffene Menschen können bereits bei einem Einkauf im Supermarkt angesichts der anstehenden Entscheidungen und Wahlmöglichkeiten überfordert sein und in Panik geraten.

Sollten Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld mutmaßlich unter Decidophobie leiden, empfehlen wir unbedingt, einen spezialisierten Therapeuten aufzusuchen. Unsere Tipps im Artikel können, dürfen und sollen keine medizinische Beratung ersetzten und sind bei einer Angststörung auch nicht wirksam.

Sprung wagen Furcht Freiheit

Angst vor Entscheidung überwinden: 7 Schritte und Fragen

Was gegen aufkommendes Zögern und Zaudern hilft? Verabschieden Sie sich von dem Anspruch, jedes Mal eine perfekte Entscheidung treffen zu wollen. Gut reicht völlig aus, insbesondere, wenn sich die gewählte Option für Sie gut anfühlt.

Wissen Sie, wie ein Bergsteiger einen Berg besteigt? Etappe für Etappe, Schritt für Schritt. Würde er vor dem Berg stehen, hochschauen und sich denken: "Oh Gott, oh Gott, ist dieser Berg riesig!", würde er auf dem Absatz kehrtmachen und wieder nach Hause laufen. Wer so verfährt, fühlt sich schnell überfordert. Damit Ihnen das nicht passiert, nehmen Sie den Gipfeldruck heraus und gehen Sie Schritt für Schritt vor.

Daher haben sich in der Praxis sieben Fragen bewährt, die in einem klar strukturiertem Prozess aufeinander aufbauen. Arbeiten Sie diese Fragen Schritt für Schritt ab, verlieren selbst die komplexesten Entscheidungen ihren Schrecken und werden begreif- und machbar. Leicht wird das trotzdem nicht: Manche Fragen zwingen Sie zur Selbstreflexion und können Antworten notwendig machen, die Ihnen nicht unbedingt gefallen.

Zu Beginn kann der Prozess noch einige Zeit in Anspruch nehmen, doch mit zunehmender Übung laufen die Fragen und der Prozess automatisch und schnell bei jeder wichtigen Entscheidung ab. Wenn Sie den folgenden Prozess daher im Alltag nutzen wollen, heißt es: üben, üben, üben...

  1. Worüber entscheiden Sie?

    Wissen Sie exakt, welche Entscheidung Sie treffen sollen oder wollen? Ist Ihnen klar, worüber Sie genau entscheiden? Oft verhalten wir uns so, als handle es sich um eine Frage von Leben und Tod, obwohl nur zur Debatte steht, ob unser nächstes Auto schwarz oder doch blau metallic sein soll. Allzu schnell hat man sich in einer Sache verrannt und das Wesentliche aus den Augen verloren. Machen Sie sich also bewusst, worum es bei der Entscheidung wirklich geht. Wenn Sie den Gegenstand der Entscheidung jetzt spontan benennen und erklären können, ist alles in Ordnung. Wenn Sie aber nicht konkret wissen, welche Entscheidung da eigentlich ansteht, sollten Sie zuerst klären. Vielleicht rührt Ihre Angst vor der Entscheidung auch nur aus der Ungewissheit her. Wird die Entscheidung klar, können Sie die Angst vielleicht problemlos überwinden.

  2. Welche Konsequenzen können folgen?

    Entscheidungen fallen in der Regel schwer, weil Menschen die damit verbundenen Konsequenzen fürchten. Nicht selten ist die Angst vor einer Entscheidung darin begründet, dass auch die Konsequenzen unklar sind. Sicher, 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Aber schaffen Sie hier so viel Klarheit wie möglich, kann die Angst bald verfliegen.

  3. Wie wichtig ist die Entscheidung?

    Sicher, jede akut anstehende Entscheidung fühlt sich erst einmal enorm wichtig an. Das ist normal - aber auch oft falsch. Selbst wenn eine Entscheidung dringend und im konkreten Moment wichtig erscheint, bedeutet das nicht, dass sie perspektivisch von Bedeutung ist. Um die Bedeutung der Entscheidung einzuordnen, hilft häufig die 10-10-10-Methode:

    10-10-10-Analyse-Jobfrust

    Alles, was diesen Test nicht besteht, können sie deutlich gelassener angehen.

  4. Wofür entscheiden Sie sich?

    Wissen Sie, wofür Sie sich entscheiden können? Kennen Sie wirklich alle verfügbaren Optionen und Wahlmöglichkeiten? Wer die Auswahl kennt, kann in der Regel nicht nur besser entscheiden, sondern die Optionen auch besser bewerten. Auch Analyse senkt die Entscheidungsangst.

  5. Wogegen entscheiden Sie sich?

    Wenn Sie schon darüber sinnieren, wofür Sie sich entscheiden können (und werden), sollten sich natürlich auch mit den anderen Optionen befassen. Gar nicht so selten sind es Verlustängste, die uns blockieren. Wer dagegen sieht, dass der Verlust gar kein so großer ist und dass wir nichts Wichtiges verpassen, reduziert automatisch seine (unnötige) Angst.

  6. Wovor haben Sie Angst?

    Ist es wirklich die Entscheidung, die Ihnen Angst macht? Oder sind es vielmehr die Konsequenzen: Könnte es sein, dass Sie Angst davor haben, Kollegen oder Freunde zu enttäuschen? Dass Sie eine sichere Position aufgeben wollen, aber Angst vor der Ungewissheit und den finanziellen Einbußen haben? Wäre es möglich, dass Sie die Reaktion der anderen fürchten? Diese Frage ist vielleicht die schwerste von allen. Dennoch sollten Sie sich ihr stellen: Die Angst vor Verlust, Enttäuschung, Anfeindung, Isolation und ähnlichen Dingen mag berechtigt sein - ihr steht aber oft auch Ihre Gesundheit und Ihr Seelenheil gegenüber.

  7. Was passiert, wenn Sie die Entscheidung nicht treffen?

    Unentschlossenheit ist etwas anderes, als eine bewusste Nichtwahl. Deshalb kommt diese Fragen zum Schluss. Was würde denn passieren, wenn Sie nicht wählen? Bereits dieses Wissen kann Ihnen die Entscheidung erleichtern und die Angst nehmen. Zudem wird so klar, ob die Entscheidung wirklich so wichtig ist und Sie diese vielleicht auch einfach ignorieren können.

Darüber schlafen – bringt das was?

Darüber schlafen – bringt das was?Kaum jemand, der den Rat in seinem Leben noch nicht gehört hat: "Schlaf mal eine Nacht drüber! Am nächsten Morgen sieht die Welt schon ganz anders aus!" Zugegeben, der Tipp kann auch nerven. Da erhofft man sich mentale Unterstützung und Rat – und bekommt eine Schlaftablette. Na, danke für die Hilfe!

Tatsächlich tun wir der Empfehlung damit aber Unrecht. Es mag zwar eine Floskel sein – sie stimmt aber: Im Schlaf lernt unser Gehirn nicht nur, verarbeitet eine Menge Informationen und bringt den Müll raus. Es hat vor allem keinen Druck. Der Stress hinter dem Gedanken "Ich muss jetzt eine Antwort finden" bewirkt in schöner Regelmäßigkeit das genaue Gegenteil: Blackout und Stillstand im Kopf.

Die besten Ideen und Lösungen fallen uns dafür umso öfter ein, wenn wir gerade nichts tun, nichts denken – oder eben schlafen. Default Mode heißt dieser Zustand unter Wissenschaftlern. Gemeint ist der Leerlauf des Gehirns, in dem Gelerntes und Erlebtes besonders gut verarbeitet und neu verknüpft werden – die perfekte Voraussetzung, um die Lösung zu einem Entscheidungsdilemma auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen.

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Buch-Verlosung: Jetzt ein Exemplar gewinnen!

Passend zum Thema verlosen wir ein Exemplar des Entscheider-Ratgebers Warum ich losging, um Milch zu kaufen, und mit einem Fahrrad nach Hause kam von Karrierebibel-Gründer Jochen Mai. Alles, was Sie dazu tun müssen:

Schreiben Sie einen Kommentar unter diesen Artikel, vor welchen Entscheidungen Sie die größte Angst haben und wie Sie diese überwinden.

Der oder die Gewinner(in) werden aus allen Kommentatoren dieses Artikels ausgelost. Einsendeschluss ist Sonntag, der 23. April 2017 um 12 Uhr. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Dem Gewinner entstehen keinerlei Zusatzkosten, wir fragen lediglich per Mail (nicht vergessen!) nach der Adresse. Wir wünschen viel Erfolg und Spaß bei der Lektüre!

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