Arbeitslosengeld Anspruch Höhe Dauer
Das Arbeitslosengeld - in den unterschiedlichen Formen ALG 1 und ALG 2 - ist für viele nur ein Notnagel. Oder eine Art Übergangsgeld bis sie einen neuen Job und damit ein reguläres Einkommen gefunden haben. Wobei zwischen Arbeitslosengeld 1 und ALG 2 noch einmal deutlich unterschieden werden muss, denn trotz der ähnlichen Begriffe handelt es sich um sehr verschiedene Ansprüche und Leistungen. Die Frage, ob Sie nach Ihrer Kündigung Anspruch auf Arbeitslosengeld haben (und wie lange), hat schon so manches Sozialgericht beschäftigt. Damit die Jobsuche reibungslos verläuft, sagen wir Ihnen, worauf Sie achten sollten...

Arbeitslosengeld Anspruch: Ja oder Nein?

Arbeitslosengeld Anspruch Höhe Dauer EigenkündigungGrundsätzlich hat jeder, der zwölf Monate in Folge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, Anspruch auf ALG 1. Das ALG 1 ist eine Versicherungsleistung, die Arbeitnehmern zusteht, die nach einer Beschäftigung arbeitslos werden. Dafür müssen Sie allerdings drei Voraussetzungen erfüllen, die von der Bundesagentur für Arbeit vorgeschrieben werden:

  • Sie müssen arbeitslos sein.
  • Sie müssen sich persönlich arbeitslos gemeldet haben.
  • Sie müssen die Anwartschaftszeit erfüllt haben.

Werden die Voraussetzungen erfüllt, können Sie Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung erhalten. Die Höhe hängt dabei von Ihrem letzten Nettoeinkommen ab. Der Haken liegt allerdings in einem anderen Detail.

Angenommen, Sie sind seit drei Jahren in einem Betrieb beschäftigt, wollen nun aber den Job wechseln. Den neuen Job haben Sie schon in der Tasche, deshalb kündigen Sie zum 31. Januar. Die neue Stelle können Sie am 1. März antreten. Den einen Monat dazwischen können Sie gut zum Abschalten und Ausspannen nutzen und sich vielleicht schon mal ein bisschen auf die neue Position einstellen. Allerdings ist Ihr Konto nicht gerade prall gefüllt.

Haben Sie für diesen Übergangsmonat Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Die kurze Antwort: höchstwahrscheinlich Nein. Durch die Kündigung haben Sie Ihre vorübergehende Arbeitslosigkeit selbst verursacht. In dem Fall verhängt die Agentur für Arbeit eine sogenannte Sperrzeit für das Arbeitslosengeld von drei Monaten.

Im Sozialgesetzbuch (SGB III) heißt es dazu unter Paragraph § 159:

Hat die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer sich versicherungswidrig verhalten, ohne dafür einen wichtigen Grund zu haben, ruht der Anspruch für die Dauer einer Sperrzeit.

Versicherungswidrig bedeutet, die Versichertengemeinschaft zu belasten, weil man einen zumutbaren Job von sich aus aufgibt. Wenn Sie also als Arbeitnehmer kündigen, müssen Sie unter normalen Umständen drei Monate lang ohne finanzielle Unterstützung auskommen. Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes reduziert sich dadurch, sodass Sie auch insgesamt weniger Geld erhalten.

Wann wird eine Sperrzeit gegen Sie verhängt?

  • Wenn Sie von sich aus kündigen
  • Wenn Sie einen Aufhebungsvertrag unterschreiben

Allerdings gibt es zahlreiche Ausnahmen, um die zwölfwöchige Sperrzeit auf drei oder sechs Wochen zu reduzieren oder komplett zu verhindern.

Arbeitslosengeld Anspruch: Ausnahmen von der Sperrzeit

  • Wenn Sie sich beruflich verändern oder verbessern wollen, Sie also nach der möglichen Sperrzeit nachweislich ein neues Beschäftigungsverhältnis eingehen werden oder wenigstens die Aussicht auf eine neue Stelle haben.
  • Wenn Sie mit Ihrem Ehepartner zusammenziehen oder gemeinsam in eine andere Stadt umziehen wollen.
  • Wenn Sie mit Ihrem Partner zusammenziehen wollen, um die Betreuung der Kinder zu verbessern.
  • Wenn Sie an Ihrer Arbeitsstelle stark überfordert, gemobbt oder sexuell belästigt werden.
  • Wenn Sie keine oder nur verzögerte Lohnzahlungen erhalten.

Wichtig: Hierbei handelt es sich um mögliche Ausnahmesituationen. Ob Ihre persönliche Situation letztlich ausreicht, um die Sperrzeit zu vermeiden, lässt sich an dieser Stelle nicht klären. Im Fall der Fälle hilft Ihnen nur eine rechtliche Beratung verbindlich weiter.

Generell ist die Arbeitsagentur nicht dafür bekannt, leichtfertig Sperrzeiten außer Kraft zu setzen. Es gibt auch sogenannte Ermessensentscheidungen, die zwar innerhalb gewisser Rahmenvorgaben stattfinden, jedoch vom jeweils zuständigen Sachbearbeiter getroffen werden können.

Wie lang ist die Anwartschaftszeit für den Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Arbeitslosengeld Anspruch Anwartschaftszeit VoraussetzungUm überhaupt einen möglichen Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben, müssen Sie im Vorfeld die sogenannte Anwartschaftszeit einhalten. Klingt kompliziert und ganz schön bürokratisch, bedeutet in der Praxis allerdings erst einmal nur, dass Sie eine bestimmte Zeit gearbeitet haben müssen, um möglicherweise Arbeitslosengeld beziehen zu können.

Die Regelanwartschaftszeit beträgt dabei 12 Monate. Das bedeutet, dass Sie in den letzten zwei Jahren mindestens 12 Monate lang in einem sogenannten Versicherungspflichtverhältnis gestanden haben müssen. Dazu zählt ein Arbeitsverhältnis aber auch, wenn Sie in diesem Zeitraum Krankengeld beziehen oder ein Kind von unter drei Jahren erzogen haben und bis zu dahin versicherungspflichtig beschäftigt waren.

Mitunter kann es aber auch sein, dass die Anwartschaftszeit sich auf 6 Monate beziehungsweise 180 Tage verkürzt. Dies ist laut Bundesagentur für Arbeit der Fall, wenn

  • Sie in den letzten zwei Jahren vor der Arbeitslosmeldung und dem Beginn der Arbeitslosigkeit (Rahmenfrist) mindestens 6 Monate/180 Tage in Versicherungspflichtverhältnissen gestanden haben und
  • es sich überwiegend um Beschäftigungsverhältnisse gehandelt hat, die von Vornherein auf nicht mehr als zehn Wochen befristet waren, und
  • Ihr Bruttoarbeitsentgelt in den letzten 12 Monaten, gerechnet vom letzten Tag Ihrer letzten Beschäftigung an rückwärts, die Bezugsgröße nach § 18 Abs. 1 SGB IV (2013: 32.340 Euro) nicht überstiegen hat und
  • Sie der Agentur für Arbeit diesen Sachverhalt darlegen und nachweisen.

Anspruch auf Arbeitslosengeld 2: Wer bekommt es?

War oben noch die Rede vom Arbeitslosengeld 1, kommen wir jetzt zum Arbeitslosengeld 2 (ALG 2). Der große Unterschied zwischen den beiden: Das Arbeitslosengeld 2 (allgemein meist als Hartz 4 bezeichnet) ist keine Versicherungsleistung, sondern eine staatliche Unterstützung für Hilfsbedürftige und dient der Grundsicherung. Wer also keine oder nur geringe Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung erhält, so dass der Lebensunterhalt nicht bestritten werden kann, hat einen Anspruch auf Arbeitslosengeld 2.

Anders als beim Arbeitslosengeld 1 ist für das ALG 2 das Jobcenter oder auch das Sozialamt zuständig.

Mindestens ebenso wichtig ist jedoch der Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 als Aufstocker. Zahlen des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen (UDE) zeigen, dass jeder Dritte ALG-2-Empfänger in diese Kategorie fällt. Hier handelt es sich um Erwerbstätige, deren Einkommen nicht für die Finanzierung des Lebensunterhaltes ausreicht.

Laut UDE sind 44 Prozent der Aufstockenden sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 36 Prozent üben einen Minijob aus, mehr als zehn Prozent arbeiten selbstständig. Das Arbeitslosengeld 2 kann also auch für Freelancer und Geringverdiener eine wichtige Geldquelle sein.

Zudem gibt es die Möglichkeit, das ALG 1 aufzustocken, wenn dieses nicht zur Grundsicherung reicht, da beispielsweise der letzte Nettolohn, auf dessen Grundlage die Höhe des ALG 1 berechnet wird, nur sehr gering war.

ALG 2: Darauf sollten Sie achten

Wer ALG 2 bezieht, geht damit einige Mitwirkungspflichten ein. Wie diese konkret aussehen, wird in der Eingliederungsvereinbarung mit dem Sachbearbeiter des Jobcenters geregelt.

Zur Mitwirkungspflicht gehört die Meldepflicht. Heißt: Alle Veränderungen in Ihrer Wohn- und Einkommenssituation müssen dem Jobcenter umgehend schriftlich mitgeteilt werden. Kontoauszüge und - im Fall von Aufstockern - Lohnabrechnungen müssen regelmäßig vorgelegt werden.

Zwar können Sie auch während des Arbeitslosengeld-2-Bezuges arbeiten - sonst wäre eine Aufstockung ja nicht möglich - doch Ihr Einkommen wird anteilig auf Ihren Anspruch angerechnet:

  • Die ersten 100 Euro sind anrechnungsfrei.
  • Bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 101 bis 1.000 Euro, sind 20 Prozent anrechnungsfrei.
  • Bei einem Einkommen ab 1.001 Euro sind 10 Prozent anrechnungsfrei.
  • Die Verdienstobergrenze bei Bezieher ohne Kind liegt bei 1.200 Euro.

Verfügen Sie über eigenes Vermögen, müssen Sie dieses in der Regel zuerst aufbrauchen. Davon ausgenommen sind - in gewissen Grenzen - lediglich Vermögen für die Altersvorsorge, Riester-Renten und ein Vermögensfreibetrag sowie angemessene Einrichtungsgegenstände und ein angemessenes Fahrzeug. Wie die Berechnung konkret aussieht, sehen Sie auf der Homepage des Jobcenters.

Seit Januar 2017 wurden die Hartz IV Regelsätze übrigens erhöht:

  • Alleinstehende Empfänger von ALG 2 erhalten nun 409 Euro pro Monat.
  • Volljährige Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft bekommen 368 Euro.

ALG 2 Checkliste

ALG2-Checkliste-PDFCoverWir haben die wichtigsten Grundsätze für oder gegen das Arbeitslosengeld 2 in einer Art Checkliste zusammengefasst, die Sie natürlich auch gratis als PDF herunterladen können.

  • Kommen Alternativen wie Wohngeld oder mehrere Mini-Jobs für Sie infrage?
  • Wohnen Sie mir Ihrem Partner/Ihrer Partnerin zusammen?
  • Ist ihm oder ihr klar, dass Einkommen und Vermögen in die Berechnung mit einbezogen werden?
  • Verfügen Sie über signifikante Vermögenswerte, die Sie veräußern können?
  • Beziehen Sie aktuell Leistungen von anderen staatlichen Stellen?
  • Verfügen Sie aktuell über Einkommen?
  • Können Sie - und Ihr Partner - sich mit dem Gedanken anfreunden, regelmäßig Kontoauszüge und andere Daten zu Ihrer finanziellen Situation beim Jobcenter offenzulegen?
  • Ist Ihnen klar, dass Sie alles in Ihrer Macht stehende tun müssen, um den Arbeitslosengeld II Bezug zu reduzieren oder zu verkürzen?
  • Dokumentieren Sie den gesamten Schriftverkehr zwischen Ihnen und dem Jobcenter. Im Zweifel sind Sie in der Beweispflicht.

Arbeitslosengeld Rechner

Arbeitslosengeld Anspruch Rechner Höhe DauerFalls Sie sich im Vorfeld einen ersten Eindruck von der zu erwartenden Höhe des Arbeitslosengeld 2 machen wollen, gibt es inzwischen verschiedene ALG2-Rechner im Netz. Die folgenden zwei Angebote sind unserer Erfahrung nach recht exakt und auf dem aktuellen Stand:

So exakt die beiden Rechner auch arbeiten: Die Ergebnisse können von der realen Höhe der vom Jobcenter bewilligten Leistung abweichen und sind keine Garantie.

Anspruch auf Arbeitslosengeld: Für welche Dauer wird gezahlt?

Die erste wichtige Unterscheidung liegt auch hier darin, ob es sich um ALG 1 oder ALG 2 handelt. Für das Arbeitslosengeld 2 (Hartz 4) gibt es keine festschriebene Dauer, die die staatlichen Leistungen begrenzen könnte. Es gilt der Grundsatz, dass Leistungen solange erbracht werden, wie die Hilfsbedürftigkeit eines Menschen besteht - dieser also seinen Lebensunterhalt nicht ohne die finanzielle Unterstützung meistern kann.

Anders bei Arbeitslosengeld 1, das nur für einen bestimmten Zeitraum gewährt wird, bevor die Versicherungsleistungen auslaufen.

Wann dies eintritt, hängt davon ab, wie lange Sie in der Zeit vor Ihrer Arbeitslosigkeit gearbeitet haben. Heißt: Waren Sie vor Ihrem Anspruch auf Arbeitslosengeld beschäftigt, steht Ihnen auch länger eine Unterstützung zu. Erfüllen Sie die Anwartschaftszeit mit einer Beschäftigung von 12 Monaten innerhalb der letzten zwei Jahre, erhalten Sie für eine Dauer von sechs Monaten Arbeitslosengeld.

Bei einer Beschäftigung von 16 Monaten steigt die Dauer auf 8 Monate, für 20 Monate auf 10 Monate und für volle zwei Jahre auf eine Dauer von 12 Monaten. Eine Dauer von einem Jahr ist der maximale Anspruch für Arbeitslose, die noch keine 50 Jahre alt sind. Wer Älter ist und einen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann bis zu einer Dauer von 24 Monaten Bezüge erhalten. Auch hier gibt es eine Staffelung, die abhängig von der Beschäftigungsdauer ist.

Sollten Sie innerhalb der letzten fünf Jahre schon einmal Arbeitslosengeld bezogen haben, kann es sein, dass sich die Dauer Ihrer Ansprüche verlängern lässt. Dies ist möglich, wenn Sie die vergangenen Ansprüche nicht voll ausgeschöpft haben, weil Sie beispielsweise schneller einen Job gefunden haben. So kann die Restdauer auf die neue Bezugsdauer angerechnet werden, wodurch sich diese bis zum Maximum Ihrer Alterskategorie verlängern kann.

Auf der anderen Seite können Sperrzeiten die Dauer Ihrer Ansprüche verkürzen. Auch, wenn Sie nur die kurze Anwartschaftszeit erfüllen - also beispielsweise nur 6 Monate beschäftigt waren - wirkt sich dies auf die Dauer des Arbeitslosengeldes aus. In diesem Fall erhalten Sie Bezüge für drei Monate beziehungsweise für 4 Monate, wenn Sie 8 Monate beschäftigt waren und 5 Monate bei 10 monatiger Beschäftigung.

Arbeitslosengeld Anspruch: Die wichtigsten Tipps für Arbeitnehmer beim Jobwechsel

Arbeitslosengeld Anspruch Jobwechsel Dauer Höhe Bundesagentur für ArbeitZum Abschluss haben wir noch einmal die wichtigsten Punkte zusammen gefasst, die Sie bei einem Jobwechsel beachten sollten. Diese Tipps können Ihnen dabei helfen, das Beste aus der Situation zu machen, einen möglichen Anspruch auf Arbeitslosengeld nicht aufs Spiel zu setzen und sich auf die kommende Zeit vorzubereiten:

  • Kündigen Sie nie aus einer Laune heraus.
  • Kündigen Sie nur, wenn Sie schon eine neue Stelle gefunden haben - es sei denn, Ihr aktueller Job ist für Sie absolut unerträglich.
  • Machen Sie einen Kassensturz für den Fall, dass gegen Sie tatsächlich eine Sperrzeit verhängt wird, und rechnen Sie durch, ob und wie viele Monate Sie mit Hilfe Ihrer Ersparnisse durchhalten könnten.
  • Achten Sie darauf, einen möglichst nahtlosen zeitlichen Übergang von dem einen in den anderen Job zu gewährleisten.
  • Melden Sie sich nach Ihrer Kündigung umgehend bei der Agentur für Arbeit.
  • Stellen Sie einen Antrag auf Arbeitslosengeld.
  • Legen Sie gegen eine mögliche Sperrzeit Einspruch bei der Arbeitsagentur ein.
  • Unterschreiben Sie keinen Aufhebungsvertrag Ihres Arbeitgebers, da auch dieser eine Sperrzeit nach sich ziehen kann.
  • Bitten Sie alternativ Ihren Arbeitgeber darum, dass er Ihnen die Kündigung ausspricht, sofern das gegenseitige Verhältnis dies zulässt.

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