Es geht bergauf, jedenfalls auf den ersten Blick. Drei Viertel aller Arbeitszeugnisse bescheinigen ehemaligen Mitarbeitern inzwischen mindestens die Note gut. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie (pdf) von Personalmanagement Service, bei der über 1000 Arbeitszeugnisse ausgewertet wurden.

Die Ergebnisse im Detail
  • 35,1 Prozent der Zeugnisse trugen die Gesamtnote gut.
  • 33,2 Prozent die Auszeichnung sehr gut.
  • 15,8 Prozent bescheinigten befriedigende Leistungen.
  • 8,8 Prozent erhielten die Zwischennote 1,5.
  • 3,3 Prozent der Arbeitnehmer konnten nur ausreichend überzeugen.
  • 1,8 Prozent wurden entweder mit 2,5 oder 3,5 bewertet.
  • 0,2 Prozent der Zeugnisse wurden mit der Note 5 bewertet.

Gegenüber einer 1994 erstellten, vergleichbaren Studie hat sich die Anzahl der sehr guten Bewertungen damit verdreifacht, während die Zahl der befriedigenden Noten um die Häfte abnahm. Damals lag der Notendurchschnitt insgesamt bei 2,4, heute kommen die Arbeitnehmer auf eine 1,9. Chapeau!

Deutschland – Streberland?

Oder war das vielleicht doch etwas zu voreilig? Werden die deutschen Arbeitnehmer tatsächlich immmer besser? Leider nein! Diese positive Entwicklung bei den Noten wird zugleich durch einige Auffälligkeiten überschattet, die an der Glaubwürdigkeit der ausgestellten Zeugnisse mehr als zweifeln lassen. So wiesen 765 der untersuchten Zeugnisse große Abweichungen zwischen der Gesamtnote und den Einzelbewertungen auf. Zudem wurde die Arbeitsqualität häufig gar nicht bewertet, und es fehlten wichtige Signale der Zeugnissprache wie Dank oder Bedauern über das Ausscheiden. All das sind eher Indizien dafür, dass die Zeugnisse in einem aktuell schwierigen Arbeitsmarkt mindestens wohlwollend, wenn nicht gar von den Arbeitnehmern selbst geschrieben wurden.

Damit setzt sich der bereits hier beschriebene Trend fort, bei dem das Arbeitszeugnis zunehmend an Aussagekraft verliert. Hinzu kommt, dass bei Arbeitszeugnissen, die schlechter als „befriedigend“ ausfallen, der Arbeitgeber automatisch in der Beweispflicht steht, die unterdurchschnittliche Beurteilung zur Not auch vor Gericht zu belegen. Bevor es also zu kostspieligen Prozessen kommt, geben scheinbar mehr und mehr Arbeitgeber lieber direkt klein bei. Schließlich sind die gängigen Notencodes längst bekannt. Falls nicht:

Zeugnissprache entschlüsseln
  • Stets zu unserer vollsten/ größten/ äußersten Zufriedenheit – Note 1
  • Zu unserer vollsten Zufriedenheit – Note 1-2
  • Stets zu unserer vollen Zufriedenheit – Note 2
  • Zu unserer vollen Zufriedenheit/ Stets zu unserer Zufriedenheit – Note 3
  • Zu unserer Zufriedenheit – Note 4
  • Insgesamt/ Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit – Note 5

Und wie finden Sie das? Wie gehen Sie damit um?