Arbeiten unter Druck
Unabhängig von Branche und Beruf: Überall wird von Arbeitnehmern heutzutage erwartet, gut unter Druck arbeiten zu können. Unternehmen sind auf der Suche nach jungen Talenten, die sich nicht abschrecken lassen, wenn es einmal hektisch und laut wird, sondern genau in diesen Situationen erst richtig aufblühen. Ja, solche Menschen gibt es. Aber nicht jeder kann mit Druck so gut umgehen. Manche reagieren regelrecht allergisch, sind überfordert und die Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab. Das Arbeiten unter Druck lässt sich aber ein Stück weit erlernen. Diese Tipps können Ihnen helfen, um dem Druck am Arbeitsplatz zu trotzen und in den stressigen Phasen Ihre besten Leistungen zu bringen...

Arbeiten unter Druck: Was löst den Druck aus?

Es können Tage oder sogar Wochen vergehen, in denen es im Job ruhig zugeht. Alles geht seinen geregelten Gang, der Arbeitsaufwand hält sich in Grenzen und der Feierabend kommt pünktlich. Doch wie heißt es so schön: Ein Unglück kommt selten allein. Urplötzlich melden sich mehrere Kunden mit dringenden Änderungswünschen, neue Aufgaben landen im Minutentakt auf dem Schreibtisch und sowohl Telefon als auch E-Mail Account stehen nicht mehr still.

Kommt dann noch der Chef hinzu und fragt, wann er endlich die neusten Ergebnisse sehen kann, wird der Druck für Mitarbeiter enorm. Doch durch welche Faktoren wird er ausgelöst?

  • Die Zeit ist knapp. Die Deadline rückt immer näher, Ihr Chef hat schon mehrmals nachgefragt und Sie sind immer noch nicht fertig. Wenn die Zeit knapp wird, geraten viele Arbeitnehmer unter Druck. Plötzlich wird man hektisch, verliert den Überblick und anstatt schneller zu werden und Dinge fertig zu stellen, kommt man nur noch schleppend voran.
  • Die Aufgabe ist besonders wichtig. Je größer die Verantwortung, desto größer auch der damit verbundene Druck. Gerade Führungskräfte geben daher oft an, ständig unter großem Druck zu stehen. Aber auch Mitarbeiter, die eine wichtige Aufgabe erledigen oder einen großen Kunden betreuen, stehen unter größerem Druck.
  • Die Angst zu versagen. Versagensängste spielen eine große Rolle. Man möchte sich selbst, seinen Chef und seine Kollegen nicht enttäuschen, gleichzeitig fürchtet man aber auch die Folgen im sozialen Umfeld, wenn man einer Aufgabe nicht gewachsen ist und als Verlierer abgestempelt wird.

Arbeiten unter Druck: Mit diesen Tipps schaffen Sie es

Photographee.eu by shutterstock.comDer Druck ist groß, die To-Do Liste lang und Sie wissen einfach nicht, wie Sie all das schaffen sollen. Eigentlich müssten Sie sich dringend an die Arbeit machen, doch Sie sind wie gelähmt und es scheint unmöglich, einen Anfang zu finden. Bis zu einem gewissen Punkt ist Druck kein Problem, doch irgendwann wird es zu viel. Wann genau dieser Punkt erreicht ist, hängt von der Persönlichkeit eines jeden Arbeitnehmers ab. Den einen macht er überhaupt nichts aus, andere fühlen sich bereits bei wenig Druck absolut überfordert und in die Enge getrieben. Wer zur ersten Gruppe gehört, hat einige Vorteile im stressigen Arbeitsalltag, doch auch wenn Ihnen das Arbeiten unter Druck nicht liegt und Sie das Gefühl haben, die Dinge nicht mehr im Griff zu haben, können Sie den richtigen Umgang mit diesen Situationen lernen. Wir haben einige Tipps gesammelt, die Ihnen helfen, unter Druck zu arbeiten und sich gleichzeitig dabei auch noch besser zu fühlen.

  1. Wechseln Sie Ihren Blickwinkel

    Viele Arbeitnehmer haben Angst vor dem Druck, der ihnen am Arbeitsplatz begegnen kann. Je größer der Druck wird, desto größer wird die Angst, etwas falsch zu machen, bis schließlich gar nicht mehr gehandelt wird. Der Teufelskreis dabei: Dies erhöht den Druck nur noch weiter - weniger Zeit, mehr Aufgaben.

    Versuchen Sie daher, dem Druck nicht mit Angst, sondern mit Motivation zu begegnen. Sehen Sie den Druck als eine neue Herausforderung, um Ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

  2. Halten Sie für kurze Zeit inne

    Es mag widersprüchlich klingen, doch tatsächlich sollten Sie bei großem Druck zunächst einen Moment innehalten, tief durch atmen und zur Ruhe kommen. Es ist in der Regel der falsche Weg, sofort in blinden Aktionismus zu verfallen. Dabei entsteht oft noch mehr Stress und es drohen zusätzliche Fehler.

    Schon wenige Minuten können ausreichen, um sich selbst zu sammeln und dem Druck anschließend besser standzuhalten. Sie gehen konzentrierter vor und fühlen sich weniger gestresst.

  3. Gehen Sie Schritt für Schritt

    Das Geheimnis besteht nicht darin, unter Druck besser zu arbeiten. Oft liegt der Unterschied nur in einer konzentrierten Vorgehensweise. Es ist leicht dem Irrglauben zu erliegen, unter Druck müsse man möglichst viel auf einmal schaffen. Dabei trifft das genaue Gegenteil zu.

    Gerade unter Druck sollten Sie sich eine Aufgabe nach der anderen vornehmen. Die Vorteile dieser einfachen Methode sind vielfältig: Sie erzielen bessere Ergebnisse, vermeiden Fehler, reduzieren mit jeder einzelnen Aufgabe den Druck und sind am Ende auch noch schneller fertig.

  4. Delegieren Sie Aufgaben

    Nicht jede Aufgabe, die in einer stressigen Arbeitsphase bei Ihnen landet, ist in Ihren Händen auch am besten aufgehoben. Um den Druck effektiv zu reduzieren, sollten Sie zunächst prüfen, ob manche To Dos nicht besser delegiert werden sollten.

    Dabei geht es selbstverständlich nicht darum, unliebsame oder arbeitsintensive Aufgaben abzugeben, sondern genau zu hinterfragen, wer die Kompetenzen und freie Kapazitäten hat, um sich der Arbeit anzunehmen.

  5. Halten Sie sich Ihren Plan vor Augen

    Ein bewährtes Mittel gegen übermäßigen Druck: Machen Sie sich einen konkreten Plan und halten Sie sich daran. Das Schlagwort hierfür lautet: Prioritäten. Bevor Sie sich blindlings in die Arbeit stürzen, überlegen Sie sich zunächst, welche Aufgaben in welcher Reihenfolge erledigt werden müssen. So stellen Sie sicher, dass alle wichtigen Aufgaben rechtzeitig erledigt werden und genügend Zeit für die relevanten Dinge bleibt.

    Auch sehr hilfreich ist es, die ausstehenden Aufgaben schriftlich festzuhalten. Das Visualisieren hilft nicht nur bei der Organisation, wichtig ist auch das Durchstreichen der erledigten To Dos. Dies reduziert mit jeder erledigten Aufgabe den empfundenen Druck spürbar.

  6. Verzichten Sie auf Perfektion

    Es ist gut, sich selbst hohe Ziele zu stecken und hart daran zu arbeiten, diese zu erreichen. Vorsichtig sollten Sie hingegen beim Perfektionismus sein. Hier sind die eigenen Ansprüche so hoch, dass sie nie erreicht werden können und so setzt man sich auch selbst immer weiter unter Druck.

    Gerade unter Zeitdruck sollten Sie sich bewusst machen, dass eine gute Leistung vollkommen ausreicht. Von außen wird bereits genügend Druck an Sie heran getragen. Sorgen Sie dafür, dass Sie diesen nicht selbst noch weiter verstärken.

  7. Ziehen Sie sich zurück

    Jeder Mensch geht anders mit dem Druck um und so müssen Sie für sich herausfinden, wie Sie unter Druck am besten arbeiten. Vielen hilft es jedoch, wenn sie sich in dieser Phase zurückziehen und für sich alleine bleiben können.

    Das hat nichts mit Abneigung oder Abkapselung den Kollegen gegenüber zu tun, sondern fördert die Konzentration. Haben Sie Ihr eigenes Büro, ist dies relativ leicht, teilen Sie sich den Arbeitsplatz mit anderen, können Kopfhörer helfen, weniger abgelenkt zu werden.

Arbeiten unter Druck: Kennen Sie Stressgucker?

Kennen Sie den? Der Typ am Restauranttisch gegenüber zieht beide Augenbrauen zur Mitte, hebt sie dabei leicht an und öffnet die Augen etwas weiter als normal. Typischer Fall von Stressgucker.

Stressgucker sind nahe Verwandte der Mitleids-Erreger. Sie verdichten ihre sämtlichen Symptome auf das obere Gesichtsdrittel. Man sieht ihnen sofort an: Der Typ hat Stress, ist wichtig, ohne ihn läuft nichts. Jetzt, wo er hier sitzt und nicht an seinem Schreibtisch, bricht wahrscheinlich das ganze System zusammen. Man kann die Hilferufe der anderen geradezu aus seiner Miene lesen: Haltet den Mann nicht auf, er ist unsere einzige Hoffnung! Also Zackzack, der Typ muss bestellen, essen, noch einen dreifachen Espresso auf die Hand – und dann nix wie zurück ins Büro, die Welt retten. Mindestens.

Kommt ihnen bekannt vor? Kein Wunder. Stressgucker sind nichts Neues. Zur Hochzeit der New Economy gab es schon mal eine Epidemie. Damals allerdings mischte sich in die Strapazen-Mimik noch ein Hauch Euphorie. Manchmal war es aber auch nur Größenwahn. Das kam trotzdem gut an. Denn so sah jeder – trotz luftiger Sportkleidung – sofort, dass er einen Entscheider vor sich hatte. Einen Macher des Morgen. Was sich dann jedoch leider als Seifenblase entpuppte. Aber Schwamm drüber.

Heute fürchten die Stressgucker vor allem das Morgen. Überall rollen Köpfe, Prozesse werden optimiert, Kostenstellen hinterfragt und gestrafft. Und Stressgucker wissen: Sie sind eine Kostenstelle. Also folgen sie der Devise: Je beschäftigter ich aussehe, desto eher glaubt der Chef, ich wäre für das Unternehmen nicht zu ersetzen.

Gestresst gucken bedeutet aber noch lange nicht, dass jemand auch tatsächlich gestresst ist. So zeigt eine Studie, dass Arbeitnehmer im Alter zwischen 18 und 34 gerne einmal Stress vortäuschen, um dem Leistungsdruck standzuhalten.

Zugleich stecken diese Typen in einem Dilemma: Wer jetzt allzu fröhlich dreinschaut, macht sich sofort verdächtig. Entweder, weil er fein raus ist (das weckt ruckzuck Neid) oder weil er schlicht den Schuss noch nicht gehört hat (noch schlechter: Trottel werden als erste gestrichen). Also Stressgucken. Wirkt irgendwie smart, gleichzeitig wahnsinnig engagiert und hoffentlich unentbehrlich.

Stressgucker sind übrigens völlig harmlos. Sie gucken ja bloß. Andere quasseln, jammern – oder schlimmer: Sie werden hyperaktiv und hysterisch. Die richten dann meist noch Schaden an. Das will doch keiner. So gesehen ist Stressgucken also eine positive Mutation. Und so lustig Sie das alles vielleicht finden: Nicht selten hilft es tatsächlich. Beobachten Sie einfach Ihre Umgebung…

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