Bachelorarbeit Umfrage: Gestaltung, Aufbau, Auswertung

Ein Gastbeitrag von Robert Grünwald

Zahlreiche Studenten oder Wissenschaftlicher wollen heute eine empirische Umfrage in ihrer Abschlussarbeit oder für eine Forschungsarbeit durchführen. Insbesondere bei stark theoretischen oder komplexen Themengebieten bietet es sich an, zum Beispiel mithilfe einer Bachelorarbeit Umfrage praxisnahe Erkenntnisse einfließen zu lassen. Erstellung und Durchführung einer solchen empirischen Umfrage stellen aber so manchen vor ein Problem: Wie mache ich das eigentlich? Wie kann ich ein breites Meinungsbild einholen und auswerten? Und wie komme ich überhaupt an genug Stimmen? Der folgende Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie eine solche Umfrage gestalten, aufbauen, durchführen und auswerten können...

Wissenschaftliche Umfrage: Gestaltung, Aufbau, Auswertung

Checkliste Umfrage: Gestaltung, Aufbau, AuswertungSo eine wissenschaftliche Umfrage ist auf den erstes Blick wahrlich leichtes Unterfangen – aber eine lösbare Aufgabe.

Die folgenden Tipps helfen Ihnen, typische Fehlerquellen bei der Datenerhebung zu umgehen und die Umfrage optimal auszuwerten:

  1. Forschungsfrage absichern

    Schon die Formulierung der Forschungsfrage entscheidet über Erfolg und Misserfolg einer solchen Feldstudie. Mit einer zu allgemein gehaltenen Fragestellung programmieren Sie Ihr Scheitern, da die Studie so niemals der notwendigen Komplexität der statistischen Erfassung und Auswertung gerecht werden kann.

    Beschränken Sie sich vielmehr auf einen in der Literatur noch nicht behandelten Teilaspekt und fokussieren Sie sich genau auf die erwarteten Ergebnisse. Vermeiden Sie widersprüchliche oder tendenziöse Fragen und nebulöse Konzepte.

    Schaffen Sie zudem durch eine umfassende Recherche der einschlägigen Veröffentlichungen rund um Ihre Fragestellung ein solides Fundament für die Umfrage. Setzen Sie dabei auf referenzierte Quellen aus Primär- und Sekundärliteratur und tagesaktuelle Online-Datenbanken. Fremdzitate und sogenannte graue Literatur sind tabu.

  2. Forschungsdesign entwickeln

    Im Rahmen der Festlegung des Forschungsdesigns bestimmen Sie die Vorgehensweise für die Erhebung. Sie legen unter anderem fest, mit welcher Methodik, an welchen Objekten und mit wie vielen Durchläufen die Untersuchung erfolgen soll, um Ihre Forschungsfrage beantworten zu können.

    Werden Sie sich in diesem Zusammenhang auch darüber klar, welche Erhebungsart Sie praktizieren wollen. Ob Sie Ihre Ziele besser mit einer mündlichen oder mit einer schriftlichen Befragung erreichen, hängt unter anderem von den Inhalten, der erstrebten Geltungsbreite der Ergebnisse, der Bedeutung von sozialen Zugehörigkeiten oder individuellen Merkmalen der befragten Personen und natürlich Ihren finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten ab.

    Insbesondere unter dem letzten Gesichtspunkt ist der Fragebogenmethode sicher der Vorzug zu geben, vor allem, wenn Interviews zu keinen nennenswerten Abweichungen hinsichtlich der Resultate führen. Bei Interviews wiederum ist zu klären, ob Sie Interviews mit Teilnehmern oder Experten führen. Experteninterviews eignen sich immer dann, wenn Sie zu einer noch relativ unbekannten Fragestellung Erkenntnisse gewinnen möchten.

    Konkret sollten Sie bei der Entwicklung eines Forschungsdesigns wie folgt vorgehen:

    • Entwicklung einer Hypothese: Annahme über die Ergebnisse, die Sie erhalten – diese Hypothese können Sie zum Beispiel aus dem Studium von Fachliteratur gewinnen.
    • Erstellung eines Beobachtungsplans

      • Was soll beobachtet werden?
      • Von wem soll es beobachtet werden?
      • Wann soll es beobachtet werden?
      • Wie soll es beobachtet werden?
    • Festlegung der Beobachtungseinheiten, Variablen und Indikatoren

      • Beobachtungseinheiten: Personengruppen oder Gegenstände
      • Variable: zum Beispiel Kundenzufriedenheit
      • Indikator: zum Beispiel Kundenzufriedenheit über die Anzahl der Wiederkäufe
    • Durchführung eines Pre-Tests

      • Funktioniert der Fragebogen?
      • Wird er verstanden?
      • Gibt es Interpretationsprobleme?
    • Nachbesserungen (optional)

    Nach der Festlegung des Forschungsdesigns folgt schließlich die Durchführung der Beobachtung, also die eigentliche Befragung sowie anschließende Auswertung der Ergebnisse und die Präsentation derselben.

  3. Umfrageelemente beachten

    Eine Umfrage hat klassische Elemente, die Sie bei jeder Umfrage berücksichtigen sollten. Dabei müssen Sie sich immer fragen, was sie erreichen wollen und wieviel Zeit sie dem Partner zur Beantwortung geben.

    Bedenken Sie dabei: je schneller die Umfrage zu beantworten ist und je weniger Fragen auftauchen, je mehr Antworten werden Sie erhalten. Aus folgenden Elementen besteht nun eine gängige Umfrage:

    • Einleitung

      Hier wird beantwortet, warum die Umfrage gemacht wird und was Ziel der Umfrage ist. Auch der Verfasser der Umfrage sollte sich kurz vorstellen und Informationen über den Kreis der Befragten sollten gegeben werden (Warum wurde gerade ich ausgewählt?). Wichtig ist, gleich zu Beginn anzugeben, wieviel Zeit in die Umfrage beansprucht. Ebenso gehört ein Hinweis in die Einleitung, dass die Daten vertraulich behandelt werden.

    • Hauptteil

      Hier erscheinen die eigentlichen Fragen. Diese sollten in sinnvolle Themenblöcke aufgeteilt werden und mit verschiedenen Fragearten sollte die Meinung des Teilnehmers in Erfahrung gebracht werden. Üblicherweise unterscheidet man hier Multiple-Choice-Fragen, Bewertungsfragen (hier empfiehlt sich eine Skala von 1 bis 5 oder 1 bis 10) und offene Fragen. Dabei empfiehlt es sich, Fragen mit Hinweistexten zu nutzen, die zum Beispiel lauten: "Bitte beantworten Sie alle Fragen" oder "Mehrfachantworten sind möglich".

    • Schluss

      Üblicherweise endet ein Fragebogen mit demografischen Fragen zu Alter, Herkunft und Geschlecht des Teilnehmers sowie der Frage, ob Interesse an dem Ergebnis der Umfrage besteht. Ganz zum Schluss steht natürlich der Dank für die Teilnahme – eventuell verstärkt mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Auch ein Feld für Kommentierungen und ein Freiraum für Bemerkungen ist an dieser Stelle sinnvoll und wird von den Befragten als Wertschätzung empfunden.

  4. Fragebögen gestalten

    Das gängigste Instrument für quantitative Datenerhebungen ist der Fragebogen. Bei Interviews oder Expertenbefragungen wird es eher ein Interviewleitfaden sein. Bei der Konzeption von Fragebögen sind einige Grundregeln zu beachten:

    • Fragen so konkret wie möglich formulieren, um nachvollziehbare und belastbare Angaben zu erhalten.
    • Fragebogen kurz fassen, alle Aspekte der Fragestellung abdecken, aber inhaltliche Überschneidungen vermeiden. 20 bis 40 Fragen sind ideal.
    • Gut verständliche Ausfüllanleitung für die Teilnehmer beifügen.
    • Im Hinblick auf die spätere Auswertung verwendete Begriffe und Kategorien operationalisieren (messbar machen), etwa durch Skalenwerte (1 = trifft gar nicht zu bis 5 = trifft uneingeschränkt zu).

    Online-Tools für Umfragen

    Online-Tools für UmfragenIm Internet gibt es inzwischen zahlreiche Online-Tools mit deren Hilfe Sie kostengünstig und schnell eine Umfrage gestalten und dann einen Link generieren können, den sie zur Beantwortung versenden. Das ist deutlich einfacher, als wenn Sie Fragebögen per Post verschicken.

    Auch die Beantwortung fällt heute vielen leichter, weil eine mühsame Rücksendung entfällt. Die Tools bieten häufig sogar Möglichkeiten einer Datenauswertung und Datenpräsentation.

    Nachfolgend daher eine kleine Auswahl mit nützlichen Umfrage-Tools:

    • 2ask: Umfangreiches Tool mit mehr als 60 Fragetypen zur Gestaltung von Fragebögen, verschiedene Charttypen mit Excel/CSV-Schnittstelle für die Auswertung verfügbar. Unterschiedliche Preismodelle.
    • Findmind: Solides Schweizer Tool zur Durchführung von Befragungen. Einfach, aber gut gestaltet. Grundlegende Auswertungsmöglichkeiten, die für die meisten Befragungen reichen, sind enthalten. Schöne Charts. Auch in der kostenlosen Version schon gut verwendbar.
    • Q-Set: Erstellung von kostenlosen Umfragen (mit Werbeeinblendungen, ohne Werbung kostenpflichtig) mit vielfältigen Individualisierungsmöglichkeiten. Chartdarstellungen stark Excel-geprägt. SPSS-Export vorhanden. Im kostenlosen Paket sind Auswertungen von 2000 beantworteten Fragen enthalten.
    • SoSci: Deutsches Softwarepaket mit deutschen Servern zur Erstellung von Fragebögen auf der Basis von rund 30 Fragetypen. Schnittstelle zu Excel, SPSS und GNU R vorhanden. Nutzung als Cloud-Lösung oder durch lokale Installation der Software möglich. Standardpakete beinhalten bis zu 5000 Teilnehmer. Unterschiedliche Preispakete, für wissenschaftliche Nutzungen kostenlos ohne Einschränkung des Funktionsumfangs.
    • Survio: Kostenloses Online-Tool zur Gestaltung von Umfragen mit einem Schwerpunkt auf Marktforschung, Kundenzufriedenheit und Mitarbeiterbeurteilung.
    • SurveyMonkey: Tool zur Durchführung von Befragungen in den Feldern Kundenzufriedenheit, Marktforschung, Veranstaltungsplanung, Bildung und Schule sowie Mitarbeiter und HR. Pro-Registrierung und kostenlose Registrierung für eine intuitive Umfrage-Plattform verfügbar.
  5. Befragung durchführen

    Je nachdem für welche Methodik Sie sich bei der Durchführung entschieden haben, erfolgt auch die Befragung unterschiedlich.

    Wählen Sie eine mündliche Befragung, ist es von Vorteil einen Anlass zu haben, auf den Sie aufsetzen können. Bei Autohäusern ist das zum Beispiel oft der letzte Werkstattbesuch – um ein einfaches Beispiel zu geben. Bei Experteninterviews müssen Sie gezielt die Experten auswählen, was eine umfassende Kenntnis zum Thema voraussetzt. Die Frage, die Sie bei der Auswahl der Experten treiben sollte ist: Was kann der Experte zu der Fragestellung sagen und was macht ihn zum Experten?

    Bei einer schriftlichen Befragung können Sie die Zielgruppe detaillierter auswählen, zum Beispiel nach soziodemografischen Merkmalen. Auch die Inhalte des Fragebogens sind dann häufig spezifischer, als bei einer mündlichen Befragung.

    Damit die Anzahl der Rückläufer bei einer schriftlichen Befragung möglichst hoch ist, bedarf es einer geschickten Lockstrategie: Optisch ansprechend gestaltete, gerne mit einem speziellen Logo versehene Werbung auf der eigenen Website oder mit Aushängen, in sozialen Netzwerken sowie mündliche Ansprache geeigneter Zielpersonen bei allen kommunikativen Anlässen helfen hier weiter. Auch die Einbindung Ihres Betreuers oder des Unternehmens ist eine wichtige Möglichkeit, Interessenten für die Umfrage zu gewinnen.

    Wichtig is es dabei, mit engagiertem Auftreten Interesse zu wecken und eine klare Teilnahmefrist vorzugeben. Auch eine kleine Aufmerksamkeit oder ein Gutschein kann Teilnehmer bewegen, an der Umfrage teilzunehmen. Alternativ können Sie den Teilnehmer offerieren, dass diese die Ergebnisse der Studie zugestellt bekommen beziehungsweise bei weiterführenden Studien bevorzugt berücksichtigt werden.

  6. Umfrage auswerten

    Daten präsentieren, Entscheidungen statistisch legitimieren - das kommt jetzt. Wenn Sie nach abgeschlossener Umfrage die Auswertung und Analyse der gesammelten Informationen angehen, lassen Sie bitte stets statistische Sorgfalt walten. Schließlich können Sie erst durch eine methodisch saubere Auswertung der Umfrage eine entscheidungstaugliche statistische Qualität erhalten.

    In Abhängigkeit der Fragestellung kommen vor allem folgende Auswertungsvarianten in Betracht:

    • Variablen-(Merkmals-)Beziehungen

      Hier geht es darum, herauszufinden, wie inhaltlich korrespondierende Merkmale miteinander in Verbindung stehen. Dadurch kann die Zulässigkeit von Kombinationen überprüft werden. Achten Sie vor allem darauf, dass das zu prüfende Zielmerkmal als Attribut des Basismerkmals definiert ist und das Zielmerkmal in einer hierarchischen Beziehung zum Basismerkmal steht.

    • Faktorenanalyse

      Hier werden voneinander unabhängige Merkmalsgruppen nach dem Kriterium ihrer jeweiligen korrelativen Beziehungen untersucht mit dem Ziel, den Wirkungszusammenhang zwischen zwei oder mehreren Variablen (Merkmalen) zu erforschen.

      Man unterscheidet hier abhängige und unabhängige Variablen. Der (Rechen-)Aufwand für die Durchführung solcher Faktorenanalysen ist hoch. Das Statistikprogramm "R" ist zum Beispiel ein gutes Programm das genutzt werden kann, um diese durchzuführen. Im Rahmen der Faktorenanalyse muss hierzu zunächst eine Korrelationsmatrix erstellt werden, die die Beziehungen zwischen den Variablen (ausgedrückt im Korrelationskoeffizienten) darstellt.

    • Typisierungsverfahren

      Bei diesen Verfahren erfolgt eine Klassifizierung von Personen, Situationen, Umständen anhand bestimmter Eigenschaften, meist mithilfe der Clusteranalyse.

      Grundidee der Clusteranalyse ist es, eine heterogene Anzahl von Personen oder Objekten in homogene Gruppen (sogenannte Cluster) aufzuteilen und dann die Ähnlichkeit der Fälle in Bezug auf die definierten Variablen zu bestimmen.

      Es gilt, das richtige Ähnlichkeitsmaß zu bestimmen. Anschließend wird der Fusionierungsalgorithmus umgesetzt und die Clusteranzahl bestimmt. Eine geringe Clusterzahl spricht dabei für eine gute Handhabung, eine hohe Clusterzahl für eine hohe Güte der Lösung. Abschließend erfolgt eine Interpretation der Cluster sowie eine Überprüfung der Güte.

      Gerade die Überprüfung der Güte ist von zentraler Bedeutung, da sie für die Qualität der Ergebnisse steht. Mit SPSS können zum Beispiel Clusteranalysen durchgeführt werden.

    Methodische Präzision und Ergebnisqualität stehen in unmittelbarem Zusammenhang. Spätestens wenn der mit der Erhebung bezweckte Erkenntnisgewinn in zielführende Maßnahmen umgesetzt werden soll, wird sich erweisen, wie wertvoll es war, dass im Anschluss an die Umfrage Auswertung, Analyse und Ergebnisaufbereitung nach professionellen Standards vorgenommen wurden.

Über den Autor

Robert Grünwald ist Inhaber der Novustat Statistik-Beratung. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden in allen statistischen Belangen, wenn diese eine Umfrage auswerten möchten. Typische Projekte von Umfrage-Auswertungen sind Mitarbeiterumfragen oder Kundenbefragungen.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]