Ob Jobeinstieg oder beruflicher Wechsel – die Grundregeln eines gelungenen Auftritts sollte jeder kennen. Denn der erste Eindruck zählt – für Sie! So überleben Sie die ersten Monate im neuen Job unbeschadet:

Auf Fallen

Beruflich sind sie zwar der totale Überflieger – nur hat das bisher noch keiner gemerkt. Dann sollte man mit seinem Wissen und Können trotzdem oder gerade erst recht anfangs am Boden bleiben. Logisch, wer sich erst noch einarbeiten muss, kann in Diskussionen noch wenig beitragen. Sollte er auch nicht. Eiferern spricht man gerne das Gremium-Gefühl ab. Bevor Sie sich also in eine Debatte einklinken, sichern Sie Ihre Vorschläge durch Rückfragen ab. Newcomer brauchen den Respekt und die Akzeptanz ihrer Kollegen. Wer sich und seine Ideen präsentiert, sollte deshalb stets das Miteinander in den Vordergrund stellen und ebenso deutlich Kritik-Bereitschaft erkennen lassen.

Auf Druck

Okay, als Neuer sind Sie nicht automatisch Everybody’s Darling. Im Gegenteil: Vielleicht hat der Boss gerade Sie geholt, um wieder Schwung in die Bude zu bringen. Oder Sie werden einem anderen Mitarbeiter vor die Nase gesetzt, der selbst gerne auf Ihrem Sessel Platz genommen hätte. Statt prima Klima herrscht dann dicke Luft im Büro: Die Kollegen lassen Sie auflaufen, Informationen werden zurückgehalten, zwischen Ihren Beinen wirbeln die Knüppel. Da hilft nur noch eins: ein offenes Wort. Das heißt: Nicht hintenherum beim Chef petzen gehen, sondern offen die Situation schildern und um eine Aussprache mit den Betroffenen bitten. Motto: Knallhart aber herzlich.

Auf Takt

Die sprichwörtliche Pünktlichkeit gilt nicht nur für Maurer. Klären Sie schon vor dem ersten Arbeitstag, wann Sie erscheinen sollen. Erkunden Sie den besten Anfahrtsweg sowie wo eventuelle Staugefahren lauern. Wer immer wieder zu spät auf der Matte steht, gilt schnell als Schnarchnase und verkürzt damit garantiert sein Engagement. Klären Sie ebenfalls rechtzeitig die Kleiderordnung Ihres neuen Arbeitgebers. Bei konservativen Unternehmen machen sie im dunkelgrauen Anzug immer eine gute Figur. Die Ärmel hochkrempeln, können Sie später immer noch. Und in Zeiten des Leerlaufs: Bloß keine Däumchen drehen! Womöglich ist dies ein Test. Zeigen Sie vielmehr Interesse und bieten Sie Ihre Hilfe an wo es geht. Wer anderen zuarbeitet, sammelt wichtige Pluspunkte, gilt als kollegial und bekommt später selber Hilfe. Und wer braucht die am Anfang nicht? Ansonsten halten Sie sich an folgende Strategie: zuhören, beobachten, Prospektmaterial studieren, Ideen notieren.

Auf Merksam

Namen sind für Sie kein Problem? Ihr Spitzname ist Telefonbuch? Klasse, nächster Punkt! Andernfalls haben Sie wahrscheinlich bald ein Problem: Lauter neue Kollegen – und alle heißen Herr oder Frau Wiewardochgleichihrname. Peinlich. Deshalb: Machen Sie sich gleich am ersten Tag Notizen und legen sie sich eine kleine Kollegen-Kartei an. Am besten mit Name, Funktion, Durchwahl. Später können Sie dann private Daten ergänzen, wie etwa Geburtstag oder Hobbys, Namen der Kinder. Das hilft nicht nur, geeignete Ansprechpartner zu finden, sondern auch ein lockeres Flurgespräch anzuzetteln.

Auf Treten

Ein gelungener Auftritt ist mehr als Optik. Die Faustregel lautet: Behandeln Sie alle zuvorkommend und höflich. Vor allem Sekretärinnen! Die versierten Bürokräfte geben nicht nur nützliche Tipps zu Materialbeschaffung oder Betriebsabläufen – sie kennen oft auch die ungeschriebenen Unternehmensgesetze und nennen auf Anfrage Stolperfallen . Vor allem aber sollte Ihr erster Auftritt bescheiden bleiben. Gerade Neuen gegenüber sind Mitarbeiter besonders kritisch. Beim Betreten eines fremden Büros gilt daher generell: anklopfen! Und auf Einladungen zum Mittagessen reagieren Sie stets freundlich – und dankbar.

Auf Ruhr

Kritik hat etwas positives. Das wußte man schon im Mittelalter. Spielerisch, witzig und zuweilen mit einem Schuß Ironie durfte der Hofnarr dem König mitteilen, was das Volk tatsächlich über ihn dachte. Ein undankbarer Job blieb’s trotzdem: Beherrschte der Narr nicht die Regeln dieser hohen Kunst, rollte nicht selten ein Kopf – sein eigener. Der Narr hat zwar nicht überlebt; das Problem schon: Es mag ja sein, daß die Kollegen mit Betriebsblindheit geschlagen sind, sich Altakten sinnlos stapeln und die Lamentis jedem vernunftbegabtem Menschen Pickel ins Gesicht treiben. Doch gerade für Newcomer gilt: Zähne zeigen durch Lächeln. Mit Kritik und Verbesserungsvorschlägen sollte man mindestens vier bis sechs Wochen hinterm Berg halten und auch danach noch recht sparsam damit umgehen. Wer außerdem nicht lange diskutiert, wenn man ihm sagt, „am besten machen Sie das so und so“, kriegt eine Taktikmedaille. Schließlich sollten Sie vor jeder Kritik erst einmal ausloten, wie festgefahren die internen Strukturen sind; wem Sie etwas sagen können und wie offen man tatsächlich für Ihre Vorschläge ist. Die beste Strategie: Überzeugen Sie durch fachliche Leistungen –nicht durch Besserwisserei. Wer weiß: Das von Ihnen kritisierte Ablagesystem ist vielleicht die jüngste Ausgeburt Ihres Chefs!

Auf Richten

Klatsch ist eine der festesten Verbindungen zwischen zwei losen Zungen. Bevor Sie sich jedoch ein endgültiges Urteil über die Kollegen bilden, lassen Sie ruhig ein paar Tage und Wochen ins Land gehen. Es dauert einige Zeit, bis Sie sich durch das kollegiale Beziehungsgestrüpp geackert haben und es entwirren können. Erst recht, wenn achso nette Mitarbeiter dem Frischling helfen wollen, zwischen den Guten und Bösen zu unterscheiden, Motto: „Passen Sie bloß auf, die Meier hat was mit dem Chef.“ Oder: „Der Müller ist ein ekliger Schleimer.“ Kann stimmen – muss aber nicht. Wer mitlästert, begibt sich in jedem Fall auf dünnes Eis. Und das kann schneller einbrechen als einem lieb ist. Newcomer sollten deshalb immer neutral bleiben. Zumindest solange, bis sie über die interne Hackordnung und Rollenverteilung Bescheid wissen.

Auf Verdacht

Jedesmal, wenn Sie das Büro betreten herrscht das Schweigen im Walde. Ihre Vorschläge nimmt neuerdings keiner mehr zur Kenntnis und in der Kantine schauen Sie nur noch die Augen in der Suppe an. Klarer Fall, Ihr Stern droht zu sinken! Ein Fehler wäre es jetzt, mit scharfen Zähnen zu kontern. Besser: Stärke und Humor zeigen. Nicht jeder Scherz, der auf Ihre Kosten geht, muss Mobbing sein. Vielleicht stecken dahinter bloß die Relikte eines branchenüblichen Rituals – eine Art Aufnahmetest mit anschließendem Ritterschlag. Gehen Sie also zunächst von etwas Positivem aus. Das gibt Ihnen obendrein Selbstvertrauen. Und bei Dauerzweifeln ist der Chef die erste Adresse. Jeweils nach dem ersten und zweiten Drittel der Probezeit darf man die Chefetage zum Rapport bitten: Wie sind Sie mit mir zufrieden? Was kann ich noch besser machen? Nur bitte niemals jammern! Wer gibt schon gerne mehrere tausend Mark im Jahr für einen Waschlappen aus?

Neben berechtigter Kritik kommt es bei diesem Diskurs jedoch auch mal zu einem kräftigen Anschiss. Bevor Sie darüber ausrasten, bitten Sie Ihr Ego lieber zum Brainfloating auf die Couch: Was berechtigt war sollten Sie ändern – den Rest vergessen. Es sei denn, der Chefanfall kommt als persönliche Beleidigung daher. Dann gilt: In Ton und Gestik freundlich aber bestimmt zurückweisen!