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Arbeitszeugnis: Anspruch, Urteile, Muster

Arbeitszeugnis-Beispiele-Check-Bewertung
Das Arbeitszeugnis (in Österreich auch Dienstzeugnis) dokumentiert die Dauer und Art der Beschäftigung, Qualifikationen und Leistungen sowie das Sozialverhalten eines Arbeitnehmers. Personalentscheidern dient es – neben dem Lebenslauf – als maßgeblicher Nachweis für die Eignung eines Bewerbers, da dessen Leistungen hier durch einen vorherigen Arbeitgeber bewertet wurden – und das Schwarz auf Weiß, als offizielle Firmenurkunde mit Unterschrift. Entsprechend schwer wiegt dessen Aussage – und entsprechend genau sollten Sie beim Arbeitszeugnis hinsehen und auf eine hohe Qualität achten, um Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern.


Arbeitszeugnis Anspruch: Einfaches oder qualifiziertes Zeugnis?

Sobald das Beschäftigungsverhältnis endet – ob freiwillig oder nicht-, steht Arbeitnehmern laut §109 Absatz 2 der Gewerbeordnung ein schriftliches Arbeitszeugnis zu. Deutschland ist damit eines der wenigen Länder, in denen Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis haben. Das ist allerdings ein zweischneidiges Schwert: Im Umkehrschluss bedeutet das nämlich auch, dass der neue Arbeitgeber davon ausgehen wird, dass Sie alle beruflichen Stationen mit einem Zeugnis belegen können. Fehlt es, wirft das starke Zweifel auf.

Wer seinen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis wahrnehmen will, sollte damit aber nicht zu lange warten: Drei Jahre nach Ende des Beschäftigungsverhältnisses verfällt dieser wieder.

Das Zeugnis selbst muss zwingend zwei Bedingungen erfüllen:

  • Das Arbeitszeugnis muss wahr sein.
  • Und das Zeugnis muss wohlwollend sein.



Im Wortlaut der Gewerbeordnung heißt es dazu:

Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

Der Ex-Chef darf seine ehemaligen Angestellten darin also nicht offen kritisieren. Allerdings führt dieser Anspruch dazu, dass sich die Rüge oft hinter einem schönen Wortkleid, den sogenannten Geheimcodes versteckt – auch wenn diese eigentlich gar nicht zugelassen sind (siehe Abschnitt über Geheimcodes weiter unten).

Arbeitsrechtler und Personaler unterscheiden dabei zwischen drei wesentlichen Arbeitszeugnisformen:

  1. Das einfache Arbeitszeugnis

    Das einfache Zeugnis enthält sachliche und objektiv nachprüfbare Fakten zu Art und Dauer der Beschäftigung: Was hat der Arbeitnehmer von wann bis wann gemacht? Wurde die Aufgabe erfüllt? Welche Aufgaben übernahm er oder sie noch?

  2. Das qualifizierte Arbeitszeugnis

    Das qualifizierte Zeugnis enthält neben den reinen Fakten zu Position- und Aufgabenbeschreibung zudem eine Beurteilung und Bewertung der Leistungen und des Sozialverhaltens des Arbeitnehmers. Es ist die häufigere Form – und auch die, die Sie verlangen sollten.

  3. Das Zwischenzeugnis

    Das Zwischenzeugnis kann als einfaches oder qualifiziertes Zeugnis noch während des Beschäftigungsverhältnisses ausgestellt werden. Meist weil der bisherige Vorgesetzte gewechselt hat – oder aus anderem „triftigem Grund“. Etwa weil der Arbeitnehmer trotz langer Betriebszugehörigkeit noch nie beurteilt wurde oder eine Betriebsübernahme ansteht. Rechtzeitig um ein Zwischenzeugnis zu bitten, ist übrigens ein guter Trick für ein mindestens gutes Abschlusszeugnis. Geht man später im Streit auseinander, kann der Arbeitgeber aufgrund der sogenannten Bindungswirkung von der bisher guten Beurteilung nicht einfach abweichen. Aber Vorsicht: Die Bitte muss gut verpackt werden, sonst wird der Chef misstrauisch, man sei bereits auf dem Sprung.

Aufbau des Arbeitszeugnis: Das ist Ihr gutes Recht

Arbeitszeugnisse folgen in der Regel einem typischen Aufbau-Schema:

Aufbau-Arbeitszeugnis-Grafik

Auch formal muss die abschließende Mitarbeiterbeurteilung einigen Ansprüchen genügen. Darauf haben Sie als Arbeitnehmer ein Recht und dürfen das auch verlangen:

  • Ausdruck

    Das Arbeitszeugnis muss schriftlich und ausgedruckt auf Papier ausgestellt werden. Es darf also nicht gemailt oder mit Bleistift oder mit der Hand geschrieben werden. Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf einen sauberen Ausdruck auf Firmenpapier. Flecken oder verknittertes Papier muss keiner hinnehmen.

  • Individualität

    Zudem hat jeder Arbeitnehmer Anspruch darauf, ein individuelles Zeugnis zu erhalten. Kann er nachweisen, dass das Schriftstück nur abgeschrieben wurde, kann er ein neues verlangen.

  • Personalien

    Das Arbeitszeugnis muss korrekte Personenangaben (Vorname, Name, Geburtsdatum), den genauen Tätigkeitszeitraum sowie die Art und Dauer aller vom Arbeitnehmer ausgeführten Tätigkeiten enthalten. Urlaub und krankheitsbedingte Fehlzeiten werden nicht erwähnt. Bei Führungskräften kommt hinzu: In der sogenannten Positions- und Aufgabenbeschreibung sollte unbedingt eine Leistungssteigerung des Managers erkennbar sein. Das muss keine Beförderung sein. Eine faktisch nachprüfbare Verbesserung des Unternehmenserfolgs ist oft wichtiger.

  • Schlusssatz

    Dieser ist zwar optional. Der Arbeitgeber kann dem Mitarbeiter darin zum Abschied danken, dessen Ausscheiden bedauern und ihm Erfolg wünschen – er muss aber nicht. Das Fehlen der sogenannten Schlussformel wird aber häufig negativ ausgelegt.

  • Unterschrift

    Das Arbeitszeugnis muss vom bisherigen Personalverantwortlichen unterschrieben werden. Bei Vorständen vom Vorsitzenden des Aufsichtsrates, bei Geschäftsführern vom Gesellschafter oder dessen Vertreter, bei Mitarbeitern von Ihrem Vorgesetzten oder dem Personalchef.

  • Kündigungsgrund

    Der Grund für das Ausscheiden des Mitarbeiters (also zum Beispiel dessen Kündigung) darf nur mit dessen ausdrücklicher Zustimmung im Arbeitszeugnis genannt werden. Dasselbe gilt für krankheitsbedingte Fehltage – auch die dürfen nicht angegeben werden.


Falls Ihr Zeugnis diese Kriterien nicht erfüllt, können Sie als Arbeitnehmer umgehend Nachbesserung oder Austausch verlangen.

Konkret: Ist Ihr Zeugnis unvollständig oder unterdurchschnittlich (schlechter als Note „gut“), können Sie das bisherige Testat zurückweisen und ein neues Exemplar verlangen. Auch missverständliche oder widersprüchliche Formulierungen sowie Rechtschreibfehler müssen Sie in Ihrem Zeugnis nicht hinnehmen.

Falls Sie Nachbesserung bei den Formulierungen und formalen Standards verlangen, sollten Sie damit allerdings auch nicht lange warten: Der Anspruch auf Korrekturen beim Arbeitszeugnis verfällt nach fünf bis 15 Monaten.

Vorsicht Falle: Gefälligkeitszeugnisse schaden

Eine objektive Beurteilung ist in einem Zeugnis – erst recht in einem qualifizierenden Arbeitszeugnis – praktisch unmöglich. Die subjektive Einschätzung des Ex-Chefs ist ja sogar gewollt. Dabei übertreiben es manche allerdings mit dem Wohlwollen und erstellen ein sogenanntes Gefälligkeitszeugnis – zum Beispiel, damit der Mitarbeiter schneller geht oder um sich selbst lästige Arbeitsrechtsprozesse zu ersparen.

Hier sollten Arbeitnehmer genau hinsehen: Glänzt das Zeugnis durch übertriebenen Gebrauch von Bestnoten und Superlativen wird es unglaubwürdig und damit auch für die Zukunft unbrauchbar. Geübte Personaler erkennen das und werten ein solches Zeugnis eher noch negativ. Schließlich müssen Zeugnisse der Wahrheit entsprechen.

Achten Sie deshalb im eigenen Interesse auf eine ausgewogene Zeugnissprache.

Geheimcodes und Zeugnissprache: Schlechter als erlaubt

In dem vermeintlich wohlwollenden Testat verbirgt sich manchmal eine fiese Frechheit des ehemaligen Arbeitgebers…

  • Ein gutes Einfühlungsvermögen in die Belange der Belegschaft zum Beispiel, bescheinigt dem Arbeitnehmer in Wahrheit nichts Gutes. Es heißt im Klartext, dass derjenige mehr flirtete als arbeitete.
  • Hebt der Arbeitgeber in seinen Formulierungen wiederum dessen Geselligkeit, die zur Verbesserung des Betriebsklimas beitrug, hervor, ist damit gemeint, dass sich der Kollege während der Arbeit gerne mal einen Schnaps genehmigte.
  • Und auch die Grußformel „Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit“ bedeutet im Arbeitszeugnis nichts Nettes. Die Botschaft von Personalchef zu Personalchef: Achtung, der kränkelt!



Auch andere Codes haben sich in der Zeugnissprache längst etabliert, etwa um darin Schulnoten zu verschlüsseln. Typische Arbeitszeugnis Formulierungen mit denen Arbeitgeber die Leistung der ehemaligen Mitarbeiter qualifizieren lauten:

  • …stets zu unserer vollsten/ größten/ äußersten ZufriedenheitNote 1
  • …zu unserer vollsten ZufriedenheitNote 1-2
  • …stets zu unserer vollen ZufriedenheitNote 2
  • …zu unserer vollen Zufriedenheit/ Stets zu unserer ZufriedenheitNote 3
  • …zu unserer ZufriedenheitNote 4
  • …insgesamt/ Im Großen und Ganzen zu unserer ZufriedenheitNote 5


Weitere Hinweise zu Noten – etwa zum Sozialverhalten – finden Sie hier.

Weil über solche Formulierungen und Codes häufig Rechtsstreitigkeiten entstehen, beschäftigen sich immer wieder Arbeitsgerichte mit diesem Thema. Zu Recht! Denn selber Hand anlegen und sein Zeugnis aufbessern sollte man auf keinen Fall. Ein Arbeitszeugnis ist eine Urkunde. Wer sie manipuliert oder frisiert, begeht Urkundenfälschung und die rechtfertigt auch Jahre nach der Einstellung noch eine fristlose Kündigung, sondern auch eine Anzeige.

Arbeitsrecht: Was Gerichte über Arbeitszeugnisse entschieden haben

Eben weil vor Gericht immer wieder über das Testat gestritten wird, gibt es dazu inzwischen einige einschlägige Urteile, die Sie kennen sollten:

  • Arbeitszeugnisse müssen mindestens „befriedigend“ sein.

    Schlechtere Zeugnisse hat der Arbeitgeber zu begründen, die Beweislast für ein „gutes“ beziehungsweise „sehr gutes“ Zeugnis liegt indes beim Arbeitnehmer (BAG-Urteil, 9 AZR 584/13). Hintergrund war ein Rechtsstreit beim Arbeitsgericht Berlin, wonach mittlerweile 86,6 Prozent der erteilten Zeugnisse „gut“ oder besser seien. Die Arbeitnehmerin verlangte daraufhin ein mindestens gutes Zeugnis – im Revisionsverfahren jedoch ohne Erfolg.

  • Selbstverständliches gehört nicht ins Arbeitszeugnis.

    Zeugnisse müssen wohlwollend sein. Das bedeutet zugleich: Wer Selbstverständlichkeiten betont – etwa der sichere Umgang mit Word im Sekretariat -, sorgt subtil für einen schlechten Eindruck, Motto: Mehr war eben nicht. Auch andere Formulierung kassierten die Richter des Landesarbeitsgericht Köln (Az.: 9 Ta 325/10): „Die Zusammenarbeit mit Mandanten und Vorgesetzten war einwandfrei“. Die besonders positive Betonung des Umgangs mit Mandanten und Vorgesetzten erwecke den Eindruck mangelnder Teamfähigkeit.

  • Versteckte Hinweise sind in Zeugnissen unzulässig.

    Im konkreten Fall stand im Arbeitszeugnis: „Gerne stehen wir jedem zukünftigen Arbeitgeber von XY hinsichtlich Nachfragen über die Qualität der für uns geleisteten Arbeit zur Verfügung.“ Das aber sieht so aus, als sei der Arbeitnehmer tatsächlich schlechter gewesen als im Zeugnis steht. Das Arbeitsgericht Herford ließ die Formulierung streichen (Az.: 2 Ca 1502/08).

  • Die Elternzeit darf im Arbeitszeugnis erwähnt werden.

    Das urteilte das LAG Köln (Az.: 4 Sa 114/12). Darin liege keine Benachteiligung, da erhebliche Ausfallzeiten eines Arbeitnehmers im Zeugnis dokumentiert werden dürfen. Handelt es sich etwa um eine schnelle und dynamische Branche (zum Beispiel die IT-Branche), ist das Interesse eines potenziellen Arbeitgebers von bisherigen Fehlzeiten groß. Er muss wissen, ob die praktische Berufserfahrung und das Wissen des Bewerbers auf dem neuesten Stand sind.

  • Dank muss nicht sein.

    Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden (Az.: 9 AZR 227/11), dass es auch ohne die Formel „Wir bedanken uns für die langjährige Zusammenarbeit und wünschen ihm für seine private und berufliche Zukunft alles Gute“ geht. Das Arbeitszeugnis müsse nur zu Leistung und Verhalten etwas aussagen.


Bonus Video: Zeugnissprache entschlüsseln

Arbeitszeugnis Muster: Beispiel für ein sehr gutes Zeugnis

Und so könnte ein Musterzeugnis (im doppelten Wortsinn) aussehen. Es entspricht durchweg der Note 1, nur bei den Soft Skills gab es eine 2. Aber das macht es vielleicht auch glaubwürdiger…

Arbeitszeugnis

Herr Max Mustermann, geboren am 30.02.2000 in Köln, ist vom 1. April 1998 bis zum 30. Mai 2011 in unserem Unternehmen als Chief Officer of Permanent Income tätig gewesen.

(Hier steht eine Tätigkeitsbeschreibung und ggf. kurze Unternehmensbeschreibung)

Herr Mustermann verfügt über ein äußerst profundes Fachwissen, welches er stets effektiv und erfolgreich in der Praxis einsetzte. Dieses Fachwissen konnte er ohne Einschränkungen an seine Mitarbeiter weitergeben.

Gerne bestätigen wir ihm eine außerordentlich hohe wirtschaftliche Sachkompetenz. Durch sein herausragendes unternehmerisches und strategisches Denken und Handeln erwarb er sich den höchsten Respekt der Geschäftsführung und seiner Mitarbeiter. Zum Nutzen des Unternehmens erweiterte und aktualisierte er immer mit großem Gewinn seine umfassenden Fachkenntnisse durch regelmäßige Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen. Aufgrund seiner präzisen Analysefähigkeiten und seiner sehr schnellen Auffassungsgabe fand er hervorragende Lösungen, die er konsequent und erfolgreich in die Praxis umsetzte.

Hervorzuheben ist seine hoch entwickelte Fähigkeit, stets konzeptionell und konstruktiv zu arbeiten, sowie seine immer präzise Urteilsfähigkeit.

Herr Mustermann ist eine überdurchschnittlich engagierte Führungskraft, die ihre Aufgaben jederzeit mit voller Einsatzbereitschaft erfolgreich erfüllte. Auch in Stresssituationen erzielte er sehr gute Leistungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht und war auch stärkstem Arbeitsanfall immer gewachsen. Stets arbeitete Herr Mustermann äußerst umsichtig, sehr gewissenhaft und genau.

Vertrauenswürdigkeit und absolute Zuverlässigkeit zeichneten seinen Arbeitsstil jederzeit aus. Selbst für schwierigste Problemstellungen fand und realisierte er sehr effektive Lösungen und kam immer zu ausgezeichneten Arbeitsergebnissen. Im Laufe seiner Unternehmenszugehörigkeit hat er unter anderem viele wichtige Projekte mit sehr großem Erfolg geleitet.

Durch sein überaus systematisches Vorgehen und seinen sehr kooperativen Führungsstil konnte er seine Projekte stets mit äußerster Zuverlässigkeit sowie zeitplan- und budgetgerecht abschließen. Seine Mitarbeiter motivierte und überzeugte er durch einen kooperativen Führungsstil.

Herr Mustermann war als Vorgesetzter jederzeit voll anerkannt, wobei sein Team unsere hohen Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern oftmals sogar übertraf. Als Führungskraft bewies uns Herr Mustermann stets seine gute Integrationsfähigkeit. Er verstand es jederzeit, alle Mitarbeiter seines Teams entsprechend ihrer Persönlichkeit und Kompetenz bei der Entscheidungsfindung einzubeziehen und konnte so ein sehr gutes Arbeitsklima in seinem Team schaffen.

Herr Mustermann hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zur unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt. Mit allen Ansprechpartnern kam Herr Mustermann sehr gut zurecht und begegnete ihnen immer mit seiner freundlichen, offenen und zuvorkommenden Art. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Externen war jederzeit vorbildlich.

Wir bedanken uns für die stets sehr gute langjährige Mitarbeit und bedauern Herrn Mustermann’s Ausscheiden sehr. Wir wünschen diesem vorbildlichen Kollegen beruflich und persönlich alles Gute, viel Erfolg.

UNTERSCHRIFT

PDF-DownloadDas Arbeitszeugnis-Muster können Sie selbstverständlich auch HIER kostenlos als PDF herunterladen und modifizieren…

Falls Sie Ihr Arbeitszeugnis selber schreiben wollen oder sollen, tun Sie das bitte mit Bedacht und nicht nur mit Textbausteinen aus dem Generator. Andernfalls könnte der Leser den Eindruck gewinnen, dass hier jemand weggelobt wurde.



Arbeitszeugnis für Manager: Kleine, aber feine Unterschiede

Zeugnisse für Manager unterscheiden sich von derlei Mustern und Vorlagen jedoch teils enorm. Tatsächlich gelten bei der Besetzung von Vorstands- oder Geschäftsführerposten ganz eigene Regeln. Wenn Aufsichtsräte oder Firmeninhaber ihr Urteil über scheidende Manager in viele Worte, viel Lobhudelei und viele Seiten kleiden, dann soll das nicht selten verschleiern, dass das Arbeitszeugnis, das diesen Sermon enthält, nicht viel mehr wert ist, als das Papier auf dem es gedruckt wurde.

In ein Testat von Geschäftsführern oder hochrangigen Managern gehören daher vor allem drei Komponenten:

  1. Die Einschätzung der strategischen und unternehmerischen Kompetenz. Fehlt sie, legt das den Verdacht nahe, der Manager war weder ein wichtiger Impulsgeber noch sonderlich innovativ.
  2. Die Beschreibung seines Führungsverhaltens, insbesondere substanzielle Aussagen zum Verhältnis zu den Kollegen im Vorstand und den Mitarbeitern sollten darin enthalten sein. Andernfalls kann das auf eingeschränkte Sozialkompetenz hindeuten.
  3. Eine nachvollziehbare Begründung für die berufliche Veränderung. Das kann ein Wechsel der Eigentümerstrukturen sein, ein freiwilliges Ausscheiden wegen neuer Herausforderungen, aber auch geteilte Ansichten über die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Alles ohne Begründung klingt nach: Wir mussten die Lusche leider feuern.

Wie solche Formulierungen in Manager-Zeugnissen im konkreten Fall klingen können? Zum Beispiel so:

Es ist mir ein besonderes Anliegen, Ihm für sein umsichtiges und zielorientiertes Handeln Dank und Anerkennung auszusprechen. XYZ verliert mit der Beendigung seiner Tätigkeit eine Persönlichkeit, die sich stets durch Kompetenz, Dynamik und einen sicheren Sinn für das Machbare auszeichnete. Seine fachliche und seine soziale Kompetenz waren bei der Entwicklung des neuen Geschäftsbereichs ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Als Führungskraft war er vorbildlich. Selbst nach den durchgeführten Personalreduzierungen…

…haben seine Leistungen jederzeit und in jeder Hinsicht unsere vollste Anerkennung gefunden. Er förderte aktiv die Zusammarbeit, sein Verhalten gegenüber Kollegen und Mitarbeitern war stets motivieren und vorbildlich. XYZ verstand die Mitarbeiter zu überzeugen, zu motivieren und zu Höchstleistungen zu führen. Er informierte die Mitarbeiter vollständig und zeitgerecht, förderte deren Weiterbildung und delegierte Aufgaben und Verantwortung effektiv und ergebnisorientiert. Er befähigte sein Team, optimale Lösungen selbstständig nach klarer, durchdachter Planung sehr erfolgreich zu erreichen.

XYZ ist eine dynamische Fach- und Führungspersönlichkeit mit Unternehmergeist, die ihre Aufgaben mit großem persönlichem Einsatz ziel- und ergebnisgerecht leitet und durch vielfältige Initiativen weiterentwickelt. XYZ hat die mit ihrer jeweiligen Position verbundenen Gestaltungsräume zu unserem Besten kreativ und verantwortungsbewusst genutzt. Sie versteht es, Impulse zu geben und neue Wege zu gehen. XYZ verfügt über die Fähigkeit, aufgeschlossen, kontaktfreudig und situationsgerecht schnell Zugang zu finden. Besonders zu erwähnen ist, dass XYZ eine vorbildliche Führungskraft mit Verantwortungsbewusstsein und steter Einsatzbereitschaft ist. Sie setzt sich durch, kann die Mitarbeiter für ihre Ziele begeistern und zu stets optimalen Ergebnissen führen.

Verräterisches Zeugnis: Was steht nicht drin?

Allerdings ist bei Top-Managern und Geschäftsführern das, was im Zeugnis fehlt, oft bedeutsamer und im Zweifel schädlicher als das, was drinsteht.

So richten Headhunter ihr Augenmerk gerne auf scheinbare Nebensächlichkeiten wie die Frage, ob das Zeugnis auf dem offiziellem Firmenpapier gedruckt wurde oder etwa auf dem privaten Briefpapier des Aufsichtsratsvorsitzenden. Letzteres ist ein gutes Indiz für ein halbwegs glaubwürdiges Zeugnis.

Dasselbe gilt für die dargestellten Leistungen: Finden sich im Testat ausschließlich nüchterne neutrale Floskeln oder bemüht sich der Aussteller ebenso um ein paar persönliche Worte, in denen er die Zusammenarbeit ausdrücklich wertschätzt, sich für Referenzanfragen zur Verfügung stellt und womöglich betont, den scheidenden Manager jederzeit wieder einzustellen?

In allen Fällen gilt: Je weniger Persönliches im Zeugnis steht, desto schlechter wirkt es.

Negativ kommt auch der Umfang der Urkunde an. Zwar lässt sich unter einer halben Seite kaum eine aussagekräftige Leistungsdiagnose abliefern. Über zwei Seiten sollte die wohlklingende Mitgift aber auch nicht hinausgehen. Sonst entsteht beim Leser das Gefühl, der Manager habe für die Lobhudelei selbst in die Tasten gegriffen und aus lauter Narzissmus kein Ende mehr gefunden.

Derlei ungebremster Schaum ist fast noch verheerender als Weißraum. Übrigens bei allen Arbeitszeugnissen.

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[Bildnachweis: Biro Emoke by Shutterstock.com]

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  • Eva

    Und was tun, wenn mein Arbeitszeugnis im Ernst wirkt, wie von hier abgeschrieben?
    LG aus Bayern :o)

    Antworten

  • Lilium

    Wie kann man im Arbeitszeugnis „elektronische Zeiterfassung manipuliert“ schön formulieren?

    Antworten

  • Sandra

    Ich hab momentan ziemliches Hin und Her mit meinem Zeugnis. Mittlerweile habe ich ein knitterfreies ohne große inhaltliche Hintertüren. Einzig in den Zeilen über das Unternehmen sind mehrere Rechtschreibfehler. Peinliche. Aber ich hoffe mal, dass das mehr über meinen ehemaligen Chef aussagt als über mich…!?

    Antworten

  • Markus

    Hallo,

    ich bin am Ende meiner 6 monatigen Probezeit gekündigt worden, weil der Arbeitgeber nicht mit meinen Leistungen zufrieden war. Das ist jetzt 4 Monate her. Für die Arbeit habe ich ein qualifiziertes Arbeitszeugnis bekommen. Allerdings ergibt sich daraus eine mangelhafte Bewertung meiner Leistung. Ich hatte gebeten doch das Arbeitszeugnis etwas wohlwollenden zu formulieren, was ohne Erfolg war. Bei meiner bisherigen Bewerbungen habe ich das Zeugnis dann einfach weggelassen. Wodurch dann aber meine Arbeit dort nicht belegbar ist. Was bei Bewerbungsgesprächen dann immer etwas fragwürdig gewirkt hat.

    Habe ich noch die Möglichkeit ein einfaches Arbeitszeugnis anzufordern? Wodurch meine Arbeitszeit und meine Täigkeiten belegbar sind.

    Gruß

    Antworten

    • Jochen Mai Autor

      Wie oben schon geschrieben: Der Anspruch auf Korrekturen beim Arbeitszeugnis verfällt nach fünf bis 15 Monaten. Du sagst, das ist erst 4 Monate her? Dann gib Gas…! Laut aktuellen Urteilen, sollte dein Zeugnis mindestens „befriedigend“ sein. Und „wohlwollend“ muss es sowieso sein. Hier würde ich zur Not auch einen Anwalt konsultieren. Denn das Zeugnis wird dich im Berufsleben noch eine Weile begleiten. Wenn du jetzt am falschen Ende sparst, verbaust du dir womöglich viele Jobchancen in der Zukunft.

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