Nur eine Sache ist schlimmer als schlechte Nachrichten überbringen zu müssen: schlechte Nachrichten zu spät zu überbringen. Nichts hassen Chefs mehr, als von einem Eisberg zu erfahren, wenn das Schiff schon halb voll gelaufen ist.
Trotzdem bleibt das Eingeständnis, dass der eigene Laden, die eigene Abteilung, das vielversprechende Projekt alles andere als rund läuft und man sein Budget leider überziehen wird, ein schwieriger Balanceakt. In der Antike verlor der Überbringer schlechter Nachrichten nicht selten seinen Kopf. Unsere Zivilisation ist da heute glücklicherweise weiter. Die Karriere kann dadurch allerdings nach wie vor Schlagseite bekommen. Deshalb sollte jeder rechtzeitig lernen, wie man auch Unrühmliches berichtet.
Dabei gilt es zunächst einige Kardinalfehler zu vermeiden: Fatal wäre, das Problem zu ignorieren, Motto: Alles halb so schlimm und morgen ist auch noch ein Tag. So entstehen Katastrophen! Darüber hinaus verhalten sich die meisten Probleme wie Krebs: Sie sind heilbar, wenn man sie früh genug erkennt und etwas dagegen unternimmt. Und – wie oben bereits erwähnt: Wer schlechte Nachrichten vertuscht, düpiert damit nicht zuletzt seinen Boss. Früher oder später kommt die Sache ans Licht, und dann sieht man nicht nur selbst wie ein Trottel aus – auch der Chef wirkt, als hätte er seinen Laden nicht im Griff. Ersteres verzeiht er vielleicht noch, letzteres sicher nicht.
Schlechte Nachrichten überbringen
Deshalb, daher und darum: Machen Sie auf Probleme rechtzeitig aufmerksam. Am besten so:
- Halten Sie alle Fakten parat: Hintergründe, Ursachen, wie es dazu kommen konnte. Berichten Sie sachlich, ohne Ausflüchte oder Relativierungen. Einfach: So ist es.
- Versuchen Sie nichts schönzureden oder sich zu verteidigen. Oder noch schlimmer: andere dafür verantwortlich machen. Egal, welche Rolle Sie im Team spielen: Beweisen Sie Rückgrat! Wenn Sie der Überbringer der Nachricht sind, sollten Sie auch der Verantwortliche dafür sein – also auch dafür gerade stehen. Einzig zulässig ist die Formulierung im “Wir”-Modus: Wir haben nicht geschafft, dass… Tabu ist dagegen jede Formulierung mit “man” – zu distanziert.
- Beherrschen Sie Ihre Emotionen. Es kann vorkommen, dass Ihr Chef anschließend für fünf Minuten unter der Decke kreist und seinen Frust auch für die Stockwerte darunter hörbar ventiliert. Halten Sie das aus. Egal, wie die Sache ausgeht: Er wird Sie allein wegen dieser Standhaftigkeit schätzen.
- Bieten Sie zugleich eine Lösung an. Zumindest aber einen Weg, um die Talfahrt zu stoppen. Versuchen Sie aber bitte nie, schlechte Nachrichten mit ein paar guten in Watte zu packen. Erstens durchschauen Chefs das Manöver, zweitens verbrennen Sie damit meist auch die guten Ergebnisse.
Schlechte Nachrichten empfangen
Schlechte Nachrichten zu empfangen, ist aber auch kein Vergnügen. Dafür lässt es sich lernen:
- Bleiben Sie ruhig. Schreien verschafft zwar Luft, löst aber das Problem nicht. Zudem ist es so: Wenn Sie erst einmal dafür verschrien sind, jedes Mal aus der Haut zu fahren und Rumpelstilzchen Konkurrenz zu machen, wenn Ihnen einer einen Fehler gesteht, werden sich die Leute genau das irgendwann nicht mehr trauen. Die Folge: Verschleppung, Vertuschung, Versenkung.
- Verschaffen Sie sich sofort einen genauen Überblick: Wer, was, wann, wo, warum? Analysieren Sie das Problem, erstellen Sie einen Notfallplan (der freilich besser bereits existiert) und handeln Sie!
- Geben Sie die Informationen sofort an Ihren Boss weiter, je nachdem wie groß das Dilemma ist. Denn auch der will die Dinge zuerst von Ihnen und nicht aus den Medien hören. Wie das geht, wissen Sie ja jetzt…







ThomasSchmidtMuc
Manager sollten eine Atmosphäre schaffen und pflegen, die dazu einlädt, Probleme anzusprechen. Zum Beispiel in dem Verbesserungen oder Problemllösungen höher bewertet werden als Fehler.