Ich bin dann mal auf der Arbeit… Ein Satz, der womöglich schon bald vom Aussterben bedroht ist. In nicht mal einer Dekade könnte die berechtigte Frage darauf schon lauten: Wo bist du?
Oder anders gefragt: Wie lange wird es klassische Büros überhaupt noch geben? Wie lange noch wird Anwesenheit ein Kriterium sein, um Leistung zu messen? Oder ein seriöser Ort, an dem der Arbeitnehmer schafft? Glaubt man einer repräsentativen Umfrage von Virgin Business Media, so glauben allein 58 Prozent der Briten, dass das Büro, so wie wir es heute kennen, spätestens im Jahr 2021 verschwunden sein wird.
Stattdessen sagen 62 Prozent, dass Sie in zehn Jahren nur noch ein Gerät (vermutlich ein Laptop mit Internetzugang) brauchen werden, um sowohl ihre Arbeit als auch ihr Privatleben zu organisieren. 83 Prozent finden schon jetzt, dass sie die Technik in den vergangenen Jahren immer produktiver gemacht hat.
Schon heute wünschen sich auch hierzulande immer mehr Arbeitnehmer flexiblere Arbeitszeiten – vor allem die Leistungsträger, so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Bain & Company. Danach möchten 94 Prozent der weiblichen und 78 Prozent der männlichen Spitzenkräfte zeitlich flexibler zu arbeiten.
Doch obwohl nur 60 Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeitmodelle anbieten, werden diese kaum genutzt: Nur knapp die Hälfte der Frauen (46 Prozent) und weniger als ein Drittel der Männer (25 Prozent) greifen auf entsprechende Angebote zurück. Hauptgrund: Sie fürchten das Karriere-Aus, weil umgekehrt als nicht belastbar oder engagiert genug gelten könnten. Eine Senior Bankerin sagte etwa, das Top-Management würde den Wunsch nach flexibler Arbeit als Schritt in Richtung Rente interpretieren. Ein jüngerer Studienteilnehmer wiederum fürchtete, die Kollegen könnten denken, er wolle sich vor der Arbeit drücken.
Da geht also noch was…
Vorher aber wüsste ich gerne von Ihnen: Was glauben Sie…







Anonym
Was heißt denn hier “Leistungsträger”? Ich kenn niemanden, der im Büro nichts leistet und jeder trägt etwas zum Erfolg bei. Solche Wörter, die zum defamieren erfunden wurden, sollten Sie nicht benutzen!
Jochen Mai
Ich schon.
M.A.
Interessant für mich das Ergebnis der Umfrage hier: gut ein Drittel für jede Option.
Dennis Stolze
Das Büro als solches wird, meiner Meinung nach, nie aussterben. Es wird in Zukunft noch viel mehr zu einem Zentrum der Interaktion und Kommunikation werden, denn v.a. das was man so schön als Wissensarbeit bezeichnet, basiert zu einem nicht unerheblichen Teil auf dem direkten Austausch von Menschen. Und viele Dinge lassen sich nun mal face-to-face besser vermitteln als über andere Medien. Hinzu kommt noch die soziale Komponente. Der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen, dass den Kontakt zu anderen benötigt.
Jochen Mai
Die soziale Komponente muss aber nicht zwangsläufig eine 5-Tage-Bürowoche zur Folge haben. Da reichen auch zwei Präsenztage alle zwei Wochen, flankiert durch Skype und andere technische Losungen. Und wer sagt denn, dass man allein sein muss, wenn man beispielsweise in einem Café arbeitet…
Christian F.
Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Dienste wie Skype oder google+ Hangout, gepaart mit TeamViewer oder VNC, mit der Zeit die physische Präsenz im Büro verdrängen könnten. Wie sich das nun auf die Arbeit auswirkt bleibt abzuwarten.
Manuela
Es ist nett zu lesen, dass es durchaus Berufe gibt, die einen technisch so geringen Umfang haben, dass ein Notebook und diverse Kommunikationsmittel (Skype etc.) ausreichen. Für meinen Teil muss ich leider sagen, dass es durchaus sehr oft ein weitaus größeres Equipment benötigt und man „mal nicht eben” im Cafè arbeiten kann. Ein Kundentreffen oder eine kurzes Briefing mit Kollegen ist sicherlich im Cafè „ganz nett” und unbefangen, aber für die Arbeit benötigen viele Berufe immernoch Büros. Zumal ein persönlicher Ansprechpunkt – ein Anker – förderlich für Kundenbindung und ein kommunikatives Zusammenarbeiten mit Kollegen/Leitung ist. Ich denke, dass Büros nicht wirklich komplett aussterben werden (können).
Jochen Mai
Kannst du mal ein Beispiel für eine Tätigkeit nennen, die ganz dringend und dauerhaft ein Büro benötigt?
Manuela
In der Werbung z.B., der Grafiker, der Artdirector und andere gestalterisch tätige Personen, die kaum ohne eine zum Teil großflächige Umgebung mit diversen Hilfsmitteln (Board, mehrere Tische zum Gestalten und Präsentieren, Beamer etc.) auskommen. Textildesigner z.B. arbeiten auch nicht ausschließlich am Computer, sondern sogar häufiger mit „fassbaren” Stoffen und Modellen (Kleidungsstücke) usw. Wie sieht es aus mit der Buchhaltung? Die im Cafè? Ich bin durchas für den technischen Fortschritt und arbeite zu 95% online, aber ganz ohne „Raum” kann ich es mir nicht vorstellen. Projekte ausarbeiten, Präsentationen vorbereiten, Konzepte erstellen … das braucht ein bestimmtes Maß an Ruhe und auch Zurückgezogenheit. Bestimmt so manches Mal „outdoor” machbar, aber nicht am meisten. Aber das ist nur meine Meinung. Und ein Teil meiner Erfahrung.
Jochen Mai
Mal ganz ketzerisch: Ich kenne zig Grafikdesigner, die frei und im Homeoffice oder in Coworking-Spaces arbeiten, teils zum Beispiel in New York – und arbeiten trotzdem für die Wiwo, die in Düsseldorf sitzt. Ich habe mal ein Sonderheft produziert mit einem Art Director, der als Argentinier in London arbeitet und wohnt. Er kam nur für die letzten vier Produktionstage in die Redaktion. Für den Feinschliff und für Notfälle.
Designer können sich ebenfalls ein Atelier daheim einrichten, Fotografen mieten Studios, Models kommen dorthin, wohin man sie hinbestellt… Der Buchhalter ist der Letzte, der ein Büro braucht. Excel-Tabellen lassen sich perfekt digitalisieren und sogar in der Cloud bearbeiten. Es gibt bereits Unternehmen, die ihre Buchhaltung an externe Dienstleister ausgelagert haben. Also keine Festangestellten dazu haben. Von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt zum “Homeoffice” – als Synonym für einen Arbeitsort, den der einzelne Dienstleister selber wählt.
Das Café ist ja nur ein alternativer Raum. Ebenso geht die Couch daheim oder die Liege am Strand…
Manuela
Offensichtlich habe ich den Artikel und die Frage falsch interpetiert. Ich bin davon ausgegangen, dass mit Büro auch das Home Office gemeint ist, da für mich in der Bezeichnung das Wort Büro beinhaltet ist. Mein Home Office ist definitv mein Büro und darauf kann ich auf gar keinen Fall verzichten.
Natürlich stimme ich Ihnen Ausführungen zu, diese Art zu arbeiten ist jedoch nicht neu sondern wird schon seit Jahren praktiziert. Wobei ich mal behaupten mag, dass mein Buchhalter mehr zu tun hat, als „Zahlen in Excel herumzuschubsen”, auch wenn Elster und Co. prima online funktionieren, benötigt werden einfach mehr Plattform unabhängige Software oder Applikationen. Adobe & Co oder auch Google heute schon) entwickeln eben dieses, dann wird es auch keine Software geben, die man auf einem Rechner installiert/installieren muss, sondern nur noch in der Cloud arbeitet. Sinnvoll, aber noch nicht überall einsetzbar. Wobei ich dennoch ein wenig ängstlich bin, wenn den plötzlich mal ein Server abstürzt oder schlichtweg kaputt geht, dann sind meine Daten weg.
Für mich war Cafè auch nur ein Synonym …
Sebastian Brinkmann
Skype, Dropbox und Co sind sicher fein – aber ohne Präsenz vor Ort geht es aus meiner Sicht nicht. Ich glaube aber, dass wir nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren werden. Dann trifft man sich halt ein oder zweimal die Woche mit den Kollegen und arbeitet sonst konzentriert zu Hause.
Und, auch wenn es altmodisch klingt: Manche Leute brauchen ein Büro, um Arbeiten zu können. Sie brauchen einfach die Räumlichkeit, eine klare Trennung von Privat und Beruf und eine gewisse Verpflichtung zum Arbeiten.