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Arbeitslosigkeit ist das Schreckgespenst, das viele Menschen umtreibt. Das Stigma und die Klischees, die damit verbunden sind, aber auch die realen Einbußen lassen Arbeitnehmer hoffen, dass es sie nie betrifft. Dennoch ist es eine reale Gefahr, mit der Sie sich auseinandersetzen sollten, denn wer arbeitet, kann auch arbeitslos werden. Welche Gründe Arbeitslosigkeit haben kann und wie Betroffene den Weg zurück in den Arbeitsmarkt finden, lesen Sie hier.

Arbeitslosigkeit Definition: Fehlende Beschäftigung

Arbeitslosigkeit englisch Arbeitslosigkeit Arten Arbeitslosigkeit Ursachen Arbeitslosigkeit FolgenAls Arbeitslosigkeit (englisch unemployment) werden fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten für arbeitsfähige und arbeitswillige Arbeitnehmer bezeichnet. Mit Blick auf den Markt bedeutet Arbeitslosigkeit, dass es ein Überangebot an Arbeitskräften gibt, dem eine geringere Nachfrage gegenüber steht.

Arbeitslosigkeit Arten: Häufig nur kurzfristig

Das unerreichte Ideal ist die Vollbeschäftigung. Über die Gründe für Arbeitslosigkeit wird oftmals spekuliert - häufig ist vom Unwillen seitens der Arbeitnehmer zu hören. Ebenso existiert seitens Teilen der arbeitenden Bevölkerung als auch des Staates die Befürchtung, dass der deutsche Sozialstaat womöglich die Arbeitslosigkeit fördert.

Hier wäre dann institutionelle Arbeitslosigkeit gegeben, wenn staatliche Zahlungen wie ALG I und ALG II höher als der zu erwartende Lohn sind und der Arbeitnehmer somit keinen Anreiz hat arbeiten zu gehen. Daneben gibt es verschiedene Arten von Arbeitslosigkeit, die bereits ein Licht auf die Gründe und Ursachen werfen.

Auch demographische Entwicklungen wie ein geburtenstarker Jahrgang oder Anheben des Renteneintrittsalters haben Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Auch gibt es heutzutage eine wachsende Zahl an erwerbstätigen Frauen und eine Zuwanderung am Arbeitsmarkt durch Migranten.

Üblicherweise wird bei dem Thema Arbeitslosigkeit unterschieden zwischen:

  • Saisonale Arbeitslosigkeit

    Sie ist jahreszeitlich bedingt und somit unvermeidbar. Beobachten lässt sich dies in der Landwirtschaft, im Tourismus oder auch in der Bauwirtschaft. Klimatische Bedingungen führen zu einem Rückgang der Nachfrage an Arbeitskräften, weil beispielsweise keine Erntehelfer benötigt werden. Für gewöhnlich stellt diese Form der Arbeitslosigkeit kein gravierendes volkswirtschaftliches Problem dar, weswegen keine wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Beseitigung ergriffen werden.

  • Friktionelle Arbeitslosigkeit

    So wird die Zeit zwischen zwei Arbeitsstellen genannt, denn häufig ist eine kurze Arbeitslosigkeit beim Wechsel der Arbeitsstelle ebenfalls unvermeidlich. Die friktionelle Arbeitslosigkeit wird auch Sucharbeitslosigkeit genannt, wobei die Dauer der Suche von verschiedenen Faktoren wie Mobilität und Qualifikation des Arbeitnehmers abhängig ist.

  • Konjunkturelle Arbeitslosigkeit

    Diese Form der Arbeitslosigkeit - auch Keynesianische Arbeitslosigkeit genannt - wird durch Konjunkturschwankungen verursacht. Bedingt durch eine geringere Nachfrage an Konsumgütern versuchen Unternehmen die Verluste einzusparen, indem Arbeitskräfte entlassen werden. In Zeiten des Konjunkturaufschwungs und bei gesteigerter Nachfrage werden auch wieder neue Arbeitskräfte eingestellt, um die Nachfrage befriedigen zu können.

  • Strukturelle Arbeitslosigkeit

    Von struktureller Arbeitslosigkeit ist die Rede, wenn das Arbeitsangebot nicht mit der Nachfrage übereinstimmt. Es handelt sich hier um einen Oberbegriff, unter dem regionale, sektorale, technologische oder qualifikationsspezifische Ursachen gefasst werden. Letzteres ist beispielsweise gegeben, wenn es eine Diskrepanz zwischen den Arbeitslosen einerseits und den erforderlichen Qualifikationen bei den offenen Stellen andererseits gibt, die Arbeitnehmer also den Anforderungen für eine Beschäftigung bei den offenen Stellen nicht genügen. Man spricht in diesem Fall von Mismatch.

    • Regionale Arbeitslosigkeit: Der Arbeitnehmer wohnt beispielsweise in einer strukturschwachen Gegend, ist aber nicht bereit in eine andere Region zu ziehen, um dort in seinem Bereich einer Beschäftigung nachzugehen.
    • Sektorale Arbeitslosigkeit: Es gibt drei Sektoren; den primären Sektor (Agrarsektor), den sekundären Sektor (produzierendes Gewerbe) und den tertiären Sektor (Dienstleistungssektor). Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg einen Wandel von der Agrarwirtschaft zur Dienstleistungsgesellschaft gemacht. Das bedeutet, dass weniger Arbeitskräfte in der Landwirtschaft benötigt werden. Hier entsteht sektorale Arbeitslosigkeit, wenn durch den Wegfall von Arbeitsplätzen in einem Sektor Arbeitskräfte arbeitslos werden. Gleichzeitig ist ein Wechsel von dem einen in den anderen Sektor aufgrund mangelnder Kenntnisse nicht immer möglich.
    • Technologische Arbeitslosigkeit: Der technische Fortschritt führt zur Automatisierung vieler Bereiche und damit zur Rationalisierung. Arbeitnehmer werden überflüssig, selbst vorübergehend höhere Investitionskosten gleichen sich zügig durch eine höhere Produktivität aus.

Arbeitslosigkeit: Ursachen und Gründe

Ein gewisser Prozentsatz an Arbeitslosen wird sich niemals vermeiden lassen, die Rede ist hier von Sockelarbeitslosigkeit oder Bodensatzarbeitslosigkeit. Sie setzt sich aus friktioneller und struktureller Arbeitslosigkeit zusammen und kommt dadurch zustande, dass durch im Arbeitnehmer begründete Faktoren wie Alter, Qualifikation, gesundheitliche Verfassung, mangelnder Mobilität und/oder Motivation mit einer gewissen Dauer an Arbeitslosigkeit zu rechnen ist.

Dennoch stellt sich immer wieder die Frage nach den Ursachen von Arbeitslosigkeit, welche Faktoren also hauptsächlich dazu beitragen. Es gibt Meinungen wie die des Sozialwissenschaftlers Meinhard Miegel, die die Hauptursache für Arbeitslosigkeit in der mangelnden Flexibilität des Arbeitnehmers sehen:

Die Bereitschaft der Bevölkerung, diesem Wandel angemessen Rechnung zu tragen, war bis in die jüngste Zeit nur mäßig und ist auch noch heute oft noch nicht ausreichend. Viele zögern, die industriegeprägten Sicht- und Verhaltensweisen aufzugeben und sich den Bedingungen einer Wissens-, Kommunikations- und Informationsgesellschaft zu stellen. Politik und Gewerkschaften bestärkten und bestärken sie in dieser Haltung, indem sie lange die Veränderungen als vorübergehend oder korrekturbedürftige Fehlentwicklungen darstellten.

Andere Forscher halten den weltweiten Wettbewerb im Zuge der Globalisierung und den technischen Fortschritt für die Hauptursachen. So wird prognostiziert, dass die Nachfrage nach menschlichen Arbeitskräften zukünftig weiter abnehmen werde, zeitgleich die Automatisierung fortschreiten werde (Freisetzungstheorie).

Durch den technischen Fortschritt und einem Anstieg der Produktivität wird nach Meinung des französischen Sozialphilosophen André Gorz die Vorstellung von Vollbeschäftigung unwahrscheinlicher, weshalb er ein Grundeinkommen befürwortet. Das würde den Menschen nicht nur die Existenzgrundlage sichern, sondern auch eine Selbstverwirklichung ermöglichen.

Arbeitslosigkeit Folgen: Auswirkungen auf Individuum und Gesellschaft

Arbeitslosigkeit Arten Arbeitslosigkeit Folgen Arbeitslosigkeit DeutschlandDie Folgen von Arbeitslosigkeit - und hier ist zumeist von Langzeitarbeitslosigkeit die Rede - sind vielfältig und nicht zu unterschätzen. Dafür muss man sich kurz verdeutlichen, was Arbeit alles bedeuten kann:

  • Aktivität: Der Mensch muss aktiv werden.
  • Tagesablauf: Der Tag wird durch die Arbeit strukturiert.
  • Selbstverwirklichung: Der Arbeitnehmer verfolgt und erreicht Ziele.
  • Status: Er steigert sein Ansehen durch die Arbeit.
  • Kontakt: Durch die Arbeit lernt ein Mensch neue soziale Kontakte neben Familie und Freunden kennen.

Alle diese positiven Effekte von Arbeit - neben der Entlohnung, die Miete und Existenz sichert - brechen weg. Es liegt auf der Hand, dass das Selbstwertgefühl darunter leidet. Manche Betroffenen verfallen in Depressionen, hegen Selbstzweifel, werden suchtkrank.

Andere ziehen sich von den verbliebenen sozialen Kontakten zurück - vor allem diejenigen, die längere Zeit von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Oftmals ermöglicht das zur Verfügung stehende Geld keine soziale Teilhabe. Öffentliche Diskussionen über selbstverschuldete Arbeitslosigkeit und mangelndem Einsatz tun ihr Übriges.

Auch die gesellschaftlichen Folgen von Arbeitslosigkeit dürfen nicht unterschätzt werden: Eine hohe Arbeitslosigkeit kann die politische Stabilität gefährden, indem extremistische Kräfte Zuwachs bekommen.

Wege aus der Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit-Statistik sieht gut aus: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland war 2016 so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr. Der Bundesagentur für Arbeit zufolge waren es 2,7 Millionen Menschen, die keine Arbeit hatten. Damit sank die Arbeitslosenquote auf 6,1 Prozent, dem niedrigsten Wert seit 1991.

Dennoch sind auch im März 2017 5.138.000 Millionen erwerbsfähige Arbeitnehmer auf Arbeitslosengeld und Arbeitslosengeld II angewiesen. Wenn Sie zu den genannten Personen gehören, möchten wir Ihnen fünf Wege zeigen, um wieder in den Arbeitsmarkt zu kommen.

Zunächst einmal das Wichtigste: Ruhen Sie sich nicht darauf aus. Es ist leicht ins Jammertal zu verfallen, wenn man schuldlos arbeitslos geworden ist, weil beispielsweise der Arbeitsplatz wegrationalisiert wurde. Allerdings kommen solche Maßnahmen nicht über Nacht und als cleverer Arbeitnehmer sollten die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechend vorgesorgt werden.

  • Arbeitsagentur

    Der erste und naheliegendste Schritt führt zur Agentur für Arbeit, kurz Arbeitsagentur. Aus gesetzlicher Perspektive müssen Sie sich drei Monate zuvor arbeitslos melden. Hier beantragen Sie Arbeitslosengeld, haben Ansprechpartner für weitere Schritte und erhalten Informationen rund um weitere finanzielle Hilfen sowie Unterstützung bei der weiteren Arbeitsplatzsuche.

  • Weiterbildung

    Indem Sie sich beruflich weiterbilden und qualifizieren, bleiben Sie interessant für den Arbeitsmarkt. Sie können sich auf den neusten Stand in Ihrem Bereich bringen oder dringend benötigte Sprachkenntnisse erwerben.

  • Umschulung

    Wer in seinem erlernten Beruf einfach keinen Job findet oder auch aus gesundheitlichen Gründen ihn nicht mehr ausüben kann, sollte sich mit dem Gedanken an eine Umschulung vertraut machen. Ob allerdings die Arbeitsagentur oder das Jobcenter diese Umschulung übernehmen, hängt ganz davon ab, wie erfolgversprechend Ihre Aussichten danach sind: Wer beispielsweise für einen Bereich umschulen möchte, in dem ein Überangebot an Fachkräften herrscht, wird seine Ansprüche nicht durchsetzen können.

  • Fernstudium

    Hier ist Ihre Selbstdisziplin gefragt. Wer möchte, kann in einem akademischen Fernstudium universitäre Abschlüsse wie den Bachelor oder Master erwerben. Der Aufwand beträgt zwischen 20 und 30 Stunden pro Woche und kann Ihnen die nötigen Zusatzqualifikationen verschaffen, mit denen Sie fit für den Arbeitsmarkt werden.

  • Selbstreflexion

    Wenn Sie gut qualifiziert, Ihre Bewerbungsunterlagen auf dem neusten Stand sind und Sie dennoch auf keinen grünen Zweig kommen, sollten Sie selbstkritisch die Gründe analysieren. Sind Sie flexibel genug oder kommt eine Arbeitsstelle nur im Umkreis von 20 Kilometern in Frage? Auch an Ihrem persönlichen Auftreten können Sie vielleicht noch arbeiten. Lesen Sie hier die Wahrheit: Warum Sie den Job nicht bekommen.

Solange Ihre Arbeitslosigkeit nicht über zwei, maximal drei Monate hinaus geht, können Sie diese Zeit als Phase der beruflichen Orientierung erklären. Was allerdings darüber hinaus geht, wird zu Lücken im Lebenslauf führen.

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