Haben Sie vor ein demnächst ein Praktikum in einem Unternehmen zu machen? Oder haben Sie vielleicht erst kürzlich ein Praktikum absolviert? Und: Wie war das? Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt? Nicht wenige Praktikanten erleben in dieser Zeit eine herbe Enttäuschung. Zum Teil stecken naive und überzogene Erwartungen dahinter, zum Teil ist das Problem aber auch hausgemacht: Nicht wenige Berufseinsteiger lassen sich bei der Wahl ihres Praktikumsplatzes vom Image des Unternehmens leiten. Nicht selten ein Fehler. Denn hier gilt: Mehr Schein als Sein.

Die Personalberatung Clevis hat zusammen mit der Jobbörse Absolventa und Praktikum.info zum dritten Mal eine Studie erstellt, bei der mehr als 4000 Praktikanten zu ihren Arbeitserfahrungen und dem Markenimage ihres Praktikumsunternehmens befragt wurden und die genau das miteinander abgeglichen hat: Wer hält, was sein Image verspricht? Und wer ist vielleicht sogar besser? Dabei kristallisieren sich dann eben auch Unternehmen heraus, die über hervorragende Arbeitsbedingungen verfügen, diese aber nicht wirkungsvoll nach außen kommunizieren. Schade eigentlich. Muss aber nicht so bleiben.

Automobilbranche: viel PS, wenig Komfort

Die Studie deckt natürlich auch ein paar – böse gesagt – Blender auf, deren tatsächliche Attraktivität deutlich vom Image abweicht. Zu dieser Kategorie zählen überraschenderweise ausgerechnet einige Automobilhersteller, die in anderen Rankings eher als „beliebteste Arbeitgeber“ auf den Siegertreppchen stehen. Die befragten Praktikanten sehen das jedoch anders: So konnten Audi oder BMW trotz ihres positiven Markenimages nicht im Bereich der Arbeitgeberqualität überzeugen.

Besonders schlecht steht es freilich um solche Unternehmen, die kein gutes Image haben – und das auch noch zu Recht. Laut Umfrage sind das zum Beispiel L’Oréal, Axel Springer, das ZDF, die Deutsche Bank oder E.On (siehe Grafik weiter unten, zum Vergrößern bitte anklicken).

Dabei bestimmen vor allem drei Aspekte die Attraktivität eines Arbeitgebers in den Augen der aktuellen und ehemaligen Praktikanten sind das die Unternehmenskultur, das Aufgabenspektrum und das passende Umfeld. Vergütung und Karriereförderung hingegen spielen für die Zufriedenheit der Studienteilnehmer eine eher untergeordnete Rolle. Deutlich wurde auch, dass High Potentials meist zufriedener mit ihrem Arbeitgeber sind, wobei die empfundene Arbeitgeberqualität in höherem Maße davon abhängt, ob sie autonom arbeiten dürfen und die geeigneten Karrieremöglichkeiten erhalten.

MINTler sind zufriedener als WiWis

Bemerkenswert ist allerdings auch: Studenten der Studiengänge Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, die sogenannten MINT-Absolventen, sind signifikant zufriedener während ihres Praktikums als Studenten der Wirtschafts-, und Sozialwissenschaften (WiWi).

Dazu muss man allerdings feststellen: MINTler und WiWis unterscheiden sich ebenfalls stark bei ihren Branchen- und Bereichspräferenzen sowie in der Geschlechterverteilung. So arbeiten MINTler verstärkt in der Automobil- und Zuliefererindustrie, WiWis hingegen sind häufiger im (Einzel-)Handel und der Konsumgüterindustrie anzutreffen. Der Tätigkeitsschwerpunkt der MINTler ist im Bereich Forschung und Entwicklung, bei den WiWis liegt dieser im Bereich Marketing. Und der Männeranteil liegt bei den MINT-Studenten bei 67,2 Prozent, verglichen mit 39,2 Prozent bei den WiWis.

Die besten Praktikantenplätze

Das Ergebnis der Studie ist eine sogenannte Employer Matrix. Sie zeigt die Position der 54 untersuchten Unternehmen entlang der beiden Achsen Arbeitgeberqualität und Markenimage. Dabei wurden die Unternehmen innerhalb dieser Vier-Felder-Matrix einem der folgenden Arbeitgebertypen zugeordnet:

  • Star: Das positive Markenimage eines Stars wird durch die tatsächlich erlebte hohe Qualität als Arbeitgeber bestätigt. Die als Star eingeordneten Unternehmen haben einen weitereichenden Vorteil bei der Rekrutierung von High Potentials.
  • Hidden Champion: Ein Hidden Champion bietet überdurchschnittlich gute Arbeits- bedingungen. Das Unternehmen scheint diese allerdings nicht wirkungsvoll nach außen kommunizieren zu können.
  • Pretender: Ein Pretender wirkt durch sein starkes Image attraktiv auf potentielle Nachwuchstalente. Allerdings können die hohen Erwartungen durch die tatsächlich herrschenden Arbeitsbedingungen im Unternehmen nicht erfüllt werden.
  • Challenger: Das niedrige Markenimage eines als Challenger identifizierten Unternehmens bestätigt sich bei interner Betrachtung durch eine eher geringe Arbeitsqualität. Durch eine gezielte Investition in passende HR-Maßnahmen kann ein Challenger allerdings zum Hidden Champion werden.