PodiumInzwischen hat sich das Podium zusammengefunden, Thomas, Klaus, Florian und ich haben unsere Standpunkte eingenommen. Aber ich bin da (teilweise) ganz anderer Meinung.

Richtig, Thomas, früher gab es diese Vernetzung in der Kommunikation noch nicht, deshalb war es auch einfacher eine Diskussion zu verfolgen und, ja, es ist eine gute Sache, wenn das Publikum interaktiv per SMS-Wand, per Twitter oder Blog den Faden aufnehmen und weiterspinnen kann. Es ist sogar noch besser, wenn das unmittelbar Einfluss auf den Verlauf der Diskussion hat.

Aber das alles erhöht zunächst nur den Sendepegel. Die Ausgangsfrage ist doch: Reagieren die Leute überhaupt noch ausreichend auf das Gesagte, Gezwitscherte, Gesimste, Gebloggte? Mag sein, Klaus, dass twittern in der Bahn den Erholungsfaktor steigert. Aber ein TV-Talk mit Laptops statt Spickzetteln? Wo ist denn da der Fortschritt, geschweige denn die Medienkompetenz – außer dass die Politiker parallel die Einschaltquote abrufen könnten?!

Was tatsächlich passiert, ist eine gefährliche Fragmentierung von Gedanken, teils auf weniger als 140 Zeichen. Hauptsache, man leistet einen sichtbaren Beitrag, der sich kurz darauf aber schon wieder verflüchtigt. Wer liest denn überhaupt bewusst sämtliche Twitter-Feeds seiner 167 Follower? Inzwischen sind so einige schneller mit der Tastatur als mit dem Kopf. Ein Twit oder Blog ist schnell geschrieben. Aber gute Gedanken brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Twits oder SMS bringen vielleicht kurzfristige Impulse, aber wenn Diskussionen nur noch aus Statements, aus Impulsen und Anregungen bestehen, wenn jeder nur noch eigene Gedanken senden will, aber kein (fremder) Gedanke mehr wirklich wahrgenommen und zuende gedacht wird, dann ist das Ergebnis – Netzrauschen.

Hirnforscher bestätigen inzwischen: Multitasking ist dem Menschen unmöglich. Da stimme ich mit Florian überein: Senden und Empfangen auf drei, vier Kanälen gleichzeitig kann nicht ergiebig sein. Vielmehr erzeugt es permanente Teilaufmerksamkeit. Mal ehrlich, Thomas: Würdest Du künftig Interviews mit Leuten führen wollen, die parallel auf ihr iPhone starren, E-Mails und Twits abrufen und Euer Gespräch womöglich gleich noch livebloggen?

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