Alkohol am Arbeitsplatz
Wenn im Büro gefeiert wird, ist das gut für die Motivation und Moral der Mannschaft. Vieles wird dabei von Seiten des Arbeitgebers gerne gesehen, einiges geduldet, manches aber transportiert Mitarbeiter direkt ins Abseits - mit Abmahnung oder gar Kündigung als Folge. Zwar sagt das Bundesarbeitsgericht ganz deutlich, dass der Arbeitsplatz keine sittliche Lehranstalt ist – sprich: Feiern und Alkohol sind am Arbeitsplatz in Maßen erlaubt. Aber wie viele Maßen sind zu viel? Oder anders gefragt: Wann ist Schluss mit lustig im Job?

Alkohol am Arbeitsplatz: Wie viel ist erlaubt?

Diese und weitere Fragen haben wir direkt unserem Kolumnisten und Frankfurter Fachanwalt für Arbeitsrecht, Peter Groll, gestellt. Was sagt der Jurist zum Alkohol am Arbeitsplatz, beziehungsweise was sagt das Arbeitsrecht dazu?

Situation: Der Großauftrag ist im Sack. Also spendiert der Chef eine Flasche gekühlten Champagner. Darf man die im Büro trinken?

Ja, in Maßen ist Alkohol am Arbeitsplatz nicht verboten. Selbst wenn ein generelles Verbot besteht, kann die Flasche vom Chef noch durchgehen. Das bedeutet jedoch keinen Freibrief auf den Rest einer Champagner-Kiste oder den Konsum eigener Vorräte!

Situation: Die Party am Vorabend war klasse. Leider ist morgens noch etwas Restalkohol im Blut, so dass der Arbeitnehmer immer noch angeschickert zur Arbeit erscheint. Schlimm?

Restalkohol im Büro ist genauso problematisch, wie im Straßenverkehr. Das kann zu einer Abmahnung führen. Im Wiederholungsfall sogar zur Kündigung. Ferner ist der Chef berechtigt, den Mitarbeiter deshalb umgehend wieder nach Hause zu schicken. Für diesen Tag gibt es dann auch kein Gehalt.

Situation: Die Geburtstagsfeier des Kollegen fällt feucht-fröhlich aus. Die Stimmung ist ausgelassen, einige Flaschen Prosecco sind schon verkostet. Da ruft ein Kunde an – und im enthemmten Zustand sagt der Kollege Dinge am Telefon, die er später bereut.

Für jede Feier im Büro gilt: Maßloses Trinken ist tabu. Sonst riskiert man, dass die Kollegen und der Chef schlecht über einen reden. Arbeitsrechtliche Folgen hat das zunächst nicht, der Karriere hilft es aber auch nicht. Eine Geburtstagsfeier mit Alkohol während der Arbeitszeit ist allerdings kein Freibrief für einen kräftigen Schluck. Besonders dann, wenn ein wichtiger Kunde anschließend verstimmt ist. Auch in diesem Fall kann der Chef die Entgleisung mit Abmahnung oder Kündigung quittieren. Es ist nun mal so: Während der Arbeitszeit muss man fit sein, in der Freizeit kann man machen was man will. Hauptsache Sie sind am nächsten Tag wieder nüchtern.

Situation: So ein paar Witzmails aus dem Internet über den Verteiler der Abteilung gejagt sind doch nur ein Jux und verbessern das Betriebsklima – oder?!

Wenn die private Internetnutzung im Unternehmen grundsätzlich verboten ist, kann der Gag nach hinten losgehen. Auch bei erlaubter Internetnutzung werden diese E-Mails nicht gerne gesehen. Sie verstopfen die Datenleitungen und kosten Geld. Hier riskiert man unter Umständen eine Abmahnung.

Situation: Die Kaffepause ist wieder sehr unterhaltsam. Ein Gag jagt den anderen. Mal geht er zu Lasten der Männer, mal der Frauen und manchmal sind die Pointen unter der Gürtellinie. Könnte es da Probleme geben?

Ja, nach Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) – auch Antidiskriminierungsgesetz genannt – soll die ungerechtfertigte Benachteiligung aus Gründen der Rasse, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion, der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindert und beseitigt werden. Die Jagd nach einer diskriminierenden Pointe kann also sowohl für Mitarbeiter wie für den Chef zu arbeitsrechtlichen Problemen führen. Lieber neutrale Witze machen – oder solche auf eigene Kosten.

Situation: Die Stimmung ist ausgelassen und alle sagen, was sie sich schon immer mal über die Kollegen oder Vorgesetzten sagen wollten. Kann ich mich dabei auch über den eigenen Chef auslassen?

Nein! Das sollten Sie tunlichst vermeiden. Bei einer schweren Beleidigung eines Vorgesetzten ist es noch nicht einmal erforderlich, dass diese während der Arbeitszeit ausgesprochen wurde, damit dem Arbeitnehmer gekündigt werden kann. Auch bei einer Betriebsfeier außerhalb der Arbeitszeit wird die Autorität des Arbeitgebers oder Vorgesetzten durch eine grobe Beleidigung untergraben und ist somit ein erheblicher Verstoß gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten.

Situation: Der Draht zum Kunden ist gut, die zahlreichen Geschäftsessen haben ihren Zweck erfüllt. Die Spesenrechnungen wurden mit der Zeit immer höher, wie auch die getätigten Umsätze. Weil man sich so gut versteht, trifft man sich dann auch einmal privat, es werden Geschenke gemacht. Ist das schon Bestechung?

Die Gefahr besteht. Auch wenn solche Präsente ohne derlei Absichten verschenkt oder entgegengenommen wurden, kann doch ein Dritter den Eindruck gewinnen, dass zwischen den Geschenken und dem Abschluss eines Geschäfts ein Zusammenhang besteht. Dann hat man nicht nur ein arbeitsrechtliches, sondern unter Umständen auch strafrechtliches Problem. Um sich nicht dem Verdacht der Bestechung oder Bestechlichkeit erst gar nicht auszusetzen, sollte man Geschenke stets in einem finanziell geringfügigen Rahmen halten.

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