Eine Bewerbung per Video – warum auch nicht? Allerdings nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung! Das Bewerbungsanschreiben um ein Video zu bereichern, ist vielleicht noch ungewöhnlich, aber eine gute Idee: Denn das rundet Ihr Profil ab und gibt dem Personaler die Chance, noch mehr über die Persönlichkeit des Bewerbers und dessen Motivation zu erfahren – inklusive Stimme, Mimik, Körpersprache. Und eben weil es noch selten ist, kann man damit auch noch wunderbar aus der Masse hervorstechen…

Für den Erfolg entscheidend sind dabei allerdings folgende Punkte:

  • Machen Sie es dem Personaler so leicht wie möglich, das Video zu laden und anzusehen. Etwa auf Youtube oder Facebook.
  • Achten Sie darauf, dass er den Link gut findet. Ein QR-Code ist sehr auffällig, setzt aber ein gewisses technisches Know-how voraus. Um sicher zu gehen, sollten Sie auch den direkten Link zum Video dazu packen.
  • Beschreiben Sie im Video noch einmal Ihre Motivation, weniger die Stationen Ihres Lebenslaufs. Das überzeugt mehr. Denn wenn Ihre Qualifikationen stimmen, dann zählt für Recruiter vor allem eines: Passt die Persönlichkeit zur Unternehmenskultur?
  • Individualisieren Sie das Video – sprechen Sie direkt das Zielunternehmen an. Damit können Sie den Clip zwar nur einmal verwenden. Das weiß aber auch der Personaler – und wird es umso mehr wertschätzen. Denn erst so wird das Video zu einer echten Liebeserklärung für das Unternehmen.
  • Sollten Sie sich danach doch noch einmal woanders bewerben – löschen Sie zuvor die alten Clips, um den Eindruck zu schützen, dass Sie sich nur und ganz besonders für diese Firma und Branche interessieren.

Trendsetter USA

Videobewerbung

Broadcast yourself – in den USA ist das längst ein Trend, hierzulande werden Videobewerbungen eher als exotisches Nerd-Intermezzo belächelt. Noch. Ich bin sicher, dass die Zahl solcher kleinen Filmclips, die die klassische Bewerbung flankieren, zunehmen wird. Einige Beispiele gibt es längst, einige peinliche Entgleisungen allerdings auch. Deshalb, und bevor auch Sie zur Kamera greifen, hier sieben klassische Fehler, die Sie bei der Videobewerbung (.pdf) vermeiden sollten:

  1. Ausufernd. Fakt ist: Personaler auf Kandidatensuche haben keine Zeit. Das ist zwar bedauerlich, weil es um engagierte Menschen und wichtige Positionen geht. Doch anders als per Überflug sind die Bewerberstapel bei der Erstlese wohl nicht zu bewältigen. Noch mehr aber als ausufernde Bewerbungsmappen hassen Personaler Langeweile. Das gilt erst recht für Ihr Video. Das sollte kurz, prägnant und inspirierend sein. Vor allem inspirierend und nicht länger als zwei Minuten! Und schon in der ersten Minute sollten Sie Ihre Hauptbotschaft platzieren. Orientieren Sie sich an einem sogenannten Elevator Pitch: Wer es nicht schafft, sein Gegenüber während einer Aufzugfahrt zu überzeugen, schafft es nie.
  2. Atmosphäre. Eine Videobewerbung ist eine Art Talkshow, vielleicht auch ein Art Interview. In jedem Fall ist die Bühne für Ihre Erscheinung. Sie erinnern sich: Die Wirkung Ihrer Worte wird nur zu sieben Prozent vom Inhalt beeinflusst. 38 Prozent hängen von der Stimme, also von Tonfall, Betonung und Artikulation ab, 55 Prozent machen sogar Gestik und Mimik aus. Achten Sie also auf Ihr Äußeres: Haare, Kleidung, etwas Gesichtspuder, damit die Haut nicht so glänzt (auch die Männer!). Dasselbe gilt für die Körpersprache: Bitte keine verschränkten Arme oder übereinander geschlagenen Beine. Das wirkt reserviert oder unsicher. Die beste Position ist der freie Stand: Beine leicht gespreizt, Schultern gerade, Wirbelsäule durchgestreckt, Hände locker ineinander gelegt. Ab und an können Sie damit auch gestikulieren – aber niemals hektisch oder ausladend. Auch der Hintergrund sollte dazu harmonieren. Also bitte keine Einblicke in Ihr muckeliges Wohnzimmer oder auf die angebliche Design-Schrankwand aus furnierter Buche. Der Personaler soll auf Sie achten – nicht auf den schrillen Hintergrund. Eine ruhige, schlichte Wand reicht. Besser ist natürlich ein modernes Büroambiente, beziehungsweise eines, das zum angestrebten Job passt. Und bitte auch auf die Lichtverhältnisse sowie hässliche Schlagschatten achten.
  3. Abrupt. Klingt trivial, ist aber entscheidend: Bevor Sie die Kamera anschalten, bereiten Sie sich vor! Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal? Warum sind Sie der ideale Kandidat? Oder im Marketing-Jargon: Was ist Ihr USP? Zur Vorarbeit zählt ebenso, sich seinen Text genau zu überlegen. Schreiben Sie auf, was Sie nachher sagen wollen. Lesen Sie es ein paar Mal laut vor. Sätze, die holpern, sollten Sie umformulieren. Schreiben Sie sowieso besser möglichst kurze (Haupt)Sätze, keine kafkaesken Satzmonster. Denken Sie daran: Schriftsprache und gesprochene Sprache unterscheiden sich enorm. Ihr Text sollte jedoch nie wie abgelesen klingen. Ein Trick: Stellen Sie sich beim Formulieren jemanden vor, zu dem Sie diese Sätze sagen würden.
  4. Ääääh… Ihr Video ist der Höhepunkt der Bewerbung, ein Zusatz mit etwas Bling-Bling. Also sollten Sie einen möglichst professionellen Eindruck hinterlassen. Viele Äh’s und Hmm’s stören diesen empfindlich – es sei denn, Sie bewerben sich für den Job als bayerischer Ministerpräsident. Ansonsten lernen Sie das Skript besser auswendig – solange, bis Sie es flüssig und natürlich vortragen können. Zur Not nehmen Sie die Szene eben wieder und wieder auf. Und keine Bange: Mehr wie eine DIN-A4-Seite bekommt man in keinem Zweiminüter unter.
  5. Abbild. Sie denken eine Videobewerbung ist die digitale Doublette Ihrer Printbewerbung? Bloß nicht! Es ist die Essenz. Es ist ein Scheinwerfer auf Ihre Persönlichkeit. Ein Werbeclip für Ihre Stärken. Der Zuschauer soll Sie besser kennenlernen und zugleich neugierig auf sie werden, weil bewegte Bilder mehr sagen als Papier. Aber es darf niemals ein Déjà-vu ihrer Standardbewerbung hervorrufen.
  6. Ausdruck. Ich weiß, für Deutsche ist dies neu: Seriös und sympathisch sind keine Gegensätze! Sie wollen Enthusiasmus dokumentieren – dann zeigen Sie ihn. Lächeln Sie. Öffnen Sie auch mal den Mund. Nur weil Sie freundlich dreinschauen, wird man Sie nicht für einen Hallodri halten. Schließlich wollen Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden – mit bierernster Miene passiert das sicher seltener.
  7. Anfixen. In der Geschäftswelt ist die Formel längst ein geflügeltes Wort: KISS – Keep It Straight and Simple. Sie wollen den Personaler neugierig machen, ihn einladen, Sie persönlich kennenzulernen, seinen Appetit auf Sie wecken. Mehr aber auch nicht. Seien Sie also sparsam mit Informationen. Weniger ist mehr, und zuviel wirkt kontraproduktiv. Oder wie heißt es beim Fernsehen so schön: Und ist der Redakteur auch noch so fleißig, der Beitrag bleibt eins-dreißig.

LIEBE LESER: Zu diesem Beitrag gibt es übrigens ein PDF-Dokument, das Sie sich bequem herunterladen und ausdrucken können. Auch zu vergangenen Geschichten sind bereits PDF-Exzerpts erschienen, etwa zum Knigge-ABC für Geschäftsessen, zum Umgang mit den schwierigsten Bürotypen, eine Anleitung zum Gemeinsein sowie die 10 Tipps für besseres E-Mailen.