Freizeit

Diese Studie geht gerade rum im Internet (ist Karrierebibel-Lesern jedoch längst bekannt). Weils aber so schön ist: Forscher um Sharon Toker von der Tel Aviv Universität haben in einer 20-jährigen Langfriststudie (pdf) herausgefunden: Wer keine positiven sozialen Kontakte auf der Arbeit hat, besitzt ein 2,4-fach erhöhtes Risiko eher zu sterben. Oder positiv ausgedrückt: Wer Freunde im Job hat, lebt länger.

Alles begann damit, 870 Angestellte zu rekrutieren, die dann seit 1988 eine Gesundheitsklinik zu regelmäßigen Check-ups besuchen mussten. Zudem wurden sie von den Wissenschaftler zu ihrem Job befragt, ob sie gute Kontakte zu ihren Chefs oder Kollegen hatten, ob diese freundlich oder hilfsbereit oder ob sie mit diesen gar befreundet seien.

Die Probanden im Alter zwischen 25 und 65 Jahren kamen aus unterschiedlichen Berufen und Branchen – dem Finanzsektor, Medizin, produzierendes Gewerbe. Und wer schon zu Beginn der Studie gesundheitliche Probleme hatte, wurde vorsorglich aussortiert. Es durften also nur kerngesunde Arbeitnehmer teilnehmen.

Über die kommenden 20 Jahre beobachteten die Forscher die Teilnehmer aber nicht nur. Sie klärten sie auch über deren gesundheitlichen Zustand auf und gaben ihnen die Chance, daran etwas zu verbessern. Dennoch starben bis zum Ende des Untersuchungszeitraums 53 Menschen. Gut, Menschen sterben nun mal, so ist das Leben. Das Erstaunliche daran war jedoch: Die meisten der Verstorbenen hatten ihr soziales Arbeitsumfeld als negativ beschrieben. Vor allem im Alter zwischen 38 und 43 Jahren war dieser physische Effekt besonders deutlich zu messen.

Nun lässt sich daraus noch keine Kausalität ableiten, Motto: fiese Kollegen gleich früher Tod. Eher handelt es sich dabei um eine Korrelation. Dennoch wühlten sich die Wissenschaftler noch tiefer in ihre gesammelten Daten. Dabei stellten sie fest: Der Effekt trat vor allem in Verbindung mit den Kollegen auf. Sprich: Ein negatives Verhältnis zum Chef besaß keinerlei Zusammenhang mit der Sterblichkeit, wohl aber das zu den direkten Kollegen.

Ebenfalls interessant (aber noch länger bekannt): Auch der Grad, wie sehr die Arbeitnehmer Einfluss auf ihre Arbeit nehmen konnten oder ob sie eher unter Kontrollverlust litten, beeinflusste die Lebenserwartung. Jedoch bei Männern und Frauen auf unterschiedliche Weise: Während Männer, die über mehr Freiheiten und Selbstverantwortung im Job berichteten, statistisch ein geringeres Sterblichkeitsrisiko aufwiesen, war es bei den Frauen genau umgekehrt: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie früh starben stieg damit gar um bis zu 70 Prozent.

Als Grund vermutet die Studienautorin den größeren Stress der Frauen, die heute immer mehr Rollen gleichzeitig ausüben müssen. Oder in ihren eigenen Worten:

Women having more control of their work pace and schedule usually hold higher positions. They were, and still are, expected to wear several hats — the ‘senior worker,’ the ‘mother.’ Thus, having more control in itself may have been a stressor.