rubicDuschen oder baden Sie lieber? Schauen Sie bei Zugfahrten lieber gedankenverloren aus dem Fenster oder unterhalten Sie sich mit dem Sitznachbarn? Und beim Kirmesbesuch: Bevorzugen Sie das gemütliche Karussell oder die rasante Achterbahn? Kaum einer wird angesichts solcher Fragen an ein Assessment Center (AC) denken – falsch gedacht: Die Fragen kommen durchaus im AC vor. Und die Testmühlen boomen gerade wieder.

Daher beschäftigt sich mein Kollege Daniel Rettig in der aktuellen WirtschaftsWoche mit den umstrittenen Tests, die die Berliner Bewerbungscoachs Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader zum Beispiel als “infantile Allmachtsfantasie von Personalern” bezeichnen.


Eine aktuelle Umfrage hat ergeben: Drei von vier Unternehmen setzen solche AC inzwischen im Berufsalltag ein. Rund 59 Prozent glauben, dass die Anwenderzahl in Zukunft weiter zunehmen wird. Dieser Trend betrifft nicht nur Großkonzerne: Im Jahr 2001 setzten noch 19,5 Prozent der Firmen mit bis zu 500 Beschäftigten auf solche Assessments. In der aktuellen AC-Studie waren es schon 55,8 Prozent. Allerdings dienen die Übungen inzwischen längst nicht mehr der reinen Kandidatenauswahl. Nur noch ein Drittel der AC haben das Ziel, Uniabsolventen oder Bewerber zum Beispiel für ein Trainee-Programm auszusieben, ergab die AC-Studie. Zwei Drittel drehen sich vielmehr um die „Potenzialanalyse und Entwicklung“ des Mitarbeiters. Rund 88 Prozent der AC-Anwender wollen so herausfinden, wer das Zeug zur Führungskraft hat – und wer nicht.

Immer häufiger setzen die Firmen dabei auch auf psychologische Tests. Viele sind jedoch unseriös und stellen den Bewerbern teils absurde Fragen mit noch kurioseren Deutungen. Bei der Entscheidung – duschen oder baden? – geht es beispielsweise um die Frage, ob jemand eher männlich oder weiblich denkt; wer sich auf Zugfahrten gerne mit anderen Passagieren unterhält, gilt als kommunikativ, wer lieber Karussell fährt, als konservativ. Experten lehnen solche Fragen aus gutem Grund ab. Sie wurden ursprünglich für psychisch Kranke entwickelt – weshalb sie sich wohl kaum zur Auswahl von Managern eignen. Es sei denn, man versucht die Psychopathen auf der Chefetage zu identifizieren.

Typische Assessment-Center-Aufgaben

„Stellen Sie sich bitte der Gruppe vor und nennen Sie die wichtigsten Stationen Ihres Lebens.“

Richtig Jeder Experte rät Bewerbern, möglichst authentisch aufzutreten – leichter gesagt als getan. Daher sollten Sie Ihren Text vorbereiten und vorher Freunden vortragen. Im AC stehen Sie langsam auf, halten Blickkontakt zu den Anwesenden und nennen maximal drei relevante Stationen Ihres Lebenslaufs.
Falsch Die Aufregung überspielen. Nervosität ist verständlich, vertuschen sinnlos. Außerdem brauchen Sie alle Energie für die Aufgabe.
Präsentation

„Sie sind Chef eines Unternehmens, das ein neues Produkt erfunden hat. Entwickeln Sie eine Strategie für dessen Einführung.“

Richtig Wichtig: Es gibt hier keine richtige Lösung. Achten Sie darauf, dass Sie nicht nur zum Ergebnis kommen, sondern zeigen Sie, wie Sie dorthin gelangt sind. Lieber eine falsche Lösung mit richtigem Vorgehen als umgekehrt.
Falsch Oft sind Fallstudien als Gruppenübung angelegt. Dann steht der gemeinsame Lösungsprozess im Fokus. Falls Sie einen Fehler machen, stehen Sie dazu! Ebenso falsch wäre es, sein eigenes Süppchen zu kochen und nicht alle in die Entscheidung einzubeziehen.
Rollenspiel

„Sie sind Abteilungsleiter und sollen einen Mitarbeiter zur Rede stellen, der stets unpünktlich zur Arbeit kommt.“

Richtig Hier sind Kommunikations- und Konfliktstärke gefragt. Teilen Sie dem Mitarbeiter, der meist von einem der Beobachter gespielt wird mit, worum es geht, und bitten Sie ihn um eine Stellungnahme. Wenn er einlenkt – fein. Wenn nicht, drohen Sie Konsequenzen an.
Falsch Zu autoritäres Auftreten („Ich könnte schon morgen jemand anderen einstellen“) oder zu gutmütiges („Bedrückt Sie etwas?“). Es gilt, den goldenen Mittelweg zu finden. Ebenso falsch: lange Monologe halten – die Übung heißt intern nicht umsonst „Mitarbeitergespräch“.
Interview

„Wie gehen Sie mit Misserfolgen um?“, „Wo liegen Ihre Schwächen?“, „Was bedeutet für Sie Erfolg?“

Richtig Ihren Lebenslauf müssen Sie im Kopf haben – vor allem dessen Lücken. Wer ins Stottern gerät, hinterlässt einen ziellosen Eindruck. Zeigen Sie sich als aufgeschlossene Person, die Herausforderungen sucht, um daran zu wachsen.
Falsch Viele Beobachter versuchen, die Kandidaten aus der Ruhe zu bringen, etwa: „Was spricht gegen Sie als Kandidat?“ Fatal wäre jetzt entwaffnende Ehrlichkeit. Kontern Sie stattdessen die Frage: „Ich will Ihnen lieber erzählen, was für mich spricht!“