Job-kuendigen-Freiheit-Mann-Nachdenklich
Der Rat klingt - zugegeben - reichlich skurril: Arbeiten Sie so, als ob Sie schon gekündigt hätten! Wobei die Betonung liegt auf hätten. Gemeint ist also nicht, den sofort Stift fallen zu lassen, dem Chef mal so richtig frei von der Leber weg zu sagen, was man von ihm hält oder während der Arbeitszeit in Jobbörsen nach Stellenangeboten zu suchen. Dann könnte aus dem Konjunktiv schnell bittere Realität werden. Gemeint ist damit vielmehr ein klassischer Perspektivwechsel - oder die Frage: Wenn ich nur noch drei Monate hier arbeiten würde, was würde ich tun?

Wie sich dadurch die Prioritäten verschieben

Tatsächlich hilft einem die Annahme, man hätte schon gekündigt, manche Dinge wieder klarer zu sehen und Prioritäten neu zu setzen. Statt jeden Tag tumb unsere Routinen abzuarbeiten, werden wir mit deren - theoretischer - Endlichkeit konfrontiert und müssen entscheiden, wie wir die restliche Zeit optimal nutzen.

Es ist ein bisschen das Spiel mit zwei psychologischen Gesetzen:

  • Edwards-Gesetz

    Es besagt, dass der Aufwand, den man in eine Sache investiert, umgekehrt proportional zur verbleibenden Zeit steigt. Klingt unheimlich wissenschaftlich, bedeutet aber einfacher gesagt, dass wir uns umso mehr ins Zeug legen, je näher die Deadline rückt.

    Der-kreative-Prozess

  • Das Parkinson’sche Gesetz

    Das geht auf den britischen Historiker und Publizist Cyril Northcote Parkinson zurück. Und sagt, dass sich die Arbeit in genau dem Maß ausdehnt, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht – und nicht etwa wie viel Zeit man tatsächlich dafür bräuchte. Deshalb sollte man sich immer eine Deadline setzen.

Entsprechend sehen die Vorteile dieser selbsterzeugten Illusion aus:

  • Wir gewinnen die Freiheit, aus einem möglichen Hamsterrad auszusteigen.
  • Wir konzentrieren uns auf Themen, die uns tatsächlich sinnvoll erscheinen.
  • Wir sagen (ohne schlechtes Gewissen) Meetings ab, die Zeitverschwendung sind.
  • Wir beenden Projekte (in der hypothetischen Zeit bis zum Abgang) schneller.
  • Wir gewinnen mehr Gelassenheit im Job und machen uns nicht mehr wegen Kleinigkeiten verrückt.
  • Wir entwickeln für uns eine Perspektive für die Zeit danach - und damit wieder langfristige Ziele für uns selbst.

Unsere Leserin Jeannie, von der die Idee dazu stammt und die uns den Anstoß gab, daraus einen Artikel zu machen (Danke, Jeannie!), praktiziert das schon seit längerem und schreibt:

Nachdem ich mich an einem Wochenende dazu entschlossen hatte zu einem bestimmten Termin zu kündigen, bin ich den Montag danach komplett entspannt zur Arbeit gegangen. Habe unwichtige Meetings abgesagt. Bin in mich gegangen und habe mir überlegt, welche Projekte ich unbedingt noch erfolgreich abschließen will - und war auf einmal so produktiv wie lange nicht mehr. Das mit der Kündigung habe ich dann doch nicht mehr durchgezogen.

Probieren Sie es doch mal aus. Wer weiß, welche neuen Energien und Motivationsschübe Sie dabei freisetzen.

Ansonsten, und falls gar nichts hilft...

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