Meetings sind in der Welt des Managements ein sakrosankter Begriff, dem die Attribute positiv, populär, produktiv anhaften. Manche Menschen verbringen die Hälfe ihrer Arbeitszeit in solchen Teamsitzungen. Mein Beileid.
Neben organisatorischen Funktionen haben diese alltäglichen Besprechungen allerdings auch zahlreiche sozialpsychologischen: Sie dienen der Gruppendynamik, der Beziehungspflege, dem strategischen Austausch irrelevanter Informationen (vulgo Klatsch), der Klärung territorialer Machtfragen und genitaler Längenvergleiche, der Reputationspflege und und und. Und um bei all dem Kaprice und Kreativität zu erhalten, setzen Verantwortliche in der Regel auf klassisches Konferenz-Doping: Kannenkaffee und Normgebäck vom Typ „Selection“.
Über die ersten Punkte ist hier schon viel geschrieben worden – über den letzten jedoch noch nur wenig: die Besprechungskekse.
Das Thema scheint unterschätzt, denn immerhin hat es Henning Lühr, seinerzeit Staatsrat für Finanzen bei der Senatorin für Finanzen der Freien Hansestadt Bremen, geschafft, dazu gleich ein Buch zu verfassen: Management by Biscuits: oder Der mit den Kalorien tanzt. Auf 64 Seiten hat der Autor dabei seine persönlichen Keks-Erfahrungen und Beobachtungen aus über 500 Dienstbesprechungen zusammengefasst und in eine Art Soziologie des Gebäckverzehrs übersetzt. Das ist nicht nur amüsant, sondern deckt sich zugleich mit eigenen Erfahrungen, die ich an dieser Stelle zu Lührs Erkenntnissen ergänzen möchte:
Aber bitte mit Keksen!
- In 35,59 Prozent der Meetings werden Kekse angeboten. Sitzen jedoch Unternehmensberater oder Wirtschaftsprüfer dabei, steigt die Keksquote auf 100 Prozent.
- In der (Vor-)Weihnachtszeit steigt das Keksaufkommen um das Siebenfache.
- In 72 Prozent der Fälle handelt es sich bei der gereichten Backware um Standardkekse, die meisten schmecken sogar. Rund ein Viertel war jedoch alt, trocken und geschmacksneutral bis schlecht schmeckend. In fünf Prozent der Fälle wurde Selbstgebackenes angeboten.
- Auf jedem Keksteller liegen immer: ein bis drei Kekse mit Schokoüberzug, zwei Waffelkekse, zweimal Spritzgebäck, ein bis zwei Waffelröllchen, ein Marmeladenkleckskeks.
- Es gibt verschiedene Keksessertypen: Die Schokoholiker, die nur Kekse mit Schokoglasur essen. Die Gourmets, die solange warten, bis ihr Lieblingskeks von den anderen freigelegt wurde. Die Mampfer, die den Keksteller als Mahlzeitersatz verstehen. Die Sammler, die gleich drei Kekse auf einmal nehmen, um nicht ständig auffällig zum Teller zu greifen. Die Abstinenzler, die sich um Kekse einen Kehricht scheren.
- Je besser das Betriebsklima (und die Unternehmenslage), desto besser und üppiger das Keks-Catering.
- Männer essen mehr Kekse als Frauen.
- Mit der Sitzungsdauer steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Besprechungsgebäck angeboten wird. Die Konferenzdauer hat jedoch keinerlei Einfluss auf Verzehr: Was angeboten wird, wird auch gegessen.








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ConnyLo
Meine besten Kekse gabs bei Kolle Rebbe, Hamburg. Schmeckten wie selbstgemacht und man musste sehr stark sein, um diese nicht restlos den Mitarbeitern wegzufressen. Ich glaube allerdings, dass diese heimliche Order haben, sich bei Besuchern zurück zu halten lassen ;-)