Arbeitnehmerüberlassung: Tipps für Arbeitnehmer
Arbeitnehmerüberlassung - kaum ein Begriff löst bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern so unterschiedlich und widersprüchliche Gefühle und Reaktionen aus. Während die einen fast reflexartig "Ausbeutung!" rufen, berichten andere von einer erfüllenden und abwechslungsreichen Aufgabe. Dass es in der Arbeitnehmerüberlassung schwarze Schafe gibt, ist unbestreitbar. Doch das gilt auch für die Chancen, die sie Arbeitnehmern bietet...

Arbeitnehmerüberlassung: Sinnvolles Konzept mit durchwachsener Umsetzung

Die Idee und das Konzept, die der Arbeitnehmerüberlassung zugrunde liegen, sind erstmal sinnvoll und gut. Unternehmen sollen durch flexibel einsetzbare Leiharbeiter in die Lage versetzt werden, Produktions- und Arbeitsspitzen aufzufangen. Fällt in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen mehr Arbeit an, kann diese bewältigt werden, ohne Mitarbeiter einstellen und diese dann entlassen zu müssen. Soweit zur Theorie.

In der Praxis funktioniert dieses Modell für Fachkräfte vielerorts gut. (Hoch) Qualifizierte Arbeitnehmer können durch einen Job in der Arbeitnehmerüberlassung zahlreiche Unternehmen und Branchen kennenlernen. Bei ungelernten oder geringer qualifizierten Hilfskräften sieht das Bild jedoch anders aus. Hier gibt es durchaus schwarze Schafe - also schlechte Unternehmen im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung - die ihre Mitarbeiter untertariflich bezahlen und teilweise regelrecht ausbeuten.

Leider wird in den Medien jedoch vor allem über die negativen Fälle berichtet und gesprochen. Diese Berichte prägen das, negative, Bild der Arbeitnehmerüberlassung, sind jedoch nicht repräsentativ. Denn auch wenn es schwarze Schafe gibt: Die Zahl der Leiharbeiter wächst in Deutschland seit Jahren, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln zeigt.

Arbeitnehmerüberlassung Daten

Für Arbeitnehmer stellen sich angesichts der schlechten Reputation der Arbeitnehmerüberlassung jedoch einige Fragen. Die drei häufigsten:

  1. Für wen und wann eignet sich die Arbeitnehmerüberlassung?
    Die Frage ist nachvollziehbar, ist die Arbeit in der Arbeitnehmerüberlassung doch bis zu einem gewissen Grad Typ-Sache und nicht zuletzt von den Rahmenbedingungen und der persönlichen Situation abhängig.
  2. Welche Chancen bietet die Arbeitnehmerüberlassung?
    Eine Gehaltserhöhung ist für berufserfahrene Arbeitnehmer beispielsweise eher nicht zu erwarten. Wer jedoch Abwechslung und vielfältige Erfahrung sucht, könnte hier richtig sein.
  3. Welche Rechte gelten für Arbeitnehmer in diesem Bereich?
    Hier geht es meist um Themen wie Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und ähnliche Themen. Sie alle sind für Arbeitnehmer wichtig.

Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland: Älter, als man denkt

Champion studio/shutterstock.comDie Arbeitnehmerüberlassung ist zwar erst in den letzten zwei Jahrzehnten in der medialen Aufmerksamkeit angekommen, das Konzept ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt jedoch schon deutlich länger etabliert. Die ersten Unternehmen wurden im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung bereits 1960 aktiv. Für Arbeitnehmer ist die recht lange Geschichte der Arbeitnehmerüberlassung durchaus relevant.

Denn im Lauf der Jahre hat der Gesetzgeber die Arbeitnehmerüberlassung aktiv reguliert und die geltenden Gesetzte und Regelungen immer weiter angepasst. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Annahme ist die Arbeitnehmerüberlassung also keinesfalls ein rechtsfreier Raum.

Für Arbeitnehmer in der Arbeitnehmerüberlassung gelten beispielsweise die gleichen Rechte im Blick auf Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch und ähnliches, wie für festangestellte Arbeitnehmer.

Für wen und wann eignet sich die Arbeitnehmerüberlassung?

Ollyy/shutterstock.comEin Job in der Arbeitnehmerüberlassung eignet sich vor allem für zwei Gruppen von Arbeitnehmern: Berufseinsteiger und berufserfahrene Arbeitnehmer, die sich Abwechslung wünschen und ihren professionellen Horizont erweitern wollen.

Berufseinsteiger haben durch die Arbeitnehmerüberlassung die Chance, gleich zu Beginn ihrer Karriere zahlreiche Unternehmen und Fachbereiche kennenzulernen. So können sie nicht nur ihre Berufserfahrung auf eine breite Basis stellen. Sie haben auch die Chance, verschiedene Branchen und Aufgaben auszuprobieren. Gerade wenn Sie nach dem Studium oder der Ausbildung noch nicht so genau wissen, wo Sie hin wollen, kann dieser Start für Sie optimal sein.

Als berufserfahrene Fachkraft bietet sich die Arbeitnehmerüberlassung für Sie an, wenn Sie von Ihrem bisherigen Job genug haben und sich nach Abwechslung sehnen. Zwar geben Sie damit einigen Komfort auf - mehr dazu gleich - doch Sie können innerhalb Ihres Fachbereichs neue Erfahrungen sammeln. In dieser Bandbreite ist das nur in wenigen Unternehmen möglich.

Die Nachteile und Risiken sind für beide Arbeitnehmergruppen ähnlich. Die Arbeit in der Arbeitnehmerüberlassung bedeutet...

  • ... ein festes Team und dauerhafte Kollegenstrukturen aufzugeben und sich regelmäßig mit neuen Kollegen arrangieren zu müssen.
  • ... etwas weniger Planungssicherheit. Arbeitnehmer sind zwar immer mehrere Wochen in einem Unternehmen tätig, doch innerhalb von drei oder sechs Monaten können sie in der Arbeitnehmerüberlassung dennoch mehrfach das Unternehmen wechseln.
  • ... sich immer wieder auf neue Aufgaben und Prozesse einzustellen. Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur und Prozesse am Start.

Außerdem müssen Sie sich als Arbeitnehmer jedes Mal auf neue, ungeschriebene Regeln einstellen. Ein Gefühl für die Beziehungen und Erwartungen im Unternehmen zu entwickeln kann Zeit und Energie in Anspruch nehmen. Gleichzeitig entwickeln Sie dadurch jedoch auch wichtige Eigenschaften für die Arbeit im Team und mit Kunden.

Welche Chancen bietet die Arbeitnehmerüberlassung?

alphaspirit/shutterstock.comNeben der umfassenden Erfahrung und der Abwechslung kann die Arbeitnehmerüberlassung Ihnen als Arbeitnehmer jedoch noch weitere Chancen bieten. Die Betonung liegt hier jedoch auf "kann", da es in weiten Teilen von Ihnen abhängt, ob Sie die Chancen nutzen.

Der mehr oder weniger regelmäßige Wechsel des Unternehmens bietet Ihnen die Möglichkeit, sich potenzielle Arbeitgeber anzuschauen und sich dort zu positionieren. Bringen Sie im Unternehmen gute Leistungen und bauen Sie entsprechenden Beziehungen mit Ihren Kollegen und Vorgesetzten auf, können Sie früher oder später auch das Thema der Übernahme ansprechen.

Die Voraussetzung: Sie habe das Thema mit Ihrem aktuellen Arbeitgeber - dem Unternehmen der Arbeitnehmerüberlassung - besprochen und kennen die Regelungen und Vorgaben Ihres Vertrags. Gute Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern auch in der Arbeitnehmerüberlassung die Möglichkeit, zu einem anderen Unternehmen zu wechseln.

Damit Sie diese Chance optimal nutzen können, sollten Sie...

  • ... das Thema rechtzeitig mit Ihrem Arbeitgeber klären.
  • ... vorsichtig beim aktuellen Unternehmen vorfühlen.
  • ... eine Grundlage in Form von Beziehungen und Kontakten im Unternehmen schaffen.
  • ... durch hervorragende Leistungen auf sich aufmerksam machen.

Im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung kann es durchaus sein, dass Sie in Unternehmen oder Aufgabenbereichen arbeiten, die Ihnen gar nicht liegen und in denen Sie sich auch nicht wohlfühlen. In diesem Fall können Sie die Befristung der Arbeit als Vorteil sehen - und daraus lernen. Denn dann wissen Sie, in welchen Bereichen Sie später keinesfalls arbeiten wollen.

Welche Rechte gelten für Arbeitnehmer in diesem Bereich?

Africa Studio/shutterstock.comViele Arbeitnehmer gehen davon aus, dass sie in der Arbeitnehmerüberlassung schlechter gestellt sind, als die festangestellten Kollegen. Rein rechtlich ist diese Annahme jedoch falsch.

Die Arbeitnehmerüberlassung ist in Deutschland durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG geregelt. Seit seiner Einführung 2003 wurde es immer wieder angepasst. Das Ziel: Die arbeitsrechtliche Gleichstellung von Leiharbeitern und festangestellten Mitarbeitern.

Wenn Sie sich als Leiharbeiter also für Ihre Rechte interessieren, werden Sie auf der Seite der Agentur für Arbeit fündig. Informationen finden Sie hier, Formulare hier.

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