Dürfen Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz frei gestalten? Zum Beispiel Bürofenster mit Post-Its bekleben, wie es im Rahmen der sogenannten Post-it-Wars gerade in Paris geschieht? Wir haben Peter Groll, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt, gefragt. Und er warnt vor derlei euphorischer Kreativität. Egal, wie schick das Ergebnis hinterher aussieht – Arbeitnehmer riskieren damit mitunter eine saftige Abmahnung. Oder wie es Peter Groll formuliert:

Im Büro muss sich der Arbeitnehmer an die Hausordnung halten. Dies bedeutet, dass der Arbeitgeber grundsätzlich darüber bestimmen kann, wie die Büros eingerichtet oder verschönert werden dürfen. Da Post-it-Wars neu sind, fehlt hierzu sicher eine Regelung. Also: Unbedingt vorher nachfragen! Erst recht bei Fensterbildern. Denn immer dann, wenn Post-it-Künste gut von außen sichtbar sind, hat der Arbeitgeber ein Interesse daran, diese zu verbieten, da sie eventuell ein schlechtes Bild – im Wortsinn – auf das Unternehmen werfen. Überdies kann der Chef grundsätzlich verlangen, die Fensterbildern sofort zu entfernen. Sofern der Arbeitnehmer damit rechnen konnte, kann er sogar für den entstehenden Schaden, etwa Reinigungskosten, haftbar gemacht werden.

Nun dokumentieren aufwendige Post-it-Kunstwerke zugleich auf subtile Weise, dass da jemand offenbar viel Arbeitszeit übrig hat oder diese eben nicht mit der Arbeit füllt, für die er bezahlt wird. Sieht der Chef das genauso, kann das für die Klebezettelliebhaber noch unangenehmere Folgen haben. Groll:

Projekte die offensichtlich Stunden oder gar Tage in Anspruch genommen haben, sind besonders gefährlich. Hier kann der Mitarbeiter nicht mehr behaupten, diese in der Mittagspause erschaffen zu haben – und riskiert dafür einen Abzug von seinem Lohn. Schlimmstenfalls sogar eine Abmahnung. Und wer dann immer noch nicht hört, kann demnächst Post-its auf sein Kündigungsschreiben kleben. Richtig heikel wird es, wenn die Fensterbilder als eine Beleidigung verstanden werden können und vielleicht auch sollen und es klar wird, wer da gemeint ist. In dem Fall kann sich der Mitarbeiter sogar strafbar gemacht haben, was wiederum zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen, bis hin zu einer außerordentlichen Kündigung führen kann. Das Argument, das sei doch nur Humor, zieht nicht. Darüber entscheidet der Chef. Und schlechte Witze haben schon das ein oder andere Mal zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen geführt.