Meetings sind Minenfelder. Die meisten Menschen gehen mit bestimmten Vorstellungen und Vorurteilen in ein solches Gruppengespräch: „Das wird wieder nichts.“ „Meier, der alte Nörgler, macht sowieso wieder alles schlecht.“ „Kasuppke will sich immer nur in Szene setzen und ihre tollen Ideen durchbringen.“ „Und Lehmann verheddert uns alle in Details.“ Keiner ist so blöd, wie wir alle zusammen.
Wer so denkt, behält meistens recht. Das liegt aber nicht an einer prophetischen Begabung, sondern vielmehr an der eigenen Perspektive und dem Phänomen der sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Der Fehler hierbei ist, sich auf das Negative, auf die Schwächen der Kollegen zu konzentrieren. Da Menschen nun mal nicht perfekt sind und somit immer Stärken und Schwächen in sich vereinen, liegt es letztlich an einem selbst, wie er sein Team sieht und damit dessen Effektivität bestimmt: Ist es ein Haufen von Versagern – oder eine Truppe mit unterschiedlichen Stärken und Potenzial?
Der britische Psychologe und renommierte Lehrer für kreatives Denken, Edward de Bono, hat schon vor Jahren die so genannte Sechs-Hüte-Methode entwickelt. Er sagt: Wir lösen Probleme am schnellsten und effektivsten, wenn wir sie aus sechs verschiedenen Perspektiven betrachten. Jedem dieser Blickwinkel hat er sechs verschiedenfarbige Hüte zugeordnet:
- Weiß: Dieser Typ betrachtet die Fakten – nüchtern, analytisch, wertfrei. Er sammelt Informationen und verschafft sich einen Überblick.
- Rot: Ein Bauchmensch. Dieser Typ ist nicht rational, sondern emotional, intuitiv. Er hört auf seine innere Stimme und bewertet so die Fakten, etwa die des weißen Typs.
- Schwarz: Der Kritiker. Skepsis bestimmt sein Denken: Wo lauern unbedachte Risiken und Gefahren? Was spricht gegen das Projekt? Objektiv – nicht gefühlt!
- Gelb: Dieser Typ ist das genaue Gegenteil des Schwarzmalers. Er ist ein Optimist, sucht und formuliert Chancen. Jedoch ohne Euphorie. Die obliegt allein dem Typ Rot.
- Grün: Der Kreative hat einfach immer Ideen. Die sind verrückt und nicht immer gut, aber Dank seiner assoziativen Gedanken beflügelt er den Geist der anderen und bringt sie auf bisher unbedachte Lösungen.
- Blau: Er ordnet alles, moderiert, dirigiert, entscheidet. Dieser Typ behält immer einen unabhängigen Überblick und sucht das beste Ergebnis – das aber nicht zwingend auf seinem Mist gewachsen sein muss.
Die Hüte, von denen De Bono hier spricht, bewirken einen Perspektivwechsel. Sie helfen, die Teammitglieder im nächsten Meeting aus einem anderen Blickwinkel zu sehen: Womöglich ist Meier ja gar kein Nörgler, sondern eher ein wichtiger Schwarzhutträger, der alle vor großem Schaden bewahren kann; die grüne Kasuppke bringt Sie auf neue Ideen, während Lehmann als Typ Weiß dankbarerweise alle Fakten zusammen trägt, die Sie für eine gute Entscheidung brauchen.
Die Macken und Eigenarten der anderen sind nicht immer leicht zu ertragen. Ich weiß. Um sie dennoch zu lieben und zu schätzen, muss man sich darauf einlassen und sie erobern. Wie eine Frau. Dann aber kann daraus eine sehr fruchtbare Beziehung erwachsen. Oder wie ein indianisches Sprichwort sagt: „Wenn du einen anderen verstehen willst, dann laufe eine Zeit lang in seinen Mokassins.“
Und selbst wenn nicht alle Farbtypen in Ihrem Team vertreten sind, lassen sich mit dieser Technik kreative Prozesse anstoßen, indem Sie entweder
-
a) verschiedenen Kollegen jeweils eine Farbe und Eigenschaft bewusst zuordnen,
b) das Team nach genau diesen Stärken zusammenstellen oder
c) alle mal reihum verschiedene Hüte aufsetzen.
Nur vielleicht nicht sprichwörtlich. Sonst sind die Kollegen vor Ihrer bunten Truppe eher auf der Hut.



Strangerli
Es ist immer interessant wie weit die optimalen Vorgehensweisen von der Realität entfernt sind. Aber diese Art des Meetings einmal erleben zu dürfen ist bestimmt eine nützliche Erfahrung.
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