Auswahlverfahren Uni: Tipps zum Bestehen
Das Abitur in der Tasche, jetzt noch den Studienplatz sichern - und auf geht’s zur Uni. Wenn es nur so einfach wäre! Vor dem Wunschstudienplatz stehen meist die Auswahlverfahren der Universitäten. Und die sind vielfältig: Abiturnote, Wartezeit, Motivation, Eignung. Einige Universitäten testen sogar in einem mehrstufigen Prozess die Qualifikation künftiger Studenten. Mit der Masse der Studierenden steigen auch die Anforderungen für beliebte Studiengänge stetig: Motivationsschreiben werden verlangt, die Allgemeinbildung wird geprüft absolviert, fachspezifische Tests durchgeführt und Auswahlgespräche geführt. Schon der Gedanke an das Auswahlverfahren einer Uni kann ganz schön Angst machen, immerhin steht dabei das Wunschstudium auf dem Spiel. Diese Tipps können Ihnen helfen, das Auswahlverfahren zu bestehen...

Auswahlverfahren Uni: Die letzte Hürde vor dem Studienplatz

Intelligenz, Allgemeinbildung, Persönlichkeit, fachliche Kenntnisse – bei Auswahlverfahren an Universitäten, sogenannten Eignungsfeststellungsverfahren, werden Bewerber auf Herz und Nieren getestet. Doch was erwarten Universitäten sich von dieser Auslese unter potenziellen Studenten?

Aus Sicht der Hochschulen sind sie ein Mittel, um die Abbrecherquote zu senken. Es soll verhindert werden, dass einfach drauf losstudiert wird, ohne zu wissen, worauf man sich einlässt und welches Rüstzeug für das Studium gebraucht wird. Auf der anderen Seite sind Auswahlverfahren natürlich auch ein Weg, um die am besten geeigneten Bewerber für einen Studienplatz herauszufiltern und genau diesen das Studium zu ermöglichen. Dies kann für Studierende in spe ein großer Vorteil sein.

Auswahlverfahren Uni: Wann nimmt man daran teil?

Nicht jeder Abiturient, der sich für ein Studium bewirbt, landet automatisch in einem Auswahlverfahren. Ist ein Studiengang beispielsweise nicht zulassungsbeschränkt, erfolgt in der Regel auch keine vorherige Auswahl. Anders verhält es sich, wenn ein beliebter Studiengang mehr Bewerber anzieht, als Studienplätze zur Verfügung stehen. Normalerweise werden die freien Plätze in diesem Fall nach einem bestimmten Muster vergeben.

  • 20 Prozent der Plätze gehen an Bewerber mit der Abiturbestnote,
  • 20 Prozent an jene mit den meisten Wartesemestern
  • und bei den restlichen 60 Prozent darf die Hochschule nach eigenen Kriterien wählen.

In einem Auswahlverfahren der Uni kann man sich dementsprechend wiederfinden, wenn man nicht durch seine Note oder eine hohe Anzahl an Wartesemestern für einen Studienplatz zugelassen wurde.

Die Vorteile und Kritik von Auswahlverfahren an Universitäten

Nejron Photo/shutterstock.comÜblicherweise spielt bei den übrigen 60 Prozent der Numerus Clausus eine wichtige Rolle. Dieser gibt an, welchen Abiturdurchschnitt der letzte zugelassene Bewerber des vorherigen Semesters vorweisen konnte. Auswahlverfahren gehen über diese eindimensionale Betrachtungsweise hinaus. Es wird der Annahme vorgebeugt, dass jemand, der sein Abitur mit 1,0 abgeschlossen hat, besser für ein Medizinstudium geeignet ist als jemand, der sich jahrelang ehrenamtlich bei den Maltesern engagiert hat, im Abitur allerdings nur eine 2,7 geschafft hat.

Auswahlverfahren können die Bedeutung die Bedeutung der Abinote relativieren und stellen andere Faktoren in den Vordergrund.

Doch genau das ist auch der größte Kritikpunkt an der Auswahl: Manche befürchten, dass sie die Bedeutung des Abiturs untergraben. Aus ihrer Sicht sollten Schulabgänger, die jahrelang auf ihr Ziel hingearbeitet haben, entsprechend honoriert werden. Außerdem sei diese Art, Studienplätze zu vergeben, unfair jenen gegenüber, die unter Prüfungsangst leiden und nicht auf Knopfdruck überzeugen können.

Ob man nun Bestnoten oder die größeren Motivation als ausschlaggebendes Argument betrachtet, bleibt jedem in seiner Meinung selbst überlassen. Fest steht jedoch, dass Auswahlverfahren eine feste Größe an vielen Universitäten sind.

Auswahlverfahren der Hochschulen: Welche Auswahlkriterien sind wichtig?

Es gibt keine bundesweit eindeutigen Auswahlkriterien und nötigen Qualifikationen für die Auswahlverfahren der Hochschulen. Jede Universität kann andere Prioritäten setzen, die die jeweiligen Besonderheiten der Hochschule widerspiegeln. Neben der Abschlussnote, die auch in den weiterführenden Auswahlen berücksichtigt wird, können daher verschiedene Kriterien über die Zulassung entscheiden:

  • Kenntnistests: Hierbei geht es darum, Erlerntes abzufragen. Das können breit angelegte Allgemeinbildungstests oder spezifische Tests wie Sprach- oder Grammatikprüfungen sein.
  • Fachspezifische Tests: In manchen Studiengängen wird im Auswahlverfahren ein sogenannter fachspezifischer Studierfähigkeitstest (beispielsweise Medizinertest) durchgeführt. Dieser soll die Eignung für einen bestimmten Studiengang feststellen.
  • Motivationsschreiben: Warum wollten Sie genau diesen Studiengang und keinen anderen? Und weshalb an ganz genau dieser Universität? Im Motivationsschreiben müsen genau diese Fragen beantwortet werden - und das überzeugend, um sich im besten Fall von den anderen Bewerbern positiv zu unterscheiden.
  • Berufsausbildung. Wer bereits eine Ausbildung gemacht hat, die eng mit dem Wunschstudium verbunden ist, kann in einigen Auswahlverfahren Pluspunkte sammeln und seine Chancen auf einen Platz erhöhen.
  • Auswahlgespräche: In der Regel handelt es sich um ein Gespräch zwischen dem Auswahlkomitee und dem Bewerber. Es dient dazu die soziale Kompetenz, die Motivation, aber auch eine spätere berufliche Eignung festzustellen.

Je nach Hochschule und Studiengang kann ein solches Auswahlverfahren aus einem oder gar allen der oben genannten Teile bestehen.

Klassischerweise führen auch Kunst-, Musik- und Sporthochschulen Auswahlverfahren durch, da davon ausgegangen wird, dass Studierende dieser Fächer von vornherein besondere Talente mitbringen müssen.

Zahlreiche weitere Studiengänge haben inzwischen aber nachgezogen: An der Universität Passau können Lehramtsstudierende freiwillig am "Pädagogen-Parcours" teilnehmen, einem Eignungstest, bei dem die Studierenden mit Aufgaben aus dem Schulalltag konfrontiert werden.

Auswahlverfahren bestehen: So bereiten Sie sich richtig vor

wavebreakmedia/shutterstock.comAuswahlverfahren können eine Möglichkeit sein, einen Platz im begehrten Studiengang zu erhalten - oder die Hoffnungen endgültig zunichte machen, wenn es nicht klappt. Umso wichtiger, sich entsprechend auf die anstehenden Tests oder Gespräche vorzubereiten, um sich hinterher nicht selbst den Vorwurf machen zu können, man hätte sich nicht genügend angestrengt. Diese sechs Tipps können Ihnen dabei helfen, das Auswahlverfahren zu bestehen und sich Ihren Wunschstudienplatz zu sichern.

  1. Die richtige Einstellung

    Sehen Sie das Auswahlverfahren nicht als Druckmittel der Universität, sondern als Chance die eigenen Erwartungen mit den Erwartungen der Uni abzugleichen. Nicht nur die Universität erhält die Chance, nein zu sagen. Auch Sie können sich einen ersten Eindruck von den Professoren und der Hochschule machen und überlegen, ob Sie dort die nächsten drei bis fünf Jahre verbringen wollen.

  2. Die nötige Klarheit

    Solche Tests bieten Ihnen von vornherein Klarheit darüber, was Sie für das Studium können müssen und wo Sie gerade stehen. Wenn Sie genau vor Augen haben, welches Wissen und welche Fähigkeiten Sie brauchen, können Sie gezielt trainieren. Später im Studium werden Sie so nicht überrascht werden von Fähigkeiten, die man von Ihnen verlangt, von denen Sie aber nichts wussten. Vielleicht haben Sie sich die Anforderungen und den Stoff aber auch ganz anders vorgestellt und sind froh, frühzeitig damit konfrontiert zu werden.

  3. Das nützliche Wissen

    Eruieren Sie nicht nur in welchen Bereichen Sie Ihr Wissen vertiefen und welche Fähigkeiten sie mitbringen sollten, sondern beschäftigen Sie sich im Detail mit der Art und Weise wie die Fragen in den Tests aufgebaut sind. Es nimmt Ihnen viel Druck, wenn Sie den Fragetyp am Auswahltag bereits kennen. Viele Hochschulen gehen mit den Auswahlkriterien und Anforderungen im Auswahlverfahren transparent um.

  4. Die entsprechende Motivation

    Viele Hochschulen laden Beispieltests oder Tests aus vergangenen Semestern auf Ihre Websites. Schauen Sie sich diese genau an und üben Sie unter simulierten Testbedingungen. Stoppen Sie die Zeit, und lösen Sie den Test ohne Hilfsmittel. Dies wird Ihnen helfen zu erkennen, in welchen Bereichen Sie ein solides Wissen mitbringen und an welchen Stellen noch gefeilt werden muss

  5. Das hilfreiche Selbstbewusstsein

    Schüchternheit ist in Auswahlgesprächen fehl am Platz. Immerhin ist es Ihr Wunsch, das Auswahlkomitee von Ihren Fähigkeiten und Ihrer Persönlichkeit zu überzeugen. Sie sollen das Gespräch nicht gleich in eine One-Man-Show verwandeln, doch Sie wollen auch im Gedächtnis Ihres Gegenübers bleiben.

  6. Die verbissene Hartnäckigkeit

    Beim ersten Mal werden Sie mit Sicherheit aufgeregt und vielleicht sogar etwas überfordert sein. Hinterher fallen einem immer die besten Antworten auf die Fragen des Komitees ein. Lassen Sie sich davon nicht beunruhigen oder einschüchtern, sondern versuchen Sie es noch einmal. Vielleicht können Sie sich auf ein ähnliches Studium bewerben, von dem Sie in einem späteren Semester wechseln können.

Auswahlverfahren Uni: Was tun, wenn es nicht geklappt hat?

Sie haben sich so sehr angestrengt, monatelang an einem Motivationsschreiben getüftelt und für den Test gebüffelt – und trotzdem den Studienplatz nicht bekommen. Eine solche Erfahrung ist sehr frustrierend. Im ersten Moment fühlt es sich an, als würde die Welt zusammenbrechen.

Im Auswahlverfahren nicht berücksichtigt zu werden, muss allerdings nicht heißen, dass Sie Ihr Traumstudium nicht aufnehmen können. Nehmen Sie sich nach dem ersten Frust die Zeit, die Lage zu analysieren:

  • Haben Sie vielleicht Chancen an einer anderen Universität?
  • Woran hat es gehakt?
  • Haben Sie sich falsch eingeschätzt?

Mit dem Wissen lässt sich das nächste Auswahlverfahren umso besser vorbereitet angehen - und bestehen.

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[Bildnachweis: wavebreakmedia, Nejron Photo by Shutterstock.com]