Wenn Du mich schon so fragst, Thomas: Natürlich darf man sein Gegenüber darauf aufmerksam machen, dass der gerade wenig Kinderstube erkennen lässt. Es ist tatsächlich grob unhöflich, in einem Meeting Mails zu tippen oder auf einem Podium SMS abzurufen. Was anderes gilt freilich für das Publikum auf einer größeren Veranstaltung, da darf man auch schon mal unauffällig auf sein Display schielen. Hier sind allerdings lautes Telefonklingeln oder Telefonieren gleichfalls tabu. Dazu verlässt man den Saal.
Aber selbst einen Störenfried weist man nicht grob im Stil “Machen Sie das Ding aus! Das stört!” zurecht, schließlich wäre es genauso unhöflich, den anderen vor versammelter Runde sein Gesicht verlieren zu lassen. Subtiler und charmanter sind immer Ich-Botschaften, die man seinem Nebenmann leise zuraunt: “Entschuldigen Sie, Ihr Tippen lenkt mich doch sehr ab.” Oder: “Wenn Sie sich gerade lieber mit jemand anderem unterhalten möchten, können wir uns auch ein andermal treffen.” Die meisten verstehen diesen Wink.
Im Übrigen lässt sich das Nicht-Parallel-Kommunizieren heute ganz bewusst einsetzen, um seinen Gesprächspartner für sich zu gewinnen sowie Vertrauen aufzubauen: Wenn ich Besuch bekomme oder mich mit jemandem zum Essen verabrede, habe ich das schon ein paar Mal gemacht – vor dessen Augen demonstrativ das Handy ausschalten und weglegen. Die nonverbale Botschaft: Du bist mir jetzt wichtiger als jeder andere, ich konzentriere mich ganz auf Dich. Da das heute kaum jemand macht, wirkt die Geste unglaublich stark. Jedenfalls habe ich damit nur ausgesprochen positive Erfahrungen gemacht.
Was mich zu unserer Ausgangsfrage zurück bringt: Klar, ist ein Interview eine 1-zu-1-Kommunikation. Das ist ein Podium aber auch, jedenfalls temporär: Es redet immer nur einer, die anderen hören zu. Und wir wissen heute aus der Rhetorik, dass es eine Todsünde ist, schon über seine Antwort zu sinnieren, noch während der andere redet. Das Ergebnis ist das, was man in Polittalksendungen allabendlich beobachten kann: Die Anwesenden knallen sich nur Argumente an den Kopf – aber sie reden nicht miteinander. Ich habe überhaupt nichts gegen Pausen in einem Gespräch. Auch nicht auf einem Podium. Hauptsache, die Leute reden miteinander und hören sich zu.
Und mein Punkt ist eben der, dass all die schönen Instant-Kommunikationstools ihre Nutzer still und heimlich konditionieren, nur noch zu plappern und das bereits für eine Konversation zu halten. Ist es aber nicht! Oder was meinst du, Florian?
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