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4 von Jochen Mai am 22. September 2008 → Artikel in Psychologie
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Augenblick mal – Die Kraft des Augenspiels

BlinkEine Dittelsekunde. Länger dauert der menschliche Lidschlag nicht. Alle 20 bis 30 Sekunden blinzeln unsere Augen, um Tränenflüssigkeit auf dem Auge zu verteilen und Schmutz wegzuwischen. Es ist ein körperlicher Reflex, dem man kaum Beachtung schenkt. Zu unrecht.

Körpersprache, Gestik und Mimik beschäftigen Psychologen seit Jahrzehnten. Dass sie unmittelbarer wirken als Worte, gilt als gesichert. Die Sprache der Augen kommt aber oft zu kurz, dabei ist sie ein Spiegel der Seele und verleiht dem Schau-Spieler große Wirkung. Wer redet, blinzelt häufiger als einer, der schweigt. Ist das umgekehrt, kann man davon ausgehen, dass sich der Zuhörer langweilt. Häufiges Augenklimpern wiederum, wie es Frauen gerne anwenden, wenn sie einem Mann Interesse signalisieren, ist in Wahrheit eine Unterwürfigkeitsgeste. Der starre, intensive Blick dagegen wird als Zeichen von Stärke und Charisma gewertet. Der Schauspieler Michael Caine soll jahrelang geübt haben, um bei Naheinstellungen kaum zu blinzeln.

Auch die Größe der Augen sagt viel über das gegenseitige Interesse. Der Volksmund spricht davon, dem anderen schöne Augen zu machen und beschreibt damit, dass sich die Pupillen weiten und die Augenlider heben, wenn man andere sympathisch findet. Dieses Vergrößern des Augenfeldes wird als brow-flash-response bezeichnet und ist eine Sympathiegeste, die der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibelsfeldt international nachweisen konnte. Große Augen strahlen Ruhe aus, verbreiten eine angenehme Atmosphäre – nicht nur unter Freunden oder beim Flirten. Gezielt eingesetzt, kann man so etwa die Aufmerksamkeit für seinen Vortrag erhöhen und kommt bei den Zuhörern besser an. Fernsehmoderatoren machen das ständig. Groucho Marx klebte sich sogar extra buschige Augenbrauen an, damit seine Augen größer wirkten ¬– komischer war das freilich ebenfalls.

Sein Gegenüber visuell zu fixieren, kann einschüchtern. Der prüfende Blick verunsichert. Entsprechend spielen viele Geschäftsleute beim Erstkontakt eine Art Augenmikado: Wer zuerst wegsieht, hat verloren. Danach ist klar, wer die schwächeren Nerven (oder etwas zu verbergen) hat. Dass die wenigsten Menschen einem längeren Augenblick standhalten, zeigt auch das Experiment, von dem Professor Donald Elman von der Kent State Universität 1977 berichtete: Forscher stellten sich an eine Ampelkreuzung und starrten Autofahrer bei Rot intensiv an. Ihre anschließenden Messungen ergaben: Die Begafften gaben bei Grün deutlich schneller Gas. Allerdings: Augen sind nicht alles. Lächeln konnte in beiden Versuchen den Fluchtreflex neutralisieren.



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1. Kommentar

Tinkerbell
22.09.08 um 09:05 Uhr

Ein Bekannter der bei der Polizei arbeitet hat mir einmal erzählt wie man seinem Gegenüber das Gefühl vermittel ihm direkt in die Augen zu schauen ohne immer zwischen den beiden Augen hin und her zu blinzeln: man soll genau zwischen die beiden Augen schauen, praktisch auf die Nasenwurzel. Das wirkt für den “Angeschauten” so als würde man ihm direkt in die Augen schauen. Auch sehr spannend :-)

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