Nun also auch Media-Saturn. Die Elektronik-Fachmarktkette springt auf den bereits rollenden Zug auf und versucht sich ebenfalls in Sachen Social Media und mobilem Employer Branding. Dazu hat das Unternehmen jetzt eine kostenlose iPhone-App veröffentlicht – den StudyAdvisor.
Der Inhalt ist schnell erzählt: Über die App können geneigte Leser drei Studierende des ersten Jahrgangs „International Retail Management“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Ingolstadt auf ihrer Tour durch die Media-Saturn-Unternehmensgruppe begleiten. Also eine Art mobile Doku-Soap. Die drei, das sind Natalia aus Russland, Aleksandar aus Kanada und Chrysovalantis aus Griechenland. Versprochen werden “spannende Einblicke in den Studienalltag”, ein “interaktiver Fotorundgang” durch das Unternehmen und Informationen “aus erster Hand”, welche Perspektiven eine duale Ausbildung im Bereich Handelsmanagement bietet, alles auf Englisch. O-Ton der Pressemitteilung:
Die Kombination aus Bild und Ton und die Interaktivität der App erhöhen die Authentizität und tragen der Forderung nach glaubwürdigem Personalmarketing Rechnung.
- Hört, hört. Aber was bekommt man tatsächlich?
Nachdem die App relativ schnell aus dem Appstore geladen ist, muss man erst einmal gespannt warten. Und warten. Und warten… Denn bevor sich die hoffentlich spannenden Einblicke offenbaren, sind zurzeit schon satte acht MB herunter zu laden. Und bevor die nicht auf dem iPhone sind, tut sich gar nichts.
Danach erscheinen schließlich diverse Fotoimpressionen (die zugegeben ganz ordentlich sind – siehe Screenshots unten) sowie textliche Minihappen (die leider gar nicht spannend sind) und dazu Mini-Podcasts der Soap-Darsteller (die nicht über Standardgeplänkel vom Typ “Für mich ist die Ausbildung hier was ganz Besonderes, denn sie ist auf Englisch und enthält viele Praxisbezüge” hinausgehen).
Gezielt suchen kann man dort nichts, kommentieren auch nicht, Fragen stellen schon gar nicht. Kurzum: Die App ist im Grunde genommen nichts weiter als eine Diashow mit Sounduntermalung. Wer sich wirklich über die Ausbildung informieren will, findet auf der Hochschul-Webseite deutlich mehr Informationen. Und kann dort auch gleich Kontakt zur Hochschule, beziehungsweise dem Ausbildungsleiter Thomas Vogler aufnehmen.
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Versprochen wurde übrigens auch, dass die die Darstellung des Lebens außerhalb des Studiums nicht zu kurz kommen solle. Tja. Das kann man so oder so verstehen. Die App-Macher verstehen das jedenfalls so: Sie zeigen uns ein Foto von den Gemeinschaftsräumen des Studentenwohnheims und eine Aufnahme von zwei Studenten, die gerade durch Ingolstadt bummeln und mit dem Finger auf irgendetwas zeigen, was im Bild nicht zu sehen ist und auch nicht weiter kommentiert wird. Das alles ist so spannund und bietet derart tiefe Einblicke, dass nicht einmal der Donaukurier es wagt, solche Bagatellen Enthüllungen zu publizieren. Vor allem aber offenbart es eines: die unkreative Gedankenwelt solcher App-Macher, die meinen, etwas Bling-Bling und eine App (“Hey, wir brauchen ‘ne App dafür!”) seien schon das Programm.
Ist es übrigens nicht. Diese App informiert keinen, sie bietet keine Orientierungshilfe und liefert weder versprochene Einblicke, noch Spannung; sie ist eine kommunikative Einbahnstraße und trotz multimedialen Budenzaubers erlebt der Zuschauer das Soap-Trio weder nah noch fern, sondern gar nicht. Fotos reden mit mir. Das alles wirkt unglaublich gekünstelt und steif und warum dafür eine App notwendig war, erschließt sich schon gar nicht (allenfalls der Agentur, die daran sicher gut verdient hat). Immerhin: StudyAdvisor ist kostenlos – deshalb braucht auch keiner ein schlechtes Gewissen haben, wenn er die App anschließend wieder löscht.







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