Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal einen durchgekauten Kaugummi auf die Straße gespuckt, ein Stück Verpackung achtlos weggeworfen oder den Hund sein Geschäft auf dem Bürgersteig verrichten lassen? Tststs… Aber Sie wären damit keine Ausnahme, wie zahllose Trottoirs beweisen. Viele Menschen machen das. Die einen, weil sie wirklich rücksichtslos und manierenlos sind. Die anderen aus Faulheit oder Gedankenlosigkeit. So oder so: Am Ende ärgern wir uns trotzdem alle über eine zunehmend zugemüllte Umwelt und den Mist unter der Schuhsohle.

Immer wieder haben sich Wissenschaftler mit der Frage beschäftigt, was Menschen dazu bringt, nun ja, bessere Menschen zu werden. Zumindest aber solche, die sich sozialer benehmen. Die Fun-Theorie (siehe Video unten) ist eine davon, wenngleich auch keine richtig wissenschaftliche. Eine andere Erklärung ist, das Gefühl beobachtet zu werden.

Schon der US-Präsident Thomas Jefferson ermahnte seine Landsleute seinerzeit: “Was immer du tust, handle so, als würde die Welt dir dabei zusehen.” Und tatsächlich zeigen einige Forschungsergebnisse, dass dazu weit weniger als ein paar Milliarden Zuschauer nötig sind. Genau genommen muss nicht mal ein Mensch einem dabei zusehen. Es reicht schon die Illusion von ein paar menschlichen Augenpaaren.

Melissa Bateson und Daniel Nettle vom Center for Behavior and Evolution an der Newcastle-Universität haben damit ein wenig experimentiert (PDF) und in ihrer Hochschule 32 Tage lang ein paar Poster mit starrenden Augenpaaren (auf Augenhöhe) aufgehangen. Anschließend beobachteten sie die Studenten in ihrem Sozialverhalten – etwa in der Mensa. Und wirklich: Während der Testphase räumten die Studenten doppelt so oft ihre Teller weg und säuberten beim Verlassen ihre Tische als sonst.

Schon in den Siebzigerjahren konnte Robyn Dawes zeigen, dass die Leute Sozialprobleme besser lösen, wenn andere Menschen im Raum sind. Im Raum – nicht mitdiskutieren!

Warum Augen solche Wirkung haben?

Das ist eine gute Frage. Und so ganz klar ist das auch noch nicht erforscht. Es scheint aber wohl eine Art evolutionäres Urprogramm zu sein, auf Blicke besonders stark zu reagieren. Letztlich mussten Menschen schon immer binnen weniger Sekunden entscheiden können, ob ihnen ihr Gegenüber freundlich oder feindlich gesonnen ist. Und allein das Gefühl, beobachtet zu werden, scheint diverse Impulse auszulösen. Ein Trick, den sich etwa Supermärkte zunutze machen könnten, indem Sie Doppelkameras installieren, die wie zwinkernde Augenpaare aussehen, um so Ladendiebstähle zu reduzieren. Oder eben indem Sie Poster aufhängen, mit Gesichtern, die einen anschauen, Motto: Big brother is watching you!

Ob das auch bei der Arbeit hilft, können Sie ja gleich mal ausprobieren…
Und das Ergebnis hier berichten…