Fragezettel2Machen Sie doch, was Sie wollen – aber wirklich!

Entschiedenheit ist mehr, als eine Wahl zu treffen. „Wenn du eine Entscheidung treffen musst und du triffst sie nicht, ist das auch eine Entscheidung“, bemerkte der US-Psychologe und Philosoph William James seinerzeit völlig richtig. Entschiedenheit aber geht noch einen Schritt weiter: Sie sorgt dafür, dass man sich seiner Sache ganz verschreibt, keine Hintertürchen offen hält und seine ganze Kraft auf das Gelingen seines Ziels konzentriert.

Wer sich beispielsweise entschieden hat, einen Marathon zu laufen, der wird nicht jeden Abend faul auf der Couch hocken, sondern wird täglich trainieren. Ein halbes Jahr mindestens. Wer wiederum abnehmen will, der wird nicht weiter Chips und Schokolade in sich hinein stopfen. Und wer ein guter Vater oder eine gute Mutter sein will, muss zwangsläufig in seiner Freizeit und vielleicht sogar bei der Karriere mit den eigenen Interessen zurückstecken.

Das heißt freilich nicht, dass man jedes Mal sämtliche Folgen seiner Wahl kennt. Das geht sowieso nicht. „Wer darauf besteht, alle Faktoren zu überblicken, bevor er sich entscheidet, wird sich nie entscheiden“, warnte schon der Schweizer Philosoph Henri-Frédéric Amiel. Aber eine Wahl treffen muss man. Und Entschiedene wartet damit nicht allzu lange.

Überhaupt ist es ein Zeichen von Intelligenz, sich entscheiden zu können. Und es macht glücklich. Von dem Wiener Dichter Eduard von Bauernfeld stammt der Satz: „Es braucht zu allem ein Entschließen, selbst zum Genießen.“ Besser eine falsche Entscheidung treffen als keine! Wer lange zögert und zaudert, seine Entscheidung immer wieder hinaus schiebt und sich – was noch schlimmer ist – treiben lässt, der verliert sowohl den Respekt der anderen als auch den vor sich selbst.

Die Folge ist wachsende Unzufriedenheit. Und mit jedem weiteren Warten schmilzt das Selbstvertrauen. Gleichzeitig wächst das Gefühl der Ohnmacht, sein Leben und Glück nicht selbst zu bestimmen, sondern von seiner Umwelt bestimmt zu werden. Das ist Gift für die Seele. Und eine Kapitulation.

Selbsttest

Vielleicht fragen Sie sich gerade: Bin ich so? Habe ich diese Eigenschaft? Bin ich fokussiert, hartnäckig, entschieden?

Eine Antwort darauf kann ich Ihnen freilich unmöglich geben. Das können nur Sie selbst. Allerdings kann ich Ihnen womöglich etwas dabei helfen, die Antwort zu finden – mit dem folgenden kleinen Selbsttest. Natürlich kann der in dieser Form nur grob sein und erhebt auch keinerlei wissenschaftlichen Anspruch. Dennoch kann er Ihnen erste gute Hinweise liefern, wie es um Ihre Entschlossenheit und das Sichfokussierenkönnen steht.

Lesen Sie sich dazu bitte die folgenden Aussagen durch und zählen sie mit, an welchen Stellen Sie stumm dazu nicken:

    [A] Egal, was ich anfange: Ich versuche stets der Beste zu sein.
    [B] Ich setze mir viele Ziele. Und zwischendurch gerne auch wieder neue.
    [A] Ich habe viele Rückschlage überwunden, um Ziele zu erreichen.
    [A] Ich bin sehr ehrgeizig.
    [B] Meine Interessen können von Jahr zu Jahr wechseln.
    [A] Ich will den Erfolg. Unbedingt.
    [A] Mich bringt so leicht nichts von meinem Weg ab.
    [B] Ich lasse mich mit neuen Ideen und Projekten von meinen bisherigen gerne ablenken.
    [A] Ich bin fleißig, arbeite viel und hart.
    [A] Was ich anfange, beende ich – auch wenn es länger dauert.
    [B] Ich habe Probleme damit, mich auf Jobs zu fokussieren, die über mehrere Monate dauern.
    [A] Ich bin sehr gewissenhaft.
    [B] Ausdauer brauchen doch nur die, die keine zündenden Ideen haben.
    [B] Bei Schwierigkeiten gebe ich lieber früher auf als mich sinnlos festzubeißen.
    [A] Ich habe schon Projekte beendet, die Jahre in Anspruch nahmen.
    [A] Widerstände stacheln mich erst recht an.

Auswertung

Zählen Sie nun bitte jeweils alle A- beziehungsweise B-Aussagen zusammen, bei denen Sie zustimmen konnten. Schauen Sie sich Ihr Ergebnis an und klicken Sie auf die zutreffende Auswertung:

Die Kehrseite der Entschiedenheit

Entschiedenheit kann Betroffene allerdings auch zu Besessenen machen. Und diese Seite an ihr ist brandgefährlich. So sehr Terrier-Tugenden geschätzt werden – allzu große Verbissenheit wirkt stets unsouverän und krampfhaft. Als Christoph Kolumbus etwa den spanischen Hof davon überzeugte, seine Entdeckungsreise zu finanzieren, forderte er zugleich den irrwitzigen Titel „Großadmiral des Ozeans“ zu erhalten. Dabei erwies sich Kolumbus als navigatorischer Dussel. Statt eines Seewegs nach Indien entdeckte er Amerika. Glück im Pech: Das neue Land war ebenfalls reich und rettete vorerst seine Karriere. Wäre der forsche „Großadmiral“ aber mit leeren Händen zurückgekehrt, hätte man seine Chuzpe wohl anders bewertet.

Deshalb, trotz aller Entscheidungsfreude sei auch das gesagt: Nur Hasardeure setzen alles auf eine Karte!

Entschlossenheit ist gut, Risikostreuung zu betreiben und einen Plan B zu haben, sind besser.

Anlageberater lernen das schon in der Grundausbildung. Das hat nichts mit Vollkaskomentalität zu tun, sondern mit Weitblick und Umsicht. So sehr Sie sich einem Projekt, Ihrer Aufgabe oder dem Unternehmen verschreiben – behalten immer ein Ass im Ärmel: eine Alternative, einen Notfallplan, einen Lückenbüßer – Hauptsache Sie sind gewappnet, falls es anders kommt, als Sie oder Ihr Chef sich das gedacht haben.

Mag sein, dass Medien mutige Macher im Nachhinein heroisieren. Sie übergießen aber auch jeden mit Häme, der glorreich scheitert.

Seien Sie also entschieden – und behalten Sie ein Ass im Ärmel!