60 Prozent der Arbeitnehmer glauben nicht daran, dass sich Chancengleichheit durch die sogenannte anonyme Bewerbung verbessert. Das ergab jetzt eine Online-Umfrage des Jobportals Monster unter rund 4000 Arbeitnehmern. Zwar sagten 40 Prozent der Befragten, dass so in der ersten Auswahlrunde der Fokus stärker auf die Qualifikation gerichtet würde. Die Mehrheit von 60 Prozent ist aber zugleich davon überzeugt, dass es mit der Chancengleichheit spätestens im Bewerbungsgespräch wieder vorbei ist – und die Initiative damit wertlos.
Ab diesem Herbst testen fünf Großunternehmen, darunter Procter & Gamble, L’Oréal und die Deutsche Telekom ein Jahr lang die sogenannte anonyme Bewerbung. Dabei werden eingehende Bewerbungsunterlagen von der Antidiskriminierungsstelle (ADS) des Bundes zuvor von Angaben zu Nationalität, Alter, Geschlecht, Familienstand sowie Namen der Bewerber befreit. Ziel: Allein die Leistung und Qualifikation soll den Ausschlag für die Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten geben.
Der Modellversuch ist allerdings auch in der Wirtschaft selbst mehrheitlich umstritten. Die meisten Unternehmen monieren den damit verbundenen Mehraufwand sowie die wirtschaftlichen Kosten. Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, erklärte zudem, dass die ADS-Initiative die Vielfaltsbemühungen der Unternehmen konterkariere. Überdies, so weitere Kritiker, seien persönliche Merkmale auch über Umwege zu ermitteln. So könne beispielsweise das ungefähre Alter anhand der Berufserfahrung und Zeugnisse ermittelt werden, private Aktivitäten sowie Zivil- und Wehrdienste wiederum können Aufschluss über das Geschlecht geben.
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Strangerli
Die anonyme Bewerbung ist genauso ein Witz wie das Gesetz zur Gleichbehandlung.
Eine Absage hat meist den Text das ein anderer Bewerber geeigneter war oder das die Bewerbung nicht in Betracht gezogen werden kann. Daran wird sich nichts ändern. Man bekommt vielleicht eher eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch, aber am Ende kommt das Gleiche dabei raus. Nur die Personaler ohne wirkliche Vorurteile lassen sich in dem Gespräch überzeugen, aber ein Mensch ohne Vorurteil (der erste Eindruck) ist quasi nicht vorhanden.
Überdies, so weitere Kritiker, seien persönliche Merkmale auch über Umwege zu ermitteln. So könne beispielsweise das ungefähre Alter anhand der Berufserfahrung und Zeugnisse ermittelt werden, private Aktivitäten sowie Zivil- und Wehrdienste wiederum können Aufschluss über das Geschlecht geben.
Vorschlag: Die Angaben über den Zivil- und Wehrdienst sowie die Berufserfahrung, Zeugnisse, am besten gleich den ganzen Lebenslauf weglassen. Dann hat man seine anonyme Bewerbung ohne Rückschlüsse auf Alter oder Geschlecht. :-)
Rainer Meyer
Vielen Dank für die wichtigen Hinweise, die ich für den Blogbeitrag
http://www.dir-info.de/nachrichten/beruf-bildung/erfolg-anonymer-bewerbungen-bleibt-umstritten-2010887
berücksichtig habe. Die Einschätzung, dass der Mehraufwand für die anonyme Bewerbung aus der Sicht der Wirtschaft nicht tragbar ist, kann man zwar nachvollziehen. Aber die Ansprüche an eine diskriminierungsfreie Einstellung sind durchaus eine Rechtfertigung für Kostensteigungen.