Womöglich haben Soziale Netzwerke größeren Einfluss auf uns alle, als wir denken. Und damit meine ich jetzt nicht die bekannten Studien von der Internetsuchtgefahr, vom positiven Einfluss des Netzwerkens auf die Karriere oder der Fragmentierung unserer Konzentration durch ständiges Twittern, Facebooken und Bloggen. Ich meine die sozialen Auswirkungen.
So gibt es neben all den Medienkritikern inzwischen auch eine Reihe von Forschern, die etwa die positiven Effekte von (losen) Freundschaften nachweisen konnten und betonen, dass diese auch auf Soziale Netzwerke übertragbar seien. Ein paar Beispiele:
Facebook selbst misst übrigens in einer Art Glücksindex die Stimmung seiner Mitglieder:
Kurzum: Viele Dinge, von denen wir annehmen, sie seien allein unsere persönliche Angelegenheit, werden in Wahrheit stark von unserem sozialen Umfeld mitbestimmt – und zwar vom realen ebenso wie vom virtuellen. Die beiden Wissenschaftler Nicholas Christakis (Harvard) und James Fowler (Universität von Kalifornien, San Diego) nennen das den Einfluss dritten Grades, dass selbst der Freund des Freundes unseres Freundes noch unser Handeln und unsere Emotionen enorm beeinflusst.
Der New Yorker Soziologe Duncan Watts, der gerade virtuelle Freundschaften in Sozialen Netzwerken untersucht und nächstes Jahr eine Studie dazu veröffentlichen will sagt wiederum, er habe herausgefunden, dass gerade die “heavy Internet user” die meisten Freunde haben – real wie virtuell. Es sei eben nicht so, dass das Internet einsam macht, das Gegenteil sei richtig:
“The more people are online,
the more they are relating to everyone else.”
Eine Studie, auf die er sich dabei beruft und bei der die Daten von 1178 Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 74 Jahren am Center for the Digital Future der Universität von Südkalifornien von 2002 bis 2007 ausgewertet wurden, zeigt, dass diese Leute sich wöchentlich etwa mit zehn Freunden getroffen oder unterhalten hätten sowie noch einigen weiteren, die sie nur online kontaktierten, mit ihnen eine reale Freundschaft begannen und sie irgendwann auch physisch trafen.
Es ist ein Mythos, dass all jene Menschen, die heute vor dem Computer und in Sozialen Netzwerken ihre Freizeit verbringen, früher in Restaurants, Bars oder Clubs gesellig gewesen wären und dort aktiv Freundschaften geknüpft hätten. Tatsächlich haben diese Leute wohl eher unter der Woche daheim auf der Couch und ab der Primetime stumm vor dem Fernseher gesessen. Nun aber glotzen sie nicht mehr tumb fern, sondern sind sozial aktiv, unterhalten sich, chatten, pflegen Beziehungen, entdecken alte Bekannte wieder, knüpfen Kontakte zu neuen – kurz: sie sind aktiv und kommunizieren. Oder anders gesagt: Social Media machen uns nicht einsamer, sie machen uns sozialer. Virtuell und real eben auch.
PS. Dieser Effekt scheint vor allem auf die Frauen zu wirken. Wie diese Grafik zeigt, sind die sozialen Netzwerke mehrheitlich in weiblicher Hand:

1. Kommentar
Jörg Oyen
03.10.09 um 12:50 Uhr
Wohl war – die direkte Kommunikation via Social Media erspart viel Vorspann und
kommtist sehr nah beim Thema. Folge: direktes Feedback – spart langes Grübeln und das wiederum sorgt dafür, das Gefühl zu bekommen etwas bewegt zu haben oder in Bewegung versetzen zu können. Im guten wie im schlechten.Trackbacks
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