Anzug-Tipps-Knigge-Regeln
Das Praktische am Anzug ist ja: Mann ist damit immer sofort angezogen. Ein edles Hemd darunter (nie mit Brusttasche!), passender Gürtel, gute Schuhe, vielleicht noch eine Krawatte, lässiger ohne - fertig. Doch angezogen zu sein, bedeutet nicht automatisch auch gut angezogen zu sein. Tatsächlich begegnen einem im Alltag zahllose Männer in schlecht sitzenden Anzügen, die einfach nicht zu ihrer Figur passen. Denn natürlich haben auch Männer ihre Problemzonen. Deswegen muss es nicht gleich ein Maßanzug sein - der richtige Schnitt reicht manchmal schon...

Kleiderwahl: Anzugträger fühlen sich mächtiger

Extra-Tipp-IconMit einem Anzug macht Mann nichts falsch, heißt es. Jedenfalls im Business. Der Anzug - beziehungsweise das Pendant für Frauen: Hosenanzug oder Kostüm - gilt bei formalen Anlässen (Bewerbungsgespräch, Kundentermin, ...) nach wie vor als universelles Kleidungsstück. Aber eben nur formal. Mehr wird der Kleidung in der Regel nicht unterstellt.

Als etwa 12.000 Probanden in 24 Ländern an der Megastudie teilnahmen und zur Wirkung ihrer Berufskleidung befragt wurden, kam heraus:

  • 45 Prozent der Beschäftigten waren überzeugt, in Alltagskleidung produktiver zu arbeiten.
  • 55 Prozent wiederum fanden, das geht nur mit formaler Kleidung.

Praktisch ein Unentschieden. Doch dahinter steckt mehr...

Tatsächlich wirkt das Outfit auch auf unsere Psyche und unser Denken. Formale Kleidung, so eine Studie der California State Universität in Northridge, sorgt dafür, dass sich die Träger unmittelbar mächtiger und bedeutsamer fühlen - allerdings auch weniger verbindlich.

"Wenn wir formale Kleidung anziehen, verändert das die Art wie wir denken und die Welt sehen", sagt Abraham Rutchick, einer der Studienautoren. Die Forscher absolvierten dazu eine Reihe von Experimenten, indem ihre Probanden an unterschiedlichen Tagen mal Freizeitkleidung, mal formale Kleidung wie eben einen Anzug tragen und anschließend diverse Tests absolvieren sollten. Das Ergebnis überraschte selbst die Wissenschaftler.

Wer einen formalen Anzug (oder Hosenanzug, Kostüm) trug...

  • fühlte sich prompt mächtiger, aber weniger verbunden mit anderen.
  • dachte holistischer, dafür aber weniger in Details.
  • favorisierte abstrakte Analysen statt konkreter Fakten.

Was auf den ersten Blick einen durchaus gefragten Managertypus charakterisiert, könnte man aber auch anders auslegen: Anzugträger werden demnach zu Menschen, die...

  • sich ihrer Macht und Bedeutung stets bewusst sind.
  • eher abgehobene Buzzwords wie "holistisch" benutzen.
  • einen Blick aus 10.000 Metern Flughöhe auf die Dinge haben, aber wenig Bodenhaftung.

"Egal, wie oft sie formelle Kleidung tragen: Wenn Sie diese tragen, dann bewegen Sie sich eher in einem Kontext, der weniger intim, komfortabel und sozial verbunden ist", sagt Rutchick. "Das beeinflusst ihr Denken und Handeln zwangsläufig. Selbst wenn Sie den Anzug in einem eher privaten Umfeld wie einer Hochzeit tragen."

Anzug-Ratgeber für jede Männerfigur

Mit Mode oder Dresscodes hat das übrigens wenig zu tun. Häufig sind es die Anzahl der Knöpfe, die Form des Revers, die Stoffmuster oder der Schnitt der Hose, die die Silhouette unvorteilhaft beeinflussen.

Den folgenden Anzug-Guide haben wir bei Mybestbrands gefunden - und nachgefragt, ob wir diesen auch hier - modifiziert - wiedergeben dürfen. Dürfen wir... Danke!

So also ist Mann besser angezogen...

Anzug-Figur: Groß und schlank

Ab 1,90 Meter gehört Mann schon zu den Hochgewächsen. Doch nicht jeder bringt dazu auch noch breite Schultern und einen muskulösen Oberkörper mit. Deswegen muss einer zwar nicht gleich aussehen wie ein Spargeltarzan. Mit dem falschen Anzug könnte das aber passieren. Daher...

  • Wählen Sie einen Anzugsakko mit schmalem Revers und mit mindestens drei Knöpfen. Der Ausschnitt ist dabei kleiner, der Oberkörper wirkt so voluminöser als bei einem Zweiknopfsakko.
  • Nadelstreifen sind tabu - sie strecken den Oberkörper noch mehr. Allenfalls große Karos kann sich dieser Figurtyp erlauben.
  • Falls Sie Krawatte tragen, sollte diese ein bisschen breiter ausfallen. Auch das staucht optisch.
  • Die Hose sollte indes keinen Aufschlag haben. Dann sehen die Beine auch weniger lang aus.

Anzug-Figur: Groß und kräftig

Die Hauptproblemzone beim Mann ist der Bauch. Zu viel Essen, zu viel Bier, zu wenig Bewegung und aus dem Waschbrett wird schnell ein Waschbär. Nicht wenige Männer neigen dazu, die kleine Kugel unter viel zu weiten Anzügen zu verbergen. Fehler! Erstens, weil sie das noch dicker aussehen lässt; zweitens, weil es nicht lässig sondern schlabrig aussieht. Deshalb...

  • Tragen Sie eher Zweiknopfsakkos. Die strecken den Oberkörper dank ihres tiefen Ausschnitts wieder und lassen den Träger schlanker aussehen. Ein Dreiknopfsakko geht auch, wenn das Revers nicht allzu kurz ausfällt.
  • Gepolsterte Schulterpartien sind unbedingt zu vermeiden, da sie noch mehr auftragen.
  • Muster aller Art sollten Sie weglassen: Weder Nadelstreifen auf dem Sakko, noch Streifen auf dem Hemd. Letztere machen den Mann noch kräftiger. Besser: dunkle Anzüge und einfarbige Hemden verwenden.
  • Gleiches gilt für die Krawatte: keine Streifen, nicht zu schmal - auch das gibt dem Oberkörper einen massigeren Look.
  • Vermeiden Sie weite Hosenbeine - die machen dicker. Besser sind Hosen Bundfalten - die lassen die Hüften schlanker erscheinen.

Anzug-Figur: Klein und schlank

Kleine Männer haben oft den Vorteil, dass die Proportionen insgesamt harmonischer aussehen. Sind sie aber klein und eher dünn, wirkt das Ganze schnell knabenhaft oder jugendlich. Der Anzug - er sieht aus, als hätte er auch zur Konfirmation getragen werden können. Muss aber nicht. Darum...

  • Wählen Sie Anzüge mit kurzen Sakkos und figurbetontem, diese verlängern optisch die Beine und geben Ihnen mehr Kontur. Weite Anzüge in weichen Stoffen lassen sie in diesen eher verschwinden.
  • Dreiknopfsakkos und Nadelstreifen strecken zudem den Oberkörper - Sie wirken größer. Gleiches gilt für schmale Revers.
  • Auch gemusterte Hemden, geben Ihrem Oberkörper mehr Volumen. Aber Achtung: Unter gemusterten Anzügen werden nur einfarbige Hemden getragen!
  • Die Hosenbeine sollten so geschnitten sein, dass sie mit einer Falte auf dem Schuh aufliegen. Auch das lässt den Träger größer erscheinen.

Anzug-Figur: Klein und kräftig

Die Variante ist die wohl schwierigste Figur. Einerseits gilt es den kräftig gewachsenen Hüftbereich zu kaschieren, gleichzeitig fehlt das ausgleichende Gardemaß. Wer hier zum falschen Anzug greift, wirkt schnell kugelig gedrungen. Es gibt aber Alternativen. Diese...

  • Wählen Sie ein gut sitzendes Zweiknopfsakko, das dank seines tiefen Ausschnitts den Oberkörper länger und schlanker erscheinen lässt. Aber bitte nichts Weites, Schlabbriges! Das trägt nur noch mehr auf.
  • Verzichten Sie auf jegliche gemusterten Stoffe. Querstreifen und Karos geben nur zusätzlich Volumen.
  • Tragen Sie stattdessen lieber ein Einstecktuch im Sakko - das lenkt die Aufmerksamkeit vom Bauch zum Oberkörper.
  • Auch Hosenbeine mit Aufschlag gehören zurück ins Regal. Dickmacher! Besser sind Hosen, die mit einer Falte auf dem Schuh aufliegen. Sie strecken das Bein.


Die Infografik zum Anzug-Knigge

Maßanzug-Infografik-perfekter-Sitz

So werden Sakkos richtig geknöpft

Fauxpas' passieren manchmal an Stellen, an denen Mann sie nicht vermutet: Beim Jackett und dessen Knöpfen zum Beispiel. Oft werden diese falsch geschlossen. So ist es richtig:

  • Zweireiher: Werden immer geschlossen, egal wie heiß es ist.
  • Sakkos mit zwei Knöpfen: Ein Knopf geschlossen, wahlweise der untere oder der obere.
  • Drei-Knopf-Sakko: Zwei Alternativen: die beiden oberen Knöpfe geschlossen oder nur der mittlere.
  • Vier-Knopf-Sakko: Die beiden mittleren oder die drei oberen Knöpfe werden geschlossen.
  • Fünf-Knopf-Sakko: Alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben geschlossen.
  • Frack: Wird immer offen getragen.
  • Weste: Alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben immer (!) geschlossen.

Beim Hinsetzen – etwa zum Lunch oder Dinner – können alle Knöpfe geöffnet werden. Ausnahme: Zweireiher – der bleibt immer zu. Beim Aufstehen, wenn Sie jemanden begrüßen wollen, werden die Knöpfe vorher aber wieder geschlossen. Das gilt auch für Blazer bei den Damen. Und unter Sakkos werden niemals (!) kurzärmlige Hemden getragen. Die Hemdmanschette muss unter dem Ärmel herausschauen. Die perfekte Länge ist erreicht, wenn die Ärmel des Sakkos knapp über dem Handrücken an der Daumenwurzel enden und die Hemdmanschette circa einen Zentimeter herausschaut. Der Hemdkragen liegt eng am Hals an und ragt ebenfalls einen Zentimeter aus dem Anzugkragen heraus.

Anzug-Knigge: Achten Sie auch auf die Accessoires!

Wer seinen Anzug durch ein Einstecktuch und eine Krawatte ergänzt, sollte folgendes beachten:

  • Das Einstecktuch ist klassisch aus weißer Bauwolle oder moderner aus farbiger Seide oder Cashmere.
  • Es hat niemals (!) dasselbe Muster wie die Krawatte, passt aber farblich harmonisch dazu.
  • Die Krawatte wiederum reicht exakt bis zur Gürtelschnalle – nicht länger, nicht kürzer.
  • Ebenso wichtig für das Bindegwebe: Der Knoten darf nie so dick werden, dass er den Kragen vom Hemd abdrückt. Selbst wenn man(n) seinen Kopf dreht, müssen die Kragenecken liegen bleiben.

Zudem sollten Sie bei Anzügen mit Gürtelschlaufen immer einen Gürtel tragen. Dessen Farbe ist identisch mit der der Schuhe. Die Schnalle ist möglichst schlicht und kaum breiter als der Gürtel. Unnötig zu erwähnen, dass Sie unter Anzügen dunkle Kniestrümpfe (farblich passend zu den Schuhen) tragen. Ansonsten besteht die Gefahr, im Sitzen weiße Stoppelbeine zu entblößen. Das will keiner sehen.

Bitte nie vergessen: Die Schuhe zum Anzug

Schuhe sind Verräter. Ausgelatschte, ungepflegte oder schmutzige Galoschen enttarnen jedes noch so perfekte Outfit als pure Verkleidung. Ungepflegtes Schuhwerk kann ein echter Stolperstein für die Karriere sein (bei der Partnerwahl übrigens auch – Frauen achten besonders darauf!). Das Beste ist ein Maßschuh aus Pferdeleder. Das kann sich allerdings nicht jeder leisten.

Zur Standardausstattung, die gibt es auch als Konfektionsware, gehören zumindest aber: Ein Paar schwarzer Schnürschuhe.

  • Besonders geeignet ist der Oxford, der geht im Büro zu Nadelstreifenanzug genauso wie zu Staatsempfängen, zu Cut oder Casual. Er ist glatt und hat eine schlichte lederne Kappe. In Braun passt er auch sehr gut zu Sportjacketts oder Tweedanzügen.
  • Der Semi-Brogue wiederum eignet sich gut zu gemusterten Anzügen oder weicheren Anzugstoffen. Auch er hat eine Kappe, die weist aber bereits dezente Lochmuster wie beim Brogue auf.
  • Der Full-Brogue oder auch Budapester genannt, ist der Klassiker unter den Business-Schuhen. In Schwarz passt er ideal zu Anzügen aller Art, wirkt aber auch immer etwas konservativ. Das typische an ihm ist das Lochmuster auf der geschwungenen Kappe und an den Seitenflügeln. In Braun passt er auch gut zu Sportanzügen, Tweed, Flanell, Cord und Moleskinhosen. Doch Vorsicht: In konservativen Kreisen wird Braun nur bis 18 Uhr getragen.
  • Sportlicher ist der Derby: Er hat eine offene Schnürung, die Seitenteile sind auf das Vorderteil genäht, das Vorderblatt geht in die Zunge über. Er ist in Südeuropa sehr beliebt. Die jugendliche Variante des Derby ist der Norweger.
  • Ausschließlich in die Freizeit dagegen gehört der Loafer. Das ist ein Halbschuh, in den man bequem hineinschlüpfen kann (wie Slipper oder Mokassin).
  • Der Monk wiederum ist ein Schuh mit Schnallen. Er sollte konservativen Treffen möglichst fern bleiben. Im Büro aber ist er völlig okay.

Die richtige Schuhpflege gehört ebenfalls zum Standard-Repertoire eines Gentleman. Das Wichtigste sind dabei Schuhspanner – sowohl für Herren- wie für Damenschuhe.

Jeder Schuh sollte nach dem Tragen sofort eingespannt werden, damit sich keine Falten bilden. Idealerweise sind die Schuhspanner aus unbehandeltem Zedernholz. Dann nehmen sie unangenehme Gerüche und Feuchtigkeit auf.

Gut ist auch, wenn sie eine Nummer kleiner sind als die Galoschen, damit sie diese beim Ausspannen nicht weiten.

Nach dem Tragen braucht jedes Paar Lederschuhe 48 Stunden Ruhe. Leder wird durch das Tragen immer etwas feucht. Jeder Fuß sondert Körperflüssigkeit ab, deshalb hat man noch lange keine Schweißfüße. Im Normalfall reicht dafür der hölzerne Spanner. Wer stärker geschwitzt hat, sollte die Puschen gründlich austrocknen lassen. Aber nicht auf der Heizung! Dann wird das Leder nachhaltig beschädigt. Am besten stopft man nasse Schuhe mit Zeitungspapier aus, Schuhe mit Ledersohle werden zum Trocknen schräg aufgestellt.

  • Schweißflecken am Außenleder lassen sich mit Zitronensaft entfernen. Bei hellem und empfindlichem Leder eignet sich stattdessen Trinkmilch.
  • Lackschuhe wiederum dürfen nicht mit Schuhcreme eingerieben werden, sonst werden sie blind. Auch hier hilft Milch. Glycerin hält das Lackleder zudem elastisch.
  • Abgestoßene Absätze und Schuhspitzen sind natürlich ein Fauxpas. Bei schwarzen Schuhen kann man diese Stellen zwar kurzfristig mit Schuhcreme einreiben, dauerhaft hilft aber nur ein sogenannter Ausputzer oder Farbcreme.
  • Vorsicht: Gute Farbcremes haben es in sich: Sie färben so ziemlich alles dauerhaft, was damit in Berührung kommt: Hände, Böden, Textilien. Daher besser alte Kleidung und Latex-Handschuhe tragen. Kleinere Kratzer in schwarzen, glänzenden Absätzen lassen sich auch mit schwarzem Nagellack kaschieren.

Ideal zum Polieren von Schuhen ist übrigens ein zusammengeknüllter Nylonstrumpf. Durch die Reibungshitze schmilzt die Oberfläche der Pflegemittelschicht leicht an – es entsteht ein besonders schimmernder Glanz.

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