Wer sich die Trendlisten diverser Blogger und Internet-Evangelisten für das Jahr 2010 angesehen hat, wird immer wieder über einen Begriff gestolpert sein: Augmented Reality (zu deutsch: erweiterte Realität). Schon jetzt ist es eines der Top Buzzwords im Netz, 2010 erlebt die Anwendung jedoch ihren großen Durchbruch und wird die Welt verändern, wie wir sie kennen. Davon bin ich überzeugt.

Augmented Reality geht einher mit dem Boom des mobilen Internets, ist darauf aber freilich nicht beschränkt. Vor einiger Zeit erst experimentierte die US-Zeitschrift Esquire mit einem Augmented-Reality-Cover (siehe Video oben). Wer das Titelbild in seine Computerkamera hielt, wurde so automatisch zu einem Video gelotst und bekam weitere Informationen zur Story geliefert. Zugegeben, das war zunächst nur ein aufmerksamkeitssteigerndes Gimmick. Gleichzeitig zeigt das Beispiel aber plastisch, wie Produzenten von einerseits beschränkten Medien, diese um eine Vielzahl von Angeboten und multimedialen Informationen erweitern können.

Sicher, bisher beschränkt sich Augmented Reality überwiegend auf Spielereien, ein paar iPhone-Apps, wie Layar oder Wikitude. Sobald die Technik dahinter aber ausgereift, die Anwendungen massentauglich und auch genauso weit verbreitet sein werden, wird sich die Art wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, wie wir Informationen sammeln und verbreiten, wie wir Kontakte knüpfen, uns verabreden oder Beziehungen pflegen, ja selbst wie wir einkaufen und Geschäfte machen dramatisch verändern. Teilweise lässt sich das schon jetzt eindrucksvoll ausprobieren und so einen ersten Vorgeschmack auf unser künftig erweiterte Realität bekommen. Dabei geht es dann etwa um:

  • Freundschaften. Sie sitzen in einem Straßencafé, vielleicht sogar in einer fremden Stadt. So alleine macht das aber keinen Spaß. Also schalten Sie Ihre Handykamera an und scannen damit die Umgebung einmal rundum ab. Apps wie Layar zeigen Ihnen dann zum Beispiel schon jetzt an, welche Twitterer in der Nähe sind oder wo sie ins Kino gehen können, wo es Partys oder andere Events um sie herum gibt (samt Entfernung in Metern). Schon bald wird es Apps geben, bei denen man sich gezielt seine persönlichen Facebook-, Xing- oder Twitter(listen)-Freunde oder Kontakte aus dem iPhone in der Nähe anzeigen lassen und sich prompt mit nur einem Klick verabreden kann.
  • Lernen. Egal, wo sie sind – ob im Urlaub, beim Bummel durch Museen, Städte oder beim Kraxeln über Berge -, überall können Sie mit einem Blick durch Ihre Handykamera Informationen dazu abrufen und etwas über den Ort, das ausgestellt Kunstwerk oder die Historie lernen. Die iPhone-App Wikitude kann das zum Teil schon heute recht gut. Aber auch Google’s Street View könnte sich schon bald sehr schnell in diese Richtung entwickeln.
  • Wohnungssuche. Sie gehen mit Ihrem Handy durch die Straßen spazieren, vorbei an jenen Häuserzeilen, in denen Sie gerne wohnen würden und halten mit der Kamera auf die Fassaden. Wieder zeigt ihnen ein Augmented-Reality-Programm (die Mietwohnungssuche ist zum Beispiel in Ansätzen in Layar vorhanden) an, welche Wohnung frei steht, wie groß sie ist und was sie kostet. Sie können sich per Bildschirmdruck Bilder von den Räumen herunterladen und direkt den Vermieter oder Verkäufer kontaktieren.
  • Einkaufen. Es hört sich (noch) wie Zukunftsmusik an, aber schon jetzt arbeiten Unternehmen daran, etwa über LEDs in Kontaktlinsen, Daten und Bilder zu übertragen. Ein Blick auf den Kühlschrank zum Beispiel würde dann genügen, und wir wüssten, ob die Milch alle ist – ohne den Schrank zu öffnen. Oder Sie gehen einkaufen, schauen über die Produkte in den Regalen und sehen sofort halbdurchsichtig im Raum Informationen über Inhaltsstoffe, Sonderangebote oder Verfallsdaten.
  • Werbung. Sie haben es im Fall von Esquire gesehen. Und das war erst ein zarter Anfang. Schon bald werden Werbeagenturen mit Augmented Reality experimentieren. Werbeplakate werden solche Zusatzinformationen und Bildercodes enthalten, ebenso Printanzeigen sowie Banner in Fußballstadien oder subtile Werbeflächen in Computerspielen. Ein kurzer Schwenk mit dem Handy darauf genügt – und es tut sich eine völlig neue, animierte Welt in Bild und Ton auf.

Kurzum: Augemented Reality wird hunderte von Geschäftsmodellen und auch ganze Branchen neu definieren. Davon betroffen sein wird die Bildungsbranche ebenso wie die Medizinbranche, die Werbeindustrie genauso wie journalistischen Medien, das produzierende Gewerbe ebenso wie die Pornoindustrie oder die Transportbranche. Welche denkbaren Optionen bereits existieren oder schon weiterentwickelt werden, kann man lange beschreiben – oder (und das ist das großartige am Internet) schon jetzt ansehen. Statt vieler Worte deshalb fünf Beispiele aus der Praxis:

Augmented Reality in der Modeindustrie im Modehandel:

Was BMW in Sachen Augemented Reality visioniert

Wie Marketing und Verkauf Augmented Reality einsetzen können

So könnte der künftige IKEA-Katalog aussehen

Neue Spiele mit Augmented Reality

Aus dem spielverrückten Japan kommt dieses schräge Video (mit größtenteils nervigem Sound und sexistischer Handlung). Es zeigt aber, welche Möglichkeiten für völlig neue 3D-Computerspiele in der Anwendung von Augmented Reality stecken: