In der Stadt Wu kam ein Schüler enttäuscht zu seinem Meister zurück. Er hatte erfolglos versucht, Orangen auf dem Markt zu verkaufen und wetterte nun zornig gegen die Menschen, die seine Orangen nicht kaufen wollten, egal wie sehr er sie anpries. Da schüttelte der Meister seinen Kopf und strich sich durch seinen langen weißen Bart: „Es liegt vielleicht an Dir und nicht an den Orangen!“ „Niemals, Meister“, beschwerte sich der Junge. Da nahm der Meister eine Orange und fragte seinen Schüler: „Wenn ich diese Orange nun auspresse, was kommt dabei heraus?“ „Natürlich Orangensaft, Meister“, antwortete der Junge. „Richtig“, sagte der Meister. „Und wenn ich mit einem Holzbalken darauf schlage, was kommt dann heraus?“ „Immer noch Orangensaft, Meister!“, entgegnete sein Schüler. „Du sagst die Wahrheit“, sagte der Meister und fragte ein drittes Mal: „Wenn nun aber ein Maulesel darauf tritt, was wird dann herauskommen?“ Da knurrte der Schüler: „Meister, warum fragt ihr mich das? Es wird natürlich auch dieses Mal Orangensaft herauskommen. Es kommt immer Orangensaft heraus.“ „Du bist weise, mein Schüler“, antworte da der Meister mit ruhiger Stimme. „Die Orange antwortet immer mit dem, was in ihr drin ist – ganz gleich, was ihr zugefügt wird. So ist es auch mit den Menschen: Setze Sie unter Druck und sieh, was dabei herauskommt. Reagieren sie mit Hass, Zorn und Neid, so ist es das, was in ihnen steckt.“

[Chinesische Erzählung, Quelle unbekannt]