Au Pair: So machen Sie Ihren USA-Traum wahr
Die Erfüllung des amerikanischen Traums: In der Praxis oft schwieriger als in der Theorie. Vor allem für junge Mädchen ist das Au-Pair-Jahr eine beliebte Option, um wenigstens für ein Jahr den American Way of Life zu befahren. Doch die Auffahrt ist voller Hindernisse, das Auslandsjahr nicht mal eben so im Vorbeigehen eingetütet. Ein Au Pair trägt schließlich vor Ort auch Verantwortung und muss daher einige Voraussetzungen erfüllen, um für die Position in Betracht gezogen zu werden. Wir sagen Ihnen, was auf Au-Pair-Bewerber zukommt, die einen Aufenthalt in den USA planen...

Au Pair: Welcome to America

Ein bisschen Kinderbetreuung, nebenbei sein Englisch verbessern und persönlich an der Herausforderung wachsen, aber vor allem viel reisen, ein anderes und aufregendes Land kennenlernen und Spaß haben. So stellen sich viele Au-Pairs ihr Jahr in Übersee am liebsten vor. Warum auch nicht?

Weder der Job selbst, noch die Bewerbung und Auswahl sollten jedoch auf die leichte Schulter genommen werden.

Die Vereinigten Staaten sind für viele angehende deutsche Au-Pairs noch immer Traumland Nummer eins, stellen aber auch traumhaft hohe Anforderungen an Bewerber. Die Hürden liegen teils deutlich höher als in anderen Ländern.

Welche Hürden das sind? Wir haben die wichtigsten Fakten für Bewerber zusammengetragen.

Au Pair USA: Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Grundsätzlich ist ein J1-Visum Pflicht, um als Au-Pair einreisen zu können. Um eines zu bekommen, müssen diese Bedingungen erfüllt werden:

  • Englisch:

    Ohne Kenntnisse der Landessprache sind die Chancen aussichtslos. Ordentliches Schulenglisch ist aber meist ausreichend, vor Ort bietet sich dann die Gelegenheit, die eigenen Sprachkenntnisse auszubauen.

  • Schulabschluss:

    Ein Schulabschluss ist verpflichtend (am besten Abitur), auch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Hochschulabschluss werden anerkannt.

  • Alter zwischen 18 und 26:

    In anderen Ländern liegt die Obergrenze teilweise bei 30 Jahren. In den USA ist mit 26 definitiv Schluss. 17-Jährige wiederum können sich zwar bewerben, müssen sich aber mit dem Au-Pair-Start bis 18 gedulden.

  • Gesundheit:

    Ein (oder mehrere) ärztliches Gutachten muss organisiert werden. Dies kann, so berichten ehemalige Au-Pairs immer wieder, einen erheblichen Aufwand mit sich bringen.

  • Interview:

    Ein persönliches Interview soll die Agentur - und danach die Gastfamilie - von der Bewerberin überzeugen. Das Interview erfolgt vor Ort bei der Agentur, um eine Tagesreise kommt man also nicht herum. Auch sollten Sie sich darauf einstellen, dass dieses Interview möglicherweise auf Englisch geführt wird.

  • Background-Check:

    Die Amerikaner wollen es genau wissen. Der Bewerber muss neben einem gültigen Reisepass auch ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und einen psychometrischen Test absolvieren, der das Persönlichkeitsprofil offenlegen soll. Dabei werden ab und an auch recht sonderliche Fragen gestellt, die aber mit etwas gesundem Menschenverstand zur Zufriedenheit des Fragestellers beantwortet werden.´

    Zum Beispiel: „Wie häufig flirtest Du?“ (Antwortmöglichkeiten: Nie, selten, manchmal, häufig, sehr häufig). Oder: „Was würdest Du tun, wenn Du Heimweh hast?“ Auch Referenzen sind unabdingbar, um eigene Erfahrung in der Kinderbetreuung zu belegen.

    In der Regel muss die Bewerberin zwei Referenzpersonen angeben, bei denen sie in den vergangenen drei Jahren Babys gesittet oder Kinder betreut hat, und das für insgesamt mindestens 200 Stunden (männliche Bewerber müssen häufig noch mehr Erfahrung mitbringen). Bei den Referenzpersonen darf es sich nicht um Verwandte handeln.

Was bekommt man als Au Pair im Gegenzug?

Wer als Au Pair arbeitet, bekommt für seine Leistungen natürlich auch etwas zurück. Zum einen Erfahrungen, die viele ein Leben lang begleiten, die Chance, für einen längeren Zeitraum in Amerika zu leben, die Menschen, die Kultur und die Sprache kennenzulernen.

Doch gibt es auch ganz konkrete Gegenleistungen, die ein Au Pair erhält - diese können je nach Agentur und Angebot jedoch ein wenig variieren:

  • Hin- und Rückflug in die USA
  • Einführungsseminare
  • Ein Zimmer bei der Gastfamilie inklusive Verpflegung
  • Wöchentliches Taschengeld von 195,75 Dollar
  • 500 Dollar Studiengeld
  • Versicherungen

Die genauen Leistungen Ihrer Agentur erfahren Sie auf der jeweiligen Homepage des Anbieters.

Au Pair Tipps: Wie verbessere ich meine Chancen?

Sind alle Bedingungen erfüllt, ist das prima, aber noch längst keine Garantie für eine Aufnahme Annahme. So verbessern Sie Ihre Chancen:

  • Führerschein machen: Der Lappen ist theoretisch kein Muss, aber ein (dickes) Plus. Nicht vergessen: Die USA sind noch immer Autoland, Kinder können oft ausschließlich mit dem Pkw abgeholt werden. Bewerberinnen mit Führerschein können also leichter vermittelt werden.
  • Rauchen einstellen: Hier gelten ähnliche Voraussetzungen. Niemand lässt gerne eine Kettenraucherin auf seine Kinder los. Rauchen ist de facto ein Ausschlussgrund.
  • Erfahrung sammeln: Ohne praktische Erfahrung ist das Unterfangen zum Scheitern verdammt. Wer noch keine hat, sollte das als Babysitter, aber auch als Kinderbetreuer im Feriencamp, als Nachhilfelehrer oder als Praktikant in Kitas und Kindergärten frühzeitig nachholen.
  • Skype installieren: Der genaue Bewerbungsablauf unterscheidet sich von Agentur zu Agentur. Der einfachste Weg aber, über den sich Gastfamilie und Au-Pair gegenseitig beschnuppern können, ist der Video-Telefonier-Dienst. Via Skype ist es eher möglich, sich sympathisch lächelnd von seiner besten Seite zu zeigen als über das Telefon. Und ein persönliches Kennenlernen ist notwendig, um Gastfamilien von sich zu überzeugen.

Wie komme ich an eine Gastfamilie?

Ollyy/shutterstock.comAuf eigene Faust eine Gastfamilie suchen: Das ist nicht nur mit unwägbaren Risiken verbunden, sondern auch aussichtslos. Bewerber müssen den Weg über eine anerkannte Agentur gehen. 15 Organisationen sind in den USA dafür offiziell zertifiziert, in der Regel arbeiten diese mit deutschen Partneragenturen zusammen.

Die Agenturen sind auf der einen Seite Dienstleister, auf der anderen Seite Nadelöhr, durch das Sie erst hindurchschlüpfen müssen. Denn als Bewerber muss man zunächst die Agentur von sich überzeugen, bevor man zum Interview eingeladen wird. Für Bewerber heißt das: Ruhig bei mehreren Agenturen bewerben, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen - und das möglichst früh. Einige Monate Vorlaufzeit sollten in jedem Fall eingeplant werden. Bewerbungen sind ganzjährig möglich.

Einige bekannte deutsche Agenturen sind:

Au Pair USA: Welche Kosten kommen auf mich zu?

Ein Vergleich der verschiedenen Agenturen lohnt sich auch mit Blick auf mögliche Kosten, denn ein Au Pair Aufenthalt in den USA und die Vermittlung in eine Gastfamilie ist für angehende Au Pairs nicht kostenlos.

Mit welchen Kosten Sie dabei genau rechnen müssen, ist von Agentur zu Agentur verschieden und variiert auch mit den jeweiligen Leistungen. Bei erfolgreicher Vermittlung liegen die Kosten meist zwischen 800 und 1000 Euro. Dabei sollten Sie sich auch die Leistungsübersichten der einzelnen Anbieter auf den jeweiligen Homepages genau ansehen.

Ist die Bewerbung erfolgreich und Sie konnten die Agentur von sich überzeugen, kommt der nächste Teil - die Suche nach einer Gastfamilie. Die Agentur stellt das Profil ein, auf das suchende US-Gastfamilien anspringen und daraufhin eine Anfrage stellen können. Für angehende Au Pairs bedeutet dies eine klassische Bewerbersituation: Abwarten und hoffen.

Hat sich ein Interessent gemeldet, erfolgt ein Kennenlern-Gespräch, telefonisch oder über Skype, und hinterher die Zu- oder Absage. Im schlimmsten Fall legen Sie also einen glänzenden Vorbereitungsmarathon hin, aber in Übersee beißt trotzdem niemand an.

Was aber unwahrscheinlich ist. Wenn alles klappt, dürfen Sie zwölf Monate lang amerikanische Kinder hüten (Verlängerung vor Ort ist oft möglich, Minimum sind aber zwölf Monate).

Zusammengefasst: So gehen Sie chronologisch vor, um den Traum vom Au-Pair-Jahr in den USA wahr zu machen ...

Schritt für Schritt zum Au-Pair

  1. Agentur(en) auswählen
  2. Agentur kontaktieren und Bewerbung einreichen
  3. Dokumente einholen und Interview mit Agentur absolvieren
  4. Auf Interessenten warten und Gastfamilie überzeugen
  5. Visum beantragen
  6. Au-Pair
[Bildnachweis: LuckyImages, Ollyy by Shutterstock.com]