Ausgrenzung am Arbeitsplatz: Was jetzt zu tun ist
Ihre Mittagspausen verbringen Sie alleine. Niemand fragt Sie, ob Sie mitkommen wollen. Treffen Sie Kollegen in der Kaffeeküche, werden Sie nie in das Gespräch integriert. Und nach dem Wochenende unterhalten sich die Kollegen über den Feierabendumtrunk. Sie wussten natürlich nichts von dem lockeren Treffen - Sie wurden nie eingeladen. Ist das schon Mobbing? Es könnten erste Warnzeichen dafür sein, oft aber stecken andere Gründe hinter der Ausgrenzung. Manchmal liegen einige der Grüde sogar bei einem selbst, was aber auch bedeutet, dass man etwas dagegen tun kann...

Ist Ausgrenzung schon Mobbing?

KieferPix/shutterstock.comEs ist schwierig, die Grenze zwischen Ausgrenzung und Mobbing zu ziehen. In der Regel wird unter Letzerem erst das systematische Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte beziehungsweise Arbeitgeber verstanden. Es sind also Verhaltensweisen, die in ihrer Gesamtheit die Persönlichkeit und die Würde des Betroffenen verletzen.

  • Werden Sie von Ihren Kollegen regelmäßig und in böswilliger Absicht ausgegrenzt?
  • Werden Ihnen wichtige Informationen vorenthalten?
  • Werden Sie nicht nur ausgegrenzt, sondern regelrecht schikaniert?

Das könnten das Anzeichen für Mobbing sein. Andernfalls bleibt es zwar unschön, kann aber auch eine soziale Reaktion sein. Hier gilt es zunächst Ursachenforschung zu betreiben.

Mögliche Gründe für die Ausgrenzung

Oft verstehen Menschen, die sich in einer solchen Situation befinden, die Welt nicht mehr. Im privaten Umfeld werden Sie geschätzt und erfreuen sich einiger guter Freunde. Nur auf der Arbeit will es nicht laufen: Sie finden keinen Anschluss. Die Kollegen scheinen ihnen gegenüber distanziert und abweisend.

Welche Gründe hinter dem Verhalten Ihrer Kollegen stehen können:

  • Sie sind neidisch auf Ihre Leistungen. Ihre Kollegen sind Ihnen gegenüber misstrauisch, weil Sie scheinbar perfekt sind und keine Fehler machen. Sie haben Erfolg und der scheint Ihnen zuzufliegen. Aus Sicht Ihrer Kollegen müssen Sie nun von Ihrem hohen Ross herunter geholt werden.
  • Sie haben ein gutes Verhältnis zum Chef. Ihr Chef mag Sie und das merken auch Ihre Kollegen. Vielleicht haben Sie und Ihr Chef gemeinsame Freunde oder Ihr Vater und Ihr Chef kennen sich aus Studienzeiten. Insgeheim sind Sie als Liebling des Chefs abgestempelt und ausgegrenzt. Man distanziert sich von Ihnen, weil man fürchtet, Sie könnten vertrauliche Informationen an den Chef weitergeben.
  • Sie haben sich mit Ihrem Verhalten unbeliebt gemacht. Als Sie neu ins Team gekommen sind, haben die Kollegen Sie als arrogant oder besserwisserisch wahrgenommen. Das kam natürlich schlecht an und Sie wurden nie integriert.
  • Sie leben in anderen Lebensumständen. Ihre Kollegen distanzieren sich von Ihnen, weil Sie den Eindruck haben, nichts mit Ihnen gemeinsam zu haben. Beispielsweise sind Sie die einzige verheiratete Frau mit Kindern. All Ihre Kolleginnen sind noch Singles und gehen Freitagabend gerne feiern, während Sie früh das Büro verlassen, um noch Zeit mit Ihren Kindern zu verbringen.

Womit Sie sich selbst im Weg stehen

Mit zurückhaltendem und passivem Verhalten stellen Sie sich zusätzlich ins Abseits. Klar, könnten die Kollegen auf einen zukommen und einen zum Mittagessen einladen. Das passiert allerdings selten. Für diese Persönlichkeiten ist es in der Regel schwieriger Anschluss zu finden:

  • Schüchterne Personen

    Sie denken viel darüber nach, was andere Personen von Ihnen halten und machen sich Sorgen, abgelehnt zu werden. Es fällt Ihnen schwer Ihre Kollegen anzusprechen und spontan einfach auf einen Kaffee oder zum Mittagessen einzuladen. Es ist Ihnen peinlich im Mittelpunkt zu stehen. Sie sind nicht der Typ Mensch, der mit seinen Erfolgen hausieren geht. Häufig könnten Sie etwas zu laufenden Gesprächen beitragen, trauen sich jedoch nicht, sich zu Wort zu melden.

    Ihre Kollegen könnten Ihre Schüchternheit fälschlicherweise als Arroganz deuten. Schüchterne Menschen werden auch gerne übersehen oder vergessen. Das muss nicht einmal böse Absicht sein. Wer sich nicht bemerkbar macht und im Gedächtnis bleibt, den vergisst man schnell auf den Einladungsverteiler für den Feierabendumtrunk zu setzen.

  • Eigenbrötlerische Personen

    Sie sind sich selbst genug und genießen das alleine sein und die Stille. Eigentlich macht es Ihnen nichts aus in der Mittagspause alleine zu essen und ein gutes Buch zu lesen oder Musik zu hören. Sie pflegen vielleicht eigenwillige Schrullen und wollen sich der Masse gar nicht anpassen. Die Gespräche Ihrer Kollegen erscheinen Ihnen zu flach und Sie finden keine gemeinsamen Interessen.

    Ihre Kollegen verstehen Sie nicht und finden Ihr Verhalten seltsam. Sie unterstellen Ihnen Desinteresse an sozialer Interaktion. In Ihrem Verhalten sehen Ihre Kollegen ein Zeichen dafür, dass Sie sich für etwas besseres halten. Das wird als Affront empfunden und man distanziert sich von Ihnen.

Wie Sie sich jetzt nicht verhalten sollten

Der falsche Weg ist es, sich mit dieser Situation abzufinden. Nach dem Motto: Wenn die nicht wollen, ihr Pech versuchen Sie gar nicht mehr mit Ihren Kollegen in Kontakt zu treten. Sie vergraben sich immer tiefer in die Einsamkeit und bleiben für sich.

Wieso sollten Sie sich nicht mit der Situation abfinden? Sie haben doch ein intaktes Privatleben. Das Problem an dieser Einstellung ist, dass soziale Interaktion auch den Informationsfluss mit Ihren Kollegen sicher stellt. Irgendwann vergisst man nicht nur Sie zum Mittagessen einzuladen, sondern auch Sie darüber zu informieren, dass der Ansprechpartner beim Kunden gewechselt hat. Dann mangelt es Ihnen an wichtigen Informationen und Sie machen Fehler - die auf Sie zurückfallen.

Doch genauso falsch, wie sich mit der Situation abzufinden, ist blinder Aktionismus. In Ihrem Wunsch wieder Anschluss zu finden, gehen Sie auf die Kollegen zu und fordern zum Mittagessen oder auf ein Feierabendbier mitzukommen. Damit drängen Sie sich Ihren Kollegen auf. Das hat Auswirkungen auf die Stimmung. Beide Seiten werden sich unwohl fühlen. Beginnen Sie lieber Schritt für Schritt mit der Annäherung.

Was jetzt zu tun ist

Goran Bogicevic/shutterstock.comIhre Situation lässt sich nicht von jetzt auf gleich ändern. Es wird ein langwieriger und schwieriger Prozess wieder Anschluss zu finden. Sie sollten sich vor allem ein dickes Fell zulegen, denn höchst wahrscheinlich werden Sie einige Male zurückgewiesen, bevor es klappt, Kontakt zu Ihren Kollegen aufzubauen. Davon sollten Sie sich jedoch nicht entmutigen, denn ein gutes Verhältnis zu den Kollegen ist ein entscheidender Faktor für die Zufriedenheit im Job.

Was auf dem Weg zu tun ist:

  • Hinterfragen Sie Ihr Verhalten

    Überlegen Sie, seit wann Ihre Kollegen sich so abweisend verhalten. Gibt es einen konkreten Auslöser? Fragen Sie sich auch, wie Sie auf die Zurückweisung reagieren: Sind Sie wütend oder gleichgültig? Diese Fragen dienen dazu herauszufinden, wo Sie im Job stehen und was mögliche Gründe für das Verhalten Ihrer Kollegen sind.

  • Holen Sie Feedback ein

    Sprechen Sie mit vertrauten Personen aus Ihrem privaten Umfeld. Schildern Sie dieser Person Ihre Lage und bitten Sie um eine Einschätzung. Verhalten Sie sich auf der Arbeit und im Privatleben gleich oder ganz anders? Würde Ihre Vertrauensperson Sie als schüchtern oder eigenbrötlerisch beschreiben? In diesem Gespräch sollte es darum gehen, herauszufinden, ob es eine Diskrepanz zwischen Arbeits- und Privatleben gibt. Es hilft dabei festzustellen, welches Verhalten Ihre Kollegen aktuell missinterpretieren. Zusätzlich bekommen Sie Bestätigung von Ihrer Vertrauensperson. Es tut gut zu hören, dass Sie ein guter Freund oder Partner sind.

  • Sprechen Sie mit einer neutralen Person am Arbeitsplatz

    Holen Sie sich beispielsweise Rat beim Betriebsarzt. Sprechen Sie mit diesem über die Situation im Team. Erarbeiten Sie gemeinsam, was Sie tun könnten und was erste Schritte sind. Sollte es aus Ihrer Sicht keine neutrale Person am Arbeitsplatz geben, suchen Sie sich einen externen Berater. Eine erste Anlaufstelle könnte der Hausarzt sein, der Ihnen beispielsweise ein psychologisches Beratungsangebot empfehlen kann.

  • Leisten Sie dennoch gute Arbeit

    Sie leiden unter der Situation im Job. Doch lassen Sie nicht zu, dass deswegen Ihre Leistung am Arbeitsplatz abfällt. Machen Sie Fehler oder begeben Sie sich in eine ist-mir-doch-egal-Haltung, drängen Sie sich nur weiter ins Aus. Ihre Kollegen werden dann einen weiteren Grund haben Sie zu ignorieren, da man Ihnen keine Verantwortung übertragen kann. Überzeugen Sie die Kollegen vom Gegenteil. Zeigen Sie, dass Sie auch weiterhin verlässlich sind.

  • Unterstützen Sie Ihre Kollegen

    Auch wenn Ihnen nicht danach zumute ist, unterstützen Sie Ihre Kollegen bei der Arbeit. Helfen Sie diesen, wenn sie Probleme haben oder Input brauchen. Damit zeigen Sie, dass Ihnen etwas an den Kollegen und an der Performance im Team liegt. Diese Haltung wird im Team positiv auffallen.

  • Setzen Sie sich auch für das Team ein

    Beteiligen Sie sich an der Organisation von gemeinsamen Aktivitäten. Zeigen Sie, dass Sie gerne dazu gehören würden und bereit sind dafür auch etwas zu tun. Für solche Aktivitäten gibt es immer zu wenig engagierte Organisatoren. Hier bietet sich eine Chance sich zu beteiligen und so Anschluss zu finden.

  • Bewahren Sie sich eine offene Haltung

    Vermitteln Sie Ihren Kollegen auch weiterhin, dass Sie offen für Gespräche und Kontakte sind. Zeigen Sie, dass es Ihnen nicht egal ist, was im Team passiert und wie es Ihren Kollegen geht. Zeigen Sie Interesse an Ihren Kollegen und versuchen Sie es immer wieder mit ein wenig Smalltalk.

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